Durchfall bei Kaninchen (Diarrhö) This article is verified by a vet

Durchfall kann für Kaninchen gefährlich werden.

Kaninchenkot sollte rund, fest und ein bisschen feucht sein.

Kaninchenköttel sind durch ihre typische runde Form schnell zu erkennen. Wird der Kot Ihres Kaninchens plötzlich flüssiger oder färbt er sich von dunkelbraun zu rot, hat es Durchfall (Diarrhö). Da Durchfall bei Kaninchen zu schwerwiegenden Folgen führen kann, sollten Sie wissen, wann Sie zum Tierarzt müssen.

Wie gefährlich ist Durchfall bei Kaninchen?

In der Regel kann Durchfall bei Kaninchen gut behandelt werden. Hat Ihr Kaninchen aber zu viel Wasser und Salze verloren, kann es einen lebensgefährlichen Schockzustand erleiden. In diesem Fall ist es wichtig, Ihr Kaninchen schleunigst von einem Tierarzt untersuchen und behandeln zu lassen.

Symptomatik: Welche Anzeichen treten auf?

Das klinische Bild von Durchfall bei Kaninchen unterscheidet sich nur wenig von dem bei Menschen. Zu den häufigsten Anzeichen zählen:

  • Die Konsistenz des Kots verändert sich von fest zu flüssig bis schmierig.
  • Die Köttel werden kleiner, haften aneinander und bilden sogenannte „Köttelketten“.
  • Eventuell können Sie Beimengungen wie Schleim oder Blut erkennen.
  • Unangenehmer Geruch kann ein weiteres Zeichen für Durchfall sein.
  • Ihr Kaninchen ist müde, frisst weniger und verliert Gewicht.
  • Bauchweh erkennen Sie gegebenenfalls an Zähneknirschen und Trommeln mit den Pfoten.

Diarrhö führt dazu, dass Wasser und Elektrolyte wie Natrium verloren gehen. Das bringt den Elektrolythaushalt ins Schwanken. Tritt der Durchfall bei Kaninchen besonders stark oder langfristig (chronisch) auf, kann es daher dazu kommen, dass sich der Kreislaufzustand Ihres Kaninchens drastisch verschlechtert.

Wann muss ich zum Tierarzt?

Zeigt Ihr Kaninchen bei Durchfall folgende Anzeichen für einen Schock, sollten Sie es so schnell wie möglich von einem Tierarzt behandeln lassen:

  • Ihr Kaninchen liegt reglos auf einer Stelle und lässt sich zum Bewegen nicht motivieren.
  • Die Ohren und Pfoten fühlen sich sehr kalt an.
  • Die Schleimhäute im Maul sind blass.

Damit der Tierarzt die Ursache für den Durchfall bei Ihrem Kaninchen schnellstmöglich herausfinden kann, benötigt er Kotproben. Sammeln Sie daher wenn möglich mehrere Kotspuren und bringen Sie diese bereits zur ersten Vorstellung mit. So kann der Tierarzt die Kotsammelproben zum Beispiel auf Bakterien, Hefen und Parasiten untersuchen.

Therapie: Wie wird Durchfall bei Kaninchen behandelt?

Hat Ihr Kaninchen nur milden Durchfall, benötigt es meist keine umfängliche Therapie. Am wichtigsten ist es, dass Ihr Kaninchen seinen Wasserhaushalt ausgleicht. Um Ihr Kaninchen zum Trinken zu motivieren, können Sie eine mit Wasser gefüllte Spritze zu Hilfe nehmen.

Um Ihr Kaninchen bei Durchfall weiterhin zu stärken, kann der Tierarzt außerdem Vitamine und Elektrolyte und Medikamente für eine bessere Darmflora verschreiben. Konnte der Tierarzt mit Hilfe einer Kotuntersuchung außerdem feststellen, dass der Durchfall bei Kaninchen durch Infektionen hervorgerufen wurde, benötigt Ihr Liebling dementsprechend Antibiotika oder eine Wurmkur.

Und Vorsicht: Reinigen Sie unbedingt den mit Kot verdreckten Stall und das Fell Ihres Kaninchens, da Fliegen gerne ihre Eier in den Kot von Kaninchen ablegen. Innerhalb kürzester Zeit schlüpfen die Fliegenmaden und beißen sich im schlimmsten Fall durch die Haut Ihres Kaninchens.

Kaninchen bekommWasser mit einer Pipette.
Kaninchen mit Durchfall müssen viel Wasser aufnehmen.

Notfalltherapie

Ist Ihr Kaninchen aufgrund des Durchfalls bereits bewusstlos oder kann sich nicht mehr auf den eigenen Beinen halten, braucht es eine sofortige Notfalltherapie. In diesem Fall spritzt der Tierarzt Ihrem Langohr Flüssigkeit und Elektrolyte per Infusion direkt in die Venen oder unter die Haut, um den Flüssigkeitsverlust zu verringern.

Ursachen: Was sind die Auslöser für Durchfall bei Kaninchen?

Es gibt viele Ursachen, die zu Durchfall bei Kaninchen führen können. Manche lösen aber erst dann Durchfall aus, wenn das Immunsystem durch Stress oder andere Grunderkrankungen geschwächt ist.

Die folgende Tabelle teilt die Auslöser für Diarrhö in infektiöse und nicht-infektiöse Ursachen ein:

Infektiöse Ursachen

Nicht-Infektiöse Ursachen

Darmparasiten (Fadenwürmer, Kokzidien, Giardien) Futterunverträglichkeiten, zu schnelle Futterumstellung, Aufnahme unverdaulicher Gegenstände (z.B. Streu oder Plastikteile) oder stark gärendem Futter mit hohem Zuckeranteil.
Viruserkrankungen (Coronaviren, Rotaviren) Aufnahme von pflanzlichen Giften (z.B. Oleander) oder Medikamenten
bakterielle Darminfektionen Stress durch Neuzugänge oder viel Lärm
Hefen Zahnprobleme

Vorbeugung: Wie können Kaninchen vor Durchfall geschützt werden?

Meist kommt es zu Durchfall bei Kaninchen, wenn sie falsches oder schlechtes Futter gefressen haben. Obwohl Kaninchen gerne frisches Obst und Gemüse fressen, dürfen sie nicht zu viel davon bekommen.

Der Grund: Sie können Zucker und Stärke nicht gut verdauen. Reichen Sie daher mehr Heu und hochwertiges Grünfutter, um Durchfall bei Kaninchen vorzubeugen. Achten Sie neben einer ausgewogenen Ernährung immer darauf, dass Ihr Langohr jederzeit freien Zugang zu frischem Trinkwasser hat.

Um das Risiko von Infektionskrankheiten zu reduzieren, sollten Sie außerdem auf eine gute Stallhygiene achten. Wechseln Sie das Streu regelmäßig und reinigen Sie den Käfig mit Desinfektionsmitteln oder heißem Wasser. Neuzugänge sollten die erste Zeit vorerst in Quarantäne verbringen.


Franziska Gütgemann, Tierärztin
Franziska Gütgemann

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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