Kokzidien beim Kaninchen

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Kokzidien sind wirtsspezifische Parasiten, die bei vielen Kaninchen latent vorhanden sind. Bei jungen, alten oder immunschwachen Kaninchen können sie zur so genannten Kokzidiose führen, einer parasitären Erkrankung, die bei Nichtbehandlung lebensgefährlich sein kann. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Kaninchen vor den Parasiten schützen und wie Sie die Krankheit im Falle eines Ausbruchs erkennen und behandeln können.

Was sind Kokzidien?

Kokzidien sind Parasiten, die speziell Kaninchen befallen. Viele Kaninchen tragen die einzelligen Parasiten in sich, ohne jedoch an einer Kokzidiose zu erkranken. Zum Ausbruch dieser parasitären Erkrankung kommt es insbesondere bei jungen oder sehr alten Tieren, deren Immunsystem den Erregern wenig entgegen zu setzen hat. Auch in Stresssituationen oder in Folge einer anderen Erkrankung, die das Immunsystem geschwächt haben, können sich die Kokzidien plötzlich stark vermehren und das Kaninchen kann Symptome einer Kokzidiose zeigen.

Wo stecken sich Kaninchen mit Kokzidien an?

Viele Kaninchen aus Massenzuchten, die im Zoohandel oder in Kleintiermärkten zu günstigen Preisen angeboten werden, haben sich bereits als Jungtier mit Kokzidien infiziert. Durch den engen Kontakt zu anderen infizierten Kaninchen, häufig verbunden mit einer unzureichenden Hygiene, haben die Parasiten hier leichtes Spiel. Infizierte Tiere scheiden die Kokzidien mit dem Kot aus und verunreinigen damit den Boden. Offene Wasserbehälter oder Futter, das auf dem Boden liegt, wird so kontaminiert und die Erreger finden damit den Weg in neue Träger-Kaninchen. Auch der Kontakt zu Wildkaninchen oder das freie Herumlaufen und Fressen auf einer Wiese, auf der auch ab und zu Wildkaninchen hoppeln, reicht den robusten Kokzidien als Übertragungsweg.

Zwei Hauptgruppen der Kokzidiose

Insgesamt sind mehr als 28 verschiedene Kokzidienarten bekannt, die je nach Gattung zu einer Leber- oder Darmkokzidiose führen können. Während die Leberkokzidiose vor allem ältere Tiere trifft, kommt die Darmkokzidiose in der Regel bei Jungtieren im Alter von 6-8 Wochen vor.

  • Bei der Leberkokzidiose, auch Gallengangskokzidiose genannt, gelangen Kokzidien der Gattung Eimeria stiedae mit Hilfe des Blutes vom Darm in die Leber. Entzündete Abszesse bilden sich auf der Oberfläche und im Gewebe von Leber und Gallengängen und können bei einem schweren Befall und bei ausbleibender Behandlung binnen weniger Tage zum Tod des Kaninchens führen.
  • Bei der Darmkokzidiose führt der Kokzidien-Befall zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Betroffene Kaninchen können die Nahrung nicht mehr richtig verarbeiten, es kommt zu Verdauungsstörungen (meist Durchfall), die im schlimmsten Fall ebenfalls zu einer lebensbedrohlichen Austrocknung (Exsikkose) führen können.

Ursachen: Wie kommt es zu einer Kokzidiose?

Warum entwickeln die Kokzidien bei manchen Kaninchen eine gefährliche Kokzidiose, während sie bei anderen augenscheinlich völlig symptomfrei bleiben? So sind zum Beispiel Wildkaninchen besonders häufig mit Kokzidien infiziert, ohne dass sie Krankheitsanzeichen einer Kokzidiose zeigen. Werden Wildkaninchen also besser mit den parasitären Erregern fertig als die Hauskaninchen im eigenen Garten oder Wohnzimmer?

Stress und einseitige Ernährung

Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die Ursachen der Kokzidiose. So lässt sich der Ausbruch der Krankheit sehr häufig auf Stress zurückführen. Dieser wird in der Regel durch Bewegungsmangel aufgrund eines zu kleinen Käfigs oder durch mangelnden sozialen Kontakt, etwa durch eine Einzelhaltung oder durch eine unharmonische Kaninchengruppe ausgelöst. Auch ein nicht artgerechter Umgang mit den Langohren, zum Beispiel sehr häufiges Hochnehmen und Herumtragen der Kaninchen, können Stress auslösen und damit den natürlichen Abwehrmechanismus gegen Erreger schwächen. In den meisten Fällen kommt eine falsche Ernährung der Kaninchen hinzu, die einen ebenso entscheidenden Einfluss auf das körpereigene Immunsystem hat. Eine nicht ausgewogene und einseitige Fütterung, etwa mangelndes Grünfutter, zu viel Trockenfutter (Pellets, Mischfutter) oder zu viel Obst führt zu einem Ungleichgewicht im Kaninchen-Darm und fördert die Ausbreitung gefährlicher Kokzidien.

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Hygienemangel und schlechtes Stallklima

Auch eine mangelnde Hygiene kann wie bereits erwähnt die Ausbreitung von Kokzidien verstärken. Ställe, die nur selten ausgemistet werden, Kot- und Pipi-Ecken, die zu wenig gereinigt werden und Futter, das tagelang offen herumliegt und nicht durch frisches Heu oder Grünzeug ersetzt wird, bietet einen idealen Nährboden für die Erreger. Wohl fühlen sich die Parasiten auch in Kaninchenställen, in denen es feucht und warm ist. Besonders in schlammigen, wenig bewachsenen und erdigen Bereichen können sich Kokzidien explosionsartig vermehren.

Auch Krankheiten oder Wachstumsschübe schwächen das Immunsystem

Eine artgerechte Haltung, eine ausgewogene Ernährung, wenig Stress und eine regelmäßige und gründliche Reinigung des Kaninchengeheges kann die Ausbreitung von Kokzidien also verhindern. Ein Garant für ein Kokzidien-freies Leben ist sie jedoch nicht. Denn auch Krankheiten oder Wachstumsschübe, die das Immunsystem kurzzeitig schwächen, können eine Kokzidiose auslösen.

Symptome: Woran erkenne ich eine Kokzidiose?

Wie bei vielen Krankheiten gilt auch für die Kokzidiose der Grundsatz: Je früher sie erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Leider ist das Erkennen von Krankheiten bei Kaninchen gar nicht so einfach, denn unsere flauschigen Langohren neigen dazu, still vor sich hin zu leiden und Beschwerden lange zu verheimlichen. Um eine Kokzidiose frühzeitig zu erkennen, müssen Sie also ganz genau hinschauen und Ihre Kaninchen am besten täglich beobachten. Folgende Symptome können Hinweise auf eine Kokzidiose sein:

  • Fressunlust (schlechte Futteraufnahme bis hin zur vollständigen Futterverweigerung in schweren Fällen)
  • Gewichtsverlust bis hin zur Abmagerung
  • Aufgedunsener/aufgeblähter Bauch
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Unförmiger, matschiger Kot
  • Vermehrt herumliegender Blinddarmkot
  • Übel riechende Aufgasungen
  • Stumpfes Fell (v.a. bei Leberkokzidiose)
  • Schlechtes Allgemeinbefinden (z.B. geschwächtes, antriebloses Kaninchen)
  • In schweren Fällen Apathie, vereinzelt auch Lähmungen, Krämpfe sowie Ausflüsse aus Maul und Nase möglich
Kaninchen im grass

Diagnose: Woher weiß ich, dass es sich wirklich um eine Kokzidiose handelt?

Wenn Sie ein oder mehrere der genannten Symptome bei Ihrem Kaninchen beobachten, sollten Sie es so bald wie möglich von einem Tierarzt untersuchen lassen. Eine gesicherte Diagnose, dass es sich wirklich um eine Kokzidiose handelt, bekommen Sie nur vom Veterinär, der mit Hilfe einer Kotprobe mögliche Kokzidien nachweisen kann. Gleichzeitig kann der Tierarzt andere Erkrankungen ausschließen, die zum Teil ähnliche Symptome anzeigen wie die hier beschriebene Kokzidiose. Wichtig ist, dass Sie den Kot des Kaninchens zwei oder drei Tage einsammeln, bevor Sie ihn zum Tierarzt bringen. Kokzidien werden nicht mit jedem Köttel ausgeschieden. Eine gesicherte Diagnose gibt es also erst durch eine Sammelkotprobe.

Therapie: Gibt es Medikamente gegen Kokzidiose?

Konnte der Tierarzt Kokzidien im Kot nachweisen, wird er ein Medikament verschreiben, das Sie Ihrem Kaninchen direkt in einem bestimmten Rhythmus verabreichen müssen. Sehr verbreitet ist der Wirkstoff Toltrazuril, etwas weniger bekannt ist der Wirkstoff Diclzuril. Weitere Wirkstoffe gegen Kokzidien sind Sulfamethoxypyrazin, Sulfathiazol, Sulfaquinoxalin oder Sulfadimethoxin. Sollte das Kaninchen bereits stark abgemagert sein oder viel Flüssigkeit verloren haben, so ist außerdem eine Zwangsfütterung bzw. Infusion (zum Beispiel in Form einer physiologischen Kochsalzlösung oder Elektrolytlösung) notwendig.

Lässt sich eine Kokzidiose auch alternativ behandeln?

Wurde Ihr Kaninchen positiv auf Kokzidien getestet und zeigt bereits Anzeichen wie Futterverweigerung, Gewichtsverlust oder einen aufgeblähten Bauch, ist eine medikamentöse Behandlung durch den Tierarzt unabwendbar. Dennoch gibt es alternative Heilmethoden, pflanzliche Wirkstoffe oder Vitamine, die den Kokzidienbefall abschwächen oder sogar vorbeugen können. Zu nennen sind hier spezielle Kräuterauszüge, Kräutermischungen (besonders mit Oregano und Knoblauch), Oreganoöl (Futter- oder Trinkwasseröle), Löwenzahnsaft, Kokosöl oder andere pflanzliche Präparate zur Stärkung der Darmflora. Viele Tierärzte empfehlen solche Präparate als Unterstützung der medikamentösen Therapie. Futter- oder Trinkwasseröle mit Oregano werden häufig auch prophylaktisch gegen Kokzidiose eingesetzt (z.B. in der Landwirtschaft).

Nur nach Absprache mit dem Tierarzt

Besprechen Sie mögliche Therapien immer zuerst mit Ihrem Tierarzt und halten Sie sich genau an dessen Empfehlungen. Nur so ist sichergestellt, dass Ihrem Kaninchen schnell und effektiv geholfen und ein möglicherweise schlimmer Ausgang der Kokzidiose vermieden wird.

Vorbeugung: Lassen sich Kokzidien vermeiden?

Auch wenn eine Kokzidiose mit Hilfe der oben genannten Medikamente therapierbar ist: Nehmen Sie einen Kokzidien-Befall niemals auf die leichte Schulter! Je nachdem welche Kokzidien-Art vorliegt, wie weit die Symptome schon ausgeprägt sind und wie es um den Allgemeinzustand des Tieres steht, kann das Kaninchen an der Kokzidiose sterben. Im Falle einer Septikämie können sich die Kokzidien mit dem Blut im gesamten Körper verteilen und führen dann sogar innerhalb weniger Stunden zum Tod des Kaninchens.

Doch keine Angst: Mit den folgenden Maßnahmen, können Sie den Ausbruch einer Kokzidiose bei Ihren Kaninchen vorbeugen:

  • Lassen Sie jedes Kaninchen, das neu bei Ihnen einzieht, auf Kokzidien testen. Vergesellschaften Sie es erst mit den anderen Kaninchen, wenn die Kotuntersuchung beim Tierarzt negativ war, d.h. keine Kokzidien nachzuweisen waren.
  • Vermeiden Sie Kontakt zu Wildkaninchen, das heißt auch, dass Sie keine Gräser oder Kräuter von Wiesen verfüttern sollten, auf denen Wildkaninchen vorkommen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung Ihrer Kaninchen. Dazu gehört täglich frisches Heu und Wasser, viele frische Kräuter, Grünfutter wie Wiesengräser und grünes Blattgemüse, ein wenig Obst und nur selten Trockenfutter. Eine artgerechte Ernährung bietet Ihrem Kaninchen den besten Schutz gegenüber vielen Krankheiten, wie etwa der Kokzidiose, denn eine gesunde Darmflora ist widerstandsfähiger gegenüber Parasiten.
  • In größeren oder gefährdeten Beständen sollten Sie das Futter am besten in einer Raufe anbieten, um zu vermeiden, dass es mit dem Kot in Kontakt kommt.
  • Kümmern Sie sich um eine ordentliche Stallhygiene, indem Sie täglich Toilettenecken reinigen, regelmäßig Futter- und Wassernapf mit sehr heißem Wasser (> 60 Grad) oder in der Spülmaschine auswaschen und die Einstreu wechseln. Eine gründliche Reinigung des gesamten Geheges mit kochend heißem Wasser (mindestens 80 Grad) ist vor allem nach Ausbruch einer Kokzidiose unbedingt vorzunehmen, um eine Wiederansteckung zu verhindern.
  • Sorgen Sie für viel Bewegung Ihrer Kaninchen, in dem Sie ihnen ein ausreichend großes Gehege zur Verfügung stellen und viel Freilauf ermöglichen. Bewegung fördert eine gesunde Verdauung, verhindert Stress und beugt damit indirekt auch einer Kokzidiose vor.
  • Vermeiden Sie Stresssituationen bei Ihren Kaninchen. Halten Sie mindestens zwei Kaninchen und achten Sie darauf, dass sich die Kaninchen untereinander gut verstehen. Nehmen Sie Ihr Kaninchen nicht ständig hoch – besonders nicht, wenn es ihnen signalisiert, dass es lieber nicht angefasst werden möchte. Sorgen Sie für Abwechslung und ausreichend Versteck- und Rückzugsorten im Gehege. Bringen Sie auch Ihren Kindern einen artgerechten Umgang mit den niedlichen Langohren bei. Übrigens: Auch übertriebene Hygienemaßnahmen, wie etwa der ständige Einsatz von Desinfektionsmitteln, das häufige Auskochen von Einrichtungsgegenständen oder gar der Verzicht auf Freilauf (aus Angst vor möglicherweise kontaminierten Bereichen) stresst Ihre Kaninchen mehr als das es ihnen hilft.
  • Falls ein Kaninchen aus Ihrem Bestand erkrankt ist, müssen Sie es von den anderen Tieren separieren, bis keine Kokzidien mehr nachzuweisen sind.

Eine artgerechte Haltung der Kaninchen, zu der eine regelmäßige Hygiene, eine gesunde Ernährung, viel Auslauf und Beschäftigung gehört, bietet demnach einen guten Schutz gegen Kokzidien. Natürlich kann aber auch sie kein Garant dafür sein, dass sich eines Ihrer Kaninchen nicht doch infiziert und an einer Kokzidiose erkrankt. Behalten Sie Ihre Kaninchen deshalb immer gut im Auge und beobachten Sie, ob sich möglicherweise Veränderungen bei der Futteraufnahme, dem Körper (aufgeblähter Bauch, stumpfes Fell) oder dem Kot zeigen. Auch wenn Sie unsicher sind, ob die Symptome wirklich besorgniserregend sind: Gehen Sie lieber einmal zu viel zum Tierarzt, als einmal zu wenig. Je schneller Sie bei Kokzidien handeln, desto höher stehen die Chancen für einen glücklichen Ausgang der Krankheit.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Kaninchen alles Gute!

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