22. Oktober 2018

Afrikanische Weißbauchigel

afrikanische weißbauchigel

Jetzt wird’s stachelig: Igel gehören zwar zu den Exoten unter den Haustieren, gewinnen aber an immer größerer Beliebtheit. Die süßen Igelvideos, die auf Videoplattformen kursieren, tragen unter anderem dazu bei, dass die kleinen Insektenfresser immer öfter auch in deutschen Haushalten zu finden sind. Die Haltung von Igeln, die mit einem sehr hohen Aufwand verbunden ist, ist unter Naturschützern jedoch umstritten.

Dürfen Igel als Haustiere gehalten werden?

Igel stehen unter Naturschutz und dürfen folglich nicht als Haustiere gehalten werden. Davon ausgenommen ist der „afrikanische Weißbauchigel (Atelerix Albiventris)“. Diese Igelart wurde in den 90er Jahren erstmals in die USA importiert, was jedoch einige Jahre später untersagt wurde. Nichtsdestotrotz wurden die Weißbauchigel weiter gezüchtet und sind nun vor allem in den USA als Haustier anzutreffen.

Aussehen

Afrikanische Weißbauchigel besitzen Stacheln, die über den ganzen Rücken verteilt sind. Die Stacheln werden zwischen 15 und 20mm lang und kommen in unterschiedlichen Färbungen vor. Der Bauch der kleinen Insektenfresser ist jedoch flauschig und weiß, wie der Name bereits verrät. Sie besitzen runde, kleine Ohren und kleine Pfoten. An den hinteren Pfoten haben Weißbauchigel im Gegensatz zu anderen Igelarten bloß vier anstatt fünf Zehen. Die Größe der Igel beläuft sich auf 14 bis 21cm  und das Gewicht variiert zwischen 300 und 500g. ­

Verhalten

Der natürliche Lebensraum des Weißbauchigels sind die Savannen und trockenen Graslandschaften Zentralafrikas. Die afrikanischen Weißbauchigel sind dämmerungs- und nachtaktiv, tagsüber verstecken sie sich. Bei Anbruch der Dämmerung begeben sie sich auf Futtersuche. Igel sind keine Nagetiere, sondern Insektenfresser. In Gefangenschaft können sie zwischen 5 bis 8 Jahre alt werden. Im Gegensatz zu den europäischen Igeln halten Weißbauchigel keinen Winterschlaf. Es kann aber durchaus dazu kommen, dass sie im Sommer eine „Ruhephase“ einlegen. Dabei verhalten sich die stachligen Gefährten inaktiver als sonst. Diese Ruhephase kommt in Gefangenschaft jedoch selten vor. Igelhalter beschreiben ihre Tiere als sehr freundlich und zutraulich, eine Handzähmung sei möglich. Bei Gefahr rollen sich die Igel zu einer Kugel zusammen und benutzen ihr Stachelkleid als Schutzschild, um somit Feinde abzuwehren. In den ersten Lebensmonaten der Weißbauchigel kommt es außerdem zu einem Stachelwechsel (Quilling). Auch bei erwachsenen Tieren kann es in kleinerem Maße zu einem Stachelwechsel kommen. Dies ist zunächst kein Grund zur Panik. Untersuchen Sie die Stacheln, um zu sehen ob es sich dabei um einen krankhaften Stachelausfall handelt. Kranke Stacheln sehen meist gebrochen aus. Sprechen Sie dazu mit einem fachkundigen Tierarzt, um Krankheiten ausschließen zu können.

afrikanische weißbauchigel im hand

Haltung

Die Haltung von Weißbauchigeln ist mit viel Verantwortung verbunden. Sie sollten deshalb vorher klären, ob Sie genug Zeit, Geld und Platz haben, um den stacheligen Gefährten ein artgerechtes Leben bieten zu können.

Das Terrarium

Das Igelterrarium sollte mindestens 150x60x60cm groß sein. Am besten sind mehrere Etagen, da Igel sehr bewegungsfreudig sind. Käfige mit Maschendraht oder Gitter sind für Igel nicht geeignet, da die Verletzungsgefahr zu groß ist und die Vierbeiner nicht vor Zugluft geschützt sind. Bei der Auswahl des geeigneten Terrariums sollte darauf geachtet werden, dass es nicht vollständig aus Glas besteht, da sich die Igel tagsüber gerne zurückziehen und nicht von allen Seiten beobachtet werden wollen. Das Terrarium sollte außerdem Luftschlitze besitzen, um eine gute Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. Bei mehreren Etagen sollte darauf geachtet werden, dass die Treppen auf die Bedürfnisse des Igels angepasst sind. Die stachligen Gefährten sind keine guten Kletterer, deshalb sollte die Treppe nicht zu steil angebracht werden, jedoch auch nicht zu flach.

Die Einrichtung

Als Einstreu kann entweder Kleintierstreu oder feiner Sand benutzt werden. Achten Sie bei der Auswahl des Sandes darauf, dass sich die Igel beim Laufen nicht an den Sandkörnern verletzen können. Die Einstreu sollte natürlich regelmäßig erneuert werden. Heu hat im Igelterrarium nichts zu suchen, da sich die Halme um die kleinen Beinchen wickeln und somit zu schweren Verletzungen führen können. Zur Terrarieneinrichtung gehören auf jeden Fall Versteckmöglichkeiten, da Weißbauchigel nachtaktive Tiere sind und sich tagsüber zurückziehen. Dafür können beispielsweise Nagerhäuser und Röhren benutzt werden. Denken Sie daran, dass pro Igel ein Häuschen vorhanden sein muss. Natürlich gehören Futter- und Trinknäpfe in das Igelterrarium. Weißbauchigel nehmen Sandbäder um sich zu reinigen. Dafür können Sie eine Badewanne oder ein Badehäuschen mit Chinchillasand befüllen. Auch eine Toilettenecke sollte vorhanden sein. Dazu können Kleintiertoiletten mit Katzenstreu verwendet werden. Denken Sie an die tägliche Reinigung der Toilettenecke und des Badehäuschens!

Weißbauchigel sind sehr neugierige Tiere und lieben Abwechslung. Deshalb empfiehlt es sich, die Gegenstände wie Röhren, Hölzer oder Steine, ab und an zu wechseln und an neuen Stellen zu platzieren. Achten Sie auch darauf, täglich Essensreste, sowie Kot und Urin aus dem Terrarium zu entfernen.

Freilauf

Den Weißbauchigeln sollte täglich Freilauf gewährt werden, da es sich um sehr aktive, bewegungsfreudige Tiere handelt. Hierfür kann das Terrarium an ein Außengehege (ohne Gitterstäbe) gekoppelt werden. Wenn Sie Ihren Weißbauchigeln in der Wohnung Freilauf gewähren müssen Sie darauf achten, dass keine gefährlichen Gegenstände oder giftige Pflanzen in Reichweite der Igel sind. Zu den für Igel giftigen Pflanzen zählen beispielsweiße Aloe, Efeu und Alpenveilchen.

Ernährung

Wie bereits erwähnt sind Weißbauchigel Insektenfresser. In ihrem natürlichen Lebensraum ernähren Sie sich von Würmern, Schnecken, Larven, Vogeleiern und selten von Früchten. Auch in Gefangenschaft sollten Insekten ein Grundnahrungsmittel für die Weißbauchigel sein. Sie können Ihren Igeln beispielsweise Mehlwürmer, Regenwürmer, Käfer, Schnecken oder Heimchen anbieten. Kaufen Sie die Insekten am besten in der Zoohandlung, da Insekten aus der freien Natur oftmals Krankheitsüberträger sind. Neben Insekten kann auch hochwertiges Katzentrockenfutter verfüttert werden. Der Fleischanteil sollte hierbei mindestens 60% betragen. Es sollte jedoch nicht als Alleinfuttermittel verwendet werden. Das gleiche gilt für Katzennassfutter: Es sollte zur Abwechslung gefüttert und auf Hochwertigkeit geachtet werden. Ab und zu kann den Igeln auch Obst angeboten werden, doch davon nicht zu viel, da es ansonsten Durchfall verursachen kann. Manche Igel mögen auch Rührei (ungewürzt und ohne Öl gebraten). Wichtig ist, dass die Ernährung Ihres Weißbauchigels abwechslungsreich ist, da es ansonsten zu Mangelerscheinungen kommen kann.

Den Weißbauchigeln sollte jeden Tag frisches Wasser zur freien Verfügung stehen. Igel sind von Natur aus laktoseintolerant und sollten somit keine Milch angeboten bekommen. Sie können keinen Milchzucker verarbeiten, weshalb es häufig zu Verdauungsproblemen kommt.

afrikanische weißbauchigel süß

Krankheiten

Bei Weißbauchigeln werden nicht selten Parasiten, wie Flöhe, Zecken oder Milben diagnostiziert. Wenn Sie bemerken, dass Ihr Tier sich ununterbrochen kratzt, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen.

Das „Wobbly Hedgehog Syndrom“ (WHS) ist eine typische Krankheit der Weißbauchigel. Diese äußert sich durch fortschreitende Lähmungen und einer charakteristischen wackeligen Bewegung. Es handelt sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems und endet für die Igel tödlich.

Bei Weißbauchigeln werden des Öfteren wunde Pfoten bemerkt. Dies lässt sich jedoch meist auf falsche Haltungsbedingungen zurückführen. Dabei können beispielsweise das Einstreu oder die Gegenstände im Terrarium zu scharfkantig sein. Wechseln Sie die Streu und entfernen Sie die scharfen Gegenstände und suchen Sie bei stark verletzten Füßen einen Tierarzt auf.

Zucht

Die Zucht von Weißbauchigeln ist mit viel Aufwand verbunden. Bevor Sie sich dafür entscheiden, Weißbauchigel zu züchten, sollten Sie sich gut informieren und sich mit den Risiken bekannt machen. Ihnen muss außerdem bewusst sein, dass die Igelzucht recht kostspielig ist. Nicht immer werden Käufer für die Jungtiere gefunden. Bedenken Sie also, dass Sie sich um mehrere Igel kümmern müssen, sollten keine Käufer gefunden werden. Die Tragzeit von Weißbauchigeln beträgt 30 bis 40 Tage. In der Regel werden zwischen zwei und vier Jungtiere geboren. Diese sind zum Zeitpunkt der Geburt noch blind und nackt. Die Jungtiere sind nach 40 Tagen selbstständig. Für das Züchten benötigt man mehrere Terrarien, für Mutter, Vater und Jungtiere jeweils ein Terrarium. Oftmals wird ein Wurf abgelehnt oder gleich nach der Geburt gefressen.

Wo kann man afrikanische Weißbauchigel kaufen?

Der Preis für einen afrikanischen Weißbauchigel beläuft sich in der Regel auf mindestens 100€. In Deutschland gibt es einige Weißbauchigel-Züchter. Informieren Sie sich auf der jeweiligen Züchterwebseite. Vereinbaren Sie einen Besuchstermin, um die Igel zu begutachten und zu überprüfen, ob es sich um einen seriösen Züchter handelt. Machen Sie sich außerdem ein Bild der Haltungsbedingungen und Gesundheit der Tiere. Manchmal werden Weißbauchigel im Tierheim abgegeben, weil sich die Besitzer mit der Haltung überfordert fühlen. Auch von Privatleuten werden ab und zu über Inserate Weißbauchigel angeboten. Von Internet-Shops, die Weißbauchigel anbieten, ist abzuraten. Der Transport ist für die Tiere enorm stressig und man hat keinerlei Informationen über die Haltungsbedingungen.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem stacheligen Gefährten alles Gute!

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