Angorakaninchen

Verfasst von Bärbel Edel
Angorakaninchen sitzt im Gras

Die meisten Angorakaninchen sind weiß.

Das Angorakaninchen ist vor allem für sein flauschiges Fell, die Angorawolle, bekannt. Aufgrund seiner zahlreichen Gesundheitsprobleme sollten Sie die Zucht von Angorakaninchen nicht unterstützen. Wenn es ein Angorakaninchen sein muss, dann am besten aus dem Tierschutz.

Aussehen: Markenzeichen ist das lange Fell

Das Angorakaninchen zählt zu den mittelgroßen Langhaarkaninchen. Ein ausgewachsenes Tier wiegt zwischen drei und fünf Kilogramm.

Das Besondere an dieser Kaninchenrasse ist ihr langes, weiches Fell. Auch heute noch wird Angorawolle in der Textilindustrie verwendet. Bis zu zwei Kilo Wolle kann ein Angorakaninchen im Jahr liefern.

Angorakaninchen erkennt man außerdem an den großen Haarbüscheln an den Ohren.

Angorawolle: Das Fell der Angorakaninchen

Im Gegensatz zu anderen Kaninchenrassen machen Angorakaninchen keinen Fellwechsel durch. Unabhängig davon, welche Jahreszeit gerade herrscht, wächst ihr Fell kontinuierlich nach. Für die Tiere bedeutet das, dass sie etwa alle drei Monate geschoren werden müssen.

Die Haare des Angorakaninchens sind innen hohl und geben deshalb einen idealen Wärmespeicher ab. Außerdem können sie bis zu 60 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen. Dennoch fühlt sich die Wolle nicht nass an – ideal für die Herstellung von Pullovern und anderen Textilien.

Noch eine weitere Besonderheit gibt es bei dieser Kaninchenrasse: Angoras haben kein Deckhaar. Normalerweise besteht das Fell eines Kaninchens aus einer dichten Unterwolle, die gegen Kälte schützt und einer Deckhaarschicht, die das Wasser abhält.

Weil dem Angorafell das schützende Deckhaar fehlt, saugt es sich voll wie ein Schwamm, sobald es mit Wasser in Berührung kommt.

Die meisten Angorakaninchen sind weiß. Bei den weißen Angoras handelt es sich in der Regel um Albinos. Es gibt verschiedene Farbschläge, von den Zuchtverbänden sind allerdings nur einfarbige Tiere anerkannt.

Angorakaninchen: Farbschläge

Hier die anerkannten Farbschläge der Angorakaninchen:

  • Weiß
  • Gelb
  • Havanna (dunkelbraun)
  • Fehfarbig (blaugrau)
  • Blau

Produktion von Angorawolle

Ungefähr 95 Prozent der weltweit gehandelten Angorawolle stammt von Angorakaninchen aus China. Dort werden die Tiere meist unter fragwürdigen Bedingungen gehalten.

Tierschützer kritisieren die brutalen Methoden bei der Schur und die Einzelhaltung in kleinen Käfigen. Sie empfehlen, keine Produkte mit Angorawolle zu kaufen, denn ein artgerechtes Kaninchenleben ist unter diesen Bedingungen nicht möglich.

Angorakaninchen: Körperbau

Unter den Fellmassen ist der Körperbau des Angorakaninchens nur zu erahnen – vor allem, wenn es nicht gerade geschoren wurde. Züchter beschreiben ihn als leicht getreckt, vorne und hinten gleich breit und „hinten gut abgerundet“. Die Läufe sind mittellang und kräftig.

Die Ohren sind zwischen 11 und 14 Zentimetern lang.

Junge Angorakaninchen
Angorakaninchen fühlen sich nur in Gesellschaft wirklich wohl.

Charakter: Angorakaninchen sind neugierig und kontaktfreudig

Den wuscheligen Hopplern wird ein besonders freundliches Naturell nachgesagt. Durch ihre ausgeglichene Art sind sie auch für Kinder geeignet. Außerdem gelten Angorakaninchen als sehr neugierig und kontaktfreudig.

Wie andere Langohren auch, haben Angoras einen hohen Bewegungsdrang und langweilen sich schnell. Daher brauchen sie regelmäßige Beschäftigung und freuen sich über einen Auslauf, der ihnen viel Abwechslung bietet.

Haltung und Pflege: Unter Artgenossen sind sie glücklich

Wilde Kaninchen sind sehr gesellig und leben in Kolonien. Auch ihre zahmen Nachfahren sollten auf keinen Fall allein gehalten werden. Um glücklich zu sein, brauchen sie Artgenossen zum Spielen und Kuscheln. Das gilt auch für Angorakaninchen.

Kaninchen sind sehr fruchtbar

Ein weibliches Kaninchen ist mit drei Monaten geschlechtsreif und kann mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen. Pro Wurf werden drei bis vier Jungtiere geboren.

Damit sich Ihre Angorakaninchen nicht „vermehren, wie die Karnickel“ sollten Sie sie unbedingt kastrieren lassen. Die Kastration verhindert nicht nur unerwünschten Nachwuchs. Sie hat auch den Vorteil, dass kastrierte Männchen weniger in Revier- und Rangordnungskämpfe verwickelt sind.

Auch Weibchen sollten Sie kastrieren

Lassen Sie auch die Weibchen kastrieren, denn unkastrierte Häsinnen neigen zu schmerzhaften Gebärmutterentzündungen und Tumoren. Solche Krankheiten können Sie Ihren Angoraweibchen mit dem Eingriff ersparen.

Schon gewusst?
Kaninchenböcke sind vier bis sechs Wochen nach der Kastration noch zeugungsfähig.

Angorakaninchen und andere Heimtiere

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie ihre Angorakaninchen zusammen mit Katzen oder auch Hunden halten. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie aber „Raubtier“ und „Beute“ nie ohne Aufsicht aufeinandertreffen lassen.

Kaninchen werden oft zusammen mit Meerschweinchen gehalten – doch leider haben die beiden Tierarten nur wenig gemeinsam und „verstehen“ sich im wahrsten Sinne des Wortes schlecht miteinander. Missverständnisse und Aggressionen sind hier vorprogrammiert.

Das Kaninchengehege

Kaninchen bewegen sich ausgesprochen gern. Sie brauchen viel Platz zum Hoppeln, Rennen und Haken schlagen. Zu einer artgerechten Haltung gehört ein großes Gehege unbedingt dazu.

Das gehört zur Grundausstattung des Kaninchenstalls:

Selbstverständlich sollten Stall und Gehege regelmäßig saubergemacht werden, damit sich Ihre Lieblinge wohl fühlen.

Im Onlineshop von zooplus finden Sie eine große Auswahl an Kaninchenställen und Freigehegen. Dort bekommen Sie auch Spieltunnel und Röhren zum Verstecken.

Die Außenhaltung

Wegen des fehlenden Deckhaars sind Angorakaninchen sehr empfindlich gegenüber Kälte und Nässe. Wasser kann in die Unterwolle einsickern und bei Minusgraden sogar einfrieren – für die Tiere lebensgefährlich. Für die Außenhaltung im Winter ist diese Kaninchenrasse daher eher ungeeignet.

Während der anderen Jahreszeiten gilt: Achten Sie darauf, dass das Freigehege an einem windgeschützten Ort steht. Im Sommer brauchen die wolligen Tiere unbedingt ein schattiges Plätzchen gegen die Hitze.

Einen ausführlichen Artikel über die Außenhaltung von Kaninchen finden Sie hier im zooplus Magazin.

Angorakaninchen scheren: So geht‘s

Angorakaninchen haben keinen Fellwechsel, das bedeutet, ihre Haare fallen nicht von allein aus. Deshalb müssen die Tiere in regelmäßigen Abständen geschoren werden. Empfohlen wird viermal im Jahr.

Sie können Ihre Fellnase vom Tierarzt scheren lassen, oder Sie lassen sich von ihm zeigen, wie es geht.

Bevor Sie zur Schere greifen, sollten Sie das Fell Ihres Hopplers gründlich ausbürsten. Mit einem Kamm oder einer Bürste entfernen Sie alles, was im Fell festhängt: Heu, Stroh oder auch Schmutz.

Die Haare können Sie mit einer handelsüblichen Schere abschneiden. Ebenso können Sie die Ohrbüschel vorsichtig kürzen. Wenn Ihr Kaninchen bei der Prozedur herumzappelt, benutzen Sie am Besten eine Fellschere mit einer abgerundeten Spitze. So vermeiden Sie Verletzungen. Sie können auch eine spezielle Schermaschine verwenden.

Produkte zur Fellpflege von Kleintieren finden Sie im Onlineshop von zooplus.

Wichtig: Nach der Schur ins Warme
Geschorene Kaninchen frieren leicht und können sich schnell erkälten. Daher sollten Sie bei kühler Witterung Ihr Angorakaninchen nach der Schur in einen Innenstall mit Stroh und Heu setzen. Das Fressen von Heu trägt zur Wärmeregulation bei.

Darüber hinaus müssen Sie das Fell täglich bürsten, sonst verfilzt es. Verfilztes Fell behindert die Wärmeregulation und ist ein Magnet für Parasiten, wie zum Beispiel Milben. Auch ein Befall mit Fliegenmaden (Myiasis) ist möglich.

Kontrollieren Sie außerdem regelmäßig die Krallen Ihrer kleinen Hoppler. Zu lange Krallen sollten Sie mit einer Krallenschere kürzen.

Ernährung: Angorakaninchen lieben Gemüse und Heu

Kaninchen sind reine Pflanzenfresser. Sie mögen frisches Gemüse, wie zum Beispiel Karotten, aber auch frisches Gras und Löwenzahn.

Wie alle Kaninchen haben auch Angoras einen recht empfindlichen Magen. Mit einer täglichen Ration von frischem Heu und Stroh beugen Sie Verdauungsproblemen vor. Auch frisches Wasser sollte immer bereitstehen.

Geben Sie Ihren kleinen Langohren außerdem Äste und Zweige zum Abnagen.

Achten Sie bei fertigen Futtermischungen auf eine hochwertige Qualität ohne Zucker und andere schädliche Zusatzstoffe.

Alles Wichtige über artgerechtes Kaninchenfutter erfahren Sie in dem Artikel Kaninchen Ernährung im zooplus Magazin.

Gesundheit: Die Angorawolle verursacht Probleme

Angorakaninchen können ohne menschliche Hilfe nicht überleben. Ihr Fell ist auf extremes Wachstum gezüchtet. Wird es nicht regelmäßig gepflegt, verfilzt es so stark, dass die Tiere bewegungsunfähig werden.

Die lange Angorawolle verursacht noch weitere Probleme:

  • Stress und Verletzungsgefahr durch das regelmäßige Scheren
  • Augenreizungen durch das viele Fell, das auch über den Augen hängt.
  • Störung des Magen-Darm-Traktes durch Haarballen (Trichobezoare), weil Kaninchen sich regelmäßig Putzen und so Haare aufnehmen.
  • Bei Verfilzen: Hautkrankheiten, Befall mit Fliegenmadenbefall und anderen Parasiten
  • Neigung zur Überhitzung durch das viele Fell
  • Neigung zu Erkältungen, weil das Fell nicht wasserabweisend ist.

Tierschützer stufen Angorakaninchen deshalb als Qualzucht ein, die nach dem deutschen Tierschutzgesetz verboten ist.

Wie alt werden Angorakaninchen?

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines zahmen Kaninchens beträgt neun Jahre. Auch ein Angorakaninchen dürfte – bei guter Pflege – dieses Alter erreichen.

Kauf: Was kostet ein Angorakaninchen?

Die flauschigen Langohren haben Ihr Herz erobert und Sie möchten eine Gruppe Angoras bei sich aufnehmen?

Angorakaninchen werden zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Von 50 bis 160 Euro ist alles drin.

Durch Ihre Nachfrage würden Sie allerdings die „Produktion“ von Qualzuchten weiter ankurbeln. Aus ethischen Gründen sollten Sie daher darauf verzichten, ein Angorakaninchen im Internet oder bei einem Züchter zu kaufen.

Am besten adoptieren Sie ein Langohr aus dem Tierschutz. Im Tierheim finden Sie Kaninchen aller Rassen und mit etwas Glück auch ein Angorakaninchen.

Geschichte und Zucht: Fokus lag auf dem Fell

Der Name Angorakaninchen geht auf die türkische Provinz Angora (Ankara) zurück. Früher nannte man das Angorakaninchen auch Seidenhase, Kaschmir-Kaninchen oder Rupfhase.

In England sind die Langhaarkaninchen seit ungefähr 300 Jahren bekannt. Im Jahre 1777 soll ein Herr von Meyersbach die ersten Exemplare nach Deutschland gebracht haben. Bald war die Rasse im ganzen Land verbreitet. Bei der ersten Kaninchenschau 1885 in Chemnitz waren auch Angoras dabei.

Bei der Zucht legte man besonders großen Wert auf langes Fell. Der damalige Rassestandard schrieb eine Länge von mindestens 25 Zentimetern vor. Auf Ausstellungen wurden sogar Tiere mit einer Haarlänge von 40 Zentimetern und mehr gezeigt.

Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wurde die Angora-Zucht wegen der Wolle besonders gefördert. 1941 soll das deutsche Heer 25.000 Angorakaninchen gehalten haben.

Inzwischen ist die Kaninchenrasse hierzulande selten geworden. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen hat das Angorakaninchen 2002 auf die „Rote Liste der bedrohten Haustierrassen“ gesetzt.

Ähnliche Kaninchenrassen

Nach der Einteilung des Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) gehört das Angorakaninchen zu den Langhaarrassen. Weitere Langhaarkaninchen sind Fuchskaninchen, Zwergfuchskaninchen, Jamora sowie Teddykaninchen. Letztere sind allerdings nicht vom ZDRK anerkannt.

Fazit

Mit ihrem flauschigen Fell sind Angorakaninchen ausgesprochen niedlich. Ihre Pflege ist jedoch mit einigem Aufwand verbunden. Sie sollten sich nur dann ein oder mehrere Angorakaninchen anschaffen, wenn Sie genügend Zeit für die tägliche Fellpflege aufbringen können.

Aufgrund der zahlreichen Gesundheitsprobleme sollten Sie die Zucht von Angorakaninchen nicht fördern. Wenn Sie unbedingt ein Kaninchen dieser Rasse bei sich einziehen lassen möchten, dann schauen Sie sich im Tierschutz um.


Bärbel Edel
Profilbild von Magazin-Autorin Bärbel Edel

Ich bin Journalistin, liebe Tiere und habe bereits während meines Volkskunde-Studiums zur Beziehung zwischen Menschen und Hunden geforscht. Vor einigen Jahren habe ich einen Kater aus dem Münchner Tierheim adoptiert. Elvis war der Anlass, meinen Katzenblog „Lieblingskatze“ zu gründen und mich auch journalistisch mit Tieren zu befassen. Mit meinen Artikeln möchte ich dazu beitragen, dass Menschen ihre Heimtiere besser verstehen.


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