Kaninchen beschäftigen: So wird Ihren Langohren nie langweilig

Kaninchen schaut über eine Mauer.

In freier Wildbahn haben Kaninchen immer etwas zu tun und brauchen daher viel Beschäftigung.

Buddeln, graben, knabbern, laufen und springen: Kaninchen lieben es, sich zu bewegen und Neues zu erkunden. Als Haustier brauchen die vielseitigen Nager deshalb ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihre Kaninchen richtig beschäftigen, welche Kaninchenspielzeuge geeignet sind und wie Sie Kleintierspielzeug selbst basteln können.

Warum ist Beschäftigung für das Kaninchen wichtig?

Ihre Kaninchen zu beschäftigen ist wichtig, da sie in freier Wildbahn den ganzen Tag etwas zu tun haben. Sie graben unterirdische Gänge und Höhlen, spielen mit ihren Kameraden und verwenden einen Großteil ihrer Zeit für die Futtersuche.

Diesen natürlichen Verhaltensmustern sollten Sie auch in der Heimtierhaltung nachgehen können. Geistige und körperliche Beschäftigung mit Spielzeugen, abwechslungsreichen Einrichtungsgegenständen, artgerechter Ernährung, ausreichend Auslauf oder leichtem Training halten Ihre Kaninchen fit und gesund.

Welches Spielzeug eignet sich für Kaninchen?

Im Handel gibt es zahlreiche Spielzeuge, um Ihre Kaninchen zu beschäftigen. Beim Kauf von Kleintierspielzeug sollten Sie darauf achten, dass es aus natürlichen Materialien wie Holz oder Naturfasern besteht. Denn Kaninchen knabbern gern an allen möglichen Gegenstände, um ihre Zähne abzureiben. Spielzeug aus Plastik oder solches, das mit Nägeln oder Leim zusammengehalten wird, ist deshalb nicht geeignet.

Ob Ihr Kaninchen gerne in Tunnel kriecht, über Wippen und Leitern klettert oder mit einem Futterball spielt: Das Angebot an Kaninchenspielzeug ist groß. Die verschiedenen Spiel- und Sportgeräte halten Ihr Kaninchen fit und lassen garantiert keine Langeweile im Hasenstall aufkommen. Folgende Spielgeräte, sind besonders gut für kleine Nager geeignet:

Empfehlenswerte Spielgeräte zur Beschäftigung

Spieltunnel: Kaninchen lieben das Versteckspiel: Während es in der freien Natur meist der Flucht vor Fressfeinden dient, nutzen sie es in der Heimtierhaltung eher aus spielerischen Zwecken. Tunnel imitieren dabei einen natürlichen Kaninchenbau und sorgen dafür, dass sich Ihre Tiere rundum wohlfühlen.
Röhre: Ähnlichen Zwecken wie ein Tunnel dient auch eine Röhre im Stall. Sie eignet sich sowohl zum Verstecken als auch zum Schlafen. Besteht die Oberfläche aus Naturmaterialien, wie zum Beispiel Weidenrinde oder Kork, nutzen die Kaninchen sie auch gerne zur Zahnpflege. Durch die unebene Oberfläche lädt die Röhre gleichzeitig zum Klettern ein.
Wippe: Für Abwechslung im Kaninchengehege sorgt auch eine kleine Wippe. Übrigens: Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihr Kaninchen das neue Spielgerät zunächst mit Argwohn beäugt. Oder sich anfangs sogar erschrickt, wenn die Wippe beim Darüberhoppeln kippt. Auch Kaninchen sind Individualisten und während das eine vorwitzig die neue Wippe in Beschlag nimmt, sucht das andere erst einmal Abstand.
Bälle: Ob Hunde, Katzen oder Kaninchen – fast alle Haustiere mögen die lustigen runden Bälle, die so schön durch die Gegend kullern. Bestehen sie aus natürlichen Materialien, wie etwa Holz, Rattan oder Gräsern, unterstützen sie außerdem den Abrieb der Zähne.
Spielstange: Zum Klettern, Scharren oder zum Abreiben der Zähnchen lädt auch eine Spielstange aus Naturfasern ein. Mit dem Ball aus Weidengeflecht, der am Holzpfahl befestigt ist und der beim Anschubsen so schön durch die Luft fliegt, können sich manche Langohren stundenlang beschäftigen.
Kaninchen liegt unter einem Tunnel.
Kaninchen lieben es, sich zu verstecken. Geschützt in einem Tunnel fühlen sie sich wie in einem Bau.

Futteraufnahme mit Beschäftigung verbinden

Sehr beliebt ist es, die Futteraufnahme des Kaninchens als Beschäftigungsmöglichkeit zu nutzen. Schließlich verbringen Kaninchen auch in freier Wildbahn die meiste Zeit mit Futtersuche.

Anstatt das Kaninchenfutter einfach in einem Napf anzubieten, können Sie das Futter unauffällig im Gehege verteilen. Etwa in einer Buddelkiste, unter einem Karton oder einem Haufen Stroh, oder Sie verteilen es in Futterspielzeug. Empfehlenswert sind Snack-Futterbälle, die mit Leckerlis aus Gemüse oder Heu befüllt werden und die die Leckereien nur freigeben, indem sie von den Kaninchen durchs Gehege gerollt werden.

Alternativ können Sie Ihre Kaninchen beschäftigen, indem Sie eine kleine Röhre mit Heu oder Salat füllen. Dabei sollte das Kaninchen etwas Geschick anwenden müssen, um das Futter aus der Röhre herauszuarbeiten.

Salat können Sie auch an einer Futterleine befestigen, die sie im Gehege aufhängen. So muss sich das Kaninchen immer wieder strecken, um Blätter abzuzupfen und bleibt damit „ganz automatisch“ in Bewegung.

Um die Kaninchen nicht nur körperlich, sondern auch geistig zu fordern, können Sie auch zu Intelligenzspielzeugen oder Futterlabyrinthen greifen, wie sie für Hunde und Katzen bekannt sind.

Abwechslungsreiche Ausstattung des Kaninchengeheges

Das A und O, um ihr Kaninchen ausreichend zu beschäftigen, ist die richtige Ausstattung des Geheges. Es muss nicht nur groß genug zum Springen, Hüpfen und Laufen sein, sondern auch genügend Versteck- und Erkundungsmöglichkeiten bieten. Dies lässt sich etwa durch den Einbau verschiedener Ebenen im Gehege, durch Treppen, Höhlen, Tunnel und Brücken erreichen.

Ein kleines Holzhäuschen mit einem flachen Dach eignet sich als Rückzugsort, Schlafstätte und Aussichtsplattform. Auch eine Art Zelt, zum Beispiel durch das Aufspannen eines Tuchs, sorgt für eine wohlige Atmosphäre im Kaninchenstall.

DIY: Kaninchenspielzeug selbst gemacht

Grundsätzlich gilt: Ihrer Kreativität sind hinsichtlich Gehegeeinrichtung keine Grenzen gesetzt, um Ihre Kaninchen zu beschäftigen. Verwenden Sie aber unbedenkliche Materialien, wie Holz, Gräser, Zweige, Kork, Pappe oder Stoff. Diese sollten zudem nicht giftig sein und keine Verletzungsgefahr für Ihre Langohren darstellen.

Viele Beschäftigungsmöglichkeiten können Sie auch ganz einfach selbst bauen. Besonders Kinder lieben es zu basteln – vor allem, wenn Sie damit auch noch Ihren geliebten Haustieren eine Freude machen können. Bei folgenden Spiel- und Einrichtungsgegenständen können auch schon kleinere Kinder mithelfen:

  • Buddelkiste: Kaninchen lieben es zu buddeln und so können Sie einen größeren unbedruckten Schuh- oder Pappkarton ganz einfach zur Buddelkiste umfunktionieren, indem Sie ihn mit Sand, Erde, Stroh, Handtüchern oder Papierschnipseln füllen.
  • Futterrolle: Eine leere Klopapierrolle, ein bisschen Heu, Stroh oder Trockenkräuter und fertig ist die selbst gemachte Futterrolle. Mit einem Schaschlickspieß oder einem anderen spitzen Gegenstand können Sie zusätzlich auch kleine Löcher an die Seite bohren. So kann das Kaninchen das Futter auch durch die Seitenwände herauszupfen, und sich lange beschäftigen.
  • Futterbaum: Aus einem unbehandelten dicken Ast können Sie einen Futterbaum selbst basteln. Sägen Sie den Ast unten gerade ab und schrauben Sie diese Seite auf einer Holzplatte von unten fest. In den Ast bohren Sie mehrere Löcher in unterschiedlichen Höhen. In die Löcher geben Sie anschließend ein paar Leckerlis.
  • Hindernislauf: Unbehandelte Obstbaumäste sind nicht nur zum Anknabbern geeignet, sondern auch zur kreativen Gestaltung des Kaninchengeheges. Als kleinere Asthaufen auf dem Boden oder über Steine und Stämme gelegt, sind sie prima Hindernisse zum Klettern, Springen oder Verstecken.
  • Tipi: Mit etwas Geschick können Sie die Obstbaumäste (am besten vom Apfel- und Birnenbaum oder von Heidelbeer- und Johannisbeerbüschen) auch zu einem kleinen Tipi aufbauen, in das sich Ihr Kaninchen nach Lust und Laune zurückziehen kann.
Kaninchen mit einem Holzhaufen beschäftigen.
Äste sind nicht nur zur kreativen Gestaltung des Kaninchengeheges geeignet. Ihre Kaninchen können sie auch anknabbern oder ihre Krallen daran abwetzen und sich so sehr gut beschäftigen.

Kaninchen mit Clicker-Training beschäftigen

Einem Kaninchen Tricks beibringen? Klar, das geht. Eine gute Möglichkeit dazu ist das Clickertraining. Dabei bringen Sie Ihrem Kaninchen mit einem Clicker und ein paar Leckerlis (zum Beispiel kleine Apfel- oder Möhrenstückchen) kleine Tricks wie Männchenmachen, Apportieren oder über Hindernisse springen bei.

Dazu sollten Sie die Schwierigkeit Schritt für Schritt erhöhen und anfangs ganz leicht beginnen. Wichtig: Überfordern Sie Ihr Kaninchen nicht. Beenden Sie das Training sofort, wenn Sie bemerken, dass Ihr Kaninchen den Spaß verliert oder gar verängstigt wirkt.

Im ersten Schritt können Sie die Leckerlis einfach im Gehege verteilen. Läuft das Kaninchen hin, klicken Sie in dem Moment, kurz bevor das Kaninchen das Leckerli frisst. So lernt es mit der Zeit, dass unmittelbar auf das Geräusch des Clickers eine Belohnung (in Form eines Leckerlis) folgt.

Um es dazu zu bewegen, über Hindernisse zu springen oder Männchen zu machen, müssen Sie anschließend die Leckerlis so platzieren, dass das Kaninchen – um an sie heranzukommen – durch die Röhre schlüpfen, über den Ast klettern oder sich strecken muss. Sobald es kurz davor ist, es zu erwischen, betätigen Sie wieder den Clicker.

Nach einer Weile und mit ein bisschen Übung und Geduld, wird Ihr Kaninchen die gewünschte Handlung auch ohne das Leckerli, ganz allein aufgrund des bekannten Clicker-Geräuschs, ausführen.

Beschäftigung mit anderen Kaninchen

Das größte Gehege und die aufwendigsten Spielgeräte nützen aber nichts, wenn Ihr Kaninchen nur allein in dessen Genuss kommt. Kaninchen leben in der Natur in Gruppen und sollten deshalb auch zuhause mit mindestens einem Artgenossen gehalten werden. Ein Mensch kann ein zweites Kaninchen nicht ersetzen – egal wie sehr er sich bemüht und sich mit dem Kaninchen beschäftigt.

Fazit

Fest steht: Kaninchen sollten auch als Haustiere ihren natürlichen Verhaltensweisen nachkommen können. Mit einem abwechslungsreichen und großzügig angelegten Gehege, geeigneten Einrichtungs- und Spielgegenständen und mit der Haltung von mindestens einem weiteren Kaninchen, können Sie dafür sorgen, dass sich die niedlichen Haustiere bei Ihnen ausreichend beschäftigen können und sich somit rundum wohlfühlen.

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