Scottish Fold

Verfasst von Bärbel Edel
Scottish Fold Katze liegt auf Kratzbaum

Eine Scottish Fold ist leicht an ihren abgeknickten Ohren zu erkennen.

Auf Social Media begegnet man immer wieder Katzen mit umgeknickten Ohren. Diese Katzenrasse nennt sich Scottish Fold oder auf Deutsch Schottische Faltohrkatze. Die Faltohren verdankt sie einem Gendefekt, der mit schweren Knorpel- und Knochenschäden im ganzen Körper einhergeht. In Deutschland gilt die Scottish Fold deshalb als Qualzucht. Ihre Zucht ist verboten.

Aussehen: Ab wann haben Scottish Fold Knickohren?

Auffälligstes Merkmal der Scottish Fold, auch Schottische Faltohrkatze genannt, sind ihre umgeknickten Ohren. Die Kätzchen werden zunächst mit normalen Ohren geboren. Nach etwa vier Wochen knicken die Ohren dann nach vorne hin um.

Gendefekt sorgt für „süßes“ Aussehen

Ursache für diese Anomalie ist eine Erbkrankheit, die Knorpel und Knochen in Mitleidenschaft zieht. Weil das defekte Knorpelgewebe das Gewicht der Ohrmuscheln nicht tragen kann, kippen sie nach vorne.

Mit ihrem runden Gesicht, der breiten Nase und den großen Kulleraugen ähnelt die Scottish Fold einer Puppe. Die Faltohren verstärken das Kindchenschema noch. Es ist also kein Wunder, dass Katzen dieser Rasse als ausgesprochen niedlich gelten und gern für Werbezwecke verwendet werden.

Körperbau und Fellfarben der Scottish Fold

Bei der Scottish Fold handelt es sich um eine mittelgroße Katzenrasse mit einem gedrungenen Körper, stämmigen Beinen und einem dicken Schwanz. Eine Kätzin wiegt dabei zwischen zwei und vier Kilogramm; ein Kater bringt zwischen vier und fünf Kilo auf die Waage.

Des Weiteren ist das Fell der Scottish Fold dicht, flauschig und hat eine mittlere Länge.

Organisierte Katzenzüchter erkennen bei der Schottischen Faltohrkatze fast alle Fellfarben und -Zeichnungen an. Ausgenommen sind lediglich die Färbungen Chocolate, Siam-Point und Lilac.

tabby scottish fold kitten
Die Faltohren, das runde Gesicht und die Kulleraugen verstärken das Kindchenschema bei der Scottish Fold noch.

Charakter: Sind Scottish-Fold-Katzen verschmust?

Die Scottish Fold ist eine Katze mit einem ausgesprochen ruhigen Gemüt, die nur selten miaut. Sie gilt als anschmiegsam, intelligent und freundlich.

Man sagt ihr nach, dass sie die Stimmung „ihrer“ Menschen genau registriere und darauf eingehe – entweder, indem sie sie zum Spielen auffordert oder indem sie zum Kuscheln kommt.

Lärm, Trubel und Action sind der Scottish Fold schnell zu viel. Vor allem ältere Tiere bewegen sich ungern. Die mangelnde Aktivität liegt aber nicht etwa an einem phlegmatischen Temperament, sondern vielmehr daran, dass Angehörige dieser Katzenrasse oft Schmerzen im ganzen Körper haben.

Gendefekt: Warum gilt die Scottish Fold als Qualzucht?

Ihre typischen Faltohren verdankt die Scottish Fold der Osteochondrodysplasie, kurz OCD. Dabei handelt es sich um eine unheilbare Erbkrankheit, die zu ausgesprochen schmerzhaften Deformationen an Knorpeln und Knochen führt.

Äußerlich sichtbar sind die Knorpel- und Knochenschäden in erster Linie an den abgeknickten Ohren. Doch in Wirklichkeit ist der ganze Körper betroffen. Die Gelenke sind geschwollen und schmerzen. Oft sind ein steifer Gang und Lahmheit die Folge.

Haben Schottische Faltohrkatzen Schmerzen?

Häufig gesellt sich zu den angeborenen Schäden noch eine Arthrose hinzu. Laufen und Springen wird unter diesen Umständen zur Qual. Kein Wunder, dass die Tiere jede überflüssige Bewegung vermeiden und zuweilen aggressiv reagieren, wenn sie berührt werden.

Außerdem sind die Ohren ein wichtiges Kommunikationsmittel unter Katzen. Mit ihren Knickohren kann sich die Scottish Fold aber nur eingeschränkt mit ihren Artgenossen verständigen.

Experten haben die Scottish Fold deshalb als Qualzucht eingestuft. Es ist verboten, diese Katzenrasse in Deutschland zu züchten. Nach einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts Ansbach ist auch die häufig praktizierte Verpaarung mit Britisch Kurzhaarkatzen verboten.

Definition Qualzucht

„Als Qualzucht bezeichnet man bei der Züchtung von Tieren die Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen für die Tiere verbunden sind“, lautet die Definition der Berliner Tierärztekammer.

Eine solche Qualzucht von Katzen und anderen Tieren ist daher nach § 11b Tierschutzgesetz in Deutschland verboten.

Wie lange leben Scottish-Fold-Katzen?

Bei artgerechter Haltung und guter medizinischer Versorgung haben Schottische Faltohrkatzen eine durchaus hohe Lebenserwartung. Sie können im Schnitt zwölf bis 15 Jahre alt werden.

Haltung und Pflege: Hohe Anforderungen an die Wohnung

Aufgrund der Gesundheitsprobleme sollten sich Scottish-Fold-Besitzer auf häufige Besuche beim Tierarzt einstellen. Manche Samtpfoten müssen ihr Leben lang mit Schmerzmitteln behandelt werden.

Auch bei der Wohnungseinrichtung sollten Sie auf die speziellen Bedürfnisse dieser Rasse eingehen: Hohe Kratzbäume machen hier weniger Sinn, besser geeignet ist zum Beispiel ein Kratzbaum für ältere Katzen. Ein solcher ist niedriger und deshalb leichter zu erklettern.

Stellen Sie ihrer Faltohrkatze außerdem weiche, gemütliche Katzenkissen und Kuschelhöhlen als Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung.

scottish fold katze sitzt hinter kratzbaum
Viele Scottish-Fold-Katzen leiden unter Schmerzen. Niedrige Kratzbäume und weiche Rückzugsorte sind daher Pflicht.

Katzen sind generell sehr reinliche Tiere und legen Wert auf eine saubere Katzentoilette. Die Scottish Fold ist in dieser Hinsicht besonders anspruchsvoll. Ihr „stilles Örtchen“ sollte penibel sauber gehalten werden. Achten Sie auf eine geräumige Toilette mit einem niedrigen Einstieg.

Wichtig: Regelmäßige Pflege der Ohren

Relativ pflegeleicht ist das Fell der Scottish Fold. Es genügt, wenn Sie es ab und zu bürsten.

Die Ohren dagegen sollten Sie jeden Tag kontrollieren. Falls sie verunreinigt sind, entfernen Sie den Schmutz vorsichtig mit einem fusselfreien Baumwolltuch und einem Ohrreiniger vom Tierarzt.

Herkunft und Zucht der Scottish Fold

Die Ursprünge der Rasse liegen in Großbritannien: Anfang der 1960er-Jahre entdeckte ein Schäfer auf einem schottischen Bauernhof eine Katze mit gefalteten Ohren.

Die Nachkommen dieser Katze, die auf den Namen „Susie“ getauft wurde, hatten ebenfalls Knickohren. Der Schäfer kreuzte einer dieser Katzen mit einer Britisch Kurzhaar, woraus weitere Faltohrkatzen entstanden. Damit begann die Zucht der schottischen Katzenrasse.

Wegen des Gendefekts wird die Scottish Fold von einigen Katzenzuchtverbänden nicht als Rasse anerkannt. Dazu gehört zum Beispiel der internationale Verband Fédération Internationale Féline (FiFe).

Verwandte Rassen

Neben der kurzhaarigen Scottish Fold gibt es noch eine Variante mit halblangen Haaren. Diese wird Highland Fold oder Coupari genannt.

Eine Scottish Fold kaufen? Bitte nicht!

Aufgrund der gravierenden Gesundheitsprobleme ist die Zucht von Faltohrkatzen in Deutschland verboten. Dennoch werden auf diversen Anzeigenportalen ganz offen Katzen mit umgeknickten Ohren angeboten.

Was kostet eine Scottish Fold?

Eine Katze der Rasse Scottish Fold kostet zwischen 300 und 1.000 Euro.

Auch wenn die Miezen ausgesprochen niedlich aussehen: Bitte bedenken Sie, dass Sie durch Ihre Nachfrage weiteres Tierleid fördern. Aus ethischen Gründen sollten Sie daher darauf verzichten, eine Scottish Fold bei einem Züchter oder „von privat“ zu kaufen.

Vielleicht wartet in Ihrem örtlichen Tierheim eine Schottische Faltohrkatze auf ein neues Zuhause. Es ist gar nicht so selten, dass auch Rassekatzen im Tierschutz landen. Tierheime geben Katzen in der Regel gegen eine geringe Schutzgebühr ab.

Fazit: Qualzucht nicht unterstützen

Mit ihrem niedlichen Aussehen ist die Scottish Fold zu einer Modekatze geworden. Doch ihre Knickohren hat sie einer Erbkrankheit zu verdanken, die mit einem erheblichen Leiden einhergeht. Die Zucht von Schottischen Faltohrkatzen sollte daher nicht unterstützt werden.


Bärbel Edel
Profilbild von Magazin-Autorin Bärbel Edel

Ich bin Journalistin, liebe Tiere und habe bereits während meines Volkskunde-Studiums zur Beziehung zwischen Menschen und Hunden geforscht. Vor einigen Jahren habe ich einen Kater aus dem Münchner Tierheim adoptiert. Elvis war der Anlass, meinen Katzenblog „Lieblingskatze“ zu gründen und mich auch journalistisch mit Tieren zu befassen. Mit meinen Artikeln möchte ich dazu beitragen, dass Menschen ihre Heimtiere besser verstehen.


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