Bouvier des Flandres

Verfasst von Natalie Decker
Bouvier des Flandres Hund auf Wiese

Der Bouvier des Flandres ist ein großer Hund mit kompaktem Körperbau.

Der Bouvier des Flandres, auch Flandrischer Treibhund oder Vlaamse Koehund genannt, ist ein belgischer Hütehund. Früher trieb er Kühe und Pferde zusammen. Heute ist der „Bouv“ ein loyaler Wach- und Familienhund mit ausgeglichenem Charakter. Sein langes, raues Fell bedeutet für seine Halter allerdings einen erhöhten Pflegeaufwand.

Aussehen des Bouvier des Flandres: Hund mit Bart

Der Bouvier des Flandres ist ein großer, kräftiger Hund mit einem kompakten Körperbau. Insgesamt wirkt er stämmig und gedrungen, ohne dabei plump auszusehen.

Rüden erreichen eine Widerristhöhe zwischen 62 und 68 Zentimetern, Hündinnen zwischen 59 und 65 Zentimetern. Das Gewicht liegt zwischen 27 und 40 Kilogramm.

Wann ist ein Bouvier des Flandres ausgewachsen?

Die Rasse zählt zu den Spätentwicklern. Erst mit etwa drei Jahren ist der Bouvier des Flandres körperlich und geistig erwachsen. Charakteristisch für den „Bouv“ sind der Vollbart am Kinn und der Schnauzbart an der Oberlippe.

In seiner belgischen Heimat brachte ihm dieses Merkmal den liebevollen Spitznamen „Vuilbaard“, übersetzt „Schmutziger Bart“, ein.

Langes, raues und dunkles Haarkleid

Das lange Fell des Flandrischen Treibhunds fühlt sich spröde, rau und trocken an. Es hat eine graue, schwarz gewolkte oder gestromte Farbe. Ein tiefschwarzes Fell sowie ein weißer Stern auf der Brust werden toleriert. Hellere Fellfarben sind laut Rassestandard nicht erwünscht.

Die Ohren sind beim Vlaamse Koehund von Natur aus mittellang und herabhängend. Seine Rute ist relativ hoch angesetzt. Beides wurde früher häufig kupiert, was heute in vielen Ländern untersagt ist.

schwarzer bouvier des flandres hund im garten © volofin / stock.adobe.com
Typisch für den Bouv ist der Vollbart am Kinn.

Charakter & Eignung: Der Bouvier des Flandres als Familienhund

Der Bouvier des Flandres gehört zur Gruppe der Hütehunde und Treibhunde. Seine ursprüngliche Aufgabe war es, Großvieh wie Pferde und Kühe anzutreiben und zu bewachen. Darauf deutet auch sein niederländischer Name Vlaamse Koehund, also Flämischer Kuhhund, hin.

Um seine Funktion als Gebrauchshund selbstbewusst erfüllen zu können, entwickelte der Flandrische Treibhund ein ruhiges, ausgeglichenes, teilweise sogar stoisches Wesen. Da er als Beschützer von Kuh- und Pferdeherden auch immer wieder eigenständige Entscheidungen treffen muss, ist er zudem klug, mutig – und manchmal auch stur.

Im Einsatz als Polizei- und Wachhund

Seine rassetypischen Eigenschaften machen den Bouvier des Flandres zu einem exzellenten Schutz- und Polizeihund. Auch als loyaler Wachhund sowie als Fährtenhund wird er aufgrund seiner Intelligenz und seiner feinen Nase gerne eingesetzt.

Und auch als Familienhund macht der kräftige Vierbeiner eine gute Figur. Der geduldige „Bouv“ kommt in der Regel gut mit Kindern zurecht und akzeptiert auch andere Hunde sowie Haustiere, sofern er entsprechend sozialisiert wurde.

Haltung & Training: Hundeerfahrung erwünscht

Ein großer Hund wie der Vlaamse Koehund, der über einen ausgeprägten Beschützerinstinkt verfügt, sollte in einer ländlichen Gegend leben dürfen. In einem Haus oder einer größeren Wohnung mit Garten hat der Bouvier des Flandres ausreichend Platz und kann sich als Wachhund betätigen.

Der unternehmungslustige, lernwillige Vierbeiner möchte körperlich und geistig ausgelastet werden. Neben den täglichen Gassirunden wünscht er sich eine Aufgabe, die er erfüllen darf – etwa als ausgebildeter Fährtenhund.

Der Bouvier des Flandres im Zughundesport

Hundesport, insbesondere Zughundesport, bietet sich ebenfalls an, um den Bouvier des Flandres artgerecht zu beschäftigen. Denn in der Vergangenheit wurde die Rasse eingesetzt, um schwere Butterfässer zu bewegen. Als sogenannter Treidelhund hat er zudem früher vom Ufer aus Kähne über das Wasser gezogen.

Die Fähigkeit, schwere Lasten zu bewegen, ist der Rasse erhalten geblieben: Die starken Tiere können das Achtfache ihres eigenen Körpergewichts ziehen. Aber auch Agility oder Obedience sind gut geeignet, um den gelehrigen, athletischen Bouvier des Flandres zu beschäftigen.

Konsequenz und Geduld in der Hundeerziehung

Um einen Flandrischen Treibhund zu trainieren, ist etwas Hundeerfahrung notwendig. Denn dieser Hund bindet sich zwar eng an seine Bezugsperson, doch aufgrund seiner rassetypischen Eigenständigkeit ordnet er sich weniger stark unter als andere Vierbeiner.

Wer mit ihm arbeiten möchte, braucht Geduld, Konsequenz und Einfühlungsvermögen. Wichtig ist, den Bouvier des Flandres frühzeitig durch Rückruftraining abrufbar zu machen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass er beim Spaziergang ausbüxt.

hündin mit welpe im freien © Dogs / stock.adobe.com
Bouviers brauchen schon ab dem Welpenalter eine konsequente Erziehung, um ihrer Eigenständigkeit entgegenzuwirken.

Pflege: Tägliches Bürsten ist Pflicht

Das lange, üppige Fell des Bouvier des Flandres braucht eine sorgsame Pflege. Es sollte auf eine Länge von etwa sechs Zentimetern getrimmt werden. Täglich muss das Haarkleid gründlich gebürstet werden.

Dabei sollten Sie besonderes Augenmerk auf den Schnauz- und Vollbart Ihres Tieres legen und etwaige Futterreste aus dem „Schmutzbart“ entfernen. Insbesondere während des Fellwechsels muss zudem die dichte Unterwolle von Knötchen und Verfilzungen befreit werden.

Der Bouvier des Flandres haart kaum

Darüber hinaus sollten Sie ab und an die Pfoten Ihres Vierbeiners kontrollieren und etwaige Haarknoten zwischen den Ballen vorsichtig herausschneiden. Die herabhängenden Ohren des Flandrischen Treibhunds neigen zu Entzündungen und müssen daher ebenfalls des Öfteren überprüft werden.

Gut zu wissen: Die Fellpflege ist bei dieser Rasse zwar etwas aufwendiger. Doch wenn sie regelmäßig durchgeführt wird, haart der Vlaamse Koehund kaum und entwickelt nur wenig hundetypischen Eigengeruch.

Ernährung & Gesundheit: Robuste Rasse mit kleinen Schwächen

Ein großer, kräftiger Hund wie der Bouvier des Flandres braucht mineralstoff- und vitaminreiches Futter. Es sollte auf mehrere, kleine Portionen über den Tag verteilt werden, um der Gefahr einer lebensbedrohlichen Magendrehung vorzubeugen.

Auch für die biologisch artgerechte Rohfütterung, kurz Barfen, können sich viele Hunde dieser Rasse begeistern. Wer diese spezielle Art der Fütterung ausprobieren möchte, sollte sich allerdings vorab mit der exakten Zusammensetzung der Mahlzeiten beschäftigen und sich im Zweifelsfall vom Tierarzt beraten lassen.

Anfälligkeiten des Bouv

Wie viele andere große Rassen neigt auch der Flandrische Treibhund zur Hüftgelenksdysplasie. Dabei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung des Hüftgelenks, die zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen führt. Auch Augenprobleme wie etwa der Graue Star können auftreten.

Insgesamt gilt der Bouvier des Flandres jedoch als ursprüngliche, recht robuste Rasse.

Wie alt wird der Bouvier des Flandres?

Tiere, die aus einer seriösen Zucht stammen und artgerecht gehalten werden, können ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen.

Geschichte der Rasse: Ursprungsland Belgien

Seine Herkunft trägt der Bouvier des Flandres bereits im Namen. „Les Frandres“ ist die französische Bezeichnung der Region Flandern in Belgien. Dort wurde der stämmige, kühne Vierbeiner früher als Viehtreiber eingesetzt, der selbst Wölfe und Bären in die Flucht schlug.

Die Rasse geht wahrscheinlich auf die Molosser zurück, die die Spanier während des niederländischen Unabhängigkeitskriegs im 16. Jahrhundert mit nach Flandern brachten. Aus ihnen ging später wohl der robuste, widerstandsfähige Flandrische Treibhund hervor, der mit Mut und Ausdauer Großvieh beschützte.

Fast ausgestorben, dann gerettet

Im Jahr 1910 erfolgte schließlich die offizielle Anerkennung der Rasse. Nachdem der Bouvier des Flandres während des Ersten Weltkriegs beinahe ausgestorben wäre, wurden 1922 einheitliche Rassestandards festgelegt. Im Anschluss konnte die Hunderasse durch gezielte Rückkreuzungen gerettet werden.

Anschaffung: Kauf des Bouvier des Flandres beim Züchter

Obwohl die Rasse inzwischen einige Liebhaber hat, gehört sie nicht zu den Modehunden und ist daher nicht sehr verbreitet. In Tierheimen ist der Bouvier des Flandres deshalb eher selten zu finden.

Wie viel kostet ein Flandrischer Treibhund vom Züchter?

Wer einen Welpen dieser Rasse kaufen möchte, sollte daher einen Züchter aufsuchen. Für einen gesunden Welpen aus seriöser Zucht müssen Hundefreunde mit einem Preis von 1300 Euro bis 1900 Euro rechnen.

Dabei ist zu bedenken, dass insbesondere Tiere aus den niederländischen Schutzhund-Zuchtlinien oftmals sehr skeptisch gegenüber Fremden sind. Sie schlagen an, wenn ein Unbekannter das Grundstück betritt, und machen sich bereit zur Verteidigung. Bei Züchtungen aus anderen Ländern äußert sich das Misstrauen gegenüber Fremden dagegen häufig in Ängstlichkeit.

Fazit: Charmanter Begleiter für Familien

Wer dem Bouvier des Flandres ein artgerechtes Zuhause mit viel Auslauf und fordernden Beschäftigungsmöglichkeiten bieten kann, hat einen treuen Freund auf vier Pfoten an seiner Seite. Seine Sanftmut, Freundlichkeit und Intelligenz machen den ehemaligen Bauern- und Hirtenhund zu einem charmanten Begleiter für aktive Familien.

Steckbrief zum Bouvier des Flandres

Kurzinfo: Der Bouvier des Flandres ist ein kräftiger, kompakter Hütehund, der früher vor allem Pferde und Kühe bewachte. Sein ruhiges Wesen macht ihn aber auch zu einem treuen Begleiter für Familien.
Widerristhöhe: Rüde: 62–68 cm, Hündin: 59–65 cm
Gewicht: Rüde: 35–40 kg, Hündin: 27–35 kg
Durchschnittliche Lebenserwartung: 10-12 Jahre, seltener bis zu 15 Jahre
Preis: ab 1.300 Euro
Wesen: klug, freundlich, familienorientiert, sanftmütig, geduldig, rational
Fell: lang und spröde
Fellfarbe: grau, schwarz, graubraun, gestromt oder gewolkt
Erziehungsaufwand: mittel
Pflegeaufwand: hoch
Bewegungsbedarf: hoch
Herkunft: Belgien

Quellen:


Natalie Decker
Profilbild Natalie Decker (mit Pferd)

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.


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