Grauer Star beim Hund This article is verified by a vet

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Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Grauer Star beim Hund tierarzt

Als grauer Star oder auch Katarakt genannt, wird die Trübung der Augenlinse durch krankhafte Veränderungen bezeichnet. Der Name leitet sich von dem gräulichen Erscheinungsbild des Auges ab, wobei das Endstadium als schneeweiß beschrieben wird. Die Linse des Auges liegt zwischen der hinteren Augenkammer und dem Glaskörper und besteht aus einer vorderen und hinteren Kapsel, einer Rindenschicht sowie einem Linsenkern.

Um sehen zu können, benötigt es eine transparente Linse. Diese Transparenz wird durch einen dichten Faserverlauf der Rinde und des Kerns ermöglicht. Ob und wie weit es zur Einschränkung des Sehvermögens kommt, ist abhängig von den Veränderungen des Faserverlaufes und dem Schweregrad der Linsentrübung. Dabei muss streng von einer milden altersbedingten Linsentrübung (Kernsklerose) unterschieden werden, welche nur in wenigen Fällen mit einer Erblindung des Hundes einhergeht.

Ursächlich kann ein grauer Star angeboren oder erworben sein:

Angeboren

Die erbliche Katarakt (HC, hereditäre Katarakt) wird rezessiv vererbt und betrifft meistens beide Augen. Besonders häufig erkranken Rassen wie der Labrador Retriever, Golden Retriever, Husky, Schnauzer und Afghane. Eine weitere angeborene Augenerkrankung ist die progressive Retinaatrophie (PRA), welche bei allen Hunderassen vorkommen kann und eine Rückbildung der Netzhaut hervorruft. Im Laufe dieser komplexen Erkrankung kann es ebenfalls zu einer Katarakt kommen.

Erworben

Am häufigsten ist die erworbene Katarakt, welche entweder ohne Grunderkrankung durch das Alter (primärer grauer Star) oder durch Augenerkrankungen (sekundärer grauer Star) auftritt.

Darunter fallen Erkrankungen wie eine Augenentzündung (Uveitis), Verletzungen und Missbildungen von Augenstrukturen wie der Netzhaut oder aber auch systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Dabei erkranken bis zu 60% der an Diabetes mellitus erkrankten Hunde an einer meist beidseits auftretenden Katarakt. Seltener können Intoxikationen und physikalische Reize wie Strahlung zu der Erkrankung führen.

Wie entsteht die Trübung?

  1. krankhafte Aufnahme von Wasser (Bei einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kommt es zu einer krankhaften Einlagerung von Zucker in die Linse, wodurch durch einen erhöhten osmotischen Druck vermehrt Wasser in das Gewebe einströmt)
  2. Die sonst dicht zusammen liegenden Fasern werden auseinander gedrückt und bedingen ein Aufquellen der Linsenstrukturen

Symptome

Eine Katarakt äußert sich durch seine typischen Erscheinungsmerkmale, der grauen Linsentrübung eines oder beider Augen sowie dem fehlenden Sehvermögens. Da ein grauer Star eine fortschreitende Krankheit ist und über mehrere Monate und Jahre entstehen kann, wird sie in verschiedene Stadien eingeteilt. Im Anfangsstadium zeigt sich der graue Star durch kleine schwache Flecken der Linsentrübung, welche sich fortschreitend zu größeren Bereichen trüben. Ist der Augenhintergrund nur schwach zu erkennen, handelt es sich um eine immature Katarakt.

Verschlechtert sich die Situation weiter, indem der Augenhintergrund vollständig verschwunden ist, handelt es sich um eine mature Katarakt. In diesem Stadium ist der Hund größtenteils erblindet. Schreitet die Erkrankung weiter fort, kommt es zum Auflösen der Augenlinse und damit zu einer schweren Augenentzündung. Dieses Stadium wird als hypermature Katarakt bezeichnet und geht manchmal mit einer leichten Gelbfärbung der Linse einher. Entzündungen der Netzhaut und des Ziliarkörpers (Uveitis) können sehr schmerzhaft verlaufen und sind mit einer Rötung und Schwellung des Auges verbunden. Im fortschreitenden Geschehen kann es zum Verschieben der Linse (Linsenluxation) und damit zu einem grünen Star (Glaukom) kommen. Dieser ist in jedem Fall mit Schmerzen verbunden.

Durch das oftmals eingeschränkte oder vollständig fehlende Sehvermögen zeigen die Hunde vermehrte Orientierungslosigkeit, Bewegungsunlust sowie Anstoßen von Gegenständen und Personen. Ist nur ein Auge betroffen, können manche Hunde die Erkrankung durch das gesunde Auge ausgleichen.

Ist der graue Star durch eine systemische Erkrankung wie dem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) entstanden, können ebenfalls Symptome wie eine vermehrte Wasseraufnahme sowie Urinabgabe und ein steigendes Hungergefühl vorkommen.

hund mit grauer star

Diagnostik

Sollten Sie den Verdacht haben, dass ihr Hund an einem grauen Star erkranken sollte, zögern Sie nicht lange und lassen Sie ihn beim Tierarzt untersuchen. Verhaltensänderungen und sonstige Anhaltspunkte werden in der Anamnese abgefragt. Nach einer nachfolgenden allgemeinen Untersuchung, welche eventuelle grundliegende Krankheiten wie einen Diabetes mellitus ausschließt, folgt eine spezielle Augenuntersuchung. Zuerst betrachtet der Tierarzt die allgemeinen Bewegungen sowie das äußere Auge des Hundes. Danach können weitere Tests durchgeführt werden, um eine mögliche Sehstörung zu erkennen.

Danach erfolgt eine genaue Betrachtung der inneren Augenstrukturen. Dies kann nur während der Weitstellung der Pupille geschehen, weshalb für die Untersuchung spezielle Augentropfen nötig sind.

Folgende medizinische Geräte helfen bei der Diagnosestellung:

  • Mit Hilfe einer Spaltlampe kann sich der Tierarzt anhand von y-förmigen Nähten innerhalb der Linse orientieren und die Trübung genauer lokalisieren
  • Mit einem speziellen Ultraschallgerät kann der Tierarzt den Gesundheitszustand der Linse sowie weiterer Augenstrukturen genauer einschätzen
  • Das Elektroretinogramm (ERG) gibt zusätzlich Hinweise auf bereits geschehene Schäden der Netzhaut

Therapie

Der graue Star kann durch seinen progressiven Verlauf nicht durch eine medikamentelle Therapie geheilt werden. Um schmerzhafte Folgen zu vermeiden, steht als einzige Möglichkeit eine operative Entfernung der Linse zur Verfügung. Dafür sollte sich der Hund in einem guten Allgemeinzustand befinden, da dazu eine Vollnarkose notwendig ist. Nach einer Katarakt-Operation erfolgt für mehrere Tage eine postoperative Wundhygiene. Trotz erfolgreicher Operation sollte das Auge regelmäßig untersucht werden.

Prognose

Die Prognose eines grauen Stars ist davon abhängig, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet. Sollten alle Untersuchungen ergeben, dass eine Operation durchgeführt werden kann, liegt die Wahrscheinlichkeit der Wiederherstellung des Sehvermögens bei etwa 80-95%. Sollten sich innere Augenstrukturen bereits entzündet haben oder hat sich die Linse bereits gelöst, sinkt die Wahrscheinlichkeit.

Vorbeugen

Auf Grund der altersbedingten Veränderungen sowie der erblich bedingten Ursachen gibt es kaum prophylaktische Maßnahmen. Lediglich kann das Risiko an Diabetes mellitus zu erkranken, durch eine gesunde Ernährung und genügend Bewegung minimiert werden.

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