Cherry Eye beim Hund: Ursachen und Behandlung Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Cherry Eye Hund

Hell- bis kirschrot zeigt sich das sogenannte Cherry Eye bei einem Hund.

Veränderungen wie rote Knubbel an den Augen von Hunden wirken auf den ersten Blick erschreckend. Doch wie gefährlich ist das sogenannte Cherry Eye beim Hund? Erfahren Sie alles zu den Auslösern und Symptomen der Augenkrankheit und was betroffene Hunde brauchen.

Was ist ein Cherry Eye beim Hund?

Hunde haben an den inneren Augenwinkeln ein drittes Augenlid, das auch Nickhaut genannt wird. Es trägt die sogenannte Nickhautdrüse, die für die Produktion von Tränenflüssigkeit zuständig ist.

Wenn die Nickhautdrüse aus verschiedenen Gründen anschwillt, kann sie sich über den weißen Rand der Nickhaut hinauswölben. Da der Ansatz dieser Drüse wie eine rote Kirsche aussieht, bezeichnen Tierärzte dies als Nickhautdrüsen-Hypertrophie oder Kirschauge – im Englischen „cherry eye“.

Ist ein Cherry Eye beim Hund gefährlich und schmerzhaft?

Die gute Nachricht vorab: Ein Cherry Eye ist für Ihren Hund in der Regel schmerzlos und stellt in erster Linie keinen Notfall dar. Dennoch sollten Sie Ihren Tierarzt einen Blick auf das veränderte Hundeauge werfen lassen. Denn dieses kann auf verschiedene Grunderkrankungen zurückzuführen sein.

Zudem kann ein unbehandeltes Cherry Eye die Augen Ihres Vierbeiners austrocknen und zu einer Keratoconjunctivitis sicca führen. Diese chronische Austrocknung der Binde- und Hornhaut kann für Ihren Hund sehr unangenehm sein und die Augen schädigen.

Cherry Eye beim Rottweiler © Mary Swift / stock.adobe.com
Ein Nickhautdrüsenvorfall kann einseitig auftreten oder wie bei diesem Rottweiler auf beiden Augen.

Welche Hunde neigen zu einem Cherry Eye?

Da verschiedene Ursachen zu einem Cherry Eye beim Hund führen können, kann grundsätzlich jeder Hund darunter leiden. Besonders häufig tritt ein Cherry Eye allerdings bei jungen Hunden auf.

Außerdem vermutet man, dass die Rasse einen Einfluss auf das Auftreten eines Cherry Eyes bei Hunden hat. Besonders bei zwei Gruppen stellen Tierärzte die Krankheit häufiger fest:

Wie erkennt man ein Cherry Eye beim Hund: Symptome der Augenkrankheit

Je nach Ursache kann das Cherry Eye bei Hunden ein- oder beidseitig auftreten. Sie erkennen es deutlich an einem roten Knubbel, der unter dem dritten Augenlid hervortritt. Da dieser Zustand Ihren Hund stört, kratzt er sich häufiger am Auge und kneift es zu. Infolgedessen kann das betroffene Auge erröten und tränen.

Wann sollte ich zum Tierarzt?

Können Sie entsprechende Veränderungen an einem oder an beiden Augen Ihres Hundes erkennen, sollten Sie frühzeitig Ihren Tierarzt aufsuchen. Nur so können Sie gesundheitliche Folgeschäden wie Blindheit verhindern.

Diagnose: Wie lässt sich ein Cherry Eye beim Hund nachweisen?

Das Cherry Eye springt sofort ins Auge und ist für den Tierarzt deshalb auf den ersten Blick erkennbar. In der Regel sind deshalb keine weiteren diagnostischen Schritte erforderlich.

Es ist jedoch wichtig, dass Ihr Tierarzt die zugrunde liegende Krankheit herausfindet. Dafür können weitere diagnostische Tests erforderlich sein. Zu diesem Zweck ist eine Augenuntersuchung ratsam, um Verletzungen oder Tumore an den Augen zu erkennen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Cherry Eye und dem Nickhautvorfall beim Hund?

Hundehalter setzen die Begriffe Cherry Eye und Nickhautvorfall oft gleich. Streng genommen handelt es sich dabei aber um zwei verschiedene Vorgänge.

  • Bei einem Nickhautvorfall beim Hund ist das dritte Augenlid vorgefallen und dehnt sich als weiße bis leicht rötliche Haut bis zur Mitte des Auges aus.
  • Beim Cherry Eye hingegen tritt die Nickhautdrüse vor dem dritten Augenlid hervor, was sich als roter Knubbel äußert.

Therapie: Wie wird ein Cherry Eye beim Hund behandelt?

Im besten Fall schwillt die Nickhautdrüse wieder von allein ab, sodass keine weitere Behandlung erforderlich ist. Passiert das nicht, kann der Tierarzt nachhelfen. Er wird dafür eine Lokalanästhesie einsetzen und die leicht angeschwollene Nickhautdrüse wieder einstülpen.

Die operative Fixierung

Wenn die Nickhautdrüse Ihres Hundes stark geschwollen und vorgefallen ist, sollte innerhalb weniger Wochen eine operative Behebung erfolgen. Da die Augen Ihres Hundes sehr empfindlich sind, erfolgt dieser Eingriff immer unter Vollnarkose.

Ist der Hund weggeschlummert, kann der Tierarzt verschiedene Operationstechniken anwenden. Eine weit verbreitete Methode ist die folgende:

  • Ihr Tierarzt setzt kleine Schnitte, um eine Tasche unter dem Augapfel anzulegen.
  • In diese Tasche legt der Tierarzt vorsichtig die angeschwollene Nickhautdrüse.
  • Abhängig vom Schwellungsgrad sichert er die Drüse anschließend mithilfe von Nähten.

Hinweis: Da die Nickhautdrüse für die Befeuchtung der Augen notwendig ist und Trockenheit die Augen schädigt, ist eine Entfernung dieser Drüse heutzutage als veraltet anzusehen.

OP-Nachsorge: So unterstützen Sie den Heilungsprozess

  • Nach der Operation verschreibt Ihnen Ihr Tierarzt entsprechend dem Verlauf der Operation Antibiotika in Form von Augentropfen oder Tabletten, Entzündungshemmer und Schmerzmittel.
  • Damit das Auge Ihres Hundes vollständig heilen kann, sollten Sie Ihrem Hund zum Kratzschutz eine Halskrause umlegen.
  • Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Hund so wenig Schmutz wie möglich ins Auge bekommt. So sind Spaziergänge an staubigen Orten vorübergehend tabu. Hier kann zudem das Tragen von speziellen und schützenden Hundebrillen sinnvoll sein.
  • Ebenso sollte Ihr Hund nach der Operation nicht baden, damit kein Wasser in das Auge gelangt.

Welche Komplikationen können bei der OP auftreten?

Neben Rötungen und Schwellungen führt die Cherry Eye Operation zu keinen weiteren Komplikationen. In seltenen Fällen kommt es zu Wundinfektionen, Nahtbrüchen oder der Bildung von Zysten, also flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen. Auch Hornhautdefekte können auftreten.

Wie viel kostet eine Cherry Eye OP?

Die Kosten einer Cherry Eye Operation hängen von folgenden Faktoren ab:

  • dem Gebührensatz der vor Ort geltenden Gebührenordnung (GOT)
  • der Wahl der Operationstechnik
  • möglichen Komplikationen während der OP

Die Kosten für die Verlegung und Fixierung einer Nickhautdrüse betragen nach der deutschen GOT (Stand 2022) 300 Euro. Hinzu kommen weitere Kosten für notwendige Verbrauchsmaterialien, Medikamente, Anästhesie und Co. Die Gesamtkosten für eine solche Operation können also schnell 1.000 Euro und mehr erreichen.

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt vor dem Eingriff einen Kostenvoranschlag geben.

Kann ich ein Cherry Eye beim Hund selbst behandeln?

Aufgrund der Kosten für eine Cherry Eye-OP fragen viele Hundehalter sich, ob sie ein Cherry Eye beim Hund wegmassieren oder selbst zurückschieben können. Das mag gut gemeint sein, allerdings haben solche Selbstversuche in der Regel einen gegenteiligen Effekt.

Da Sie dabei im schlimmsten Fall das Auge Ihres Hundes verletzen, sollten Sie von selbst durchgeführten Behandlungen absehen und auf jeden Fall einen Tierarzt hinzuziehen.

Cherry Eye-Behandlung nach OP © sap / stock.adobe.com
Damit das Auge des Hundes nach einer Cherry Eye Operation gut heilen kann, sind Antibiotika in Form von Augentropfen zu verabreichen.

Ursachen: Wie entsteht ein Cherry Eye beim Hund?

Verschiedene Ursachen können dazu führen, dass die Nickhautdrüse bei Hunden anschwillt und hervorsteht. Dabei spielt oft eine Störung in der Verbindung zwischen der Basis des dritten Augenlids und der Augenhöhle eine Rolle.

Entzündungen und Verletzungen

Augenentzündungen können ebenfalls eine Ursache für einen Nickhautvorfall beim Hund sein. Zudem sind Verletzungen durch Fremdkörper wie Grannen mögliche Auslöser für Veränderungen an der Nickhaut.

Tumore als Ursache

Auch wenn Tumore der Nickhaut bei Hunden selten vorkommen, können sie zu einem Cherry Eye führen. Vor allem das Lymphosarkom spielt hier eine bedeutende Rolle.

Ist ein Cherry Eye vererbbar?

Tierärzte vermuten eine erbliche Veranlagung für Cherry Eye, insbesondere bei brachyzephalen Hunderassen mit deformierten Köpfen. Die Augenhöhlen dieser Hunde sind flacher und die Nase ist kurz. Infolgedessen sind die Raumverhältnisse anders als bei anderen Hunderassen, was sich auf die Nickhautdrüse auswirken kann.

Prognose: Wie sind die Heilungschancen?

Wird das Cherry Eye früh behandelt, stehen die Prognosen für Ihren Hund in der Regel gut. Beachten Sie jedoch, dass die ursächliche Grunderkrankung einen erheblichen Einfluss auf die Heilungschancen hat und eine Verallgemeinerung daher nicht möglich ist.

Außerdem kann es vorkommen, dass die Symptome wieder auftreten. Deshalb sollten Sie die Augen Ihres Hundes regelmäßig kontrollieren.

Vorbeugung: Lässt sich ein Cherry Eye beim Hund vermeiden?

Aufgrund der vielen möglichen Auslöser ist es nicht möglich, Hunde grundsätzlich vor einem Cherry Eye zu bewahren. Sie können jedoch vorbeugend für eine gute Augengesundheit Ihres Hundes sorgen, indem Sie seine Augen regelmäßig kontrollieren.

Beachten Sie zudem die folgenden Tipps:

  • Prüfen Sie nach dem Gassigehen, ob möglicherweise beim Herumtollen im Sand oder Wald störende Fremdkörper in die Augen Ihres Hundes gelangt sind.
  • Wenn Ihr Hund zu trockenen Augen (Keratokonjunktivitis sicca) neigt, können Sie sich von Ihrem Tierarzt zu geeigneten Augensalben oder Augentropfen beraten lassen.

Qualzuchten erkennen und vermeiden

Dem Cherry Eye können Sie auch schon bei der Anschaffung eines Vierbeiners vorbeugen, indem Sie um Qualzuchten einen Bogen machen. Darunter verstehen Tierärzte die Zucht von Qualzuchtmerkmalen, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Ein Paradebeispiel sind brachyzephale Hunderassen, die neben den genetisch bedingten Atemproblemen auch zu Zahn-, Haut-, Augen- und Ohrenproblemen neigen. Um Hunden dieses qualvolle Leid zu ersparen, sollten Sie sich vor der Züchterauswahl einmal in Ruhe mit dem Thema Qualzucht bei Hunden auseinandersetzen.

Quellen:


Franziska G., Tierärztin
Profilbild von Tierärztin Franziska Gütgeman mit Hund

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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