Lebererkrankung beim Hund 

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
boston terrier tierarzt

Die Leber ist ein sehr wichtiges Organ und übernimmt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel des Hundes. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört die Verwertung von wichtigen Futterbestandteilen, die Produktion wichtiger Eiweiße (Proteine) sowie der Abbau und die Ausscheidung von giftigen Stoffen aus dem Körper. Neben diesen Hauptaufgaben gehören jedoch noch viele weitere Funktionen zu ihrem Aufgabenbereich.

Lebererkrankungen beim Hund können jede Rasse in jedem Alter betreffen, wobei besonders Erbkrankheiten bei Junghunden und tumoröse Erkrankungen alte Hunde betreffen. Um die Entstehung einer Lebererkrankung besser verstehen zu können, ist ein Blick auf die Anatomie und die wichtigsten Funktionen der Leber hilfreich:

Anatomie

Die Leber des Hundes befindet sich im vorderen Bauchbereich und wird zum Teil durch die Rippen geschützt. Sie ist in 7 Leberlappen aufgeteilt, welche jeweils aus vielen Untereinheiten zusammengesetzt sind. Diese sogenannten Leberläppchen besitzen eine sechseckige Form und bestehen aus Leberzellen (Hepatozyten). Zwischen diesen Leberzellen verlaufen zahlreiche Blutgefäße (Sinusoide), welche das Blut aus der Pfortader und Leberarterie durch die Leber in die Zentralvene befördern. Während des Blutflusses nehmen die Leberzellen Schad- und Nährstoffe aus dem Blut auf und verstoffwechseln diese durch Umwandlung, Speicherung oder Abbau.

Neben den Blutgefäßen befinden sich ebenfalls Gallengefäße in der Leber. Die sogenannten Leberkanälchen produzieren die Gallenflüssigkeit, welche weiterhin über die Gallengänge und den Gallenhauptgang (Ductus choledochus) in den Zwölffingerdarm geleitet wird. Wird überflüssige Gallenflüssigkeit produziert, kann diese in der Gallenblase gespeichert werden.

Funktionen

  1. Fettstoffwechsel:

Die Leber entzieht dem Blut Fette, welche ebenfalls in den Hepatozyten gespeichert werden können.

Benötigt der Körper Energie, werden diese Fettdepots in Energie umgewandelt.

  1. Zuckerstoffwechsel:

Mit Hilfe des in der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormons Insulin können Zuckermoleküle in Form von Glykogen in der Leber gespeichert werden. Verbraucht der Körper vermehrt Energie, können die Glykogenreserven in Zucker umgewandelt werden.

Eine Störung des Zuckerstoffwechsels bedingt folgende Erkrankungen:

  1. Eiweißstoffwechsel:

Aufgrund der Tatsache, dass die Leber überschüssige Aminosäuren (Bausteine für Eiweiße) nicht speichern kann, baut sie diese zu Ammoniak (NH3) um. Dabei entstehen Aminogruppen (NH2), welche in Kohlenhydrate und folgend in Glykogen umgewandelt werden können. Da der restliche Ammoniak jedoch giftig ist, muss dieses in Harnstoff umgewandelt werden, welcher anschließend über den Harn ausgeschieden wird.

  1. Gerinnungsfaktoren:

Die Gerinnung des Blutes ist abhängig von sogenannten Gerinnungsfaktoren (Gerinnungseiweiße), welche innerhalb der Leber produziert werden. Sind während einer Blutung nicht genügend Faktoren (z.B. Fibrinogen) vorhanden, spricht man von einer Gerinnungsstörung (Koagulopathie).

Ursachen

Es gibt viele verschiedene Lebererkrankungen beim Hund, welche durch unterschiedlichste Funktionsstörungen oder Leberzellschäden entstehen. Zu den häufigsten Lebererkrankungen des Hundes gehören folgende Krankheiten:

Gerinnungsstörung

Kann die Leber nicht genügend Gerinnungsfaktoren bilden oder verbraucht der Körper diese vermehrt, kann der Hund an einer Gerinnungsstörung (Koagulopathie) erkranken. Diese kann lebensgefährlich enden, indem der Hund verblutet. Ein typisches Beispiel dafür ist die sogenannte Cumarinvergiftung, welche durch die Aufnahme von Rattengift entsteht.

Ikterus

Bei einem Ikterus (Gelbsucht) handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr um ein Symptom. Die Ursache ist der Anstieg von Gallenfarbstoffen im Blut, welche sich als gelblich-orangene Ablagerungen vermehrt in Schleimhäuten und in der Lederhaut (Sklera) des Auges sichtbar machen. Die Auslöser dieses Symptoms werden wie folgt eingeteilt:

  • Prähepatischer Ikterus (Ursache „vor der Leber“): erhöhte Konzentration an Blutfarbstoffen durch Zerstörung von roten Blutkörperchen (Hämolyse) zum Beispiel durch eine Infektion
  • intrahepatischer Ikterus (Ursache „innerhalb der Leber“): Leberzellschäden oder Funktionsstörungen
  • Posthepatischer Ikterus (Ursache „hinter der Leber“): Störung des Gallenabflusses durch beispielsweise tumuröse Veränderungen
golden retriever mit lebererkrankung

Portosystemischer Lebershunt (PSS)

Ein Lebershunt ist eine krankhafte Gefäßanomalie der Leber, welche in den meisten Fällen angeboren ist. Durch die Umleitung des Blutes fließt dieses nicht mehr durch die Leber, sondern wird direkt über ein Gefäß (Shunt) in die Hauptvene befördert. So werden der Leber wichtige Nährstoffe entzogen und weiterhin können giftige Substanzen wie Ammoniak nicht mehr abtransportiert werden.

Leberentzündung (Hepatitis)

Eine Leberentzündung kann akut oder chronisch verlaufen. Zu den häufigsten Ursachen zählen Viren wie das Canine Adenovirus 1 (CAV-1), welche die Hepatitis contagiosa canis (HCC) hervorruft, sowie Bakterien, Einzeller (Protozoen) und Gifte.

Leberzirrhose

Bei einer Leberzirrhose handelt es sich um das Endstadium chronischer Lebererkrankungen. Durch die langandauernden Schäden bildet sich ein festes Narbengewebe, welches knötchenhaft die Leber durchzieht. Die Folge sind Durchblutungsstörungen und weitere Funktionsschäden, welche nicht rückgängig zu machen sind.

Lebererkrankung beim Hund Symptome

Zu den am häufigsten beobachteten Krankheitsanzeichen einer Lebererkrankung beim Hund gehören folgende Symptome:

  • Allgemeine Symptome: Müdigkeit, Fressunlust, Verhaltensänderungen, Fieber
  • Magen-Darm-Beschwerden: Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust, Vergrößerung des Bauchumfangs
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Erhöhte Blutungsneigung

Diagnostik

Nach der Besitzerbefragung (Anamnese), in welcher der Tierarzt wichtige Anhaltspunkte wie den Impfstatus erfragt, erfolgt die allgemeine und spezielle Untersuchung. Mittels einer Blutuntersuchung können bereits wichtige Blut- und Leberparameter gemessen werden. Dazu zählen besonders die Entzündungszellen, Bilirubin, Harnstoff, Glukose und leberspezifische Enzyme wie zum Beispiel die Alanin-Aminotransferase (ALT) oder die Glutamat-Dehydrogenase (GLDH). Daneben können anhand von Leberfunktionstests der Gehalt an Gallensäuren, Ammoniak oder Gerinnungsfaktoren bestimmt werden. Schließt der Tierarzt ein tumuröses Geschehen oder andere Gewebeveränderungen nicht aus, kann dieser bildgebende Verfahren wie das Röntgen, Ultraschall oder den Computer- und Magnetresonanztomographen einsetzen. Weiterhin kann mittels einer Biopsie eine zytologische Untersuchung durchgeführt werden, in welcher das Lebergewebe unter dem Mikroskop sichtbar gemacht werden kann.

Therapie

Die Therapie einer Lebererkrankung beim Hund richtet sich stark nach der jeweiligen Ursache. Zu den häufigsten Maßnahmen zählen jedoch folgende Behandlungsmöglichkeiten:

  • Symptomatische Therapie: Flüssigkeitstherapie,
  • Spezifische Therapie: Antibiotika bei bakteriellen Infektionen, Ursodesoxycholsäure bei Gallenstau, operative Maßnahmen bei Tumoren oder PSS, Entzündungshemmer
  • Diät: Proteinarmes Futter, Lactulose
  • Leberschutztherapie (z.B. S-Adenosyl-L-Methionin)

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Prognose

Da die Leber ein sehr hohes Regenerationspotential von etwa 80 % verfügt, besitzen viele Lebererkrankungen beim Hund eine recht gute Prognose. Sollte es jedoch bereits zu einer irreversiblen Leberzirrhose gekommen sein, verschlechtert sich diese.

Vorbeugen

Viele Lebererkrankungen wie zum Beispiel Erbkrankheiten oder Lebertumore können kaum verhindert werden. Damit eine bereits geschädigte Leber jedoch nicht weiterhin überlastet wird, kann der Hund proteinarm gefüttert werden. Um einer CAV-1 Infektion entgegenzuwirken, können Hunde gegen eine CAV-2 Infektion geimpft werden. Dieses Virus spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Zwingerhustens, wodurch eine Impfung auch gegen die Entstehung dieser Atemwegserkrankung führt.

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