Blasenentzündung (Zystitis) bei Katzen This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
zystitis bei katzen

Als Zystitis wird in der medizinischen Fachsprache eine Entzündung der Harnblase bezeichnet. Katzen leiden recht häufig unter der teils schmerzhaften Erkrankung, wobei adulte, kastrierte und auch übergewichtige Katzen häufiger betroffen sind als Jungkatzen. Als Ursachen kommen neben bakteriellen Harnwegsinfektionen vorwiegend Harnkristalle und -steine sowie sterile Entzündungen in Betracht, wie zum Beispiel die Feline Idiopathische Zystitis (FIC).

Wie kann eine Blasenentzündung bei der Katze entstehen?

Katzen leiden häufig an einer Zystitis, wobei die Ursachen vielfältig sein können. Besonders häufig betroffen sind Hauskatzen als auch männliche Vertreter. Für einen besseren Überblick werden die Ursachen einer Zystitis zum besseren Verständnis in infektiöse und nicht-infektiöse Ursachen gegliedert:

Infektiöse Ursachen

Bakterielle Harnwegsinfektionen treten gehäuft bei älteren Katzen auf, wobei auch Tiere mit einer vorliegenden Grunderkrankung (z.B. Diabetes mellitus, eine Schilddrüsenüberfunktion oder chronische Niereninsuffizienz) ein erhöhtes Risiko zeigen. Über die folgenden zwei Infektionswege kommt es in der Regel zu einer infektiösen Blasenentzündung bei der Katze:

  • Über die Harnwege: häufig steigen bakterielle Infektionen über die Harnröhre bis zur Blase auf oder entstehen durch Reizungen in der Blase selbst. Der häufigste Grund hierfür ist die Bildung von Harnkristallen, welche sich nach und nach zu Harnsteinen zusammenlagern können. Bei Katzen kommen am häufigsten Struvit- und Kalzium-Oxalat-Steine vor, welche durch Änderungen des pH-Wertes von sauer zu basisch bedingt werden. Ein wichtiger Faktor hierfür ist die Ernährung der Katze.
  • Über das Blut: Im Rahmen einer Blutvergiftung (Sepsis) können Bakterien zur Blase gelangen. Die ursprüngliche Eintrittspforte kann neben einer naheliegenden Operationswunde auch eine kleinere Wunde an einer weiter entfernten Körperstelle sein.

Nicht-Infektiöse Ursachen

Oftmals ist es auch durch eine ausführliche Diagnostik nicht möglich, einen Auslöser für die Blasenentzündung bei der Katze zu finden. In solchen Fällen wird von der sogenannten Felinen Idiopathischen Zystitis (englisch: FIC) geredet. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine sterile Entzündung der Blase, welche wie der Name schon verrät, durch bisher unbekannte Gründe auftritt. Vermutet wird ein multifaktorielles Geschehen, welches zum Beispiel durch Stress oder andere neurologische als auch hormonelle Veränderungen geprägt ist. Die Folge ist die Schwächung des Immunsystems, wodurch entzündliche Reaktionen begünstigt werden.

Zystitis bei Katzen: Welche Symptome treten auf?

Die Blase der Katze wird zu den Organen des unteren Harntraktes gezählt. Entzündungen in diesem Bereich führen häufig zu folgenden Symptomen:

  • Probleme und Schmerzen während des Harnlassens (Dysurie oder Strangurie)
  • Schmerzhaftes Harnlassen (Strangurie)
  • Blutige Beimengungen im Urin (Hämaturie)
  • Häufiges Harnlassen (Pollakisurie)
  • Vermehrtes Ablecken der Genitalien
  • Harnlassen an ungewohnten Orten (Periurie, z.B. im Schlaf- oder Futterbereich)
  • Notfall: Versucht die Katze erfolglos Harn abzusetzen, kann eine Verstopfung der Harnröhre vorliegen. In diesem Fall kann sich das Allgemeinbefinden der Katze abrupt verschlechtern, weshalb sofort ein Tierarzt aufgesucht werden sollte.
rote katze mit trinkbrunnen

Wie wird eine Zystitis diagnostiziert?

Tierärzte beginnen zum Anfang des Tierarztbesuches mit einer gründlichen Besitzerbefragung, der sogenannten Anamnese. Diese hat das Ziel, wichtige Hinweise durch den Katzenbesitzer zu erfahren, um bereits mögliche Diagnosen, auch Differentialdiagnosen genannt, ausschließen zu können. Beispiele hierfür sind eventuelle Begleitsymptome während des Urinierens (z.B. häufiges Absetzen kleiner Mengen Harns), mögliche Verletzungen als auch die Haltung und Fütterung der Katze.

Obwohl eine Blasenentzündung meist kein akuter Notfall ist, ist es ratsam, vor der speziellen Untersuchung des Harntraktes eine klinische Allgemeinuntersuchung durchzuführen zu lassen. Innerhalb weniger Minuten ist es dem Tierarzt möglich, den aktuellen Gesundheitsstatus der Katze anhand wichtiger Vitalparameter zu erfassen. Dazu zählen unter anderem das Allgemeinbefinden der Katze, die Atem- und Herzfrequenz, der Zustand der Schleimhäute im Maul sowie die rektale Körperinnentemperatur.

Sind die Vitalparameter alle in der Norm, so kann der Tierarzt mit der speziellen Untersuchung des Harntraktes beginnen. Dazu können folgende diagnostische Maßnahmen genutzt werden:

  • Eine Urinuntersuchung: Der Urin kann entweder durch sogenannten Spontanurin oder steril gewonnenem Urin aus der Blase (z.B. durch eine ultraschallgestützte Punktion durch die Bauchwand) gewonnen werden. Anschließend kann der Urin mittels spezieller Teststreifen auf wichtige Werte wie den pH-Wert, Blutzellen und Entzündungszeichen untersucht oder für eine bakteriologische Untersuchung in ein mikrobiologisches Labor gesendet werden. Dort werden Harnkristalle oder Bakterien in einem Mikroskop sichtbar.
  • Bildgebende Verfahren: das Vorkommen struktureller Veränderungen der Harnblase oder Harnkristalle können mit einem Ultraschall- oder Röntgengerät sichtbar gemacht werden.
  • Eine Blutuntersuchung: Anhand der Blutwerte kann der Tierarzt zum einen eine vorliegende Entzündung erkennen und zum anderen die Nierenfunktion kontrollieren.

Blasenentzündung bei Katzen: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie einer Zystitis setzt sich aus einer ursachenbezogenen Behandlung und symptomatischen Maßnahmen zusammen:

  • Bakterielle Harnwegsinfektion: Antibiotika nach erfolgter Resistenztestung
  • Schmerzmittel
  • Krampflösende Medikamente
  • Harnkristalle oder –steine: diätetische Maßnahmen und ggf. Medikamente zum Senken des pH-Wertes im Harn
  • Verbesserung der Trinkwasseraufnahme (z.B. durch Nassfutter)
  • Stressvermeidung
  • Gewichtsabnahme (z.B. durch mehr Bewegung oder eine Diät)
  • Liegt bereits eine lebensgefährliche Verstopfung der Harnwege vor, so muss ggf. eine chirurgische Behandlung durchgeführt werden

Prognose einer Blasenentzündung bei Katzen

Je nach Ursache schwankt die nötige Therapie als auch die Prognose. Obwohl sich eine Blasenentzündung bei der Katze meist recht gut behandeln lässt, kann eine Verstopfung der Harnwege lebensgefährlich enden. Im Gegensatz dazu heilt die FIC oftmals schnell, ganz ohne große Behandlungsmaßnahmen.

Kann eine Zystitis bei der Katze verhindert werden?

Einige wichtige Entstehungsfaktoren für eine Blasenentzündung bei der Katze können reduziert werden. Achten Sie insbesondere auf:

  • Eine gute Körperkondition und ausreichend Bewegung
  • Eine stressfreie Umgebung
  • Eine genügende Trinkwasseraufnahme
  • Geringe Mengen an Magnesium und Phosphat im Futter

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