Blasensteine (Struvitsteine) bei Katzen This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
katze hat blasensteine

Bei Katzen werden recht häufig sogenannte Urolithen (Blasensteinen) beobachtet, welche innerhalb der Harnblase aber auch in anderen harnleitenden Organen zu gesundheitlichen Schäden führen können, etwa durch Entzündungen oder eine lebensgefährliche Harnstauung. Indem Mineralien wie Magnesium, Phosphat oder Kalzium vermehrt im Harn ausfallen, bilden sich durch Zusammenlagerung nach und nach größere Blasensteine. Symptome wie Harnabsatzstörungen treten bei einer Urolithiasis oftmals erst nach mehreren Monaten auf, wobei einige Katzen auch vollständig symptomlos bleiben.

Ursachen: Wie entstehen Blasensteine bei Katzen?

In den meisten Fällen handelt es sich bei den betroffenen Patienten um mittelalte und alte Katzen. Auch im Rahmen einer FLUTD (englisch: feline lower urinary tract disease), einer Erkrankung der harnableitenden Wege, treten Blasensteine bei Katzen häufig auf. Dabei können diese ihren Ursprung in der Blase selbst, im Harnleiter oder sogar in der Niere haben. Anfänglich bilden sich sehr kleine Harnkristalle (auch Harngries), welche sich nach und nach zusammenlagern. Nach und nach nehmen sie an Größe zu und können dann einen Durchmesser von bis zu mehreren Zentimetern erreichen. Als Ursache kommen genetische, ernährungsphysiologische sowie infektiöse Faktoren in Frage, welche Auswirkungen auf den pH-Wert des Harns haben. Dieser bestimmt den Säuregrad, welcher das Ausfallen bestimmter Mineralien beeinflusst.

Da Blasensteine sich aber stark in ihrer Zusammensetzung und Entstehungsweise unterscheiden, teilen Tierärzte diese Urolithen in verschiedene Typen ein:

  • Struvitsteine: Unter dem Mikroskop erscheinen diese Kristalle als sargdeckelförmige Gebilde. Sie setzten sich durch eine Verbindung von Magnesium, Ammonium und Phosphat zusammen und kommen auch bei gesunden Katzen vermehrt in alkalischem (pH-Wert über 7,0) Harn vor. Ein häufiger Grund für einen starken Anstieg an Struvitsteinen im Harn der Katze sind bakterielle Harnwegsinfektionen.
  • Kalziumoxalatsteine: Diese Harnkristalle fallen insbesondere in saurem (pH-Wert unter 7,0) Harn aus. Vergiftungen mit Frostschutzmitteln mit dem Inhaltsstoff Ethylenglycol führen zu einer massiven Ansammlung der Mineralien in Folge einer akuten Niereninsuffizienz.
  • Uratsteine: Diese Kristalle kommen eher bei Hunden, in Folge von beispielsweise Lebererkrankungen vor.

Welche Symptome verursachen Blasensteine bei Katzen?

Da Blasensteine bei der Katze über einen längeren Zeitraum entstehen, treten Symptome in der Regel erst ab einem gewissen Durchmesser oder nach der Entstehung von scharfen Kanten auf. Werden harnableitende Wege wie die Harnröhre verlegt, können eine akute Harnstauung und Entzündungsprozesse folgen. Letztere können die Harnwege aufsteigen und zu Blasen- und Nierenentzündungen führen.

Dementsprechend führen Blasensteine sowie nachfolgende Blasenentzündungen häufig zu folgenden Symptomen bei Katzen:

  • Vermindertes Allgemeinbefinden, Müdigkeit, ggf. Fieber und Bewegungsunlust
  • Lecken am äußeren Genital und Urinieren außerhalb der Katzentoilette
  • Erbrechen oder Durchfall durch eine Harnvergiftung (Urämie)
  • Schmerzen beim Harnabsatz (Strangurie) sowie ggf. Blutbeimengungen (Hämaturie)
  • Harnabsatzstörungen: verminderter Harnabsatz (Oligurie oder Anurie), vermehrter Harnabsatz kleinerer Mengen (Pollakisurie) sowie erschwerter und teilweise schmerzhafter Harnabsatz (Dysurie)
  • Notfall: Harnstauung durch einen Harnwegsverschluss sowie ggf. Platzen der betroffenen Harnwege mit akuter Verschlechterung des Allgemeinbefindens

Wie können Blasensteine bei Katze erkannt werden?

Kann die Katze keinen Harn mehr absetzen, handelt es sich um einen akuten Notfall. Um lebensgefährliche Schäden an den Nieren und das Platzen der Blase zu verhindern, muss umgehend der Kreislauf der Katze mittels einer Infusion stabilisiert und ein Harnkatheter (Schlauch) in die Harnröhre gelegt werden.

Zeigt die Katze jedoch nur milde Symptome, erfolgt die Diagnose anhand einer ausführlichen Besitzerbefragung (Anamnese), einer klinischen Allgemeinuntersuchung zur Ermittlung des aktuellen Gesundheitsstatus der Katze sowie anschließend einer speziellen Untersuchung des Harnapparates. In manchen Fällen fallen bereits während der Adspektion (Betrachtung) Entzündungsanzeichen wie Rötungen und Schwellungen des äußeren Genitals sowie gegebenenfalls Blutspuren auf. Durch die Palpation können die Blasengröße, etwaige Verhärtungen oder sonstige Auffälligkeiten abgetastet werden. Mit Hilfe einer Harnprobe können Harnkristalle unter dem Mikroskop erkannt, sowie Erythrozyten (Blutzellen), Entzündungszellen, Bakterien und der pH-Wert ermittelt werden. Haben sich bereits größere Blasensteine wie Struvitsteine gebildet, sind diese in manchen Fällen gut im Ultraschall oder Röntgen sichtbar. Wichtig ist eine zusätzliche Blutuntersuchung, anhand welcher die Nierenfunktion sowie der Elektrolythaushalt eingeschätzt werden können. Dementsprechend ist eine lebensgefährliche Konzentrationserhöhung des Kaliums im Blut (Hyperkaliämie) erkennbar, welche Herzrhythmusstörungen bedingen können.

Struvitsteine bei Katze: welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Folgende therapeutischen Maßnahmen können bei Blasensteinen bei Katzen ergriffen werden:

  • Unterstützende Medikamente: Schmerzmittel und Entzündungshemmer
  • Blasensteinauflösende Medikamente (nicht bei Kalziumoxalatsteinen)
  • Legen eines Harnkatheters
  • Flüssigkeitstherapie per Infusion
  • Bei Struvitsteinen helfen harnansäuernde sowie bei Kalziumoxalatsteinen alkalisierende Futtermittel und ggf. Medikamente

Wie ist die Prognose?

Die Prognose von Blasensteinen bei Katzen ist abhängig von der Menge, Größe und der  Zusammensetzung. Kleine Struvitsteine können im Gegensatz zu Kalziumoxalatsteinen durch Medikamente aufgelöst werden, sodass diese in der Regel einfacher zu behandeln sind. Sind die Harnwege verlegt und ist die Niere bereits geschädigt, handelt es sich um einen lebensgefährlichen Zustand welcher notfallmäßig behandelt werden muss.

Wie können Blasensteine bei Katzen verhindert werden?

Durch diätetische Maßnahmen können Blasensteine bei Katzen verhindert werden, indem spezielle Futtermittel den pH-Wert des Harns regulieren. Gegen Struvitsteine helfen beispielsweise harnansäuernde Ditäfuttermittel. Zur Messung des pH-Werts kann außerdem Indikatorpapier genutzt werden, welches nach Kontakt zu Harn einen Farbumschlag anzeigt. Anhand einer Farbskala kann anschließend der aktuelle pH-Wert des Harns abgelesen werden, welcher bei gesunden Katzen etwa 6,2 betragen sollte. Ratsam ist zuletzt eine ausreichende Trinkwasseraufnahme.

Entdecken Sie unsere Auswahl an Katzentrinkbrunnen!

Unsere beliebtesten Beiträge

Katzenalter

Das Hundealter lässt sich bekannterweise einfach herleiten: ein Hundejahr gleicht sieben Menschenjahren, wobei es hier auch auf die Rasse und Gewicht des Hundes ankommt. Wie lässt sich also das Katzenalter bestimmen? Und wie alt werden Katzen überhaupt? Ab welchem Alter gelten Katzen als Seniorenkatzen?

Coronavirus der Katze

Coronaviren kommen nicht nur bei uns Tierbesitzern, sondern auch bei unseren felligen Vierbeinern vor. Im Gegensatz zu dem Covid-19 hervorrufendem Coronavirus des Menschen (SARS-CoV-2) sind die Felinen Coronaviren (FCoV) der Katze jedoch schon seit vielen Jahren bekannt. Dazu zählt das Feline Enterale Coronavirus (FECV) und das deutlich bekanntere Virus der Felinen Infektiösen Peritonitis (FIPV). Letzteres verursacht die tödlich endende Feline Infektiöse Peritonitis (FIP), welche bei betroffenen Katzen zu Bauchfellentzündungen und Bauchwassersucht führt. An Covid-19 erkrankte Menschen, insbesondere Immungeschwächte wie Senioren und Kranke, leiden dahingegen unter grippeähnlichen Symptomen.

Sollte ich meine Katze kastrieren oder sterilisieren lassen?

Es gibt wohl kaum etwas Niedlicheres auf der Welt als Katzenbabys. Doch leider finden nicht alle Kitten ein schönes Zuhause. Wenn sich besitzerlose Streuner untereinander oder mit freilaufenden Hauskatzen paaren, ist ein Leben im Elend für ihren Nachwuchs quasi vorprogrammiert. Lassen Sie Ihre Katze kastrieren oder sterilisieren, beugen Sie unnötigem Leid vor.