Blut im Urin von Katzen This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
blut im urin von katzen

Fällt der Urin Ihrer Katze durch eine rote oder braune Farbe auf, so kann es sich um eine Hämaturie (häm = Blut, ouron = Harn), eine Hämoglobinurie oder Myoglobinurie handeln. Die drei Möglichkeiten können durch eine Vielzahl an Ursachen hervorgerufen werden, etwa durch Infektionserkrankungen, tumuröse Geschehen oder innere Verletzungen. Um dem angsterregenden Symptom frühzeitig entgegenwirken zu können, ist eine ausführliche Diagnostik und gezielte Therapie daher von großer Wichtigkeit.

Welche Ursachen führen zu Blut im Urin bei Katzen?

Nicht selten zeigen Katzen im Laufe ihres Lebens Blut im Urin, da viele verschiedene Ursachen zu dem Symptom führen können. Normalerweise filtern die Nieren das und scheiden anschließend harnpflichtige Substanzen über den Harn aus. Dieser hat bei gesunden Katzen eine gelbliche Farbe, welche je nach Flüssigkeitsstatus heller oder dunkler ausfällt. Ist die Katze beispielsweise aufgrund eines Wassermangels dehydriert, so wird der Urin in den Nieren stärker konzentriert und dementsprechend weist der Harn einen dunkleren Gelbton auf.

Eine rote Verfärbung von Harn kann in manchen Fällen physiologisch entstehen, etwa durch die Fütterung von Roter Bete. Dennoch können auch Krankheiten und Reize zu dem Symptom führen. Drei verschiedene Möglichkeiten sollten dabei in Betracht gezogen werden:

Hämaturie (Harnblutung) - Ausscheidung von Blut (roter Blutkörperchen) durch:

  • Entzündliche Reaktionen: Katzen leiden häufig an bakteriellen Harnwegsinfektionen. Nicht selten kommt es im Laufe der Infektion zu der Bildung von Harngries und –steinen. Darunter leiden insbesondere Kater, da deren Harnröhren aufgrund der Anatomie länger und gebogen verlaufen. Nehmen die Harnsteine an Größe zu, so können sie die empfindliche Schleimhaut der Harnwege verletzen und zu einer lebensgefährlichen Harnstauung führen. Wird dieser akute Notfall nicht behandelt, kann es zum Platzen der Harnwege kommen. Auch junge Wohnungskatzen mit einer idiopathischen FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease) neigen dazu.
  • Tumore: die häufigsten Tumore der Harnwege entstehen bei Katzen aus dem Gewebe der Nieren, der Blase, des Harnleiters und bei Katern in der Prostata (Vorsteherdrüse)
  • Vergiftungen: Medikamente (z.B. Rifampicin), pflanzliche oder chemische Gifte können die Nieren derart schädigen, dass die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) das Nierengewebe ungefiltert passieren können.
  • Nierenerkrankungen (z.B. Niereninsuffizienz)
  • Eine verminderte Blutgerinnung infolge angeborener Erkrankungen (z.B. Von-Willebrand-Krankheit), einer Verbrauchskoagulopathie (DIC) oder Heparin-Behandlung
  • Angeborene Gefäßanomalien

Hämoglobinurie - Ausscheidung vom Blutfarbstoff Hämoglobin infolge der Zerstörung von roten Blutkörperchen (Hämolyse) durch:

Myoglobinurie - Ausscheidung vom Muskelfarbstoff Myoglobin infolge der Zerstörung von Muskelzellen (Rhabdomyolyse) durch:

  • Starke Muskelverletzungen durch äußere Traumata (z.B. durch Autounfälle)
  • Krampfanfälle (z.B. durch Epilepsie oder Tetanus)
  • Nach schwerwiegenden Operationen (z.B. Amputationen)

Treten weitere Symptome auf?

Häufig zeigen Katzen mit Blut im Urin weitere Erkrankungsanzeichen, welche für die diagnostische Eingrenzung von großer Bedeutung sind. Besonders häufig zeigen die Katzen im weiteren Verlauf der möglichen Erkrankungen ein vermindertes Allgemeinbefinden und im Falle von Infektionserkrankungen Fieber. Auch häufiges Harnlassen (Polyurie), schmerzhaftes Harnlassen (Strangurie) oder vermehrtes Harnlassen geringer Mengen (Pollakisurie) können bei den betroffenen Katzen beobachtet werden.

Blut im Urin von Katzen: Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Eine Rotfärbung von Katzenurin erfordert immer einen baldigen Tierarztbesuch und sollte niemals auf die leichte Schulter genommen werden. Um zwischen den drei möglichen Ursachen (Hämaturie, Hämoglobinurie und Myoglobinurie) unterscheiden zu können, ist eine Harnuntersuchung besonders hilfreich:

  • Durch Zentrifugation des Harns kommt es im Rahmen einer Hämaturie zum Absenken der roten Blutkörperchen. Dieses Sediment erscheint im Probenröhrchen rot, während der obere Teil farblos erscheint. Da bei einer Hämoglobinurie oder Myoglobinurie die Farbstoffe frei vorliegen, bleiben die Röhrchen durchgängig rot. Es bildet sich also kein Sediment.
  • Mittels eines Testreifens können erhöhte Konzentrationen an roten Blutkörperchen, Entzündungszellen, Proteinen und Bakterien sowie der ph-Wert ermittelt werden.
  • Unter dem Mikroskop können Harnkristalle, Hefen, Bakterien und Blutzellen erkannt werden.

Um zwischen einer Hämoglobinurie und Myoglobinurie unterscheiden zu können, ist der Nachweis weiterer Parameter erforderlich. Per Blutuntersuchung kann beispielsweise der Gehalt der Creatin-Kinase (CK) gemessen werden, welcher infolge der Zerstörung von Muskelgewebe stark erhöht ist.

Zur Abklärung von strukturellen Veränderungen können des Weiteren bildgebende Verfahren wie das Röntgen oder der Ultraschall eingesetzt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Blut im Urin von Katzen

Hämoglobin, Myoglobin oder Blut im Urin von Katzen erfordern unterschiedliche therapeutische Ansätze. Harnwegsinfektionen und andere Infektionserkrankungen benötigen zum Beispiel abhängig des Erregers Antibiotika oder Virostatika. Traumatische Geschehen, Tumore oder auch große Harnsteine bedürfen dahingegen oftmals operative Maßnahmen. Für die gezielte Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung ist eine vorhergehende Diagnostik daher von großer Bedeutung.

Wie ist die Prognose?

Wie die Behandlung kann auch die Prognose nicht verallgemeinert werden. Während harmlose Harnwegsinfektionen in der Regel durch eine frühzeitige Behandlung mild verlaufen, kann ein akuter und unbehandelter Harnstau lebensgefährlich enden. Es ist daher im Falle von Blut im Urin sehr wichtig, frühzeitig einen Tierarzt aufzusuchen.

Blut im Urin von Katzen - Vorbeugende Maßnahmen

Manche Ursachen für Blut im Urin von Katzen können durch uns Tierbesitzer verhindert werden.

So ist es ratsam, sich durch seinen Tierarzt des Vertrauens über mögliche Impfungen beraten zu lassen. Auch die richtige Ernährung und Haltung von Katzen können das Risiko von Erkrankungen wie Harnsteine reduzieren.

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