Deutscher Pinscher

German Pinscher

Mittendrin statt nur dabei: Der einst beliebte Stallhund und Rattenjäger, der früher auf nahezu jedem Bauernhof das Sagen hatte, steht auch als heutiger Familienhund gerne noch im Mittelpunkt. Der charakterstarke Deutsche Pinscher möchte überall mitmischen – egal ob draußen beim Sport oder drinnen beim Schmusen.

Geschichte

Die Tatsache, dass Deutsche Pinscher nur sehr wenig mit Hundekrankheiten belastet sind, ist vermutlich auch darauf zurückzuführen, dass sie trotz ihrer sehr langen Geschichte nie „überzüchtet“ wurden. Der Deutsche Pinscher gehört zusammen mit dem Schnauzer zur ältesten Hunderasse Europas. Es wird vermutet, dass sie die direkten Nachkommen der Torfgrubenhunde sind, die laut Experten bereits 3000 v. Chr. gehalten wurden. Woher die Rasse tatsächlich stammt ist allerdings unklar. Während manche Forscher den Ursprung des Pinschers in Württemberg sehen, glauben andere, dass er von den englischen Terriern abstammt. Wieder andere behaupten genau das Gegenteil und sehen im Pinscher den Vorfahren der aus England stammenden Terrier.

Sicher ist, dass sich das Äußere dieser Hunderasse, die bereits 1880 im „Deutschen Hundestammbuch“ erwähnt wurde, in all den Jahren kaum verändert hat. Der klassische Pinscher wie wir ihn heute kennen, tritt bereits auf Gemälden aus dem Mittelalter und der Renaissance in Erscheinung.

deutscher pinscher portrait

Um die Jahrhundertwende war der Deutsche Pinscher auf nahezu jedem Bauern- und Gutshof anzutreffen. Dort hatten sie einerseits die Aufgabe, Haus und Hof zu bewachen, andererseits aber auch Ungeziefer wie Ratten, Mäuse und Marder fernzuhalten. Außerdem wurden sie als Kutscherhund eingesetzt und bewachten das Fuhrwerk, wenn der Kutscher mal abwesend war. Es war vor allem seine Vielseitigkeit, die den Pinscher auszeichnete und die ihn zu einem unentbehrlichen Begleiter für Bauern, Gutsherren und Fuhrleute machte. Diese ursprünglichen Einsatzgebiete brachten ihm auch die Spitznamen „Stallpinscher“ und „Rattler“ ein. Möglicherweise ist auch der Name „Pinscher“, der auf Althochdeutsch „Beisser“ bedeutet und mit dem englischen Verb „to pinch“ verwandt ist, auf seine Tätigkeit als geschickter Rattenjäger zurückzuführen. In diesem Zusammenhang kann das englische Wort „to pinch“ mit „einklemmen“, „packen“ oder „greifen“ übersetzt werden und beschreibt, wie er mit seinen geschickten Pfoten Mäuse und Ratten einfing. Als Rattler ernährte sich der Pinscher weitgehend allein – neben seiner Ausdauer und seinem selbständigen Arbeiten ein weiterer Grund, warum der Pinscher zur damaligen Zeit so beliebt war.

Die rauhaarigen Pinscher, die heute als „Schnauzer“ bezeichnet werden, und die glatthaarigen Deutschen Pinscher galten zu dieser Zeit noch als eine gemeinsame Rasse. Beide wurden im 1895 gegründeten Pinscherklub gemeinsam betreut und gezüchtet. Trotz der mittlerweile vollzogenen Trennung in jeweils eigenständige Hunderassen, werden Schnauzer und Pinscher auch heute noch im gemeinsamen „Pinscher-Schnauzer-Klub 1895 e.V.“ geführt.

Erst ab dem 20. Jahrhundert wurden die rauhaarigen Schnauzer und die glatthaarigen Pinscher, die bis dato noch in einem Wurf anzutreffen waren, züchterisch getrennt. 1917 benannte man die rauhaarigen Pinscher offiziell in „Schnauzer“ um. Zur selben Zeit setzten sich auch die Zwergpinscher von ihren größeren Artgenossen ab. Im Vergleich zu Schnauzer und Zwergpinscher verlor der seltenere Glatthaarpinscher in dieser Zeit stark an Popularität. Hinzu kam, dass die beginnende Industrialisierung den einstigen Stall- und Kutscherhund weitgehend arbeitslos machte. Mit den neuen motorisierten Wagen, die nach und nach die von Zugtieren gezogenen Fuhrwerke von den Straßen verdrängten, verschwand auch der Deutsche Pinscher mehr und mehr von der Bildfläche.

Glücklicherweise nahm sich Mitte der 50er Jahre der Züchter Werner Jung der fast ausgestorbenen Rasse an. Im Jahr 1958 wagte er im Pinscher-Schnauzer-Klub eine erneute Zucht der glatthaarigen Pinscher. Mit der Pinscherhündin „Kitti vom Bodenstrand“ und den übergroßen Zwergpinschern „Jutta Jung“, „Illo Fischer“, „Fürst Jung“ und „Onzo Illgen“ sicherte Jung den Fortbestand des Deutschen Pinschers. Dennoch ist der Deutsche Pinscher auch heute noch eine eher selten anzutreffende Hunderasse.

Erscheinungsbild

Zu einem angenehmen Familienhund wird der Deutsche Pinscher nicht zuletzt durch sein kurzes und eng anliegendes Fell, das sich als sehr pflegeleicht erweist. Das dichte Haarkleid ist glatt und glänzend und ist meist von tiefschwarzer Farbe mit roten Abzeichen. Möglich ist auch eine reinrote Färbung, jedoch tritt diese nur bei ca. 20 Prozent der Hunderasse auf.

Mit einer Widerristhöhe von 45 bis 50 cm und einem Gewicht von 14 bis 20 kg ist der Deutsche Pinscher weder „zu klein“ noch „zu groß“. Deutsche Pinscher verfügen über einen quadratischen Körperbau, das heißt Körperhöhe und -länge sind in etwa gleich. Passend zu ihrem selbstbewussten Wesen ist ihre Haltung dabei sehr stolz und elegant. Ihre Kraft und Stärke beweisen sie auch durch einen muskulösen Körper, der besonders in der Bewegung zur Geltung kommt. Der kräftige Rücken fällt nach hinten leicht ab. Die V-förmigen Klappohren, die seit 1987 nach dem deutschen Tierschutzgesetz nicht mehr kupiert werden dürfen, sind auf dem kräftigen und langgestreckten Schädel recht hoch angesetzt. Sie sind nach vorn gedreht und die Ohrinnenkanten sind an den Wangen anliegend. Die Ohrränder sind dabei sehr dünn, was bei dem ansonsten sehr gesunden Hund leicht zu Verletzungen führen kann.

deutscher pinscher im Wald

Deutscher Pinscher Wesen

Deutsche Pinscher gelten als sehr temperamentvolle und aktive Hunde, die gleichzeitig aber auch sehr anhänglich und verschmust sein können. Während ihr Bewegungsdrang und ihre Spielfreude draußen in der Natur kaum Grenzen kennen, verlangen die klugen und selbstsicheren Hunde in der Wohnung ausgiebige Streicheleinheiten.

Sowohl draußen als auch drinnen in den eigenen „vier Wänden“ fordert der Deutsche Pinscher eine intensive Zuwendung seines Herrchens. Das heißt jedoch nicht, dass er von seinen Menschen vereinnahmt werden möchte. Im Gegenteil, Pinscher haben ihren eigenen Kopf und wissen genau was sie wollen. Sowohl körperlich als auch geistig brauchen die eigenständigen und intelligenten Vierbeiner ihren Freiraum. Dank ihrer ausgeprägten Selbstsicherheit, ihrer Nervenstärke und Intelligenz haben sie in ihrem Rudel und in ihrem Revier alles im Griff. Als ehemaliger Hofhund lieben sie es, ihr Zuhause zu bewachen. Sie sind sehr aufmerksam und geben sofort „Meldung“ sobald etwas Ungewöhnliches passiert. Ein Fremder wird das Anwesen eines Deutschen Pinschers niemals unbemerkt betreten können. Das Bellen setzen Pinscher dabei jedoch sehr sparsam ein. Die temperamentvollen, aber gleichzeitig ruhigen und ausgeglichenen Hunde sind alles andere als „Kläffer“.

Während sie Fremden mit einer gesunden Portion an Misstrauen begegnen, zeigen sich Deutsche Pinscher innerhalb ihrer Familie als sehr treue und verschmuste Weggefährten. Mit der richtigen Erziehung, die sowohl liebevoll als auch konsequent sein muss, sowie einem souveränen Rudelführer an ihrer Seite, zeigen sich die naturgemäß eigensinnigen Tiere sogar als überaus anpassungsfähige und folgsame Hunde. Entscheidend ist, ob er die Befehle seiner Menschen nachvollziehen kann. Der intelligente Pinscher lernt also nur, was sich aus seiner Sicht zu lernen lohnt und zeigt recht direkt, wenn ihm etwas nicht gefällt. Von Geburt an weiß er seine Intelligenz einzusetzen. Mögliche Schwächen seines Rudelführers erkennt er sofort und weiß diese zu seinem Vorteil auszunutzen. Sein „kluger Ungehorsam“ stellt damit auch für erfahrene Hundehalter zuweilen eine Herausforderung dar. Die Neigung zur Eigenständigkeit ist dabei jedoch – wie auch der angeborene Jagdinstinkt – von Hund zu Hund unterschiedlich. Werden bestimmte Erziehungsregeln von Anfang an beachtet, lassen sich aber auch die eigensinnigsten Artgenossen in die gewünschten Bahnen lenken. Dank ihres starken aber gutartigen Charakters und ihrer Ausbildungsfähigkeit, gepaart mit einer unermüdlichen Spiellust und Widerstandsfähigkeit, sind Deutsche Pinscher sehr vielseitige und liebenswürdige Familien- und Begleithunde.

Deutscher Pinscher Zucht und Gesundheit

In den Jahren 1998 bis 2003 wurden gerade einmal 160 bis 220 Welpen pro Jahr geboren. Im Jahr 2003 wurde der Deutsche Pinscher auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen gesetzt. Für einige Hundeliebhaber war dies ein Weckruf und so stieg nach 2003 nicht nur die Zahl der Neuzüchter, sondern auch die Anzahl der beim VDH gemeldeten Welpen wieder etwas an. Bei der Wahl eines seriösen Hundezüchters haben Interessenten in Deutschland somit wieder eine gewisse Auswahl.

Da der charakterstarke Deutsche Pinscher bis heute nie in Massen gezüchtet wurde und es daher nie zu einer „Überzüchtung“ kam, handelt es sich grundsätzlich um sehr gesunde Hunde. Zuchtbedingte Erbkrankheiten blieben dem Glatthaarpinscher erspart. In der Zucht ist somit nur eine Untersuchung auf Hüftdysplasie Pflicht, Untersuchungen auf andere Krankheiten wie etwa auf erbliche Augenerkrankungen (Farbfehlsicht) oder auf die von-Willebrand-Krankheit (Bluter-Krankheit) sind dagegen freiwillig. Abgesehen von den vorgeschriebenen Kontrollen und Impfungen, sind Besuche beim Tierarzt mit einem Deutschen Pinscher eher selten.

deutscher pinscher im grass

Deutscher Pinscher Erziehung und Haltung

Für mehr Arbeit sorgen dagegen das große Bewegungsbedürfnis der Hunderasse sowie der manchmal recht eigensinnige Charakter. Als ehemaliger Wach- und Jagdhund, der sich früher eigenständig um Haus und Hof kümmerte, neigt der Deutsche Pinscher auch heute noch zu Dominanz. Für Familien mit sehr kleinen Kindern ist der Pinscher daher trotz seiner Spielfreude nur bedingt geeignet. Es braucht vor allem einen erfahrenen und souverän auftretenden Halter, der die Führung übernimmt und ihn von seiner ursprünglichen Aufgabe, Fremde im Haus oder auf dem Grundstück zu kontrollieren, befreit. Der Deutsche Pinscher benötigt in seiner Erziehung klare Grenzen. Um diese zu lernen, ist Durchsetzungsvermögen und je nach Situation auch mal herzhaftes Durchgreifen gefragt. Druck und Zwang bewirken dabei jedoch das Gegenteil, vielmehr muss der intelligente Hund die Regeln nachvollziehen können. Um von seinem Pinscher als Rudelführer anerkannt und akzeptiert zu werden, braucht es also auch auf Seiten des Halters eine Portion Intelligenz, Kreativität und Selbstsicherheit.

Für die Erziehung eines ausgeglichenen Hundes, der lernt, sich zu entspannen und nicht alles selbst zu regeln, ist auch eine körperliche Auslastung unerlässlich. Die aktiven und temperamentvollen Pinscher sind daher am besten für sportliche Menschen geeignet, die Lust haben, sich gemeinsam mit ihrem Hund zu bewegen. Ob beim Radfahren, Inlineskaten, Reiten oder Joggen – der Deutsche Pinscher ist ein idealer Partner für alle Freizeitsportarten. Freude bereitet ihm natürlich auch Hundesport wie beispielsweise rasantes Agility oder Turnierhundesport. Für eine nötige geistige Auslastung können Fährtensuche oder Mantrailing sorgen. Dank seiner charmanten Art wird es dem Pinscher jedenfalls immer wieder gelingen, seine Besitzer zum gemeinsamen Sport, Spielen und Spazieren gehen zu verführen. Nach solch intensiven Betätigungen an der frischen Luft dürfen sich seine Besitzer zuhause dann auch auf ausgiebige „Schmuse-Einheiten“ freuen.

Wer Lust hat auf eine intensive geistige und körperliche Mensch-Hund-Beziehung und wer aktive Hunde mag, die mitdenken, ist mit dem Deutschen Pinscher also bestens bedient.

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