Deutscher Pinscher

Deutscher Pinscher im Gras

Der Deutsche Pinscher ist ein charakterstarker und sehr aktiver Vierbeiner.

Mittendrin statt nur dabei: Der einst beliebte Stallhund und Rattenjäger, der früher auf nahezu jedem Bauernhof das Sagen hatte, steht auch als heutiger Familienhund gerne noch im Mittelpunkt. Der charakterstarke Deutsche Pinscher möchte überall mitmischen – egal ob draußen beim Sport oder drinnen beim Schmusen.

Geschichte

Die Tatsache, dass Deutsche Pinscher nur sehr wenig mit Hundekrankheiten belastet sind, ist vermutlich auch darauf zurückzuführen, dass sie trotz ihrer sehr langen Geschichte nie „überzüchtet“ wurden. Der Deutsche Pinscher gehört zusammen mit dem Schnauzer zur ältesten Hunderasse Europas. Es wird vermutet, dass sie die direkten Nachkommen der Torfgrubenhunde sind, die laut Experten bereits 3000 v. Chr. gehalten wurden.

Woher die Rasse tatsächlich stammt ist allerdings unklar. Während manche Forscher den Ursprung des Pinschers in Württemberg sehen, glauben andere, dass er von den englischen Terriern abstammt. Wieder andere behaupten genau das Gegenteil und sehen im Pinscher den Vorfahren der aus England stammenden Terrier.

Sicher ist, dass sich das Äußere dieser Hunderasse, die bereits 1880 im „Deutschen Hundestammbuch“ erwähnt wurde, in all den Jahren kaum verändert hat. Der klassische Pinscher wie wir ihn heute kennen, tritt bereits auf Gemälden aus dem Mittelalter und der Renaissance in Erscheinung.

deutscher pinscher portrait © Wolfgang / stock.adobe.com
Der Deutsche Pinscher gehört zu den ältesten Hunderassen Europas.

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Ursprünge als Rattenjäger und Kutscherhund

Um die Jahrhundertwende war der Deutsche Pinscher auf nahezu jedem Bauern- und Gutshof anzutreffen. Dort hatten sie einerseits die Aufgabe, Haus und Hof zu bewachen, andererseits aber auch Ungeziefer wie Ratten, Mäuse und Marder fernzuhalten. Außerdem wurden sie als Kutscherhund eingesetzt und bewachten das Fuhrwerk, wenn der Kutscher mal abwesend war.

Es war vor allem seine Vielseitigkeit, die den Pinscher auszeichnete und die ihn zu einem unentbehrlichen Begleiter für Bauern, Gutsherren und Fuhrleute machte. Diese ursprünglichen Einsatzgebiete brachten ihm auch die Spitznamen „Stallpinscher“ und „Rattler“ ein.

Möglicherweise ist auch der Name „Pinscher“, der auf Althochdeutsch „Beisser“ bedeutet und mit dem englischen Verb „to pinch“ verwandt ist, auf seine Tätigkeit als geschickter Rattenjäger zurückzuführen. In diesem Zusammenhang kann das englische Wort „to pinch“ mit „einklemmen“, „packen“ oder „greifen“ übersetzt werden. Es beschreibt, wie er mit seinen geschickten Pfoten Mäuse und Ratten einfing. Als Rattler ernährte sich der Pinscher weitgehend allein. Neben seiner Ausdauer und seinem selbständigen Arbeiten war das ein weiterer Grund, warum der Pinscher zur damaligen Zeit so beliebt war.

Trennung von Deutschem Pinscher und Schnauzer

Die rauhaarigen Pinscher, die heute als „Schnauzer“ bezeichnet werden, und die glatthaarigen Deutschen Pinscher galten zu dieser Zeit noch als eine gemeinsame Rasse. Beide wurden im 1895 gegründeten Pinscherklub gemeinsam betreut und gezüchtet. Trotz der mittlerweile vollzogenen Trennung in jeweils eigenständige Hunderassen, werden Schnauzer und Pinscher auch heute noch im gemeinsamen „Pinscher-Schnauzer-Klub 1895“ geführt.

Erst ab dem 20. Jahrhundert wurden die rauhaarigen Schnauzer und die glatthaarigen Pinscher, die bis dato noch in einem Wurf anzutreffen waren, züchterisch getrennt. 1917 benannte man die rauhaarigen Pinscher offiziell in „Schnauzer“ um. Zur selben Zeit setzten sich auch die Zwergpinscher von ihren größeren Artgenossen ab.

Im Vergleich zu Schnauzer und Zwergpinscher verlor der seltenere Glatthaarpinscher in dieser Zeit stark an Popularität. Hinzu kam, dass die beginnende Industrialisierung den einstigen Stall- und Kutscherhund weitgehend arbeitslos machte. Mit den neuen motorisierten Wagen, die nach und nach die von Zugtieren gezogenen Fuhrwerke von den Straßen verdrängten, verschwand auch der Deutsche Pinscher mehr und mehr von der Bildfläche.

Rettung der Rasse

Glücklicherweise nahm sich Mitte der 50er-Jahre der Züchter Werner Jung der fast ausgestorbenen Rasse an. Im Jahr 1958 wagte er im Pinscher-Schnauzer-Klub eine erneute Zucht der glatthaarigen Pinscher.

Mit der Pinscherhündin „Kitti vom Bodenstrand“ und den übergroßen Zwergpinschern „Jutta Jung“, „Illo Fischer“, „Fürst Jung“ und „Onzo Illgen“ sicherte Jung den Fortbestand des Deutschen Pinschers. Dennoch ist der Deutsche Pinscher auch heute noch eine eher selten anzutreffende Hunderasse.

Erscheinungsbild

Zu einem angenehmen Familienhund wird der Deutsche Pinscher nicht zuletzt durch sein kurzes und eng anliegendes Fell, das sich als sehr pflegeleicht erweist. Das dichte Haarkleid ist glatt und glänzend und ist meist von tiefschwarzer Farbe mit roten Abzeichen. Möglich ist auch eine reinrote Färbung, jedoch tritt diese nur bei circa 20 Prozent der Hunderasse auf.

Mit einer Widerristhöhe von 45 bis 50 Zentimetern und einem Gewicht von 14 bis 20 Kilogramm ist der Deutsche Pinscher weder zu klein noch zu groß. Deutsche Pinscher verfügen über einen quadratischen Körperbau, das heißt Körperhöhe und -länge sind in etwa gleich.

Passend zu ihrem selbstbewussten Wesen ist ihre Haltung dabei sehr stolz und elegant. Ihre Kraft und Stärke beweisen sie auch durch einen muskulösen Körper, der besonders in der Bewegung zur Geltung kommt. Der kräftige Rücken fällt nach hinten leicht ab.

Die V-förmigen Klappohren, die seit 1987 nach dem deutschen Tierschutzgesetz nicht mehr kupiert werden dürfen, sind auf dem kräftigen und langgestreckten Schädel recht hoch angesetzt. Sie sind nach vorn gedreht und die Ohrinnenkanten sind an den Wangen anliegend. Die Ohrränder sind dabei sehr dünn, was bei dem ansonsten sehr gesunden Hund leicht zu Verletzungen führen kann.

deutscher pinscher im Wald © Wolfgang / stock.adobe.com
Der Deutscher Pinscher gilt als intelligent und aufmerksam – garniert mit einer Portion Eigenwillen.

Charakter des Deutschen Pinscher

Deutsche Pinscher gelten als sehr temperamentvolle und aktive Hunde, die gleichzeitig aber auch sehr anhänglich und verschmust sein können. Während ihr Bewegungsdrang und ihre Spielfreude draußen in der Natur kaum Grenzen kennen, verlangen die klugen und selbstsicheren Hunde in der Wohnung ausgiebige Streicheleinheiten.

Sowohl draußen als auch drinnen in den eigenen „vier Wänden“ fordert der Deutsche Pinscher eine intensive Zuwendung seines Herrchens. Das heißt jedoch nicht, dass er von seinen Menschen vereinnahmt werden möchte. Im Gegenteil, Pinscher haben ihren eigenen Kopf und wissen genau was sie wollen. Sowohl körperlich als auch geistig brauchen die eigenständigen und intelligenten Vierbeiner ihren Freiraum.

Dank ihrer ausgeprägten Selbstsicherheit, ihrer Nervenstärke und Intelligenz haben sie in ihrem Rudel und in ihrem Revier alles im Griff. Als ehemaliger Hofhund lieben sie es, ihr Zuhause zu bewachen. Sie sind sehr aufmerksam und geben sofort „Meldung“ sobald etwas Ungewöhnliches passiert. Ein Fremder wird das Anwesen eines Deutschen Pinschers niemals unbemerkt betreten können.

Das Bellen setzen Pinscher dabei jedoch sehr sparsam ein. Die temperamentvollen, aber gleichzeitig ruhigen und ausgeglichenen Hunde sind alles andere als „Kläffer“.

Treu, intelligent, eigensinnig

Während sie Fremden mit einer gesunden Portion an Misstrauen begegnen, zeigen sich Deutsche Pinscher innerhalb ihrer Familie als sehr treue und verschmuste Weggefährten. Sie benötigen allerdings die richtigen Erziehung, die sowohl liebevoll als auch konsequent sein muss, und einen souveränen Rudelführer an ihrer Seite. Dann zeigen sich die naturgemäß eigensinnigen Tiere sogar als überaus anpassungsfähige und folgsame Hunde. Entscheidend ist, ob er die Befehle seiner Menschen nachvollziehen kann.

Der intelligente Pinscher lernt also nur, was sich aus seiner Sicht zu lernen lohnt. Zudem zeigt er recht direkt, wenn ihm etwas nicht gefällt. Von Geburt an weiß er seine Intelligenz einzusetzen. Mögliche Schwächen seines Rudelführers erkennt er sofort und weiß diese zu seinem Vorteil auszunutzen. Sein „kluger Ungehorsam“ stellt damit auch für erfahrene Hundehalter zuweilen eine Herausforderung dar.

Die Neigung zur Eigenständigkeit ist dabei jedoch – wie auch der angeborene Jagdinstinkt – von Hund zu Hund unterschiedlich. Beachten Sie bestimmte Erziehungsregeln von Anfang an, lassen sich auch die eigensinnigsten Artgenossen in die gewünschten Bahnen lenken.

Zusammengefasst haben Deutsche Pinscher einen starken, aber auch sehr gutartigen Charakters. Ihre Intelligenz und Lernbereitschaft, gepaart mit einer unermüdlichen Spiellust, machen sie damit zu sehr vielseitigen und liebenswürdigen Familien- und Begleithunden.

Deutscher Pinscher: Zucht und Gesundheit

In den Jahren 1998 bis 2003 wurden gerade einmal 160 bis 220 Welpen pro Jahr geboren. Im Jahr 2003 wurde der Deutsche Pinscher auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen gesetzt.

Für einige Hundeliebhaber war dies ein Weckruf und so stieg nach 2003 nicht nur die Zahl der Neuzüchter, sondern auch die Anzahl der beim VDH gemeldeten Welpen wieder etwas an. Bei der Wahl eines seriösen Hundezüchters haben Interessenten in Deutschland somit wieder eine gewisse Auswahl.

Da der charakterstarke Deutsche Pinscher bis heute nie in Massen gezüchtet wurde und es daher nie zu einer „Überzüchtung“ kam, handelt es sich grundsätzlich um sehr gesunde Hunde. Zuchtbedingte Erbkrankheiten kommen nur selten vor. In der Zucht ist somit nur eine Untersuchung auf Hüftgelenksdysplasie (HD) Pflicht. Tests auf andere Krankheiten wie etwa auf erbliche Augenerkrankungen (Farbfehlsicht) oder auf die Von-Willebrand-Krankheit (Bluter-Krankheit) sind dagegen freiwillig.

Abgesehen von den vorgeschriebenen Kontrollen und Impfungen, sind Besuche beim Tierarzt mit einem Deutschen Pinscher eher selten.

Deutscher Pinscher Wiese © DoraZett / stock.adobe.com
Der Deutsche Pinscher ist kaum von Erbkrankheiten betroffen und gilt als sehr gesunde Hunderasse.

Erziehung und Haltung des Deutschen Pinschers

Für mehr Arbeit sorgen dagegen das große Bewegungsbedürfnis der Hunderasse sowie der manchmal recht eigensinnige Charakter. Als ehemaliger Wach- und Jagdhund, der sich früher eigenständig um Haus und Hof kümmerte, neigt der Deutsche Pinscher auch heute noch zu Dominanz.

Für Familien mit sehr kleinen Kindern ist der Pinscher daher trotz seiner Spielfreude nur bedingt geeignet. Es braucht vor allem einen erfahrenen und souverän auftretenden Halter. Dieser muss die Führung übernehmen und ihn von seiner ursprünglichen Aufgabe, Fremde im Haus oder auf dem Grundstück zu kontrollieren, befreien.

Der Deutsche Pinscher benötigt in seiner Erziehung also klare Grenzen. Um diese zu lernen, ist Durchsetzungsvermögen und je nach Situation auch mal herzhaftes Durchgreifen gefragt. Druck und Zwang bewirken dabei jedoch das Gegenteil. Vielmehr muss der intelligente Hund die Regeln nachvollziehen können. Um von seinem Pinscher als Rudelführer anerkannt und akzeptiert zu werden, braucht es also auch auf Seiten des Halters eine Portion Intelligenz, Kreativität und Selbstsicherheit.

Ein Hund für sportliche Menschen

Für einen Hund, der lernen soll, sich zu entspannen und nicht alles selbst zu regeln, ist auch eine körperliche Auslastung unerlässlich. Der aktive und temperamentvolle Pinscher ist deshalb am besten für sportliche Menschen geeignet, die Lust haben, sich gemeinsam mit ihrem Hund zu bewegen. Ob beim Radfahren, Inlineskaten, Reiten oder Joggen – der Deutsche Pinscher ist ein idealer Partner für alle Freizeitsportarten.

Freude bereitet ihm natürlich auch Hundesport wie beispielsweise rasantes Agility oder Turnierhundesport. Für eine nötige geistige Auslastung können außerdem Fährtensuche oder Mantrailing sorgen. Dank seiner charmanten Art wird es dem Pinscher jedenfalls immer wieder gelingen, seine Besitzer zum gemeinsamen Sport, Spielen und spazieren gehen zu verführen. Nach solch intensiven Betätigungen an der frischen Luft dürfen sich seine Besitzer zuhause dann auch auf ausgiebige Schmuseeinheiten freuen.

Wer Lust hat auf eine intensive geistige und körperliche Mensch-Hund-Beziehung, ist mit dem Deutschen Pinscher also bestens bedient.

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Steckbrief zum Deutschen Pinscher

Besonderheiten: Der Deutsche Pinscher ist ein sportlicher, vielseitiger Hund. Er besitzt einen individuell ausgeprägten Jagdtrieb, eignet sich aber bei ausreichender Auslastung auch als Familienhund.
Charakter: intelligent, selbstbewusst, temperamentvoll, aufmerksam
Widerristhöhe: 45-50 cm
Gewicht: 14-20 kg
Fell: kurz, glatt und glänzend, in Lackschwarz mit roten Abzeichen oder einfarbig Rot
Fellpflege: geringer Aufwand, haart wenig, gelegentlich bürsten
Auslauf: hoher Bewegungsdrang, Beschäftigung z. B. durch Agility oder als Begleithund beim Joggen, Reiten bzw. Radfahren
Anfängerhund: nein
Bellen: bellt trotz hoher Wachsamkeit eher wenig
Lebenserwartung: ca. 12-14 Jahre
Typische Krankheiten: Hüftdysplasie, Augenerkrankungen, Von-Willebrand-Krankheit
Preis: ab ca. 1.500 Euro
FCI-Gruppe: Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molossoide – Schweizer Sennenhunde Sektion 1: Pinscher und Schnauzer
Herkunft: Deutschland
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