Berger Picard

zwei berger picard

Der französische Schäferhund Berger de Picardie ist in jeder Hinsicht robust: in seinem Aussehen, seinem Wesen und seiner Gesundheit. Als Familienhund zeigt er aber auch seine weiche und charmante Seite.

Harte Schale, weicher Kern?

Dieses Sprichwort fasst das Wesen des Berger de Picardie treffend zusammen. Abgesehen von dem rauhen Ziegenhaar-Fell zeigt der französische Rassehund seine „harte Schale“ besonders gegenüber Fremden, denen er misstrauisch, zum Teil abweisend begegnet. Aggressiv oder bissig ist er dabei jedoch nie. Im engen Familienverbund kommt hingegen seine weiche Seite zum Vorschein. Ohne aufdringlich zu sein, liebt er das Zusammensein mit seinen vertrauten Menschen und genießt das gemeinsame Spielen und Schmusen in vollen Zügen. Besonders Kindern gegenüber erweist sich der sensible Hund als liebevoller und zuverlässiger Beschützer.

Ist der Berger de Picardie schwer erziehbar?

Sein Misstrauen und seine Wachsamkeit gegenüber Fremden ist dem französischen Hütehund ebenso in die Wiege gelegt wie seine Selbständigkeit, die ihm nicht selten als Sturheit ausgelegt wird. Als eigenständiger Wächter über eine große Tierherde waren diese Eigenschaften für den Berger de Picard nicht nur sinnvoll, sondern durchaus überlebenswichtig. Bei der Erziehung des heutzutage hauptsächlich als Familienhund gehaltenen Picard steht dieser Eigensinn hingegen eher im Weg. Dabei kann man nicht sagen, dass der Rassehund nicht lernfähig wäre – im Gegenteil, seine Intelligenz, seine schnelle Auffassungsgabe und sein lebhaftes Temperament machen ihn zu einem begeisterungsfähigen Mitspieler. Allerdings fragt er zuweilen nach dem „Warum“ einer Übung.

Lernfähig, aber nicht immer lernwillig

Blinden Gehorsam kann man von einem Berger Picard nicht erwarten. Für Anfänger ist der charmante Sturkopf deshalb nur bedingt geeignet. Schließlich braucht es neben einem ausgeprägten Verständnis für sein Wesen auch ein gewisses Knowhow, um ihn für Aufgaben und Kommandos zu motivieren. Mit liebevoller Konsequenz, Geduld, Beharrlichkeit und genügend Einfühlungsvermögen lässt sich aber auch dieser französische Hütehund in die gewünschten Bahnen lenken. Entsprechend erzogen und sozialisiert präsentiert sich der einfühlsame und ausgeglichene Berger de Picard als unkomplizierter Hundekamerad, den man überall mit hinnehmen kann.

Erscheinungsbild

Seine Herkunft als Hütehund, der ursprünglich im Norden Frankreichs sowohl bei gleißendem Sonnenschein als auch im dichten Nebel und Regen draußen seine Herde bewachte, verrät auch das robuste Äußere des Berger Picard. Sein rustikales Haarkleid mit dem rauen, halblangen Fell fühlt sich hart an und bietet dem Naturburschen dank der feinen und dichten Unterwolle bei jeder Witterung einen perfekten Schutz.

Farblich präsentiert sich der Berger de Picardie recht vielseitig. Die Grundtöne sind zwar in der Regel grau oder falbfarben, doch die verschiedenen Abstufungen reichen dabei von einem eher dunkleren Grauschwarz, über ein etwas helleres Grau mit schwarzem Schimmer bis hin zu einem bläulichen oder rötlichen Grauton. Weiße Abzeichen sind nur als kleine helle Flecken an Pfoten und der Brust erlaubt. Großflächige weiße Stellen sieht der Standard hingegen nicht vor.

berger picard welpe

Sportlicher Naturbursche

Mit einer Widerristhöhe von bis zu 65 cm bei Rüden und bis zu 60 cm bei Hündinnen gehört der Picard zu den mittelgroßen Hunden. Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 23 bis 32 Kilogramm ist er ein eher sportlicher Hund, der sich durch eine hohe Schnelligkeit und Wendigkeit auszeichnet. Sein Temperament erkennt man auch in seinem lebendigen und wachsamen Gesichtsausdruck, der immer fröhlich wirkt. Charakteristisch sind auch seine mittelgroßen und natürlichen Stehohren. Im Gegensatz zum Beauceron (Berger der Beauce) und zum Briard (Berger de Brie), mit denen er dieselbe Entstehungsgeschichte teilt, besitzt der Picard keine doppelten Afterkrallen.

Geschichte

In der Gruppe der alten französischen Hirtenhunde, zu denen der Beauceron, der Briard und der Picard zählen, gehört letzterer zu der wohl ältesten Rasse. So wird vermutet, dass er von keltischen Hunden aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. abstammt. Belegen lässt sich diese These allerdings heute nicht mehr. Gesicherte Erkenntnisse über seine Herkunftsgeschichte gibt es erst ab dem 19. und 20. Jahrhundert. Der Kynologe Fontaine war einer der ersten, der sich den rustikalen Hütehunden aus der Picardie, dem Pariser Becken, annahm. Seine frühen Zuchtversuche wurden jedoch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunichte gemacht.

Stammeseltern de la Bohème

Erst nach Kriegsende gelang es Fontaine mit Hilfe der einflussreichen Mitstreiter Paul Mégnin (Direktor des Fachblattes L´Eleveur) und dem Züchter Tournemime, einen ersten Standard zu erstellen und den Bekanntheitsgrad dieser besonderen Rasse zu steigern. Zwar wurde der Picard Anfang 1925 offiziell als weitere Hütehunderasse Frankreichs anerkannt, doch außerhalb seiner Herkunftsregion blieb er weitgehend unbekannt. Sämtlichen Bemühungen dies zu ändern, setzte der erneute Kriegsausbruch ein jähes Ende. Es ist dem Picardbesitzer Cotte zu verdanken, dass die Rasse trotz des Zweiten Weltkrieges nicht ausgestorben ist. Nach dem Ende der entbehrungsreichen Kriegs- und Besatzungsjahre suchte Cotte auf Bauernhöfen der Picardie nach Hunden, die dem Typ des Berger de Picardie entsprachen. Seine Kreuzungen mit dem Namen „Radjah de la Bohème“ und „Wax de la Bohème“ gelten heute als Stammeseltern der Picardie-Rasse.

Wie steht es heute um den Bestand des Picards?

Bis heute ist der Berger de Picardie eine seltene Rasse, deren Welpenzahlen nicht annähernd an die Zahlen seiner Verwandten Beauceron und Briard heranreichen. Glücklicherweise haben sich dennoch engagierte Züchter und Liebhaber der Rasse gefunden, die den Picard heute über die Grenzen des Pariser Beckens hinaus bekannt gemacht haben und die zu Zuchtstätten in weiteren europäischen Ländern geführt haben.

Zucht und Gesundheit

Die geringe Welpenanzahl hat zur Folge, dass der Picard bis heute ein recht hohes Inzuchtpotenzial aufweist, das durch strenge Zuchtvorgaben und Kontrollen reduziert werden soll. Die vergleichsweise hohe Lebenserwartung der Rasse, die heute bei ca. 13 Jahren liegt, und die Tatsache, dass der Berger de Picardie insgesamt als sehr gesund und robust gilt, sprechen für den Erfolg dieser gewissenhaften Zuchtbemühungen. Auch die Erbkrankheit HD (Hüftgelenksdysplasie), unter der sehr viele mittelgroße bis große Hunderassen leiden, hat man bei dieser französischen Hunderasse glücklicherweise gut im Griff.

berger picard portrait

Was gehört zur Pflege?

Trotz seines robusten Gesundheitszustands kann der Picard natürlich mal erkranken. Feste Gesundheits-Check-Ups beim Tierarzt gehören deshalb zum Pflichtprogramm eines jeden Besitzers. Zusätzlich sollten Sie regelmäßig Fell, Zähne, Augen und Krallen Ihres Hundes kontrollieren. Damit beugen Sie Krankheiten nicht nur vor, sondern steigern im Falle einer Erkrankung auch ihre Heilungschancen. Grundsätzlich gestaltet sich die tägliche Pflege des Picards dank seines rauen Fells, das sich leicht bürsten lässt und in dem kaum Schmutz hängenbleibt, aber als sehr einfach und wenig aufwendig.

Welches Futter braucht der Berger de Picardie?

Eine hochwertige und ausgewogene Ernährung ist für die gesunde Entwicklung des Hundes genauso wichtig wie eine angemessene Pflege des Vierbeiners. Der Berger de Picardie macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme, auch wenn er hinsichtlich seiner Ernährung keine hohen Ansprüche stellt. Da die Rasse als sehr gesund gilt, wenige Unverträglichkeiten aufweist und dank ihrer Bewegungsfreude von Übergewicht in der Regel verschont bleibt, eignet sich herkömmliches Futter (Nassfutter oder Trockenfutter) genauso wie selbst Gekochtes oder die BARF-Methode. Für welche Art der Ernährung Sie sich entscheiden, hängt nicht nur von den individuellen Vorlieben Ihres Hundes, sondern auch von Ihnen ab. Welches Futter können Sie im Alltag am besten integrieren? Wie viel Zeit haben Sie für die Zubereitung? Wenn Sie ein Futter gefunden haben, das Ihrem Vierbeiner gut schmeckt und das ihm gut bekommt, sollten Sie dabei bleiben, denn häufige Futterwechsel sind für die Verdauung Ihres Hundes sehr belastend.

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Welche Nährstoffe sollten im Futter enthalten sein?

Ob das Futter Ihrem Hund gut bekommt und seine gesunde Entwicklung fördert, hängt weniger davon ab, ob es trocken, nass oder selbst gekocht ist, sondern vielmehr von den darin enthaltenen Inhaltsstoffen. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass Ihr Hund durch sein Futter mit allen wichtigen Nährstoffen (Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Mineralien und Vitaminen) versorgt ist. Der Nährstoffbedarf ist dabei von Hund zu Hund unterschiedlich und schwankt hinsichtlich Bewegungspensum, Alter und Gewicht des Tieres. Ein ausgewogenes Futter zeichnet sich in der Regel jedoch durch einen hohen Fleisch- und Gemüseanteil und einem eher geringen Anteil an Getreide aus. Außerdem sollten Omega-Fettsäuren und nur natürliche Kohlenhydrate enthalten sein. Zucker, künstliche Geschmacksverstärker oder unnötige Füllstoffe haben im Hundefutter hingegen nichts zu suchen.

Haltung

Im Vergleich zu seinen Ernährungs-Anforderungen sind die Ansprüche, die der Picard an seine Haltung stellt, recht hoch. Als ehemaliger Hirtenhund, der täglich Strecken zwischen 40 bis 100 km absolvierte, verlangt er auch als Familienhund ein hohes Maß an Bewegung und Beschäftigung. Sportliche Spaziergänge, Joggingeinheiten oder Radtouren sollten also auf dem Tagesplan seines Halters stehen. Bewegung allein reicht aber noch nicht aus – der Picard möchte auch seinen Kopf einsetzen. Intelligenzspielzeug, Apportierspiele oder auch der Besuch einer Hundesportschule bieten sich mit diesem ausdauernden und intelligenten Rassehund an. Allerdings sollten Sie berücksichtigen, dass der Picard seinen eigenen Kopf besitzt und bei Übungen, die ihm unsinnig erscheinen, gerne mal auf stur stellt.

Welche Anforderungen stellt der Picard an seinen Besitzer?

Die Haltung und Erziehung des Berger de Picardie erfordert entsprechend viel Geduld sowie eine gute Mischung aus Beharrlichkeit und Gelassenheit. Übertriebene Strenge oder eine zu hohe Erwartungshaltung hinsichtlich des Gehorsams führen beim eigensinnigen und sensiblen Picard nicht zum Erfolg. Ein Halter, der bereits Erfahrung in der Hundeerziehung hat und der sich seinem Hund mit liebevoller Konsequenz und viel Zeit widmen kann, eignet sich für diesen Rassehund sicherlich am besten. Wenn dieser außerdem sehr aktiv ist, viel Freude an der Bewegung hat und ein Haus mit einem großen eigenen Garten besitzt, steht dem gemeinsamen Glück zwischen Mensch und Berger de Picardie nichts im Weg.

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