Unter dem Oberbegriff „Altdeutscher Hütehund“ werden verschiedene urtümliche, teils vom Aussterben bedrohte Schläge aus Deutschland zusammengefasst. Hierzu zählen beispielsweise der Schafpudel, der Harzer Fuchs und der Westerwälder Kuhhund. Optisch unterscheiden sich diese Hunde zum Teil stark. Gemeinsam ist ihnen ihr angeborener starker Hütetrieb.
Beim Altdeutschen Hütehund handelt es sich nicht um eine offiziell anerkannte Rasse, sondern um einen bestimmten Hundetyp. Der Begriff fasst verschiedene Schläge von Hütehunden zusammen, deren Vorfahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands bereits seit dem Mittelalter gehalten werden.
In diversen deutschen Regionen haben sich über die Jahrhunderte verschiedene, teils recht unterschiedlich aussehende Hütehunde entwickelt. Ihre vornehmliche Aufgabe war es, Wanderschäfer zu begleiten und dabei deren Vieh zu hüten, zu treiben und zu beschützen.
Gezüchtet als der perfekte Arbeitshund
Bei der Zucht des Altdeutschen Hütehunds stand stets seine Eignung als Arbeitshund im Vordergrund. Die Schäfer verpaarten daher nur Tiere mit
ausgeprägtem Hütetrieb
unbedingtem Arbeitswillen
großer Eigenständigkeit.
Das Aussehen der Hunde spielte bei der Zuchtauswahl dagegen keine Rolle. Dies ist auch der Grund, warum weder der Altdeutsche Hütehund noch die einzelnen Varietäten als eigenständige Rassen von den internationalen Zuchtverbänden anerkannt sind.
Bekannte Schläge
Eingeteilt werden die Altdeutschen Hütehunde nach der Region, aus der sie ursprünglich stammen, nach dem Vieh, das sie hüten sowie nach der Fellfarbe bzw. der Fellbeschaffenheit.
Zu den bekanntesten Schlägen zählen unter anderem die folgenden:
Da die Wanderschäferei heutzutage kaum mehr ausgeübt wird, ist dieser Vierbeiner selten geworden. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen schätzt zum Beispiel, dass es in ganz Deutschland noch etwa 3.000 dieser Hunde gibt.
Als extrem gefährdet gilt der Westerwälder Kuhhund. Von dieser Varietät des Altdeutschen Hütehunds sollen nur noch etwa 30 bis 40 Exemplare existieren. Verschiedene Schäfer, private Züchter und Verbände wie die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde haben sich dem Erhalt dieses historischen Hundetyps verschrieben.
Aussehen des Altdeutschen Hütehunds: Mittelgroßer Vierbeiner
Die Optik des Altdeutschen Hütehunds ist uneinheitlich. Im Allgemeinen handelt es sich um mittelgroße Vierbeiner mit einer Schulterhöhe von 50 bis 70 cm und einem Gewicht von 24 bis 28 kg. Vertreter aus dem süddeutschen Raum sind oftmals etwas größer und kräftiger als ihre nord- und mitteldeutschen Verwandten.
Die Felllänge und -beschaffenheit variieren, wobei die meisten Vertreter dieses Hundetyps rollhaarig, langhaarig oder langstockhaarig sind. Schafpudel und Strobel sind zotthaarig oder rauhaarig.
Welche Farbvarianten gibt es?
Die Hütehunde können die unterschiedlichsten Fellfarben, Schattierungen und Muster haben. Charakteristisch sind folgende Farben bei den verschiedenen Schlägen:
Einfarbig schwarz: Schwarzer
Schwarz mit braunen, roten oder gelben Abzeichen: Gelbbacke
Die Ohren können gekippt, hängend oder stehend getragen werden. Tiere, die mit Stummelrute geboren wurden, werden „Stumper“ genannt.
Charakter: Treuer Begleiter der Schäfer
Altdeutsche Hütehunde sind temperamentvolle, verlässliche Arbeitshunde. Sanft, aber bestimmt hüten und treiben sie große Viehherden, darunter Schafe, Kühe, Ziegen und Geflügel. Sie sind es gewohnt, eigenständige Entscheidungen zu treffen, was zu einer gewissen Sturheit führen kann.
Ihre Ausdauer, ihre Wachsamkeit und ihre Anpassungsfähigkeit machen diese Tiere zu treuen Begleitern von Schäfern und Landwirten. Für Anfänger sind diese aktiven, lernwilligen Vierbeiner nicht zu empfehlen.
Sind Altdeutsche Hütehunde als Familienhunde geeignet?
Als reine Hof- oder Familienhunde sind diese Tiere nicht geeignet. Sie brauchen unbedingt eine sinnvolle Aufgabe, der sie nachgehen können.
Gut zu wissen: Unterforderte Vierbeiner können ihren Hütetrieb auch unerwünscht an Artgenossen, kleinen Kindern, Radfahrern oder Joggern ausleben.
Beschäftigung für Altdeutsche Hütehunde: Hüten oder Hundesport
Arbeitswillige Hunde wie die Altdeutschen Hütehunde müssen körperlich und geistig gefordert werden. Das Hüten von Nutzvieh liegt ihnen im Blut.
Sollen sie nicht als Herdengebrauchshunde eingesetzt werden, kann Hundesport als alternative Beschäftigung dienen.
Agility, Dogdance oder Flyball sind gut geeignet, um die wendigen, intelligenten Energiebündel auszupowern. Auch eine Ausbildung zum Rettungs-, Assistenz- oder Therapiehund ist denkbar.
Altdeutsche Hütehunde sind für die Arbeit geboren und möchten ausgelastet werden.
Gesundheit: Wie alt wird ein Altdeutscher Hütehund?
Diese Hütehunde werden als wetterfeste, robuste Vierbeiner beschrieben. Zuchtbedingte Krankheiten sind nicht bekannt.
Bei artgerechter Haltung erfreuen die Vierbeiner sich bester Gesundheit und bleiben häufig bis ins hohe Alter agil. Die Lebenserwartung dieses langlebigen Hundetyps liegt bei 13 bis 15 Jahren.
Zucht und Anschaffung: Wo finde ich einen Altdeutschen Hütehund?
Altdeutsche Hütehunde gelten als Stammväter moderner Rassen wie beispielsweise des Deutschen Schäferhunds und des Altdeutschen Schäferhunds. Die urtümlichen Schläge selbst werden dagegen heutzutage kaum noch gezüchtet.
Wer eine Gelbbacke, einen Strobel oder einen Tiger kaufen möchte, sollte sich daher an eine Organisation wie die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde wenden. Manchmal haben auch Schäfer einen Altdeutschen Hütehund abzugeben.
Sie wollen eine ähnliche Rasse wie den Schäferhund adoptieren? In unseren Ratgebern finden Sie alle wichtigen Informationen rund um die Anschaffung:
Fazit: Fleißiger Vierbeiner mit ausgeprägtem Hütetrieb
Altdeutsche Hütehunde sind eigenständige, manchmal draufgängerische Vierbeiner. Sie besitzen einen großen Bewegungsdrang und einen ausgeprägten Hütetrieb. Am glücklichsten sind sie, wenn sie ihrer Bestimmung nachgehen und Vieh hüten dürfen.
Soll ein Vertreter dieser Rasse in Privathand gehalten werden, muss ihm eine andere Aufgabe zugewiesen werden, etwa Hundesport oder Rettungshundearbeit.
Steckbrief zum Altdeutschen Hütehund
Besonderheiten:
Ursprünglicher Hundetyp, der verschiedene unterschiedliche Schläge wie den Harzer Fuchs, die Gelbbacke und den Schafpudel vereint.
Charakter:
eigenständig, intelligent, arbeitswillig, wachsam
Widerristhöhe:
50-70 cm
Gewicht:
24-28 kg
Fell:
rollhaarig, langhaarig, langstockhaarig, zotthaarig oder rauhaarig
alle Farben möglich, v.a. Schwarz, Rot, gescheckt, Schwarz mit Abzeichen
„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen und ergänzen: „Ein Leben ohne Pferd, Katze und Kaninchen ebenfalls!“ Mein Herz schlägt für alle großen und kleinen Tiere und ich habe das große Glück, als freie Autorin über meine Leidenschaft schreiben zu dürfen. Mit meinen Artikeln möchte ich für den Tierschutz sensibilisieren und Tierfreund/innen nützliche Tipps geben.
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