Blasenentzündung (Zystitis) beim Hund

Verfasst von Tierärztin Amelie Krause
Blasenentzündung (Zystitis) beim Hund

Die Blasenentzündung des Hundes (Zystitis) tritt meist in Verbindung mit einer Entzündung der Harnröhre auf, so dass sie nicht isoliert zu betrachten ist. Harnröhre und Blase werden zusammen als „untere Harnwege“ bezeichnet.

Ursachen

Für eine Entzündung der unteren Harnwege beim Hund spielen Bakterien die wichtigste Rolle. Diese sitzen auf der Haut in der Umgebung der Genitalien und können über die Harnröhre in die Blase aufsteigen (sog. aufsteigende Infektionen). Eine Entzündung der unteren Harnwege kann bei Hunden beiden Geschlechts und jeden Alters auftreten. Grundsätzlich sind jedoch Hündinnen am häufigsten betroffen, da bei ihnen die Harnröhre relativ kurz ist im Vergleich zu Rüden. Zudem sind kastrierte Hündinnen durch eine Schwächung des Blasenschließmuskels zusätzlich besonders empfänglich für eine Infektion. Bakterien können hier leichter in die Harnblase gelangen. Es handelt sich bei den Bakterien meist um Darmkeime wie Escherichia coli, Enterokokken, aber auch Proteus, Staphylokokken, seltener Pseudomonaden und andere Erreger. Meist ist nur ein Keim verantwortlich für die Infektion, in 25 Prozent der Fälle sind zwei oder mehr Keime nachweisbar.  Harnkristalle oder Harnsteine können ebenso Ursache für eine Blasenentzündung sein. Durch die Kristalle oder Steine wird die Schleimhaut der Blase und der Harnröhre gereizt und somit deren Abwehrmechanismen gestört. Zudem können Veränderungen der anatomischen Strukturen wie Fehlstellungen der harnableitenden Organe zu Entzündungen führen. Durch andere Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus oder Hyperadrenokortizismus sind zugleich die Abwehrsysteme gestört und die antibakteriellen Harneigenschaften herabgesetzt, so dass aufsteigende Infektionen leichtes Spiel haben.

Symptome bei einer Blasenentzündung

Das häufigste Symptom bei einer Entzündung der unteren Harnwege ist ein vermehrter Harndrang mit Absetzen von kleinen Portionen oder keinem Urin. Zudem kann der Harnabsatz schmerzhaft sein, was sich durch einen gekrümmten Rücken oder Schmerzäußerung zeigt. Teils fallen ein veränderter Harngeruch und Farbveränderung mit Trübung oder durch Blut auf. Meist fehlen Störungen des Allgemeinbefindens, in schweren Fällen jedoch kann Fieber auftreten.

Diagnose

Die Untersuchung des Hundes durch den Tierarzt sowie der Vorbericht durch den Hundehalter geben Hinweise auf eine Entzündung der unteren Harnwege. Durch eine Untersuchung des Urins, am besten durch sterile Entnahme eines sog. Zystozenteseurins, kann die Verdachtsdiagnose bestätigt werden. Hierbei entnimmt der Tierarzt unter Ultraschallkontrolle durch Punktion der Blase Urin. Dieser Urin ist besser zu beurteilen als aufgefangener Urin, da er nicht durch Keime der Genitalien verunreinigt ist. Der Urin wird unter dem Mikroskop auf Zellen, Bakterien und Kristalle sowie mithilfe von Urinsticks untersucht. Außerdem sollte eine bakteriologische Untersuchung des Harns erfolgen. Die Harnblase sollte überdies mithilfe von Ultraschall auf Auffälligkeiten wie Schleimhautveränderungen der Blase oder Anzeichen für Harnkristalle oder Harnsteine untersucht werden. Zudem kann eine Röntgenuntersuchung notwendig sein, da Harnsteine zuweilen nicht im Ultraschall sichtbar zu machen sind. Bei komplizierten Verläufen einer Harnwegserkrankung können weitere Untersuchungen auf zusätzliche Erkrankungen vonnöten sein.

Therapie einer Blasenentzündung

Anhand einer bakteriologischen Untersuchung kann man den Keim, der die Infektion und Entzündung der unteren Harnwege verursacht hat, ermitteln. Dieser Keim sollte gezielt mit einem Antibiotikum behandelt werden. Zusätzlich kann der Einsatz eines Schmerzmittels hilfreich sein. Harnsteine müssen operativ entfernt werden. Harnkristalle können durch entsprechende Änderung der Ernährung aufgelöst werden. Sollten andere Erkrankungen vorhanden sein, die eine Blaseninfektion begünstigen, müssen diese zusätzlich behandelt werden, damit die Entzündung der unteren Harnwege ausheilen kann.

Vorbeugen

Gehört Ihr Hund zu der Gruppe, die häufiger von Harnwegsentzündungen betroffen sein kann, ist es ratsam ihn bei nassem und kaltem Wetter vor Durchnässen zu schützen. Das Liegen auf kaltem Untergrund sollte vermieden werden. Eine gründliche Hygiene der Analregion bei Durchfall kann ebenso vor einer Blasenentzündung schützen. Der Hund sollte zudem ausreichend Wasser zur Verfügung haben und nicht zulange mit der Blasenentleerung warten müssen. Gerade bei empfindlichen Hunden kann man versuchen die Blasenschleimhaut durch Nahrungsergänzungsmittel beispielsweise mit Cranberries zu stärken.

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