07. Oktober 2019

Staupe beim Hund 

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
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Staupe wird hervorgerufen durch das gleichnamige Canine Staupevirus. In medizinischen Fachkreisen wird allerdings auch von der Carre’schen Krankheit oder Canine Distemper gesprochen. Besonders betroffen sind ungeimpfte Hunde mit einem geschwächten Immunsystem wie Kranke, gestresste und alte Tiere.  Am häufigsten jedoch sind drei bis sechs Monate alte Tiere von der Erkrankung betroffen.

Das Canine Staupevirus gehört zu der Familie der Paramyxoviridae und hat die Eigenschaft, sich sehr schnell ausbreiten zu können. Übertragen wird das Virus durch den Kontakt zu verschiedenen Sekreten und Exkreten wie Speichel, Harn und Kot von erkrankten Tieren, indem das Tier die Viren einatmet, oral aufnimmt oder bereits als fetaler Welpe über das Muttertier mit den Viren in Kontakt kommt. In letzterem Fall bricht die Erkrankung erst dann aus, wenn nach Absetzen der Muttermilch keine mütterlichen Schutzproteine (Antikörper) dem Welpen zur Verfügung stehen. Das Canine Staupevirus kommt weltweit vor und kann neben Hunden auch Katzen, Bären, Marder, Robben und Hyänen infizieren.

Wird das Virus beispielsweise über die Luft eingeatmet, ist die erste Anlaufstelle des Virus die Oberfläche der Atemwege (Respirationsepithel). Dort befallen die Viren bestimmte Zellen des angeborenen Immunsystems, sogenannte Fresszellen (Makrophagen). Normalerweise haben diese die Aufgabe, Krankheitserreger wie Bakterien und Viren zu erkennen, aufzunehmen und anschließend zu eliminieren. Staupeviren können in den Fresszellen jedoch überleben und sich in ihnen sogar stark vermehren, sodass sie nicht mehr zerstört werden. So gelangen sie nach nur wenigen Stunden über die Lymphe in Lymphknoten und weitere lymphatische Organe wie die Milz und Leber. Später erreichen die Viren dann über die Blutbahn innerhalb kürzester Zeit den gesamten Organismus. Hauptziele sind der Harn-, Geschlechts- und Atemtrakt bis hin zum Nervengewebe.

Staupe beim Hund: Symptome

Je nach betroffenem Organsystem, treten unterschiedliche Krankheitsbilder auf.

Da nicht jedes Staupevirus die gleiche Ansteckungsfähigkeit (Virulenz) aufweist, ist die Klinik ebenfalls von dem bestimmten Virusstamm abhängig.

In den meisten Fällen verläuft die Staupe ohne jegliche Symptomatik. Ist das Immunsystem jedoch bereits stark geschwächt, können nach etwa zwei Wochen schwere Verläufe mit folgenden Symptomen auftreten:

  • Starkes Fieber und ein schlechtes Allgemeinbefinden
  • Magen-Darm-Beschwerden: Erbrechen, Durchfall, Austrocknung (Dehydratation), Appetitlosigkeit und Abmagerung
  • Atemwegsbeschwerden: Niesen und Husten, Augenausfluss, Nasenausfluss, Mandelentzündungen und Lungenentzündungen mit Atemnot
  • Zentralnervöse Beschwerden: Kopfschiefhaltung, Lahmheiten, Krämpfe, Blindheit und regelmäßiges Muskelzittern (Staupetick), Altersenzephalitis (Gehirnentzündung)
  • Augenbeschwerden: Augenentzündungen und Bindehautentzündungen
  • Hautbeschwerden: übermäßige Bildung von Haut an Nase und Ballen (Hyperkeratose) sowie Hautentzündungen
  • Zahnprobleme: wird ein Welpe bereits vor dem Zahnwechsel infiziert, kann es zu Störungen des Zahnschmelzes kommen (Staupegebiss)
  • Todesfälle sind möglich

Diagnostik

Die Diagnostik einer Staupeerkrankung gestaltet sich in den meisten Fällen als schwierig.

Bei Verdacht sollte jedoch schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Dieser kann das Geschehen durch eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) und allgemeine Untersuchung bereits genauer einschätzen. Anschließend erfolgt eine spezielle Untersuchung, welche eine fachgemäße Diagnosestellung ermöglicht. Mit Hilfe einer Blutuntersuchung können bestimmte Parameter wie die Anzahl von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bestimmt werden. Sollten bereits zentralnervöse Symptome aufgetreten sein, kann mittels einer Liquorentnahme der Protein- und Zellgehalt des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) gemessen werden. Ein erhöhter Gehalt beider Parameter ist ein Zeichen für entzündliche Veränderungen.

Um die Viren direkt nachweisen zu können, kann der Tierarzt mit Hilfe von Blut-, Harn-, Liquor- sowie Konjunktivalabstrichproben in speziellen Laboren verschiedene Tests durchführen lassen. Beispiele für sogenannte Antigennachweise sind die Polymerase-Kettenreaktion (englisch: polymerase chain reaction, PCR), Immunfluoreszenz sowie Elektronenmikroskopie. Ebenfalls kann eine bronchoalveoläre Lavage durchgeführt werden, bei welcher die Lunge des erkrankten Tieres mit einer Flüssigkeit gespült und diese anschließend wieder abgefangen wird. Danach wird die Flüssigkeit auf bestimmte Einschlusskörperchen untersucht, welche sich in den abgelösten Zellen befinden.

Neben den direkten Nachweismethoden bieten sich aber auch indirekte Nachweismethoden an. Dazu gehört die Bestimmung von Schutzproteinen (Antikörpern) im Blut oder im Liquor.

Therapie

Eine erfolgreiche Therapie setzt sich aus verschiedenen therapeutischen Maßnahmen zusammen:

  1. Symptomatische Therapie

Damit das Allgemeinbefinden des erkrankten Hundes verbessert werden kann, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  • Infusionen
  • Hustenlösende und schleimlösende Medikamente
  • Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Vitaminpräparate (vor allem Vitamin E, B1, B12)
  • Gegebenenfalls künstliche Ernährung
  1. Antibiotika

Durch das stark geschwächte Immunsystem ist das Risiko sehr hoch, durch weitere Krankheitserreger wie Bakterien infiziert zu werden. Die Folgen von sogenannten Sekundärinfektionen können weitreichend sein und das Krankheitsgeschehen massiv verschlechtern. Um diese Gefahr zu verhindern, sollte ein gezielter Einsatz von Breitbandantibiotika durchgeführt werden.

  1. Antikörperkonzentrate

Antikörper (Immunglobuline) sind schützende Proteine, welche durch bestimmte weiße Blutkörperchen (Leukozyten) gebildet werden. Ihre Aufgabe ist es, Krankheitserreger zu finden und sich an sie zu binden. Dadurch markieren sie die Krankheitserreger für andere Zellen des Immunsystems, welche die Eindringlinge anschließend zerstören können.

Prognose

Die Prognose einer Staupeerkrankung sollte immer vorsichtig betrachtet werden. Umso milder der Krankheitsverlauf ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Therapie. Treten jedoch bereits neurologische Krankheitsanzeichen auf, verschlechtert sich die Prognose.

Vorbeugen

Durch folgende prophylaktische Maßnahmen kann eine Infektion verhindert werden:

  • Da das Canine Staupevirus in der normalen Umwelt nicht lange überleben kann, sollten besonders in Endemiegebieten Flächen und Gegenständen regelmäßig desinfiziert und gesäubert werden
  • Pflichtimpfungen: Eine Grundimmunisierung sollte durch eine Injektion ab der 8. Lebenswoche und eine weitere vier Wochen später erfolgen. Mit 12 Monaten empfiehlt sich eine Wiederholungsimpfung, sowie kann diese danach alle zwei bis drei Jahre durchgeführt werden.

Lesen Sie mehr über das Thema "Die wichtigsten Impfungen für Ihren Hund und Welpen".

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