Tollwut beim Hund

tollwütiger Hund mit Speichelfluss

Speichelfluss und Schluckbeschwerden können Symptome der Tollwut beim Hund sein.

Deutschland gilt seit 2008 offiziell als tollwutfrei. Dennoch sollten Sie diese tödliche Erkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn die Gefahr ist leider noch nicht gebannt. Lesen Sie im folgenden Artikel alles, was Sie über Tollwut beim Hund wissen müssen. 

Wie gefährlich ist Tollwut beim Hund? 

Die Tollwut ist eine tödliche Viruserkrankung, mit der sich neben Hunden und anderen Säugetieren auch Vögel und Menschen anstecken können. Es handelt sich um eine seit der Antike bekannte, vor allem durch Hunde und Raubwild verbreitete Anthropozoonose. Das heißt Menschen und Tiere können sich gegenseitig mit dieser Krankheit infizieren. 

Da in Deutschland ein Behandlungsverbot für Tiere mit Verdacht auf Tollwut besteht, endet die Krankheit für Hunde in jedem Fall tödlich. Schützen Sie Ihren Hund also vor dieser gefährlichen Viruserkrankung. 

Ursachen: Wie kommt es zur Erkrankung? 

Das Tollwutvirus ist ein RNA-Virus und gehört zum Genus Lyssavirus und zur Familie der Rhabdoviren. Die Tollwut kommt weltweit vor. Dennoch wurde sie in einigen Ländern durch Maßnahmen wie strenge Einreiseregeln und Quarantäne ausgerottet. In Europa gilt der Fuchs als wichtigstes Virusreservoir für das Tollwutvirus. 

Durch Auslegung von Impfködern und somit die orale Immunisierung von Füchsen konnte in Deutschland die Tollwut getilgt werden. Bei Fledermäusen tritt vereinzelt noch die Fledermaustollwut auf. Jedoch unterscheidet sich diese von der klassischen terrestrischen Tollwut.  

Zuletzt wurde 2021 in Deutschland Tollwut bei einem Welpen diagnostiziert, der illegal importiert wurde.  

Das Virus überträgt sich hauptsächlich durch den Speichel von infizierten Tieren. Die Ansteckung erfolgt dabei in der Regel durch einen Biss. Möglich ist jedoch auch eine Übertragung durch Kontakt des Speichels mit Schleimhäuten oder oberflächlichen Wunden.   

Von der Eintrittsstelle wandern die Viren entlang der Nervenbahnen ins zentrale Nervensystem (ZNS) und die Speicheldrüsen. Danach breiten sie sich weiter im Körper des Hundes aus.  

Die Inkubationszeit beläuft sich bei Tollwut bei Hunden auf zwei bis 24 Wochen. Diese Zeit ist abhängig von der Lage der Eintrittsstelle des Virus. Je näher sich die Bisswunde am ZNS befindet, desto schneller erkrankt der Hund. 

Symptome: Was sind die wichtigsten Krankheitszeichen? 

Die Tollwut beim verläuft in drei Phasen, die sich teilweise überlappen: 

  • Prodromalphase 
  • Exzitationsphase 
  • Paralysephase 

Die erste Phase dauert meist einige Tage an und zeigt sich hauptsächlich durch Änderungen im Verhalten des Hundes. So werden beispielsweise besonders scheue Tiere plötzlich anhänglich. Weiterhin treten Lichtempfindlichkeit, Schluckbeschwerden und vermehrter Speichelfluss auf. 

Anschließend folgt die sogenannte „rasende Wut“. Der betroffene Hund ist nervös, wild und leicht erregbar. Sie beißen scheinbar ungehemmt um sich und sind desorientiert. Auch der Speichelfluss und die Schluckbeschwerden nehmen zu. 

Im Paralysestadium leiden die Hunde unter Lähmungen. Darauf folgen Koma und Tod.  

Nicht alle betroffenen Tiere durchlaufen diese klassischen Phasen. Bei manchen Hunden geht die Prodromalphase direkt in das Paralysestadium über. 

agressiver tollwütiger Hund
In der Exzitationsphase sind die Hunde hochgradig aggressiv.

Diagnose: Wie lässt sich die Tollwut beim Hund nachweisen? 

Eine sichere Diagnose stellt erst ein Pathologe beziehungsweise ein Labor am toten Tier. Am lebenden Hund ist nur eine Verdachtsdiagnose möglich. Die Anamnese und die aufgetretenen Symptome ergeben hier einen klassischen Verdacht. So zum Beispiel wenn der Hund typische neurologische Symptome zeigt und nicht gegen Tollwut geimpft ist. 

Tollwut ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Bei Verdacht auf eine Tollwutinfektion muss der Tierarzt das Veterinäramt verständigen. Der Amtstierarzt bestimmt dann, aufgrund der Tollwutverordnung, weitere Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung. So darf er beispielsweise die Tötung verdächtiger Tiere anordnen. 

Therapie: Ist Tollwut beim Hund heilbar? 

Für die Tollwut beim Hund (und auch bei anderen Tieren) besteht in Deutschland ein striktes Behandlungsverbot. Zum einen ist die Ansteckungsgefahr für den Menschen sehr hoch, zum anderen ist die Prognose nach Ausbruch der Erkrankung leider ohnehin sehr schlecht.  

Die Tollwut endet übrigens auch beim Menschen in fast 100 Prozent der Fälle tödlich, wenn die Krankheit erst einmal ausgebrochen ist.

Vorbeugen: Wie vermeide ich die Tollwut beim Hund? 

Da sowohl die Krankheit selbst als auch der Verdacht für den Hund tödlich endet, sollten Sie Ihren Hund gegen Tollwut impfen lassen.  

Hunde dürfen frühestens mit zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft werden. Ab drei Wochen nach der Impfung ist diese dann auch offiziell gültig. Je nach Impfstoff wird die Impfung danach jedes Jahr oder alle drei Jahre wiederholt. 

Für Reisen ins Ausland oder bei Einreise des Hundes aus einem anderen Land ist immer eine gültige Tollwutimpfung erforderlich.  

Quellen:

Barbara Kohn und Günter Schwarz, Praktikum der Hundeklinik, 12. Auflage (2018)

https://www.boehringer-ingelheim.de

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