Anaplasmose beim Hund This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
zecke hund

Anaplasmen gehören wie die Ehrlichien zu den Rickettsien. Deshalb wird die Anaplasmose auch als granulozytäre Ehrlichichiose bezeichnet. Anaplasmen sind streng intrazelluläre Bakterien, welche sich im Speichel von verschiedenen Zeckenarten befinden. Während des Saugaktes werden sie schließlich auf den Hund übertragen. Dabei spielt die Schildzecke, genauer der gemeine Holzbock (Ixodes rhizinus) in unseren Regionen die größte Rolle. Ab ca. einer halben Woche nach dem Saugakt kommt es zum Befall von Blutzellen, darunter sind vor allem weiße Blutkörperchen (Leukophile) wie Neutrophile Granulozyten und eosinophile Granulozyten betroffen.

Diese sind ein fester Bestandteil des angeborenen Immunsystems und helfen bei der Erkennung und Zerstörung von Krankheitserregern. Innerhalb kürzester Zeit können die Anaplasmen per Blutbahn den gesamten Organismus erreichen (Bakteriämie). Darunter werden Organe wie die Nieren, das Gehirn, die Leber und die Lunge befallen. In den meisten Fällen einer Infektion bricht jedoch keine Erkrankung aus. Typischerweise tritt die Erkrankung vermehrt in eher warmen Monaten von März bis November auf, da die Zecken zu dieser Zeit besonders aktiv sind.

Unter den Anaplasmataceae werden zwei unterschiedliche Arten unterschieden, welche sich in der Symptomatik und dem Vorkommen unterscheiden:

Anaplasma phagocytophilum

Diese Art ruft die Kanine Granulozytäre Anaplasmose bei Hunden, Katzen sowie Menschen und zahlreichen anderen Tierarten hervor. Sie ist in ganz Europa verbreitet, wobei in Deutschland fast bis zu ein Drittel der Hunde bereits infiziert sind. Für eine erfolgreiche Infektion durch A. phagocytophilum muss die Schildzecke mindestens ein bis drei Tage am Wirt Blut saugen. Die meisten Hunde bilden jedoch ausreichend schützende Proteine (Antikörper), weshalb die wenigsten Hunde eine Symptomatik entwickeln. Inwieweit der Hund an der Kaninen Granulozytären Anaplasmose erkrankt ist abhängig von der jeweiligen Genvariante der Art.

Anaplasma platys

Im Gegensatz zu Anaplasma phagocytophilum führt Anaplasma platys zu der zyklischen Thrombozytopenie. Diese Art kommt in Deutschland nicht endemisch vor und wird fast ausschließlich im südlichen Europa übertragen. Die Erkrankung verläuft oftmals asymptomatisch und kommt nur bei Hunden vor.

Symptome

Durch das Befallen der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gelangen die Anaplasmen sehr schnell in den gesamten Organismus und verursachen dadurch eine sehr variable Symptomatik. Obwohl viele Hunde in Deutschland infiziert sind, erkranken nur die wenigsten unter ihnen. Der Grund dafür wurde bisher noch nicht ermittelt. Kommt es jedoch zu einer Erkrankung, tritt diese sehr akut auf. Nach der akuten Phase tritt eine subklinische Phase ein, in der die Symptomatik wieder abflacht. In dieser Zeit kommt es entweder zu der vollständigen Beseitigung der Erreger oder zum Verbleiben der Anaplasmen in den Blutzellen. Kommt es anschließend zu einer erneuten Schwächung des Immunsystems, beispielsweise durch eine andere Erkrankung, kann ein chronischer Verlauf entstehen. Dieser geht mit einer erneuten starken Symptomatik einher.

Zu den häufigsten Symptomen zählen folgende Krankheitszeichen:

  • Entzündungen der Gelenke (Polyarthritis) und Fieber
  • Eine gesteigerte Blutungsneigung kann durch die Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) entstehen
  • Abfall der roten Blutkörperchen (Anämie) und weißen Blutkörperchen (Leukopenie) führen je nach Schwere zu Schwäche, einem schlechten Allgemeinzustand, Gewichtsabnahme, Wassereinlagerungen (Ödeme) und zentralnervöse Symptome. Letzteres wird vermutlich durch Einblutungen in das Zentralnervensystem ausgelöst
  • Magen-Darm-Symptomatik wie Erbrechen und Durchfall
  • Lahmheiten
  • Vergrößerte Lymphknoten (Lymphadenopathie) sowie eine Schwellung von Milz (Splenomegalie) und Leber (Hepatomegalie)
  • Todesfälle werden in allen Stadien beobachtet, kommen jedoch eher selten vor
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Diagnostik

Da die Anaplasmose eine sehr variable Symptomatik auslöst und anderen fieberhaften Erkrankungen wie der Ehrlichiose oder Babesiose ähnelt, ist eine richtige Diagnostik wichtig. Nach einer ausführlichen Befragung durch Tierarzt (Anamnese) erfolgt eine allgemeine klinische Untersuchung. Durch eine Blutabnahme kann der Tierarzt unterschiedliche labordiagnostische Tests einleiten. Diese müssen jedoch meist in speziellen Labors durchgeführt werden und können damit einige Tage bis zum Ergebnis dauern. Der häufigste Test ist der sogenannte indirekte Erregernachweis mit Hilfe eines Immunfluoreszenztests. Dieser kann jedoch erst ab Tag 10 nach der Infektion durchgeführt werden, da dafür der Gehalt von im Blut vorhandenen schützenden Proteine (Antikörper) ermittelt wird. Das Ergebnis (Titer-Wert) ist ab 1:100 als positiv zu werten, wobei ein negatives Ergebnis auch durch eine verzögerte Antikörperbildung bedingt sein kann. Darum sollte dieser Test nach ca. 4 Tagen erneut durchgeführt werden. Neben der indirekten Methode gibt es auch direkte Nachweismethoden. Dazu zählen der direkte Nachweis per Blutausstrich, in dem die Erreger innerhalb der Neutrophilen Granulozyten ermittelt werden, sowie die PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion). Letzteres benötigt jedoch eine Probe von Blut, Milz oder Knochenmark.

Therapie

Die Behandlung der Anaplasmose erfolgt durch die Gabe von speziellen Medikamenten gegen Rickettsien sowie durch eine symptomatische Therapie. Häufig werden Antibiotika mit dem Wirkstoff Tetrazyklin oder Doxyzyklin eingesetzt. Diese Medikamente sollten als Tabletten über etwa drei Wochen verabreicht werden. Neben den beiden Wirkstoffen kann aber auch Imidocarb eingesetzt werden. Um die Symptomatik zu mildern, helfen Infusionen und Bluttransfusionen. Bei starken Entzündungsreaktionen führt der Einsatz von Kortison-Präparaten wie Prednisolon zur Dämpfung von Überreaktionen des Immunsystems. Wichtig ist, dass nach jeder Therapie das Blut mehrfach kontrolliert wird, um bei Verschlechterung schnellstmöglich eingreifen zu können.

Prognose

Die Anaplasmose ist bei richtiger Behandlung in den meisten Fällen heilbar. Trotz einer überwundenen Erkrankung können Antikörper-Tests noch über Jahre hinweg positiv ausfallen.

Ob diese Infektion erneut zu einer Erkrankung führt, kann nicht ausgeschlossen werden.

Vorbeugen

Folgende Tipps können eine Anaplasmose-Infektion vorbeugen:

  • Vermeiden Sie wenn möglich Risikogebieten
  • Betreiben Sie regelmäßig eine gezielte Zeckenprophylaxe. Diese kann mittels akarizider Halsbänder und Spot Ons durchgeführt werden. Sie sind mit Pyrethroiden imprägniert und schützen so vor einer potenziellen Infektion. In jedem Fall sollten Hunde nach dem Spaziergang gründlich abgesucht werden, um das Risiko einer Infektion weiter zu senken.

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