Anaplasmose beim Hund This article is verified by a vet

Eine Zecke sitzt im Hundefell

Die gefährliche Anaplasmose wird von Zecken übertragen.

Die warmen Sommermonate laden zu ausgedehnten Spaziergängen in der Natur ein. Leider bringt ihr Hund von solch einem Ausflug gern mal eine ungeliebte Zecke mit nach Hause. Leidet Ihre Fellnase wenige Tage nach einem Zeckenbiss plötzlich an Lahmheiten oder Fieber, könnte die gefürchtete Anaplasmose beim Hund die Ursache sein. Lesen Sie in diesem Artikel alles Wissenswerte über diese Erkrankung.

Wie gefährlich ist die Anaplasmose beim Hund?

Die gute Nachricht vorweg: Obwohl in Deutschland relativ viele Hunde mit den Anaplasma-Bakterien infiziert sind, erkranken nur die wenigsten Tiere tatsächlich an der Anaplasmose. Mit der richtigen Behandlung lässt sich die Krankheit außerdem gut behandeln.

Dennoch: Die Symptome können bei der Anaplasmose sehr heftig ausfallen. Im schlimmsten Fall endet die Krankheit sogar tödlich. Bei geschwächten Tieren besteht außerdem die Gefahr, dass die Anaplasmose chronisch wird.

Symptome: Was sind die wichtigen Krankheitszeichen?

Die Anaplasmen befallen die weißen Blutkörperchen und gelangen so schnell in den gesamten Organismus. In der Folge können die Bakterien verschiedene Symptome hervorrufen. Zu den häufigsten zählen:

  • Entzündungen der Gelenke (Polyarthritis) und Fieber
  • Lahmheit
  • gesteigerte Blutungsneigung durch einen Mangel an Blutplättchen
  • Mangel an weißen und roten Blutkörperchen (Anämie und Leukopenie), der wiederum weitere Symptome wie Schwäche, schlechter Allgemeinzustand, Gewichtsabnahme, Wassereinlagerungen (Ödeme) hervorruft
  • vergrößerte Lymphknoten (Lymphadenopathie) mit Schwellung von Milz (Splenomegalie) und Leber (Hepatomegalie)

Kommt es zu einer Anaplasmose-Erkrankung, tritt diese sehr akut auf. Auf die akute Phase folgt die subklinische Phase, in der die Symptome wieder abflachen. In dieser Zeit kommt es entweder zur vollständigen Beseitigung der Erreger oder die Anaplasmen verbleiben in den Blutzellen.

Ist das Immunsystem des Tieres, beispielsweise durch eine andere Erkrankung, geschwächt, kann die Anaplasmose aber auch chronisch werden. Ist dies der Fall, treten erneut starke Symptome auf.

Todesfälle lassen sich dabei in allen Stadien beobachten, kommen jedoch zum Glück eher selten vor.

Diagnose: Wie lässt sich die Anaplasmose beim Hund nachweisen?

Da die Anaplasmose beim Hund sehr unterschiedliche Symptome auslöst und anderen Erkrankungen wie der Ehrlichiose oder Babesiose ähnelt, ist eine richtige Diagnostik wichtig.

Entsteht bei der Besitzerbefragung (Anamnese) und der klinischen Allgemeinuntersuchung der Verdacht, wird Ihr Tierarzt verschiedene Blutuntersuchungen einleiten. Diese Untersuchungen müssen meist in speziellen Labors durchgeführt werden und brauchen in der Regel ein paar Tage.

Der häufigste Test ist der sogenannte indirekte Erregernachweis mit Hilfe eines Immunofluoreszenztests. Dieser kann jedoch erst ab Tag zehn nach der Infektion durchgeführt werden, da vorher noch keine schützenden Proteine (Antikörper) nachgewiesen werden können.

Ab einem Ergebnis (Titer-Wert) von 1:100 gilt die Anaplasmose als erwiesen. Da die Bildung der schützenden Proteine im Körper verzögert sein kann, sollte der Test bei negativem Ergebnis nach vier Wochen wiederholt werden.

Neben der indirekten Methode, können die Erreger auch direkt nachgewiesen werden. Hierfür kommen ein Blutausstrich oder die PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion) zum Einsatz.

Therapie: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung der Anaplasmose beim Hund besteht aus zwei Komponenten. Zum einen werden spezielle Medikamente verabreicht, um die Erreger abzutöten.

Dazu setzen Tierärzte häufig Antibiotika mit dem Wirkstoff Doxyzyklin oder Tetrazyklin ein. Diese werden über einen Zeitraum von etwa drei Wochen verabreicht. Neben diesen beiden Wirkstoffen steht auch das Medikament Imidocarb zur Verfügung, das gegen einzellige Parasiten wirkt.

Zum anderen behandeln Tierärzte die Symptome direkt. Diese lassen sich durch Infusionen und Bluttransfusionen mildern. Bei starken Entzündungsreaktionen kommen außerdem Kortisonpräparate zum Einsatz.

Wichtig: Nach jeder Therapie sollte das Blut mehrfach kontrolliert werden, um bei einer Verschlechterung schnellstmöglich eingreifen zu können.

Anaplasmose beim Hund wird mit Spot-on behandelt
Bei der Anaplasmose ist Vorbeugung die beste Therapie, zum Beispiel mit Spot-on-Präparaten gegen Zecken.

Prognose: Wie stehen die Heilungschancen bei der Anaplasmose?

Die Anaplasmose beim Hund ist bei richtiger Behandlung in den meisten Fällen heilbar. Trotz überwundener Erkrankung können Antikörper-Tests aber noch über ein Jahr lang positiv sein. Darüber hinaus lässt sich eine erneute Erkrankung leider nicht ausschließen.

Ursachen: Wie kommt es zur Erkrankung?

Anaplasmen gehören wie die Ehrlichien zu den Rickettsien. Deshalb wird die Anaplasmose auch als granulozytäre Ehrlichiose bezeichnet.

Bei den Erregern handelt es sich um in Zellen lebenden Bakterien, die sich im Speichel von verschiedenen Zeckenarten befinden können. Während des Saugakts werden sie auf den Hund übertragen.

Bei der Übertragung spielt der gemeine Holzbock (Ixodes rhizinus) in unseren Breiten die größte Rolle. Typischerweise tritt die Erkrankung dabei in den warmen Monaten von März bis November auf, da die Zecken zu dieser Zeit besonders aktiv sind.

Ab circa einer halben Woche nach dem Saugakt kommt es zu einem Befall der Blutzellen. Vor allem weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sind hier betroffen. Diese sind ein fester Bestandteil des angeborenen Immunsystems und helfen bei der Erkennung und Zerstörung von Krankheitserregern.

Innerhalb kürzester Zeit können die Anaplasmen über die Blutbahn den gesamten Organismus erreichen (Bakteriämie). Sie befallen dabei Organe wie die Nieren, das Gehirn, die Lunge und die Leber.

Zwei unterschiedliche Erreger

Es gibt zwei Arten von Anaplasmen, die sich sowohl bezüglich der Symptome als auch des Vorkommens unterscheiden:

Anaplasma phagozytophilum
Diese Art ruft die Kanine Granulozytäre Anaplasmose bei Hunden, Katzen, Menschen und zahlreichen anderen Tierarten hervor.

Sie ist in ganz Europa verbreitet, wobei in Deutschland schon bis zu einem Drittel der Hunde infiziert sind. Da die meisten Hunde allerdings ausreichend schützende Proteine (Antikörper) bilden, entwickeln nur die wenigsten von ihnen Symptome.

Für eine Übertragung des Erregers muss die Zecke mindestens ein bis drei Tage am Blut des Wirtes saugen. Inwieweit der Hund an der Granulozytären Anaplasmose erkrankt, ist abhängig von der jeweiligen Genvariante der Art.

Anaplasma platys
Im Gegensatz zu Anaplasma phagozytophilum führt Anaplasma platys zur zyklischen Thrombozytopenie. Diese Art kommt in Deutschland nur sehr selten vor und wird fast ausschließlich im südlichen Europa übertragen. Die Erkrankung verläuft oftmals asymptomatisch und betrifft nur Hunde.

Vorbeugen: Wie vermeide die Anaplasmose beim Hund?

Einer Anaplasmose-Infektion können Sie vor allem vorbeugen, indem Sie Zeckenrisikogebiete, sofern es möglich ist, vermeiden.

Da das inzwischen gar nicht mehr so einfach ist, lautet der fast noch wichtigere Tipp: Betreiben Sie regelmäßig eine gezielte Zeckenprophylaxe. Es gibt verschiedene Mittel, um Ungeziefer von Ihrem Hund abzuhalten. Dazu zählen Spot Ons, Halsbänder oder Tabletten.

Außerdem sollten Sie Ihre Fellnase nach jedem Spaziergang gründlich nach Zecken absuchen – gerade, wenn Sie einen ausgedehnten Spaziergang im Grünen gemacht haben. Entfernen Sie die Zecken schnell genug, senken Sie auch das Risiko einer Infektion.

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