23. September 2019

Ehrlichiose beim Hund 

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Ehrlichiose beim Hund

Die Ehrlichiose wird wie die Anaplasmose durch Rickettsien hervorgerufen. Dies sind Bakterien, welche während des Saugaktes von Zecken auf den Hund übertragen werden. Den wichtigsten Vektor stellt die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) dar, welche überwiegend in Regionen des Mittelmeeres vorkommt. Deshalb zählt die Ehrlichiose zu den Reise- oder Mittelmeerkrankheiten.

Durch Einschleppung der Zecke nach Deutschland kann es jedoch auch in unseren Gebieten zu einer Infektion kommen. Die in Deutschland am häufigsten detektierte Art ist Ehrlichia canis. Neben Rickettsien können auch weitere Krankheiten über die braune Hundezecke übertragen werden, unter anderem die Babesiose. Auch können Ehrlichien von Hund zu Hund durch kontaminierte Kanülen und während Bluttransfusionen iatrogen übertragen werden. Obwohl bisher keine Übertragung vom Menschen auf den Hund bewiesen wurde, ist diese theoretisch möglich.

Ehrlichien sind eine Untergruppe der Rickettsien, also intrazelluläre Bakterien. Bis zu knapp einem halben Jahr können die Erreger im Speichel der braunen Hundezecke überleben. Nach der Übertragung während des Saugaktes befallen sie Blutzellen, besonders Monozyten und Lymphozyten. Sie gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und spielen eine wichtige Rolle im angeborenen Immunsystem. Im Innern der Monozyten können sich die Bakterien gefahrenlos vermehren, indem sie sich im Innern der Zellen vor dem Immunsystem tarnen. So können sich die Bakterien innerhalb kurzer Zeit im gesamten Körper ausbreiten.

Die Zeit vom Saugakt (Infektion) bis zum Beginn erster Symptome (Inkubationszeit) beträgt ungefähr 1-3 Wochen. Danach kann die Symptomatik in drei verschiedene Stadien eingeteilt werden:

  1. Akutes Stadium

Während einer Dauer von ca. zwei Wochen kommt es zu einer starken Vermehrung der Ehrlichien innerhalb der Monozyten und Lymphozyten. Durch das Andocken der infizierten Blutzellen an die Gefäßwände von Organen wie der Niere oder der Lunge kommt es zu Gefäßentzündungen und Organschäden.

  1. Subklinisches Stadium

Dieses Stadium verläuft subklinisch, also still. Der Hund zeigt keine Symptomatik, jedoch sind die Blutparameter verändert. In dieser Zeit produziert das Immunsystem bestimmte Proteine (Antikörper), welche die betroffenen Blutzellen bekämpfen. Wenn das Immunsystem alle infizierten Blutzellen zerstört, kann es zur vollständigen Elimination der Ehrlichien kommen. Falls das Immunsystem jedoch nicht genügend Antikörper bildet, kann es zum Weiterleben des Erregers kommen. Je nachdem kann das Stadium wenige Wochen bis hin zu mehreren Jahren dauern.

  1. Chronisches Stadium

Kann das Immunsystem nicht alle Ehrlichien beseitigen, kommt es zu einer chronischen Erkrankung.

Dies geschieht besonders bei immunsupressiven Hunden, zum Beispiel sehr alten oder jungen Tieren und anderweitig erkrankten Tieren.

Symptome

Die Symptomatik hängt vom jeweiligen Stadium und dem Schweregrad der Erkrankung ab. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung jedoch ohne Symptomatik.

Akutes Stadium:

  • Müdigkeit und Schwäche
  • Verschlechtertes Allgemeinbefinden und Fieber
  • Gewichtsverlust
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Magen-Darm-Symptomatik wie Erbrechen
  • Gefäßwandschäden können zu vermehrten Blutungen wie Nasenbluten (Epistaxis) führen

Subklinisches Stadium:

  • Stillstand der Symptomatik

Chronisches Stadium:

  • Gelenksentzündungen (Polyarthritis) und Lahmheiten
  • Wird nicht rechtzeitig mit einer Therapie begonnen, kann das Tier an den Folgen der Erkrankung sterben

Ehrlichiose beim Hund: Diagnostik

Während der Befragung durch den Tierarzt (Anamnese) spielt die Erwähnung eines Auslandsaufenthaltes eine große Rolle. Bei Verdacht einer Ehrlichiose kann der Tierarzt eine Blutprobe entnehmen und spezielle labordiagnostische Tests einleiten. Ein allgemeines Blutbild hilft dabei, die Anzahl der unterschiedlichen Blutzellen und weitere Parameter zu schätzen. Bei der Ehrlichiose kommt es zu einer Verringerung der Blutplättchen (Thrombozytopenie), der weißen Blutkörperchen (Leukopenie) und roten Blutkörperchen (Anämie). Daneben ist sehr häufig das Eisen stark erniedrigt. Um Ehrlichia canis direkt nachzuweisen, können die Monozyten auf bestimmte Eigenschaften, welche jedoch nur im akuten Stadium nachweisbar sind, untersucht werden. Eine andere Möglichkeit ist ein indirekter Antikörpernachweis. Da jedoch die Antikörper erst während der subklinischen Phase vom Immunsystem produziert werden, sind diese erst dann nachweisbar. Auch schlägt der Tests positiv an, wenn das Tier bereits in früheren Zeiten infiziert wurde und die Ehrlichien erfolgreich eliminiert hat.

Im Ultraschall zu Lebzeiten oder während der Obduktion zeigen betroffene Hunde sehr häufig eine angeschwollene Milz (Splenomegalie) und Leber (Hepatomegalie) sowie vergrößerte Lymphknoten (Lymphoretikuläre Hyperplasie).

Therapie

Die Kanine Ehrlichiose kann mit folgenden Medikamenten und Maßnahmen behandelt werden:

  • Antibiotika: Tetrazyklin, Doxyzyklin oder Chloramphenicol, wobei letzteres viele Nebenwirkungen hervorrufen kann und deshalb nur mit Bedacht eingesetzt werden sollte. Da Antibiotika gezielt gegen die Ehrlichien wirken, können die Medikamente nur während der akuten Phase eingesetzt werden
  • Antiprotozoika: Imidocarb
  • Symptomatische Therapie: Infusionen mit Elektrolyten, Bluttransfusionen

Prognose

Umso früher mit einer Therapie begonnen wird, umso höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit. Wenn bereits in der frühen akuten Phase behandelt wird, kann innerhalb weniger Tage mit einer Besserung gerechnet werden. Sollte die Erkrankung jedoch erst im chronischen Stadium entdeckt werden, ist eine gute Prognose fraglich. In dieser Phase sind bereits dauerhafte Schäden aufgetreten.

Vorbeugen einer Ehrlichiose

Auch nach einer bereits überstandenen Ehrlichiose können sich Hunde erneut infizieren, weshalb eine korrekte Prophylaxe in endemischen Gebieten bedeutend ist.

Neben dem Vermeiden von Risikogebieten ist der Schutz vor Zecken durch Akarizide eine wirkungsvolle Methode. Zeckenprophylaxe wird als Halsband, Tablette oder Spot On angeboten und wirkt in den meisten Fällen auch gegen andere Ektoparasiten. Falls Übertragungsgebiete nicht umgehen werden können, bietet sich eine medikamentelle Prophylaxe mit Doxyzyklin an. Dazu wird dem Hund täglich eine Tablette verabreicht. Um das Risiko weiterhin zu senken, sollte der Hund nach jedem Spaziergang auf Zecken untersucht werden.

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