Richtlinien für Katzenzüchter

Eine Maine-Coon-Katze in Nahaufnahme

Manche Katzenliebhaber möchten am liebsten selbst zum Züchter werden, zum Beispiel von den schönen Maine-Coon-Katzen (im Bild).

Sie sind verliebt in eine bestimmte Katzenrasse und überlegen, diese selbst zu züchten? Klingt nach einer tierisch guten Idee. Allerdings sollten angehende Katzenzüchter sich bewusst machen, was auf sie zukommt. Gefragt ist nicht nur Wissen um die Genetik. Auch finanzielle und rechtliche Aspekte spielen eine Rolle. Wir haben daher das Wichtigste rund um die Richtlinien für Katzenzüchter für Sie zusammengefasst.

Darf jeder zum Katzenzüchter werden?

Grundsätzlich ist „Katzenzüchter“ kein gesetzlich geschützter Begriff. Das heißt: Jeder kann zwei Katzen, sogar ohne Stammbaum, miteinander verpaaren und sich „Züchter“ nennen.

Bezüglich der Seriosität eines Züchters sagt die Zugehörigkeit zu einem Verein mehr aus als die bloße Bezeichnung. Mitglieder müssen sich an die Regeln des Vereins halten, sonst droht ein Ausschluss.

In gewisser Hinsicht könnte man also sagen: Die Richtlinien für Katzenzüchter, die ein Verein festsetzt, stellen zumindest symbolisch das „Gesetz für Katzenzüchter“ dar.

Zwar hindern reguläre Gesetze oder Verordnungen niemanden daran, Katzen zu vermehren. Eine Ausnahme bilden jedoch Freigänger in manchen Regionen: Immer mehr Städte oder Landkreise gehen dazu über, eine Kastrationspflicht einzuführen. Seriöse Züchter betrifft dies indes kaum, da sie ihre Katzen nicht in ungesichertem Freigang laufen lassen.

Gesetzliche Richtlinien für Katzenzüchter: Der Qualzuchtparagraf

Der Gesetzgeber gibt keine Richtlinien für Katzenzüchter vor. Leider schreibt das Gesetz auch keine Gesundheitsuntersuchungen für die Zucht von Katzenrassen vor. Allerdings sollten Züchter dennoch Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes – auch Qualzuchtparagraf genannt – vor Augen haben. Dieser besagt: Eine gezielte Zucht ist verboten, wenn zu erwarten ist, dass ...

„ ... bei den Nachkommen [...] mit Leiden verbundene, erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten; jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt; die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.“

Dank dieses Paragrafen sind einige Extremzuchten in Deutschland nicht erlaubt. Hierzu gehören beispielsweise Peke-Face-Perser, deren Nase aufgrund der extremen Kopfform zwischen den Augen liegt. Sie leiden unter Atemproblemen und tränenden Augen. Ebenfalls nicht erlaubt sind schwanzlose Manx- oder Cymric-Katzen, die aufgrund einer Skelettanomalie häufig an Wirbelsäulenkrankheiten leiden.

Haarlose Katzen wie die Sphynx sind erlaubt, sofern sie Schnurrhaare haben. 2015 hat ein Gericht die Kastration eines Sphynx-Katers in Deutschland angeordnet. Dem vorangegangen war ein tierärztliches Gutachten. Es bescheinigte, dass das Fehlen von Tasthaaren einer Qualzucht entspreche. Ebenfalls untersagte das Verwaltungsgericht Hamburg im Januar 2018 zwei Sphynx-Züchtern die Weiterzucht.

Finanzieller Spielraum als weitere Voraussetzung

Neben dem rechtlichen Rahmen und dem Wissen um die Genetik ist für eine Katzenzucht vor allem auch Geld notwendig. Nur mit einem finanziellen Polster sollten Sie sich in das Abenteuer Katzenzucht wagen.

Gerade die Vorsorge-Untersuchungen sowie die Geburtsnachsorge sind kostspielig. Hinzu können hohe Ausgaben für Tierärzte kommen, wenn bei Kitten oder Katzenmama plötzliche Krankheiten aufkommen.

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Müssen Züchter ihre Einnahmen versteuern?

Was vielen Katzenzüchtern zu Beginn nicht klar ist: Die Einnahmen aus dem Verkauf von Katzen sind in Deutschland und den meisten anderen Ländern – ob mit oder ohne Verein – steuerpflichtig. Das bedeutet, Züchter müssen dem Finanzamt die Gewinne aus ihrer Katzenzucht mitteilen.

Dies bedeutet allerdings auch, dass Züchter hiervon die Ausgaben abziehen können. Abzugsfähig sind Kosten für Futter, Impfungen, weitere Tierarztkosten, Kratzbäume und Zubehör wie Spielzeuge oder Bettchen. Ebenso können Züchter Ausstellungskosten inklusive Gebühren, Hotelkosten und Fahrten geltend machen. Bleibt dann noch ein Gewinn übrig, ist dieser zu versteuern.

Ist der Verkauf von Katzen umsatzsteuerpflichtig?

Grundsätzlich wären Katzen sogar umsatzsteuerpflichtig. Das heißt, beim Verkauf würde eine Mehrwertsteuer fällig. Dies gilt in Deutschland und vielen anderen Ländern aber nur, wenn Züchter mehr als einen je nach Land variierenden Mindestbetrag – meist eine fünfstellige Euro-Summe – mit ihrer Zucht verdienen. In der Praxis erreichen allerdings nur wenige diese Summen.

Kritisch kann es jedoch bei Freiberuflern oder Personen sein, die ein anderes Gewerbe betreiben. Arbeitet ein Katzenzüchter hauptberuflich als Selbstständiger, wird die Umsatzsteuer in der Regel auch auf die Zuchtpreise aus seiner Hobbyzucht fällig. Bei Unklarheiten rund um Katzenzucht und Steuern wenden Sie sich am besten vor dem Start Ihrer Zucht an Ihr zuständiges Finanzamt sowie einen Steuerberater.

Apropos Hobbyzucht: Dieser Begriff trifft wohl auf jeden Katzenzüchter zu, so dass er kaum Aussagekraft hat. Schließlich wird kein Züchter ausschließlich von Einnahmen aus seiner Zucht leben.

Zwei Main Coon Kitten auf einem Stuhl
Angehende Züchter, zum Beispiel von den beliebten Maine-Coon-Katzen, vergessen eines: Verkaufen Sie ihre Kitten, müssen sie die Gewinne versteuern.

Die Mitgliedschaft in einem Zuchtverein

Verantwortungsvolle Zucht bedeutet darüber hinaus die Mitgliedschaft in einem Katzenverein. Hier finden Sie Gleichgesinnte und können sich über Erfahrungen austauschen. Das alles sollte selbstverständlich sein, ist aber keine Vorschrift. Glücklicherweise ist das Einhalten der meisten tierschutzrelevanten Gesetze für Züchter eine Selbstverständlichkeit. Schließlich möchten sie, dass es ihren Schützlingen gutgeht.

Die Richtlinien für Katzenzüchter

Für einen Züchter haben die Zuchtrichtlinien seines Vereins eine immense Bedeutung. Denn nur Mitglieder in einem Katzenzuchtverein können Katzenwelpen mit legitimem Abstammungsnachweis verkaufen.

Um diesen zu erhalten, müssen sie bestimmte Richtlinien einhalten, die der jeweilige Verein festhält. Dabei orientieren sich die Vereine meist an den Richtlinien großer Dachverbände und sind – abgesehen von kleineren Nuancen – mehr oder weniger einheitlich.

Namen für die Katzenzucht beantragen

Zu den Richtlinien für Katzenzüchter gehört beispielsweise, einen Zwingernamen, also einen Namen für die Katzenzucht, zu beantragen. Dieser wird dann den Namen der künftigen Kitten angehängt. Nennt jemand seine Katzenzucht zum Beispiel „vom plüschigen Puschel“, so heißen die Nachkommen etwa „Carlo vom plüschigen Puschel“ – zumindest auf dem Papier.

Vorgaben zur Gesundheit

In den Zuchtrichtlinien geht es außerdem um die Gesundheit der Mutterkatze: Wann darf diese frühestens gedeckt werden? Meist gilt ein Mindestalter von einem Jahr. Wie oft darf sie in welchem Zeitraum Junge bekommen? Schließlich ist jeder Wurf für die Katzenmutter eine körperliche Herausforderung.

Außerdem finden sich hier Regeln zur Gesundheitsprophylaxe im Rahmen der Zucht. Dazu zählen insbesondere die Impfungen gegen Tollwut, Katzenseuche und Katzenschnupfen.

Ebenso deutlich ist in den Richtlinien für Katzenzüchter festgehalten, welche Verpaarungen verboten sind. Bis auf wenige Ausnahmen, die zu beantragen sind, betrifft dies zum Beispiel Kreuzungen zwischen verschiedenen Rassen. Darüber hinaus müssen Züchter in vielen Vereinen die Kreuzung von Katzen mit bestimmten Farbmerkmalen beantragen, wenn diese mit gesundheitlichen Risiken einhergehen kann. Dazu zählt die Verpaarung von zwei Tieren mit jeweils blauen Augen.

Regelungen bis ins Detail

Was geschieht mit Deckgebühren, wenn ein Deckakt mit einem nicht zur Zucht gehörenden Deckkater ohne Erfolg war? Ab wann und mit welchen Dokumenten dürfen die Jungtiere zu ihren neuen Besitzern ziehen? Auch solche Details regeln die jeweiligen Vereinsvorgaben.

Dies sind nur einige Beispiele für geläufige Vorschriften. Angehende Züchter sollten sich in jedem Fall intensiv mit den Richtlinien Ihres Vereins auseinandersetzen, bevor Sie ans Werk gehen. Aber auch für Käufer sind die Richtlinien für Katzenzüchter interessant, sagen sie doch einiges über die Seriosität des jeweiligen Vereins und dessen Haltung zum Tierwohl aus.

Verstoß gegen die Richtlinien für Katzenzüchter

Verstößt ein Katzenzüchter gegen die Vorschriften seines Vereins, handelt es sich zwar nicht um einen Gesetzes-, wohl aber um einen Regelbruch. Meist schreiben die jeweiligen Zuchtrichtlinien vor, was bei einem Verstoß gegen sie passiert.

So kann ein Verein einen Züchter, oft nach einer Abmahnung, ausschließen, wenn er sich nicht an dessen Regeln hält. In Folge erhält er für seine Jungtiere keinen Abstammungsnachweis dieses Vereins mehr und zählt – vielleicht aus gutem Grund – nicht mehr zum Kreis der vertrauenswürdigen Züchter, wenn ihn nicht ein anderer Verein aufnimmt.

Die Richtlinien für Katzenzüchter sind meist online einsehbar. Vor dem Kauf eines Kittens aus einer Katzenzucht lohnt es sich daher, diese Regeln einmal durchzulesen. Wer Verstöße gegen diese Richtlinien erkennt, kann sich an die Verantwortlichen des Vereins wenden. Es empfiehlt sich jedoch, vorher zunächst das Gespräch mit dem Züchter zu suchen.

Neben den Gesetzen und Zuchtrichtlinien möchten wir Sie auf weitere rechtliche Aspekte rund um die Katzenzucht aufmerksam machen, die vor allem beim Verkauf eine Rolle spielen: Was passiert beispielsweise, wenn sich herausstellt, dass ein verkauftes Kitten krank war? Und welche Sicherheit geben eigentlich Kaufverträge? Diese Fragen behandeln wir im Artikel über die Rechte und Pflichten von Katzenzüchtern.

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