Milben bei Katzen This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
weiße katze hat juckreiz

Milben (Acari) sind Parasiten, welche die Haut von Katzen, anderen Tieren und Menschen befallen und sich dort von Zellen und Blut ernähren. Auf der Erde existieren etwa 50000 Milbenarten, welche jede Rasse sowie jedes Alter befallen können. Wissenschaftler ordnen Milben zu den Insekten (Arthropoda), genauer genommen zu der Klasse der sogenannten Spinnentieren (Arachnida) ein.  Zu den wichtigsten Milbenarten der Katze zählen die Raubmilben, Nagemilben, Grabmilben, Haarbalgmilben und Herbstgrasmilben.

Milben bei Katzen und ihre Eigenschaften

Milben werden auf Grund ihres chitinhaltigen Außenskelettes und ihrer 8 Beine zu den Spinnentieren gezählt. Sie können etwa 2 Millimeter groß werden und sind dementsprechend mit dem Auge erfassbar. Übertragen werden Milben entweder durch direkten Kontakt zu einer bereits an Milben erkrankten Katze oder durch indirekten Kontakt, beispielsweise durch Betreten von kontaminierten Räumen. Da sich Milben zum Teil von Zellen und Blut ernähren, führen sie nach einer gewissen Zeit zu starken Haut- und allgemeinen Gesundheitsproblemen.

In der Regel legen die Weibchen Ihre Eier auf oder in der Haut der Katze ab, aus denen dann Larven schlüpfen. Daraus entwickeln sich nach und nach 3 verschiedene Nymphenstadien, welche sich zu weiblichen oder männlichen adulten Stadien entwickeln. Dieser typische Lebenszyklus kann zeitlich stark variieren. Während manche Milbenarten bereits nach wenigen Tagen voll ausgebildet sind, brauchen andere Arten mehrere Jahre dafür.

Häufig werden besonders die Katzen befallen, welche durch folgende Faktoren bereits immungeschwächt sind:

  • unhygienische Haltung
  • Mangelernährung
  • Sehr junge und alte Katzen
  • Weitere Grunderkrankungen

Pelzmilben/Raubmilben (Cheyletiella)

Die Weibchen von Cheyletiella blakei kleben ihre Eierpakete an die Haarbasis der Katze. Die neu entwickelten Milben leben fast ausschließlich im Fell der Katzen, wobei sie außerhalb des Wirtes bis zu 3 Wochen überleben können. Daher verbreiten sie sich besonders schnell über kontaminierte Gegenstände. Auf Grund ihres platten Körperbaus werden diese Milben auch als „wandernde Schuppen“ bezeichnet.

Nagemilben (Otodectes)

Nagemilben oder auch Ohrräudemilben der Katze (Otodectes cynotis) sind Ektoparasiten, welche sich im Fell oder im Ohr der betroffenen Katze festsetzen. Mit Hilfe ihrer Mundwerkzeuge ernähren sie sich dort von Hautzellen und Zellabsonderungen. Obwohl die Milben es bevorzuge, permanent auf der Katze zu leben, können adulte Stadien ebenfalls bei hoher Luftfeuchtigkeit mehrere Monate lang in der Umwelt überleben.

Haarbalgmilbe (Demodex)

Demodex cati ist der Erreger der Demodikose der Katze. Die Erkrankung wird in Europa eher selten beobachtet, da diese Milbenart fast ausschließlich stark immunsupprimierte Katzen befällt. Typischerweise sind betroffene Katzen bereits an Katzenleukämie (FeLV, Felines Leukämie Virus), dem Immundefizienz-Syndrom der Katzen (FIV, Felines Immundefizienz Virus) oder anderen Grunderkrankungen erkrankt.

Herbstgrasmilbe

Diese Milbenart kommt sehr häufig, besonders zu warmen Sommermonaten, bei Katzen vor.

Die adulten rostroten Milben verbringen ihre Lebenszeit auf Grashalmen und befallen bei Kontakt zu Katzen vorwiegend untere Körperregionen wie die Pfoten und den Bauch. Das Larvenstadium ist daher das einzige Stadium, welches auf der Katze parasitär lebt und sich von Blut ernährt.

Grabmilben (Sarcoptidae)

Die Grabmilbe der Katze wird auch als Notoedres cati bezeichnet. In Mitteleuropa kommt diese Art eher selten vor, häufiger wird sie bei streunenden Katzen in südlicheren Gebieten diagnostiziert. Die Weibchen graben sich im Kopf- und Nackenbereich bis zu 1 Zentimeter in die Haut der Katzen ein und legen in Gangausbuchtungen ihre Eier. Auf Grund der starken Hautschäden wird diese Milbenart auch als Räudemilbe bezeichnet, weshalb auch von der Kopfräude gesprochen wird.

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Milben bei Katzen Symptome

Je nach Milbenart können unterschiedliche Symptome auftreten:

  • Allgemeine Symptome: Müdigkeit, Abmagerung
  • Allergische Reaktionen
  • Hautprobleme: Hautläsionen, verstärkte Hautverhornung (Hyperkeratose) und Faltenbildung
  • Ohrräudemilben: verschmutzter Gehörgang durch Bildung von einer dunklen, stinkenden und wachsartigen Masse (Gemisch aus Blut, Ohrensekret, Milbenausscheidungen), ggf. mit Juckreiz
  • Besonders junge Katzen können durch starken Gewichtsverlust und juckreizbedingte Selbstverstümmelung (Automutilation) und damit einhergehende bakterielle Sekundärinfektionen sterben

Diagnose

Zeigt Ihre Katze vermehrten Juckreiz, sollte ein Parasitenbefall durch einen Tierarzt ausgeschlossen werden. Während der Besitzerbefragung (Anamnese) erfragt der Tierart mögliche Infektionsquellen (z.B. Kontakt zu streunenden Katzen) oder die bisherige Parasitenprophylaxe (z.B. Halsband). Jeder Hinweis kann mögliche Differentialdiagnosen ausschließen.

Anschließend wird der allgemeine Gesundheitsstatus Ihrer Katze anhand verschiedener Vitalparameter festgestellt. Dazu gehören das Allgemeinbefinden, die Untersuchung der Schleimhäute und des Wasserhaushaltes, die Herz- und Atemfrequenz sowie die rektale Körperinnentemperatur.

Zeigt Ihre Katze einen guten Allgemeinzustand, kann mit der speziellen Untersuchung begonnen werden. Da manche Milbenarten bereits makroskopisch im Fell oder auf der Hautoberfläche sichtbar sind, reicht in manchen Fällen eine genaue Betrachtung (Adspektion) der Haaransätze verschiedener Körperregionen oder das Aufkleben von durchsichtigen Klebestreifen. Um Ohrräudemilben feststellen zu können, benötigt der Tierarzt jedoch ein sogenanntes Otoskop, welches in den Gehörgang der Katze eingeführt wird. Sollte dort eine dunkle Masse auftreten, kann diese mittels eines Abstriches unter dem Mikroskop auf Milben untersucht werden. Milbenarten, welche sich vorwiegend auf oder in der Haut befinden, können zusätzlich durch die Entnahme eines tiefen Hautgeschabsels und Auflösen der Probe in Kaliumhydroxid unter dem Mikroskop sichtbar gemacht werden. Dazu kratzt der Tierarzt mit einer sauberen Klinge auf der Hautoberfläche, bis etwas Blut zum Vorschein kommt. Dies ist sehr wichtig, da alle Hautschichten auf einen Milbenbefall untersucht werden muss.

Therapie

Wie kann man Milben bei Katzen bekämpfen?

Die Therapie eines Milbenbefalls sollte aus einer gezielten medikamentösen Behandlung und einer begleitenden Therapie bestehen:

  • Medikamente gegen Milben (Akarizide (Akarizide)): Selamectin, Ivermectin (Ivermectin), Doramectin, Fipronil-Spray
  • Behandlung aller Kontakttiere
  • Reinigung der Umgebung (Räume, Futterplätze, Schlafplätze etc.)
  • Antibiotika und antiallergische Medikamente

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Prognose

Die Prognose kann je nach Milbenart und Immunstatus der Katze sehr unterschiedlich ausfallen. Während ein Milbenbefall bei erwachsenen, ansonsten gesunden Katzen durch eine konsequente Behandlung schnell in den Griff bekommen werden kann, kann die Prognose bei immungeschwächten Tieren eher ungünstig ausfallen.

Vorbeugen

Um einen Milbenbefall bei der eigenen Katze zu verhindern, ist die Befolgung folgender prophylaktischer Maßnahmen ratsam:

  • Regelmäßige Reinigung von Schlafplätzen und Fellpflegeprodukten (z.B. Bürsten)
  • Wirksame Parasitenprophylaxe: Halsbänder

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