Giardien bei Katzen This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
giardien bei katzen

Giardien sind einzellige Parasiten (Protozoen), welche bei Katzen und vielen anderen Tieren sowie Menschen starke Dünndarmentzündungen und damit einhergehend Durchfall hervorrufen können. Giardia intestinalis (lateinisch: zum Darm gehörig) kommt weltweit vor und führt vor allem bei jungen Katzen auf Grund des schwachen Immunsystems zu schweren Krankheitsverläufen.

Welche Eigenschaften besitzen Giardien?

Giardia intestinalis besitzt eine birnenförmige Form und trägt auf der Oberfläche eine große Anzahl an Zellfortsätzen. Mittels dieser sogenannten Geißeln kann sich der Darmparasit fortbewegen. Auf Grund ihrer Robustheit überleben die Giardien in der Umwelt über mehrere Monate, überwiegend in feuchtem Milieu. Als sogenannte vierkernige Zysten (infektiöse Dauerstadien) werden sie durch das Fressen von Kot oder kontaminiertem Wasser oral aufgenommen. Über die Speiseröhre gelangen die Zysten in den Magen und letztendlich auf die Oberfläche der Dünndarmzotten. Dort entwickeln sie sich durch Längsteilung zu den beweglichen Stadien, den sogenannten Trophozoiten. Obwohl der Parasit nicht in die Dünndarmwand eindringt, führt er nach einer Inkubationszeit (Zeitspanne zwischen Infektion und ersten klinischen Anzeichen) von etwa zehn Tagen auf den Darmzotten zu massiven Schädigungen, welche zu Blutungen, Malabsorption (ungenügende Aufnahme von Nährstoffen) und Entzündungen führen können.

Über den Kot gelangen die neuen Giardienzysten erneut in die Umwelt und können dort besonders in feuchten Umgebungen sehr lange überleben. Katzen mit einem starken Immunsystem zeigen demnach meist keine Symptomatik, können jedoch trotzdem durch Ausscheidung der Zysten andere Katzen infizieren. Auf Grund der Tatsache, dass Giardien ein zoonotisches Potential besitzen (Fähigkeit, Tiere und Menschen zu infizieren), sollten Kinder und immungeschwächte Menschen kontaminierte Gegenden wenn möglich meiden.

Welche Symptome verursachen Giardien bei Katzen?

Nicht jede Infektion mit Giardien muss bei der Katze zu schweren Entzündungen führen. Das klinische Bild ist in der Regel abhängig von dem Immunsystem und Alter der Katze, sowie der Anzahl der aufgenommenen Giardien. Je nachdem können folgende Symptome bei einer Giardiose auftreten:

  • Durchfall: akut, chronisch oder intermittierend, ggf. mit Schleim- oder Blutbeimengungen, Konsistenz meist dünnbreiig bis wässrig
  • Weitere Magen-Darm-Beschwerden: Appetitlosigkeit und Abmagerung, ggf. Erbrechen
  • Allgemeine Krankheitszeichen: Müdigkeit und Bewegungsunlust, Dehydratation (massiver Wasserverlust), struppiges und glanzloses Fell
  • Besonders junge oder immungeschwächte Katzen können durch einen zu starken Wasserverlust und daraus resultierende Elektrolytverschiebungen (z.B. Kaliumverlust), welche Herzrhythmusstörungen herbeiführen, sterben

Wie werden Giardien bei Katzen diagnostiziert?

Zeigen Katzen starken Durchfall oder hört dieser nach mehreren Tagen nicht auf, sollte die Grundursache durch einen Tierarzt ermittelt werden. Bereits während der Besitzerbefragung (Anamnese) können anhand der Dauer, möglicher Blutbeimengungen und weiterer Begleitsymptome mögliche Differentialdiagnosen eingegrenzt werden. Neben einer Giardiose können nämlich auch andere Erkrankungen wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) oder bakterielle Darminfektionen zu Durchfall bei Katzen führen. Nach der Anamnese wird die erkrankte Katze allgemein klinisch untersucht, da die weiterführende spezielle Untersuchung einen stabilen Kreislauf benötigt. Sollte dieser nicht stabil sein, ist gegebenenfalls eine Flüssigkeits- und Elektrolytgabe durch den Tierarzt erforderlich.

Um einen Parasitenbefall nachweisen zu können, kann mittels einer Blutuntersuchung die Konzentration an Eosinophilen Granulozyten im Blut gemessen werden. Dies sind bestimmte Immunzellen, welche bei einem Parasitenbefall vermehrt vom Körper produziert werden.

Eine erhöhte Konzentration verrät also eine vorhandene Parasiteninfektion, jedoch nicht die genaue Ursache. Daneben ist auch eine verminderte Anzahl an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ein wichtiger Hinweis für eine Giardiose, da die Erythrozyten durch Blutbeimengungen im Kot vermehrt ausgeschieden werden.

katze hat giardien

Um Giardien bei Katzen speziell nachweisen zu können, kann anhand von Serumtests (z.B. ELISA) sogenannte Kopro-Antigene (bekannte Bestandteile der Giardien) ermittelt werden. Diese führen jedoch auch bei bereits gesunden Katzen zu positiven Ergebnissen. Eine weitere diagnostische Möglichkeit sind Kotuntersuchungen. Mittels der sogenannten Flotationsmethode können die Zysten sowie per Kotausstrich die beweglichen Stadien von Giardia intestinalis ermittelt werden. Da die Ausscheidung der Giardienzysten allerdings stark variiert, sollten über mehrere Tage hinweg Sammelkotproben gesammelt oder bei einem negativen Testergebnis mehrere Wiederholungen durchgeführt werden.

Giardien bei Katzen behandeln

Giardien bei Katzen erfordern eine spezielle, medikamentöse Therapie durch die Verabreichung von Anthelmintika (Entwurmungsmittel). Besonders häufig werden die Wirkstoffe Fenbendazol (Panacur) oder Metronidazol eingesetzt. Deren Verabreichung erfolgt oral und muss über mehrere Tage hinweg, gewichtsabhängig gegeben werden. Nach dieser Medikamentenbehandlung ist eine erneute Untersuchung durch den Tierarzt notwendig, um das Freisein von Giardien bestätigen zu können. Ergeben die Tests ein unverändertes Ergebnis, muss mit der medikamentösen Behandlung fortgeschritten werden.

Neben der speziellen Behandlung können starker Durchfall und andere Begleitsymptome wie Dehydratation durch folgende symptomatische Maßnahmen behandelt werden:

  • Flüssigkeits- und Elektrolyttherapie: Infusionen oder Bolus-Gabe
  • Vitaminpräparate zur Stärkung des Immunsystems
  • Hygienemaßnahmen: regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Katzentoilette unterbricht die Infektionskette durch Abtöten der Giardienzysten

Wie ist die Prognose?

Darmparasiten wie Giardien können zu schwerwiegenden Durchfällen führen, welche im schlimmsten Fall starke Elektrolytverschiebungen und folgend lebensgefährliche Situationen hervorrufen können. Obwohl das Immunsystem in manchen Fällen eine Giardiose nach und nach bekämpfen kann, sollte in jedem Fall eine tierärztliche Behandlung erfolgen.

Vorbeugen von Giardien bei Katzen

Folgende Maßnahmen sind bei einem Giardienbefall empfehlenswert:

  • Aufsammeln von Kot und Reinigung durch hocherhitztes Wasser (z.B. über 60°c)
  • Regelmäßige Desinfektion von Katzentoiletten, Fressplätzen und Flächen
  • Fellpflege mit chlorhexidindigluconathaltigen Shampoos: obwohl Katzen in der Regel sehr reinliche Haustiere sind, können sich die infektiösen Zysten im Fell festsetzen und noch nach mehreren Wochen zu Infektionen führen

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