Katze niest: warum und was tun? This article is verified by a vet

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Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
maine coon niest

Als Niesen wird ein ungewollter Schutzreflex bezeichnet, bei welchem es zu einem massiven Ausstoßen von Luft aus der Nase und dem Maul kommt. Ziel dieses Mechanismus ist es, Fremdkörper wie zum Beispiel Staub aus dem Respirationstrakt zu befördern. Niesen bei Katzen kommt sehr häufig vor und kann dementsprechend durch eine Vielzahl an Ursachen hervorgerufen werden.

Wie entsteht Niesen bei Katzen?

Verursacht ein Reiz die Aktivierung der sogenannten subepithelialen Reizrezeptoren, welche sich in der Nasenschleimhaut befinden, wird der dazugehörige Niesreflex ausgelöst. Dieser hat eine reinigende Wirkung und kann durch eine Vielzahl an Ursachen aktiviert werden, weshalb eine Unterteilung in nicht-infektiöse und infektiöse Ursachen zum besseren Verständnis sinnvoll ist:

Nicht-infektiöse Ursachen

Zu den häufigsten nicht-infektiösen Ursachen gehören allergische Reaktionen, Fremdkörper, welche sich in der Nase festgesetzt haben sowie tumuröse Veränderungen. Letztere sind zwar weniger häufig, treten jedoch besonders bei alten Katzen auf. Oftmals handelt es sich dabei um Lymphome, Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome sowie Fibrosarkome.

Allergien (zum Beispiel gegen Pollen, Hausstaub oder Futtermittel) und Fremdkörper (beispielsweise feste Grashalme) rufen dahingegen häufiger Niesen bei Katzen hervor.

Katze niest: Infektiöse Ursachen

Zu dieser Kategorie zählen alle Ursachen von Niesen bei Katzen, welche durch Infektionserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze (z.B. Aspergillus fumigatus) hervorgerufen werden. Bei der Katze spielt der Katzenschnupfen-Komplex eine übergeordnete Rolle, an welchem unterschiedliche Erreger beteiligt sind. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und führt durch Entzündungen der Atemwegsschleimhäute neben Niesen auch zu Schnupfen oder Bindehautentzündungen (Konjunktivitiden) vor allem bei sehr jungen Katzen zwischen 6 und 12 Wochen. Diese können auf Grund ihres unerfahrenen Immunsystems die Erreger nicht vollständig bekämpfen. Typischerweise häufen sich die Infektionen in Tierheimen und Tierpensionen, in welchen der Infektionsdruck besonders hoch ist und sich die Katzen gegenseitig über Tröpfcheninfektionen infizieren. Der Komplex besteht aus folgenden Infektionserregern:

  • Viren: besonders das Feline Herpesvirus-1 (FHV-1) und Feline Calicivirus, eventuell Reoviren und das Feline Synzytienbildende Virus
  • Bakterien: hauptsächlich Chlamydophila felis und Bordetella bronchiseptica, gegebenenfalls Pasteurellen, Streptokokken, Staphylokokken und Mykoplasmen

Niesen bei Katzen Symptome

Niesen kann als alleiniges Symptom auftreten, jedoch zeigen betroffene Katzen in den meisten Fällen ursachenabhängige Begleitsymptome. Handelt es sich um ein infektiöses Niesen, zeigen die Katzen oftmals bakteriell bedingten, beidseitigen Nasenausfluss mit eitrigem Charakter. Dahingegen führen Tumore eher zu blutigen, einseitigen Nasenausfluss.

Zu den häufigsten Begleitsymptomen gehören folgende Krankheitsanzeichen:

  • Weitere respiratorische Symptome: Schnupfen, Nasenausfluss (einseitig oder beidseitig, evtl. wässrig, blutig, eitrig), Husten, Atemnot, tränende und gerötete Augen
  • Allgemeine Symptomatik: Müdigkeit, Fieber, Abmagerung
rote Katze niest

Katze niest: Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Zeigt Ihre Katze starkes Niesen oder weitere begleitende Symptome, ist ein Besuch beim Tierarzt ratsam. Während der Besitzerbefragung (Anamnese) werden wichtige Hinweise gesammelt, welche bereits denkbare Diagnosen (Differentialdiagnosen) eingrenzen können. Ein Blick in den Impfausweis verrät den aktuellen Impfstatus der Katze und kann die Beteiligung bestimmter Erreger des Katzenschnupfen-Komplexes vorab ausschließen.

Nach der Anamnese erfolgt eine klinische Allgemeinuntersuchung, bei welcher der aktuelle Gesundheitsstatus der Katze anhand folgender Parameter ermittelt wird:

  • Allgemeinzustand (z.B. aufmerksam oder abwesend)
  • Untersuchung der Schleimhäute (z.B. im Maul)
  • Dehydratationstest durch Hochziehen einer Nackenfalte (sollte schnell verstreichen)
  • Atemfrequenz
  • Herzfrequenz
  • Rektale Körperinnentemperatur

Zeigt die Katze keine starke Abweichung der normalen Vitalparameter, so kann mit der speziellen Untersuchung des Atemtraktes begonnen werden. Dazu ist eine visuelle und palpatorische Überprüfung (Adspektion und Palpation) der Nase und des Mauls angebracht, welche beispielsweise strukturelle Veränderungen oder Nasenausfluss ausfindig machen können. Per Stethoskop kann während der Auskultation die Luftröhre und die Lunge abgehört werden. Ein rasselndes Geräusch steht zum Beispiel für Flüssigkeiten, welche in den Luftwegen bewegt werden. Dahingegen kann ein Knistern ein Zeichen für verklebte Lungenbronchiolen sein. Neben der Auskultation kann mittels der Finger das Lungenfeld vermessen werden.

Medizinisch wird dies als Lungenperkussion bezeichnet, welche anhand von verschiedenen Tonhöhen beurteilt wird. Diese entstehen durch unterschiedliche Gewebetypen, etwa einem hohen Ton bei luftgefülltem Lungengewebe oder gedämpften Tönen bei Herzmuskulatur. Als weiterführende Maßnahme können bildgebende Verfahren wie das Röntgen, Endoskop oder der Ultraschall eingesetzt werden. Tumore oder Fremdkörper lassen sich auf diese Weise in der Regel schnell ausfindig machen.

Katze niest: Wie kann meiner Katze geholfen werden?

Die spezielle Behandlung von Niesen hängt stark von der jeweiligen Grundursache ab. So können bei akuten Allergien antiallergische Medikamente wie Antihistaminika oder entzündungshemmende Substanzen wie Kortison durch einen Tierarzt verabreicht werden. Um weitere allergische Schübe zu verhindern, kann eine Desensibilisierung (Immuntherapie) durch eine lebenslange Injektion individuell hergestellter Immunseren durchgeführt werden.

Kommt das Niesen nicht durch eine Allergie, sondern durch einen Fremdkörper zustande, muss dieser wenn möglich operativ entfernt werden. Ein chirurgischer Eingriff ist eventuell auch bei einem Tumor erforderlich, wobei je nach Art des Tumors ebenfalls eine Bestrahlungstherapie oder Chemotherapie notwendig sein kann. Handelt es sich um ein infektiöses Geschehen, so kann dieses mittels Antibiotika (nach Resistenztestung) oder Antimykotika behandelt werden.

Neben der speziellen Behandlung ist eine unterstützende, symptomatische Therapie, welche folgende Maßnahmen einbezieht, empfehlenswert:

  • Genügende Wasseraufnahme
  • Glukokortikoide (Kortison)
  • Vitaminpräparate zur Stärkung des Immunsystems

Wie ist die Prognose?

In den häufigsten Fällen kommt Niesen bei Katzen als Begleitsymptom milder Erkältungen vor und verschwindet nach wenigen Tagen. Trotzdem kann auch eine einfache Erkältung durch beispielsweise eine bakterielle Superinfektion oder weitere immunschwächende Faktoren den Verlauf des Infektes verschlimmern. Auch kann die Prognose einer Fremdkörpererkrankung oder eines tumurösen Geschehens nicht verallgemeinert werden, da auch diese beiden Ursachen stark von der Art des Reizes (Fremdkörper- und Tumorart) und der Lokalisation abhängt.

Wie kann Niesen bei Katzen verhindert werden?

Neben dem Auftreten von Tumoren kann auch das Eindringen von Fremdkörpern in die Nase wenig durch das Verhalten des Tierbesitzers verhindert werden. Letzteres häuft sich vor allem bei Freigängern, welche unbeaufsichtigt in der Nachbarschaft umherziehen.

Um jedoch Katzen vor Atemwegsinfektionen wie dem Katzenschnupfenkomplex schützen zu können, kann auf folgende Hinweise geachtet werden:

  • Mehrkatzenhaushalt: Strikte Trennung zwischen gesunden und erkrankten Katzen
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Flächen und Fressplätzen
  • Erkältungsprophylaxe: Abtrocknen bei nassem Fell, ausgewogene Ernährung und viel Bewegung
  • Impfung gegen Caliciviren, Herpesviren, Chlamydien und Bordetella bronchiseptica

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