Lymphom beim Hund: Symptome und Behandlung

Verfasst von zooplus Redaktion

Das Lymphom ist eine häufige Tumorerkrankung bei Hunden. Welche Symptome auf Lymphdrüsenkrebs hindeuten, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und wie die Prognose bei der Erkrankung ist, erfahren Sie hier.

Lymphom beim Hund

Tasten Sie Ihren Hund regelmäßig ab und lassen Sie die Lymphknoten Ihres Hundes vom Tierarzt untersuchen, um ein Lymphom frühzeitig zu erkennen.

Was ist das Lymphom beim Hund?

Unter Lymphomen versteht man im Allgemeinen verschiedene Tumorerkrankungen, die das lymphatische System befallen. Dabei entarten Lymphozyten und breiten sich aus. Diese Zelluntergruppe der weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, ist normalerweise für die Abwehr des Körpers zuständig.

Das Lymphom wird auch malignes (bösartiges) Lymphom, Lymphosarkom oder Lymphdrüsenkrebs genannt.

Wie gefährlich ist Lymphdrüsenkrebs?

Das maligne Lymphom ist mit sieben bis vierundzwanzig Prozent aller Tumorerkrankungen die dritthäufigste Tumorart beim Hund. Die Erkrankung gilt als nicht heilbar, kann jedoch gut behandelt werden.

Symptome: Wie macht sich ein Lymphom beim Hund bemerkbar?

Da das Lymphom beim Hund verschiedene Formen haben kann, sind die Symptome bei erkrankten Hunden abhängig von der Art des Tumors.

Die Einteilung der verschiedenen Lymphomarten

Lymphome lassen sich auch anhand der entarteten Ursprungszelle nach B-Zell-Lymphom und T-Zell-Lymphom einteilen. Dreiviertel der erkrankten Tiere sind vom weniger aggressiven B-Zell-Typ betroffen. Man unterscheidet außerdem das Aussehen der entarteten Lymphozyten und teilt sie in die aggressiveren High-Grade-Lymphome und in die schwerer zu erkennenden Low-Grade-Lymphome ein.

Zunächst lässt sich das maligne Lymphom beim Hund jedoch nach der Lokalisation im Körper unterscheiden:

  • Das multizentrische Lymphom ist mit 80 Prozent die häufigste Lymphomform beim Hund. Bei dieser Form sind mehrere Bereiche des Körpers betroffen. Je nach Krankheitsstadium können Tumorzellen in fast allen Lymphknoten zu finden sein. Auch die Leber, die Milz, das Knochenmark oder andere Organe können betroffen sein.
  • Das gastrointestinale (alimentäre) Lymphom betrifft etwa sieben Prozent der vierbeinigen Patienten und ist die zweithäufigste Lymphomform. Diese Form tritt in den Lymphknoten des Magen-Darm-Traktes auf.
  • Beim mediastinalen Lymphom sind die Lymphknoten des Mediastinums erkrankt. Das Mediastinum befindet sich in der Brusthöhle zwischen den beiden Lungenhälften. Ist nur der Thymus, ein lymphatisches Organ im Mediastinum, betroffen, dann spricht man von einem Thymuslymphom. Diese Lymphomform wird meist erst entdeckt, wenn im fortgeschrittenen Stadium Atembeschwerden auftreten. Diese Lymphome sind meist vom T-Zell-Typ.
  • Das extranodale Lymphom ist die seltenste Form dieser Tumorerkrankung. Dabei zeigen sich die veränderten Lymphozyten außerhalb des Lymphsystems. In der Regel ist bei dieser Form die Haut betroffen (kutanes Lymphom). Es können aber auch Nieren, Nase, Augen, Hoden oder das Nervensystem betroffen sein.

Typische Symptome für das multizentrische Lymphom

Beim häufig auftretenden multizentrischen Lymphom fallen besonders die massiv vergrößerten Lymphknoten am ganzen Körper auf. Nicht nur die äußerlich tastbaren Lymphknoten sind betroffen, sondern oft auch die Lymphknoten der Bauchhöhle und des Brustkorbs. Zusätzlich kommt es häufig zu einer Vergrößerung von Leber und Milz.

Weitere begleitende Symptome, die meist erst in den fortgeschritteneren Stadien auftreten, können sein:

Niereninsuffizienz als Symptom

Sitzt das Lymphom beim Hund in den Nieren, spricht man von einem extranodal auftretenden, renalen Lymphom. Dieses führt vorrangig zu Symptomen eines Nierenversagens, wie Polyurie und Polydipsie, also viel Trinken und deutlich erhöhter Urinabsatz.

Sonderform kutanes Lymphom

Bei dieser seltenen Lymphomform treten je nach Typ des Lymphoms zahlreiche Hautknoten an unterschiedlichen Stellen des Körpers auf. Weitere Symptome sind Hautrötungen, Schuppenbildung und Erosionen.

Da das kutane Lymphom sehr selten beim Hund auftritt, müssen für die Diagnose unbedingt andere, wahrscheinlichere Ursachen ausgeschlossen werden.

Diagnose: Wie lässt sich das Lymphom beim Hund nachweisen?

Der Weg zu einer sicheren Diagnose wird individuell und abhängig von den auftretenden Symptomen gewählt. Sind tastbare Lymphknoten betroffen, kann der Tierarzt mit einer sehr feinen Kanüle Tumorzellen entnehmen und unter dem Mikroskop untersuchen. Dafür ist in der Regel keine Narkose notwendig.

Für eine genaue Kategorisierung des Lymphoms beim Hund, die Wahl der möglichen Therapie und eine Aussage zur Prognose für den betroffenen Hund sind weitere Untersuchungen notwendig.

  • Blutuntersuchungen: Ein verändertes Blutbild gibt einen Hinweis auf eine mögliche Beteiligung des Knochenmarks an der Tumorerkrankung. Ein Differential-Blutbild zeigt, ob bereits Veränderungen an den Zellen im Blutkreislauf bestehen. Die Blutchemische Untersuchung zeigt, ob Leber oder Niere mit betroffen sind. Zusätzlich wird der Kalziumwert im Blut gemessen. Der aggressivere T-Zell-Typ des Lymphoms führt häufig zu einem erhöhten Kalziumwert und somit hilft die Messung dieses Wertes bei der Typisierung der Erkrankung.
  • Thoraxröntgen: Das Röntgen des Brustkorbs ist für eine Einschätzung des Erkrankungsstadiums (Tumorstaging) unverzichtbar. Dafür wird der Brustkorb in mindestens zwei Ebenen geröntgt, um mögliche Metastasen oder mit betroffene Lymphknoten im Thorax festzustellen.
  • Ultraschalluntersuchung des Abdomens: Bei der Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes wird nach weiteren vergrößerten Lymphknoten gesucht. Außerdem kann der untersuchende Tierarzt anhand der Befunde an Leber, Nieren und Milz das Ausmaß des Lymphoms beim Hund einschätzen.
  • Biopsien: Biopsien sind Proben, die mittels einer kleinen Stanze aus der Haut oder veränderten Organen genommen werden. Bei der Sonderform eines kutanen Lymphoms beim Hund ist eine Biopsie unbedingt notwendig, um das Lymphom beim Hund von anderen Hauterkrankungen unterscheiden zu können.
    Bei einer unklaren Feinnadelaspiration wird die Biopsie eines Lymphknotens zur Diagnosesicherung verwendet. Außerdem kann in der Pathologie bei der histologischen Untersuchung der Probe auch zwischen einem B-Zell- und einem T-Zell-Lymphom unterschieden werden.

Therapie: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Das Lymphom beim Hund ist in vielen Fällen gut zu behandeln. Dabei ist das gesetzte Ziel ein vollständiger Rückgang der Tumore und ein Erhalt dieser Remission bei gleichzeitiger guter Lebensqualität des Hundes. Die Therapie der Wahl ist hier die Chemotherapie.

Wie läuft eine Chemotherapie des Lymphoms beim Hund ab?

Das beste Ergebnis und die längsten Überlebenszeiten werden durch ein kombiniertes Chemotherapieprotokoll erzielt, bei dem verschiedene Medikamente je nach angewendetem Protokoll im Abstand von einer Woche verabreicht werden.

Die Behandlung umfasst Tabletten, kurze Injektionen und Infusionen, die etwa 20 Minuten dauern. Diese werden ambulant durchgeführt, sodass die Tiere nach der Medikamentengabe nach Hause gehen können.

Einige Medikamente können auch zu Hause verabreicht werden. Die Protokolle erstrecken sich in der Regel über einen Zeitraum von 10 bis 25 Wochen und werden dann ausgesetzt, bis Symptome erneut auftreten.

Chemotherapie bei Lymphdrüsenkrebs Hund © GTNA73 / stock.adobe.com
Pets oncology concept. The dog is waiting for a hemotherapy drip.

Gibt es Nebenwirkungen bei der Chemotherapie?

In der Regel wird die Dosierung der Chemotherapie so gewählt, dass möglichst keine Nebenwirkungen auftreten, um die Lebensqualität der Hunde nicht zu beeinträchtigen. Dennoch können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Veränderungen in Blutbild auftreten.

Einigen Nebenwirkungen wie Übelkeit kann man schon während der Chemotherapie mit Medikamenten vorbeugen. Das weitere Vorgehen hängt von der Stärke der auftretenden Nebenwirkungen und dem Leidensdruck des Hundes ab.

Ist die Bestrahlung eine Therapiemöglichkeit beim Lymphdrüsenkrebs?

Bei lokalisierten, einzeln auftretenden Lymphomen kommt die Strahlentherapie oder Radiotherapie zum Einsatz. Diese kann je nach Fall zu einer Heilung führen oder palliativ eingesetzt werden, um die Lebensqualität des Hundes zu verbessern. In der Regel wird die Bestrahlung mit einer begleitenden Chemotherapie ergänzt, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Wann ist eine Operation des Lymphoms sinnvoll?

Bei soliden, einzeln auftretenden Tumoren ist es oftmals sinnvoll vor einer Chemotherapie eine chirurgische Entfernung der Tumormasse durchzuführen, um das Ansprechen auf die Chemotherapie zu verbessern. Dieses Vorgehen wird zum Beispiel bei soliden Massen im Darm angewandt.

Prognose: Wie stehen die Heilungschancen des malignen Lymphoms beim Hund?

Das maligne Lymphom gehört zu den am besten behandelbaren bösartigen Tumorarten bei Hunden. Die Erfolgsaussichten einer Therapie hängen von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist unter anderem das Tumorstaging-Stadium und ob es ein Lymphom vom B- oder T-Zell-Typ ist.

Chemotherapie oder doch lieber nicht behandeln?

Die Überlebensrate eines Hundes mit diagnostiziertem Lymphom liegt ohne Therapie meist bei nur wenigen Wochen. Wird ein multizentrisches T-Zell-Lymphom mittels Chemotherapie behandelt, dann liegt die mediane Überlebenszeit der Hunde bei sieben bis neun Monaten. Für das multizentrische B-Zell-Lymphom liegt die mediane Überlebenszeit sogar bei zwölf bis fünfzehn Monaten.

In fünfundzwanzig Prozent der letzteren Lymphom-Patienten sind auch mehrjährige Überlebenszeiten und in Einzelfällen eine vollständige Heilung möglich. Besprechen Sie deshalb ganz genau mit Ihrem Tierarzt, welche Möglichkeiten es für die Behandlung Ihres Lieblings gibt.

Ursachen: Wie entsteht ein Lymphom beim Hund?

Die genaue Ursache für das Auftreten von Lymphomkrebs ist noch ungeklärt. Man vermutet, dass zu möglichen Risiken genetische oder Umwelteinflüsse gehören. Ein weiterer Risikofaktor könnte eine veränderte Immunfunktion sein.

Welche Hunderassen sind häufig von Lymphdrüsenkrebs betroffen?

Das Lymphom kann beim Hund in jedem Alter auftreten, besonders häufig betrifft es aber Hunde mittelgroßer und großer Rassen im mittleren Alter. Zusätzlich wird für einige Rassen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko beschrieben. Dazu gehören unter anderem

Prophylaxe: Kann ich vermeiden, dass mein Hund an einem Lymphom erkrankt?

Lymphome treten, wie auch andere Tumorerkrankungen spontan auf. Sie können eine Lymphdrüsenkrebserkrankung bei Ihrem Hund daher nicht verhindern. Ein frühzeitiges Erkennen der Erkrankung wirkt sich jedoch positiv auf die Heilungschancen und die Prognose insgesamt aus.

Tasten Sie Ihren Hund regelmäßig ab und suchen Sie bei tastbar vergrößerten Lymphknoten oder anderen Krankheitszeichen Ihren Tierarzt für eine gründliche Untersuchung Ihres Hundes auf.

Quellen:

  • tierklinikrostock.de
  • thevetiverse.com/de
  • lmu.de (PDF)
  • anicura.de
  • Tanja Töpfer: Das kutane Lymphom beim Hund – Verwechslungsgefahr!. kleintier konkret, 21 (02), 2018 Onlineversion
  • Sarah Hindenberg, Natali Bauer, Monika Keresztes: Lymphom aus der Sicht des Zytologen, 10. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 1, 2019 PDF
  • Ralf S. Müller: Lymphom als dermatologische Differentialdiagnose, Leipziger blaue Hefte, 10. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 1, 2019
  • Imke Schöpper: Lymphomdiagnostik beim Hund mittels PARR mit nachfolgender Schmelzkurvenanalyse, Dissertation, LMU München 2016 Onlineversion
  • Sandra Kühnel, Martin Kessler: Was ist zu tun beim caninen multizentrischen Lymphom?, LBH: 8. Leipziger Tierärztekongress – Tagungsband 1, PDF
  • Lymphom des Hundes, Tierklinik Hofheim, Besitzerinformation PDF 
  • Lymphom, Besitzerinformation der Tierklinik Neandertal PDF 

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