Abszess (Eitergeschwür) beim Hund This article is verified by a vet

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Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Abszess (Eitergeschwür) beim Hund

Definitionsgemäß handelt es sich bei einem Abszess (auch Eitergeschwür genannt) um eine abgekapselte Eiteransammlung in einem hohlen Geweberaum, welcher sich durch die entzündliche Einschmelzung von Zellen bildet. Demnach stellt der Abszess eine Art Entzündung dar, welche in der Regel durch bakterielle Infektionen verursacht wird. In einigen Fällen kann ein Abszess aber auch steril, also nicht durch ein bakterielles Geschehen in fast allen Organen entstehen. Häufige Lokalisationen sind beispielsweise die Haut und Leber, sowie die Analbeutel oder die Prostata (eine Geschlechtsdrüse des Rüden).

Abszess beim Hund: Ursachen und Vorkommen

Abszesse können sich in fast jedem Organ bilden, wobei die Entstehungsweise oftmals die gleiche ist. Dringen eiterbildende Bakterien wie zum Beispiel Staphylokokken, Escherichia coli oder Clostridien in das Gewebe ein, kommt es zu einer wichtigen Immunreaktion, zur Entzündung des Gewebes. Ziel dieser Entzündung ist die Beseitigung der Erreger, damit sich das Gewebe regenerieren kann. Im Falle eines Abszesses entsteht eine Abszesshöhle, welche sich durch abgestoßenes, abgestorbenes Gewebe bildet und im Innern mit Eiter gefüllt ist. Dieser Eiter besteht aus abgestorbenen Bakterien, Zellen und Zellen des Immunsystems (Neutrophile Granulozyten). Außen wird der Abszess durch sogenanntes Granulationsgewebe, welches Teil der Wundheilung ist, von dem umliegenden gesunden Gewebe abgegrenzt. Im Laufe der Entzündung kann es weiterhin zu einer Ausbreitung der Abszesshöhle kommen, wodurch Fisteln (Verbindung zur Körperoberfläche) oder Spalträume entstehen können, welche die Behandlung erschweren können.

Zu den häufigsten Abszessen zählen beim Hund folgende Lokalisationen:

  • Analbeutelabszess: durch bakterielle Infektionen der Analbeutel, Verstopfung der abführenden Gänge oder erhöhter Sekretbildung
  • Prostataabszess beim Rüden: bakterielle Infektion beispielsweise über den Harnleiter oder die Blutbahn
  • Kieferabszess durch entzündliche Geschehen im Zahnbereich
  • Lungenabszess: eingeatmete Fremdkörper, Lungenwürmer oder Tumore können in der Lunge zu einer Eiteransammlung führen. Diese Abszessart kommt bei Hunden jedoch recht selten vor
  • Bauchspeicheldrüsenabszess (Pankreasabszess): diese Abszesse sind häufig die Folge einer Bauchfellentzündung und sind meist steril
  • Leberabszess: die Bakterien gelangen über Verletzungen, Organentzündungen oder bei Welpen über eine Nabelentzündung in die Leber
  • Abszesse in der Haut: häufig verursacht durch Bissverletzungen oder eindringende Fremdkörper

Wie äußert sich ein Abszess beim Hund?

Ein Abszess macht sich durch sein typisches Erscheinungsbild und begleitende Symptome erkennbar:

  • Schwellung des Gewebes
  • Schmerzen: Hunde können durch ihr Schmerzempfinden Verhaltensänderungen wie eine vermehrte Bewegungsunlust oder Appetitmangel zeigen. Daneben können Hunde bei Abszessen, welche von außen nicht sichtbar sind, bei Berührung druckempfindlich reagieren oder Schmerzen beim Abkoten oder Harnlassen zeigen
  • Rötung des umliegenden Gewebes
  • Eiteransammlung im Innern des Abszesses (flüssige bis wachsartige, bröcklige Konsistenz möglich)
  • Bei Blutvergiftung: Fieber, verschlechtertes Allgemeinbefinden, verminderter Appetit, Gewichtsverlust

Abszess beim Hund: Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Zeigt Ihr Hund ein vermindertes Allgemeinbefinden, eine schmerzhafte Schwellung oder sonstige Schmerzen und Verhaltensänderungen, so ist ein baldiger Besuch beim Tierarzt angebracht. Im Rahmen der Anamnese (Besitzerbefragung) kann der Tierarzt bereits mögliche Differentialdiagnosen erheben und die nachfolgende Diagnostik planen. Dazu sind etwa der Impfstatus, die gesundheitliche Vorgeschichte als auch eventuelle Unfälle oder Veränderungen im Umfeld des Hundes wichtig.

Gleichzeitig wird meist mit der klinischen Allgemeinuntersuchung begonnen, um den aktuellen Gesundheitsstatus des Patienten herauszufinden. Ein stabiler Kreislauf ist sehr wichtig für die nachfolgende Untersuchung.

Ist bereits von außen eine Schwellung sichtbar, so kann der Tierarzt die Veränderung und das umgebende Gewebe während der Adspektion genauer betrachten und auf Hinweise wie eine Rötung, Bissspuren oder sonstige Verletzungen achten. Auf Grund des recht typischen Aussehens kann ein Abszess beim Hund recht schnell von tumurösen Veränderungen unterschieden werden, da er im Gegensatz zu einem Tumor eine vermehrte Wärme sowie Eiter aufweist. Letzterer kann durch eine Punktion entnommen werden. Hat der Tierarzt jedoch den Verdacht, dass sich im Körperinnern des Hundes ein Abszess gebildet hat, kann dieser durch bildgebende Verfahren sichtbar gemacht werden. Hierfür eignen sich je nach Lokalisation der Ultraschall und das Röntgen am besten.

Wie wird ein Abszess beim Hund behandelt?

Die Behandlung eines Abszesses beim Hund teilt sich auf in eine chirurgische Behandlung als auch eine begleitende medikamentelle Therapie:

  • Vor jeder chirurgischen Maßnahme: Rasur und Wundhygiene
  • Eröffnung des Abszesses unter aseptischen Bedingungen (z.B. per Punktion) bei gleichzeitiger Ultraschallkontrolle und unter Narkose oder örtlicher Betäubung
  • Entleeren und Säuberung der Wundhöhle
  • Spülung mit aseptischen und ggf. antibiotischen Lösungen
  • Eventuell ist eine Omentalisation angezeigt (z.B. bei Prostataabszess): das Bauchnetz wird zur Drainage in die Abszesshöhle gelegt um die Wundheilung zu fördern
  • Schmerzmedikamente und ggf. systemische Gabe von Antibiotika

Wie ist die Prognose?

Die Prognose von Abszessen bei Hunden ist abhängig von der Lokalisation und dem Zustand des Abszesses. Ist dieser recht klein und intakt, ist die Prognose günstiger als die eines gerissenen Abszesses, welcher unbehandelt zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung führen kann.

Kann ein Abszess beim Hund verhindert werden?

Erleidet ihr Hund eine Biss- oder Kratzverletzung oder spießt sich beispielsweise eine Granne in die Haut ein, sollte auf eine gute Wundhygiene geachtet werden. Sie können dabei wie folgt vorgehen:

  • Gründliches Absuchen: Bei Bissverletzungen werden oftmals kleinere Bissspuren übersehen, welche sich im Laufe der bakteriellen Infektion schwer entzünden können
  • Reinigung und Desinfektion der eigenen Hände, wenn möglich sterile Handschuhe benutzen
  • ist eine Rasur der umliegenden Hautareale für die weitere Wundhygiene hilfreich
  • Grobe Säuberung der Wunde (z.B. mit Kochsalzlösung)
  • Säuberung mittels aseptischer Lösungen
  • Regelmäßige Kontrolle der Wundheilung

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