Wellensittich

Wellensittichpaar

Ursprünglich stammen Wellensittiche aus Australien und gehören zur Familie der Papageien. Heute gehören die Vögel mit dem farbenfrohen Gefieder zu den beliebtesten Haustieren Europas. Tipps und Fakten zur Herkunft und Zucht der Wellensittiche erfahren Sie hier.

Charakter

Gesellig und sprachbegabt

In ihrer Heimat Australien leben Wellensittiche in riesigen Schwärmen mit bis zu 2.000 Tieren zusammen. Kein Wunder, dass die sozialen Tiere ungerne alleine sind. Wer sich einen Wellensittich anschaffen möchte, muss also mindestens zwei Tiere einplanen. Die munteren Vögel fühlen sich nur mit Artgenossen wohl, mit denen sie ständig in Kontakt stehen. Ihr Repertoire an Lauten und Körpersprache ist erstaunlich. Sie im Umgang mit anderen Wellensittichen zu beobachten, ist immer wieder aufregend.

Wellensittiche brauchen Artgenossen

Viele Wellensittiche sind nach einiger Zeit recht handzahm. Jedoch reicht der Kontakt mit uns Menschen nicht aus, um die Bedürfnisse der geselligen Vögel zu stillen. Selbstredend kann weder ein Spiegel noch ein Plastikvogel im Käfig einen richtigen Partner ersetzen. Für die Haltung zuhause bietet sich eine Gruppe von zwei, vier oder sogar sechs Vögeln an. Diese sollte jeweils zur Hälfte aus Männchen (Hähne) und Weibchen (Hennen) besteht. In der Regel verstehen sich auch mehrere Hähne gut, nur unter allein lebenden Hennen gibt es häufig Streit. Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren neigen bei den Wellensittichen eher die Weibchen zur Dominanz.

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Herkunft und Zucht

Die Heimat der Wellensittiche ist Australien. Hier leben sie bis heute in großen Schwärmen zusammen. Sie besiedeln Grassteppen, Savannen und offene Waldgebiete. Die meisten wilden Wellensittiche sind Nomaden, das heißt sie fliegen auf der Suche nach Nahrung von Region zu Region. Wellensittiche fliegen allerdings nie mehr als drei Stunden ohne Unterbrechung. In dieser Zeit legen sie etwa 100km zurück. Lediglich im Osten Australiens leben die bunten Vögel als Standvögel. Das heißt sie bleiben das ganze Jahr über in derselben Region. Grund dafür sind die günstigen klimatischen Bedingungen. Wellensittiche finden im Osten Australiens nämlich ganzjährig Wasser und Nahrung.

Von Australien nach Europa

Nach Europa gelangten die ersten wilden Wellensittiche im Jahr 1840 – nicht in der Luft, sondern auf einem Schiff. Mit an Bord war der englische Wissenschaftler John Gould. Dieser nahm einige Exemplare der Sittiche mit in seine Heimat Großbritannien. Die munteren Vögel fanden in Europa schnell Gefallen und die Nachfrage stieg rasant an. Auch der Export der Tiere aus dem entfernten Australien nahm zu. Die weite Reise nach Europa war jedoch beschwerlich und nicht wenige Vögel starben. In Europa bemühte man sich indes um eine eigene Zucht der Wellensittiche. Erste Zuchterfolge vermeldete Frankreich im Jahr 1846. Kurz darauf wurde auch der Zoo Antwerpen (1850) und eine deutsche Privathalterin (1855) mit Nachwuchs belohnt.

Ausfuhrverbot in Australien – Massenzucht in Europa

Die Nachfrage nach dem Vogel konnte die europäische Zucht anfangs jedoch nicht ausreichend bedienen. So hatte fast jedes Schiff, das Australien nach Europa verließ, Wellensittiche an Bord. Erst 1894 setzte Australien diesem Massenexport mit dem heute noch gültigen Ausfuhrverbot ein Ende. Indes war die europäische Zucht der Wellensittiche Ende des 19. Jh. stark gestiegen. Als Australien die Ausfuhr der Vögel verbot, gab es in Deutschland, Frankreich und England schon kommerzielle Massenzuchten. Anfang des 20. Jh. eroberte der Wellensittich schließlich auch Amerika. Heute gehört er weltweit zu den beliebtesten Ziervögeln.

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Erscheinungsbild

Der wilde Wellensittich besitzt ein typisch grasgrünes Gefieder, das ihm als Tarnung vor Feinden schützt. Dagegen sind die domestizierten Tiere heute in vielen Farbschlägen erhältlich. Durch Züchtungen entstanden Wellensittiche mit blauem, gelbem oder weißem Federkleid. Ihren Namen verdanken die Vögel dem feinen Wellenmuster auf Kopf und Vorderrücken, das auf den Flügeln in breitere Streifen übergeht. Das hellgelbe Gesicht (Maske), das sich bis zur Kehle zieht, ist den meisten Wellensittichen gemein. Ebenso typisch sind die vier bis sechs schwarzen rundlichen Flecken auf der Kehle (Kehltupfen).

Wellensittich Geschlechtsreife und Alter

Das Alter eines Wellensittichs kann man an der Nasenwachshaut sowie am Irisring des Vogels erkennen. Die Wachshaut eines Jungtiers weist eine helle Färbung auf. Dabei ist der Irisring kaum zu erkennen bzw. fehlt komplett, weshalb das Auge nahezu schwarz erscheint. Bei erwachsenen Wellensittichen ist der Irisring hingegen deutlich zu erkennen. Die Farbe der Nasenwachshaut ist zudem intensiver. Bei bestimmten Farbschlägen können jedoch Unterschiede auftreten. Nach der Jugendmauser (zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat) wird ein Wellensittich geschlechtsreif.

Männchen oder Weibchen?

Das Bestimmen des Geschlechts eines Wellensittichs ist nicht so einfach. Denn das bunte Gefieder besitzen sowohl Männchen als auch Weibchen. Einzig die so genannte Wachshaut lässt Rückschlüsse auf das Geschlecht des Vogels zu. So ist die Wachshaut der Henne in der Regel braun, während die des Hahns blau ist. Je nach Züchtung kann die Wachshaut der Männchen auch violett bis rosa schimmern. Beide Geschlechter werden rund 18cm groß (Kopf-Schwanz-Länge) und wiegen zwischen 25 und 40g.

Ein Wellensittich als Haustier

Wellensittiche sind als Haustiere überaus beliebt. Sie sehen schön aus, sind lebhaft und „redselig“. Zudem können sie problemlos auch in einer kleineren Wohnung gehalten werden und sind recht günstig in Anschaffung und Haltung. Besonders für Familien mit Kindern ist das Tier eine gute Alternative zu Katze, Hund & Co. Sie sollten sich vor dem Kauf allerdings gut überlegen, ob Sie dem Tier ein artgerechtes Leben bieten können.

Wellensittiche sind nicht nur sehr gesellige, sondern auch sehr agile Tiere. Neben einem (oder mehreren) Artgenossen, brauchen sie Platz und Bewegung, um sich wohlzufühlen. Ein großer Käfig und regelmäßiger Freiflug sind essentiell für die Haltung der Wellensittiche. Wichtig ist auch das Säubern des Käfigs, der Austausch des Streus und Wassers, sowie das tägliche Füttern. Wellensittiche erreichen gut und gerne ein Alter von 15 Jahren. Als Geschenk oder als „Haustier zum Ausprobieren“ sind sie nicht geeignet.

Die richtige Käfig-Ausstattung

Beim Vogelkäfig gilt grundsätzlich: zu groß gibt es nicht! Schließlich stellt er in jedem Fall eine enorme Einschränkung des Bewegungstriebs der Vögel dar. Um diese möglichst gering zu halten sollte der Käfig mindestens 1m bis 1,50m lang sein, 80cm breit und 80cm hoch. Da Wellensittiche vor allem horizontal fliegen, ist eher die Länge, weniger die Höhe, entscheidend. So genannte Turm-Käfige eignen sich ebenso wenig wie Rundkäfige. Je schlichter der Aufbau des Käfigs, desto besser. Im Käfig sollten Sie den Tieren jedoch so viel Abwechslung wie möglich bieten.

Wellis sind muntere Vögel, die Spielzeuge im Käfig dankbar annehmen. Welches Zubehör im Käfig nicht fehlen sollte und was Sie noch tun können, um Ihre Wellensittiche glücklich zu machen, zeigt Ihnen die folgende Übersicht.

Sitzstangen, Spielzeug & Co.

  • Naturholzäste: Die Äste von Naturbäumen bieten gleich mehrere Vorteile. Sie enthalten Mineralien, stärken die Beinmuskeln, verhindern Geschwüre an den Füßen und helfen, die Krallen kurz zu halten. Um solche Äste zu finden, brauchen Sie nicht einmal in die Tierhandlung fahren. Bei einem Spaziergang durch den Wald oder im Park werden Sie viele Äste für Ihren Käfig finden. Gut geeignet sind verschieden dicke Äste von Erlen, Linden, Pappeln, Weiden, Ahorn oder Obstbäumen. Bevor Sie die Äste im Käfig Ihrer Wellis befestigen, sollten Sie sie mit Wasser reinigen und einige Tage trocknen lassen.
  • Badehäuschen: Wellensittiche lieben es zu baden. Ein Badehäuschen am Käfigtor oder eine flache Schale mit Wasser auf dem Käfigboden wird sie begeistern.
  • Schnabelwetzstein: Zur Grundausstattung eines Vogelkäfigs gehört auch ein Wetzstein oder eine Sepiaschale. Das Knabbern an der Schale bzw. am Kalkstein hält nicht den Schnabel in Form und deckt den Kalkbedarf des Vogels.
  • Vogelsand: Bei ihrem „Spaziergang“ auf dem Käfigboden picken Wellis gerne mal das ein oder andere Korn auf. Als Untergrund für den Käfigboden eignet sich deshalb am besten Vogelsand, der mit Kalk oder Muschelgrit angereichert ist. Er saugt und „desinfiziert“ den Vogelkot und liefert Mineralstoffe. Zudem regt er die Verdauung an. Bausand oder Blumenerde sind als Bodengrund hingegen nicht geeignet und für Ihren Welli sogar gefährlich.
  • Futter- und Wassernapf: Trinkwasserspender oder Edelstahlnäpfe mit frischem Wasser und ausreichend Futter müssen den Wellis immer zur Verfügung stehen. Zudem müssen sie täglich neu aufgefüllt werden. Die Futterschälchen mit Körnern und frischem Obst sollten sich nicht direkt unterhalb einer Sitzstange befinden. Sonst besteht die Gefahr, dass das Futter durch den Kot schmutzig wird.

Weiteres Spielzeug

Wellensittiche sind geschickte Kletterer. Zudem lieben sie alles was glänzt, klingelt und sich bewegt. Schaukeln, Seile, Leitern, Glöckchen und Bällchen sorgen für die nötige Abwechslung. Um immer wieder neue Anreize zu schaffen, sollten Sie die Spielsachen ab und zu austauschen. Außerdem sollte der Vogelkäfig genügend Platz bieten und nicht mit Spielzeug überladen werden. Und natürlich ersetzen Spielsachen auch niemals einen anderen Artgenossen im Vogelkäfig.

Eine Stunde Freiflug

Um den Bewegungsdrang der Wellis gerecht zu werden, reicht ein großer Vogelkäfig jedoch nicht aus. Mindestens eine Stunde Freiflug am Tag sollten Sie Ihren Wellensittichen deshalb zusätzlich gönnen. Lassen Sie ihre Vögel am besten in einem ruhigen, großen und sicheren Raum fliegen. Dabei sollten Fenster und Türen geschlossen sein und giftige Zimmerpflanzen sowie enge Spalten beseitigt werden. Bieten Sie Ihrem Welli auch genug Möglichkeiten zum Landen in verschiedenen Höhen.

Küche und Bad sollten für Wellensittiche tabu sein, da hier zu viele Gefahren lauern. Auch Kinderzimmer eignen sich für Freiflüge eher nicht. Denn Wellensittiche reagieren schreckhaft auf Lautstärke oder abrupte Bewegungen. Darüber hinaus sollten Sie beachten, dass die Vögel Holz, Tapeten oder Schränke mit dem Schnabel „bearbeiten“. Teure Schränke, lackierte Regale oder wertvolle Tapeten sollte man deshalb besser in einen anderen Raum stellen.

Haltung in der Voliere

Wer viel Platz in seinem Zuhause hat, kann die Wellensittiche auch in einer Voliere halten. Eine Voliere ist eine große Käfiganlage, die den Freiflug ermöglicht. Zudem finden darin gleich mehrere Vögel Platz. Den Bedürfnissen der Wellensittiche kommt eine Voliere daher sehr entgegen.

Ernährung

Welches Futter braucht ein Wellensittich?

In ihrer Heimat Australien ernähren sich Wellis in erster Linie aus reifen Samen von Gräsern und anderen bodendeckenden Pflanzen. Diese Saaten spenden Energie und versorgen die Vögel mit allen nötigen Nährstoffen. Entsprechend sollten sie auch als Haustiere vor allem Körner erhalten. Zu empfehlen sind fertige Körnermischungen aus Hirse und anderen Sämereien. Ein gesunder, erwachsener Welli benötigt davon etwa zwei Teelöffel täglich. Saaten mit einem sehr hohen Ölgehalt sowie Mischungen in gepresster Form mit Klebezusätzen wie Honig, sollten nur in Maßen verfüttert werden. Denn sie sind für die kleinen Vögel zu kalorienreich. Verwöhnen Sie Ihren Wellensittich stattdessen lieber mit frischem Obst und grünen Kräutern (z.B. Löwenzahn oder Vogelmiere)

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Reinigung des Vogelkäfigs

Zur Vogelhaltung gehört neben einer ausgewogenen Ernährung und einer artgerechten Haltung auch die richtige Pflege und Reinigung des Käfigs. Doch wie mache ich den Käfig richtig sauber? Wie oft muss ich neues Trinkwasser bereitstellen und wann muss ich den Vogelsand austauschen? Die folgende Übersicht hilft Ihnen beim Einhalten Ihrer „Pflichten“ als Vogelhalter.

Täglich:

  • pro Vogel zwei Teelöffel Körnermischung füttern
  • altes Trinkwasser entfernen und frisches Wasser bereitstellen
  • Badewasser erneuern
  • Essensreste von verwelktem Grünfutter oder Obst entfernen
  • 1 Stunde Freiflug geben

Alle zwei bis drei Tage:

  • Obst, Grünfutter, Kräuter oder Gemüse (keine Kohlsorten) anbieten
  • Vogelsand erneuern

Einmal wöchentlich:

  • Käfig und Bodenschale reinigen (Vogelsand komplett austauschen, Stäbe und Schale gründlich abwischen)
  • Futterschalen, Trinkgefäß und Spielzeug reinigen
  • neuen Vogelsand einfüllen

Einmal pro Monat:

  • Gründliche Käfigreinigung mit Desinfektion des gesamten Käfig-Zubehörs
  • Neue Äste und Zweige sammeln, waschen, trocknen und gegen alte Sitzstangen austauschen

Wellensittich Gesundheit und Pflege

Um ihre Körperpflege kümmern sich Wellensittiche in der Regel selbst. Ein Badehäuschen, ein Wetzstein zur Schnabelpflege und Naturholzäste für die Krallenabnutzung helfen ihnen dabei. Sorgen Sie dafür, dass Ihren Wellensittichen diese Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Beobachten Sie dann, ob die Vögel sie entsprechend nutzen. Wellensittiche neigen dazu, Krankheiten erst sehr spät anzuzeigen. Hinter Änderungen im Verhalten, einer gestörten Futteraufnahme und Verdauung oder einer verminderten Aktivität können ernste Krankheiten stecken. Sie sollten daher rechtzeitig wahrgenommen und von einem Tierarzt abgeklärt werden.

Sind Wellensittiche geeignete Haustiere für Kinder?

Wellensittiche sehen schön aus und bringen garantiert Leben in Ihr Haus. Aber sie machen eben auch ein bisschen Arbeit. Besonders Eltern, die die Tiere für ihre Kinder kaufen, sollten sich bewusst sein, dass ein Großteil der Pflichten an ihnen hängen bleiben wird. Zu empfehlen ist, dass das Kind mindestens das Grundschulalter erreicht hat. Erst dann kann es Sie tatkräftig unterstützen. Für die alleinige Verantwortung sind aber auch Grundschulkinder noch zu jung. Trotzdem wird Ihr Kind lernen, Rücksicht auf die Bedürfnisse der Vögel zu nehmen. Wellensittiche sind zwar keine Kuscheltiere, aber sie sind gute Zuhörer und fröhliche Freunde zum Beobachten.

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