Bindehautentzündung bei Katzen This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
katze schöne augen

Eine Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis oder pink eye genannt, kommt sehr häufig bei Katzen vor und kann durch eine Vielzahl an Ursachen bedingt sein. Somit handelt es sich nicht um eine alleinstehende Erkrankung, sondern um ein Symptom. Obwohl jede Katzenrasse und jedes Alter betroffen sein kann, erkranken  besonders junge Katzen eher an Katzenschnupfen, während alte Katzen häufiger eine allergische Konjunktivitis zeigen. Demnach kann eine Bindehautentzündung bei Katzen auch von anderen Symptomen begleitet werden, welche die Therapie und Prognose beeinflussen.

Wie entsteht eine Bindehautentzündung bei Katzen?

Die Entstehung einer Konjunktivitis bei Katzen ist vielseitig, weshalb eine Aufteilung der Ursachen in ein infektiöses und ein nicht-infektiöses Geschehen zum besseren Verständnis sinnvoll ist:

Infektiöse Ursachen

Bindehautentzündungen bei jungen Katzen sind oftmals ein Zeichen für den Katzenschnupfen-Komplex. Dabei handelt es sich um eine weltweit vorkommende Infektionserkrankung, welche durch mehrere bakterielle und virale Erreger hervorgerufen wird. Bei der Entwicklung der Konjunktivitis spielen jedoch besonders das Feline Herpesvirus 1 (FHV-1) und das Bakterium Chlamydophila felis eine bedeutende Rolle. Beide Infektionserreger werden über eine Tröpfcheninfektion, z.B. durch Kontakt zu kontaminiertem Nasenausfluss übertragen. Typischerweise zeigen Mehrkatzenhaushalte, etwa ein Tierheim oder auch Katzenausstellungen, ein besonders hohes Risiko, die Krankheitserreger durch die hohe Katzendichte zu verbreiten. Neben der typischen Bindehautentzündung wird diese Atemwegserkrankung jedoch auch häufig von anderen Symptomen wie Niesen, Fieber oder Fressunlust begleitet.

Nicht-Infektiöse Ursachen

Zu dieser Kategorie zählen insbesondere allergische Reaktionen sowie Entzündungen, hervorgerufen durch Fremdkörper. Allergien kommen bei Katzen ebenfalls sehr häufig vor und führen neben einer Bindehautentzündung oftmals zusätzlich zu weiteren Überempfindlichkeitsreaktionen wie Juckreiz, Atembeschwerden oder weiteren Hautentzündungen. Besonders Parasiten (z.B. Flöhe), Hausstaub oder bestimmte Medikamente sind bei Katzen vielfach diagnostizierte Allergene. Neben den allergischen Reaktionen führen jedoch auch häufig Fremdkörper zu einer Reizung des Auges, welche Folge dessen zu einer Entzündung der Bindehaut führt. Beispiele hierfür sind Partikel aus der Umwelt oder zum Beispiel Haare.

Wie sind die Symptome einer Bindehautentzündung?

Eine Bindehautentzündung bei der Katze ist durch bestimmte Anzeichen zu erkennen. Hierzu zählen:

  • Eine Rötung des Auges (konjunktivale Injektion)
  • eine Schwellung der Bindehaut und Zukneifen des Augenlids
  • Tränenausfluss (z.B. wässrig oder eitrig)
  • Ein Fremdkörpergefühl
  • Je nach Grunderkrankung können zusätzlich Symptome wie Niesen und Husten, oder weitere Hautentzündungen auftreten

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

Eine Bindehautentzündung bei Katzen muss nicht immer durch eine ernsthafte Erkrankung hervorgerufen sein. Gesellen sich jedoch weitere Symptome hinzu oder heilt sie innerhalb von wenigen Tagen nicht von selber aus, sollte spätestens dann ein Tierarzt konsultiert werden.

Dieser befolgt ein bestimmtes Untersuchungsschema:

Zu Beginn des Tierarztbesuches führt der Tierarzt eine ausführliche Besitzerbefragung (Anamnese) durch. Diese hat das Ziel, wichtige Hinweise zum möglichen Krankheitsgeschehen zu sammeln. Dazu ist der Impfstatus der Katze, Vorkommen weiterer Krankheitsanzeichen oder der Kontakt zu anderen erkrankten Tieren zum Aussortieren von Differentialdiagnosen sehr hilfreich.

Bindehautentzündung bei Katzen

Nach der Anamnese erfolgt immer eine klinische Allgemeinuntersuchung, in welcher der allgemeine Gesundheitszustand der Katze ermittelt wird. Dieser ist sehr wichtig, da die weiterführende Diagnostik vom aktuellen Zustand der Katze abhängt. Zu den wichtigsten Parametern gehören der Allgemeinzustand der Katze, die Herz- und Atemfrequenz, sowie der Zustand der Schleimhäute und die rektale Körperinnentemperatur.

Ergeben die Ergebnisse der klinischen Allgemeinuntersuchung keine starke Abweichung der Vitalparameter, so kann mit der speziellen Untersuchung angefangen werden. Zum Ausschließen eines Fremdkörpers wird das Auge genauer betrachtet. Sollte die Katze jedoch nicht kooperativ sein, kann bei Verdacht eine örtliche Betäubung oder Narkose nötig sein. Infektiöse Grunderkrankungen können dahingegen schnell mittels eines Tupferabstriches ermittelt werden. Um die beteiligten Bakterien und Viren ausfindig zu machen, wird der Tupfer zum einen mikroskopisch und zum anderen mittels der PCR-Methode (Polymerase Kettenreaktion) untersucht. Da jedoch die wenigsten Tierarztpraxen letztere diagnostische Möglichkeit besitzen, werden Proben häufig zu speziellen Laboren geschickt. Der behandelnde Tierarzt erfährt das Ergebnis dann in der Regel wenige Tage später. Um die Ursache einer Allergie herauszufinden, kann beispielsweise eine zeitaufwändige Eliminationsdiät, ein Hauttest (Intradermaltest) oder Bluttest durchgeführt werden.

Wie wird eine Konjunktivitis behandelt?

Die Behandlung von Bindehautentzündungen bei Katzen teilt sich auf in eine spezielle Therapie, welche die Grundursache bekämpft, und eine symptomatische Therapie, welche das Symptom und andere Begleiterscheinungen reduzieren soll:

Spezielle Behandlung:

  • Bakterielle Infektion: Antibiotika in Form von Augensalben und ggf. systemisch verabreicht
  • Virale Infektion: ggf. antivirale Medikamente
  • Fremdkörper: eventuell muss dieser manuell entfernt werden (in manchen Fällen unter Narkose)
  • Antiallergische Maßnahmen: Antihistaminika, Kortison, Desensibilisierung

Symptomatische Behandlung:

  • Cortison (Augensalben oder systemisch): Cortison wirkt entzündungshemmend und antiallergisch, kann jedoch bei falscher Indikation (z.B. Hornhautulzera) zu einer Schädigung des Auges führen
  • Bei Kreislaufstörungen können eine Flüssigkeitstherapie und Elektrolyte den Zustand der Katze verbessern
  • Allergie: Kontakt zu den Allergenen vermeiden

Wie ist die Prognose?

Die Prognose einer Konjunktivitis hängt von der Ursache der Erkrankung ab und führt in der Regel zu keiner starken Schädigung des Auges. Sollte sich die Entzündung jedoch auf die umliegenden Gewebe ausbreiten und zu einer Schädigung innerer Augenstrukturen führen, so steigt das Risiko einer Erblindung.

Wie kann ich eine Bindehautentzündung bei meiner Katze vermeiden?

Infektionskrankheiten wie der Katzenschnupfen-Komplex können durch folgende prophylaktische Maßnahmen vermieden werden:

  • Kontakt zu erkrankten Tieren vermeiden
  • Impfstoffe gegen das Feline Herpesvirus 1 (FHV-1), Chlamydophila felis und andere Verursacher des Katzenschnupfen-Komplexes stehen in Deutschland zur Verfügung. Die Grundimmunisierung erfolgt in der 8, 12 und 16 Lebenswoche, wobei je nach Impfstoff jedes Jahr bis alle 3 Jahre eine Auffrischung durch einen Tierarzt erfolgen sollte

Das Eindringen von Fremdkörpern ist schwierig zu vermeiden. Allergische Reaktionen können jedoch durch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen reduziert werden. Empfehlenswert sind folgende Hinweise:

  • Allergene wenn möglich aus dem Umfeld der Katze entfernen
  • Wirksame Flohprophylaxe: z.B. Flohhalsband oder Spot Ons

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