27. Juni 2019 - Aktualisiert 28. Juni 2019

Welpenspielstunde: Spielerisch fürs Leben lernen

golden retriever welpen am welpenspielstunde

Ihr Welpe fühlt sich nach den ersten aufregenden Tagen bei Ihnen heimisch? Dann ist jetzt die beste Zeit, um mit Besuchen in einer Welpenspielgruppe (Welpenspielstunde) zu beginnen. Wir erklären Ihnen, warum das spielerische Lernen unter Aufsicht eines Hundetrainers wichtig ist, und wie sie eine gute Welpenspielgruppe finden.

Sozialisierung und erste Regeln

Sobald ein Hundekind in der dritten Lebenswoche seine Augen öffnet, nimmt es die Umwelt bewusst wahr. Jetzt möchte der Welpe möglichst viel lernen und entdecken: Das Gehirn des Welpen ist ab diesem Zeitpunkt darauf ausgelegt, neue Eindrücke zu sammeln, um sich ein Bild des künftigen Lebensraums zu machen. Dieses „Bild“ sollte möglichst vollständig sein. Denn ist die Sozialisierungsphase mit der 16. oder 17. Woche abgeschlossen, lässt sie sich nicht mehr nachholen. Dies bedeutet für Ihren Welpen: Lernt er nach seiner Mutter und den Geschwistern keine weiteren Hunde mehr kennen, bleiben Artgenossen für ihn ein rotes Tuch. Auch negative Erfahrungen speichert das Hundehirn langfristig ab: Jagt ein fremder Hund den unbedarften Welpen durch den Park und kneift ihn, kann dies für immer Spuren hinterlassen. Gut möglich, dass künftig jeder Spaziergang zum Spießrutenlauf wird. Einmalige schlechte Erfahrungen können positive Erlebnisse, die das Selbstbewusstsein des kleinen Hundes stärken, abmildern. Es ist wichtig, dass Ihr junger Hund in dieser Phase lernt, wie Artgenossen aussehen, riechen und sich verhalten. Die Welpenspielstunde ist hierfür eine optimale Umgebung, denn hier können die Hundekontakte kontrolliert und unter Aufsicht eines erfahrenen Trainers stattfinden. Zudem erhalten Sie viele wichtige Tipps für die Welpenzeit.

australian shepherd welpe spielt im grass

Spiel & Training: Das passiert in der Welpenspielstunde

Die Welpenspielstunde beginnt – das bedeutet aber nicht, dass alle Teilnehmer ihre Welpen von der Leine lassen und sie nach einer Stunde wieder einsammeln! Im Training geht es um weit mehr als nur Spielen. In der Welpenspielstunde lernen Sie und Ihr tierischer Gefährte:

  • Kontrollierte Kontakte zu anderen Hunden: Welpen sind neugierig und laufen gerne zu anderen Hunden oder Menschen. Hier lernen sie, sich in deren Nähe aufzuhalten und sich dabei trotzdem auf Sie zu konzentrieren. In Theorieeinheiten oder Fragerunden sehen die Welpen sich, sind jedoch an der Leine. So lernen sie, trotz Ablenkung ruhig neben ihrem Halter zu warten.
  • Kleine Übungen des Grundgehorsams: Meist wechseln sich Spiel-, Ruhe- und Trainingszeiten ab. Der Hundetrainer gibt praktische Tipps für den Welpenalltag. Hier lernt der Welpe beispielsweise den Leckerli-Tausch zum Üben eines Abbruchssignals kennen.
  • Stärkung der Bindung zum Menschen: Wenn Hund und Halter gemeinsam auf Entdeckungstour gehen und spannende Erlebnisse mit Artgenossen teilen, stärkt dies die Bindung. Viele Hundeschulen ermöglichen eine kleine Entdeckungstour mit unterschiedlichen Untergründen, Schnüffelstationen oder Tunneln.
  • Spiel & Spaß: Natürlich steht auch Spielen mit anderen Hunden auf dem Programm. Im besten Fall wählt der Hundetrainer zwei Hunde mit ähnlichem Temperament aus und gibt diesen einige Minuten, um gemeinsam zu toben. Mit der Zeit lernt Ihr Welpe durch Kontakte mit unterschiedlichen Artgenossen verschiedenes Spielverhalten kennen.

Darum ist langes Spielen nicht gut für den Welpen

Der Ernst des Lebens beginnt früh genug – warum sollten Sie weder in der Welpenspielgruppe noch außerhalb Welpen nach Lust und Laune miteinander toben lassen? Dies kann aus mehreren Gründen schädlich sein. So soll Ihr Welpe sich stets sicher und wohlfühlen. Das Wohlbefinden gerät bei unkontrollierten Spielen häufig aus der Balance: Die Welpen schätzen ihre Kräfte zu hoch oder niedrig ein. Spielen mehr als zwei Hunde, besteht die Gefahr, dass vorsichtigere Vierbeiner gemobbt werden. Beängstigende Erfahrungen mit anderen Welpen können das gesamte Hundeleben prägen. Ein übermütiger Malinois kann einen Dackel-Welpen nachhaltig einschüchtern. Darum ist es wichtig, dass die Hunde immer unter Aufsicht stehen und der Hundetrainer eingreift, bevor sich ein Hund unwohlfühlt.

Hinzu kommt, dass zu langes Spielen Hunde in eine Erregungslage bringt, die sie übermütig werden lässt. Welpenhalter kennen die wilden fünf Minuten der Kleinen. Häufig sind diese nach aufregenden Spaziergängen zu beobachten: Die Hunde haben so viele Eindrücke gesammelt, dass sie sie kaum verarbeiten können. Geraten Hunde in eine solche Erregungslage, sind sie teils schwer zu bändigen. Dies ist auch bei zu langem Spielen möglich und führt zu rüpelhaftem Verhalten wie Beißen und Anrempeln. Dieses Spielen beinhaltet für beide Seiten keinen guten Lerneffekt für den zukünftigen Umgang mit anderen Hunden.

Welpen sind früh erschöpft, so dass Ihr kleiner Gefährte gen Ende der Welpenstunde froh sein wird, sich bei einer Fragerunde ausruhen zu dürfen. Aus eigenem Antrieb legen Welpen jedoch keine Pause ein. Unkontrolliertes Spielen würde die Jungspunde zu sehr anstrengen.

Lesen Sie mehr über das Thema Welpenerziehung!

Tipps: So finden Sie eine gute Welpenspielgruppe

Eine Hundeschule, die nichts zu verbergen hat, wird Sie gerne ohne Ihren Vierbeiner bei einer regulären Welpenspielstunde zuschauen lassen. So können Sie sich ein Bild davon machen, ob Sie sich wohlfühlen. Hier einige Merkmale, die eine gute Welpenspielgruppe auszeichnen:

  • Es sollten nicht mehr als fünf Welpen anwesend sein
  • Spiel- und Trainingseinheiten sowie Ruhezeiten finden im Wechsel statt
  • Hunde, die miteinander spielen dürfen, passen von Größe und Temperament her zusammen
  • Der Trainer vermittelt Theorie rund um Körpersprache und Verhalten des Hundes
  • Positive Verstärkung belohnt erwünschtes Verhalten
  • Ignorieren von Fehlverhalten statt Strafe
  • Kein Mobbing einzelner Hunde durch kleine Raufbolde
  • Es befinden sich keine Junghunde (ab 17 Wochen) in der Welpengruppe
  • Der Hundetrainer gibt Übungstipps für die kommende Woche und lässt Raum für praktische Alltagsfragen

Tipp: Informieren Sie sich bereits vor dem Kauf Ihres Hundes über gute Welpenspielgruppen in Ihrer Nähe. Der Zeitraum für den Besuch ist durch das Alter Ihres Hundes auf rund zwei Monate beschränkt. Hat die Hundeschule Wartelisten, könnte es sein, dass Sie das Zeitfenster verpassen.

Für wen eignen sich Welpenspielstunden?

Auch wenn Sie ein „alter Hase“ in Sachen Hundehaltung sind: Von einer gut geführten Welpenspielgruppe profitieren Hund und Halter immer. Der Vierbeiner und Sie sammeln hier gemeinsam viele wertvolle Erfahrungen. Jedem Hunde-Neuling sei die Welpenspielstunde besonders ans Herz gelegt. Schließlich gibt es rund um Begegnungen mit anderen Hunden nicht nur für die Vierbeiner, sondern auch für die Halter einiges zu lernen. Auch Hundebesitzer, die keine regelmäßigen Kontakte zu anderen Hunden ermöglichen können, sollten Ihrem Vierbeiner die Besuche in der Welpenspielstunde gönnen. Im Anschluss daran bieten viele Hundeschulen Junghundekurse an.

Wir wünschen Ihnen eine entdeckungsreiche Zeit mit Ihrem Welpen!

Meistgelesene Beiträge

Erwachsene Hunde erziehen

Je früher Hunde die wichtigsten Erziehungsgrundlagen lernen, desto weniger Probleme werden sie im späteren Zusammenleben mit dem Menschen bereiten. So viel steht fest. Doch was ist, wenn eine solche Grundausbildung im Welpenalter versäumt wurde? Kann man auch erwachsene Hunde erziehen? Wir zeigen Ihnen, was Sie bei der Erziehung Ihres erwachsenen Hundes beachten und welche sieben Übungen Sie mit ihm trainieren sollten.

Warum folgt mein Hund mir auf die Toilette?

So gern wir mit unserem Hund zusammen sind – manchmal wollen wir auch mal allein sein, besonders in so intimen Momenten wie dem Gang zur Toilette. Doch kaum versuchen wir die Tür hinter uns zu schließen, steckt der Hund schon die Schnauze dazwischen und möchte mitkommen. Warum Ihr Hund Sie sogar bis auf die Toilette verfolgt und mit welchen Tricks Sie ihm beibringen können, Ihre Privatsphäre zu respektieren, lesen Sie hier.

„Hilfe, mein Hund zerstört alles!“

Schuhe, Kabel, Telefone, Filzstifte, Sofas, Teppiche oder Mülleimer – vor der Zerstörungswut einiger Hunde scheint nichts sicher zu sein. Innerhalb kürzester Zeit können die wilden Vierbeiner die Wohnung mitsamt Mobiliar auf den Kopf stellen. Doch warum zerstören manche Hunde und wie lässt sich dieses Verhalten abgewöhnen? Der Schreck der Hundebesitzer ist groß, wenn Sie das erste Mal nach Hause kommen und ihr Wohnzimmer wie ein Schlachtfeld aussieht. Wenn sich die erste Wut gelegt hat, die Wohnung wieder halbwegs aufgeräumt ist, stellen sich die meisten die Frage: War das ein einmaliger Ausraster? Was mache ich, wenn so etwas noch einmal passiert? Sicher ist, nach so einem Erlebnis werden Sie das nächste Mal nicht so leichtfüßig Ihre Wohnung verlassen. Spätestens wenn ihr Hund wertvolle Dinge kaputt beißt oder zum Tierarzt muss, weil er einen großen harten Gegenstand verschluckt hat, wissen alle Hundebesitzer, dass nun ihr Handeln gefragt ist. Doch was lässt sich gegen ein solches zerstörerisches Verhalten unternehmen?