Wenn der Hund nicht Gassi gehen will

Verfasst von Jana Schubert
Hund will nicht Gassi gehen

Der Hund will nicht Gassi gehen und verweigert jeden weiteren Schritt – was ist da los?

Fast jeder Hundehalter hat das schon einmal erlebt: Der Spaziergang steht an, aber der geliebte Vierbeiner ist nicht von der Stelle zu bewegen. Erfahren Sie in diesem Beitrag mögliche Ursachen, warum Ihr Hund nicht Gassi gehen will.

Erwachsener Hund will nicht Gassi gehen

Hunde haben einen enormen Bewegungsdrang. Wenn ein erwachsener Hund das Gassigehen verweigert, liegt daher etwas im Argen. Aufmerksamkeit und eine gute Beobachtung sind gefragt, um den möglichen Ursachen auf die Schliche zu kommen.

Dabei können sowohl körperliche Probleme als auch psychische Aspekte eine Rolle spielen. Aber keine Sorge: Meist sind die Ursachen nicht gravierend und können schnell behoben werden.

Ursache 1: Der Hund hat Schmerzen

Wenn der Hund das Spazierengehen mit aktivem Widerstand verweigert, dann könnte körperliches Unbehagen das Problem sein. Vielleicht hat Ihr Vierbeiner Schmerzen, die ihn am Laufen hindern.

Versuche, Ihren Hund zu motivieren, werden in diesem Fall zu nichts führen. Im Zweifel sollten Sie den Tierarzt einen Blick auf Ihren Liebling werfen lassen. Der Fachmann erkennt das Problem sofort und hat die passende Lösung für Sie und Ihren Hund parat.

Ursache 2: Der Hund ist verletzt

Kontrollieren Sie auf der Suche nach Verletzungen immer zuerst die Pfoten. Schnittverletzungen, eingetretene Splitter oder Verbrennungen durch heißen Teer im Sommer sind schnell passiert und unangenehm für Ihren Liebling.

Für empfindliche Hundepfoten gibt es spezielle Hundeschuhe. Sie sind vor allem dann hilfreich, wenn Sie mit Ihrem Hund häufig über moderne, naturferne Bodenbeläge spazieren. Diese sind härter und heizen sich schneller auf als Wiesen und Waldböden.

Ursache 3: Der Hund hat Hüftprobleme

Häufig sind Probleme mit dem Hüftgelenk verantwortlich, wenn ein Hund nicht Gassi gehen will. Einige Hunderassen sind hierzu genetisch veranlagt, bei anderen kann das Thema im zunehmenden Alter auftreten.

Arthrose an den Gelenken führt zu Steifigkeit und Schmerzen, was dem Tier die Lust auf einen Spaziergang nehmen kann.

Unterstützen Sie Ihr Tier bei Arthrose! Es gibt spezielle Tiernahrung, die für Tiere mit Arthrose oder anderen Gelenkbeschwerden empfohlen wird. In schweren Fällen helfen medikamentöse Therapien. Alternativ kann auch ein Osteopath für Tiere um Rat gefragt werden. Diese sanfte Behandlungsmethode kann wunderbare Fortschritte für Ihr Tier bewirken.

Ursache 4: Müdigkeit und Stress

Auch Hunde brauchen ihre Ruhe- und Regenerationsphasen. Vielleicht kann sich der Hund wegen der derzeitigen Wohnsituation nicht entspannen? Auch Umweltgeräusche, Baulärm und Autos können zu nachhaltigen Erschöpfungssyndromen beim Hund führen.

Saisonaler Stress

Extremerfahrungen wie ein Feuerwerk können sensible Hunde nachhaltig verängstigen. Gerade in der Zeit nach Silvester, wenn die Erinnerungen an Explosionen und Lichtblitze noch frisch sind, möchte sich Ihr Vierbeiner am liebsten nur noch in seinem Hundekorb verkriechen. Geduld und gutes Zureden helfen dem Tier, wieder Vertrauen zu fassen.

Ursache 5: Langeweile

Wenn Sie jeden Tag mit Ihrem Hund dieselbe Strecke laufen, fängt er an, sich zu langweilen. Auch Tiere freuen sich über ein Mindestmaß an Abwechslung.

Versuchen Sie, zumindest einige unterschiedliche Routen im Repertoire zu haben. Spaß und Spannung bringen auch Fang-, Such- und Bringspiele, ein Wasserlauf am Wegesrand oder ein vierbeiniger Kamerad zum Herumtoben.

Äußere Ursachen: Kälte und Nässe setzen dem Hund zu

Jede Hunderasse hat ein anderes Wohlfühlklima. Kurzhaarige Hunde neigen vermehrt zum Frieren und sind gegen Witterungen nicht ansatzweise so gut geschützt wie langhaarige Rassen.

Frierend durch den Regen laufen? Nein, danke!

Einige Hunde entwickeln eine regelrechte Abneigung gegen Regenwetter, wenn sie einmal bei feucht-kalten Bedingungen gefroren haben. Fällt draußen der Regen, wird ein solcher Kandidat zu Hause bleiben wollen.

Ein Regenmantel für den Hund

Uns Menschen geht es ja nicht anders: Wir sind meist keine Freunde von nassem Wetter. Allerdings haben wir Kleidung, mit der wir uns schützen können.

Denken Sie deshalb bei Ihrem regenscheuen Hund daran, ihn mit Hundekleidung gegen Wind und Wetter zu wappnen. Er wird es Ihnen danken und auch bei schlechtem Wetter wieder gern mit Ihnen vor die Türe gehen wollen.

Hund mit Hundemantel © Karoline Thalhofer / stock.adobe.com
Gegen die Kälte im Winter hilft Hunden ein wärmender Mantel.

Ihr Hund will nicht Gassi gehen? Das könnte an Halsband oder Geschirr liegen

Eine Ursache akuter Gassi-Unlust kann auch das Halsband oder Geschirr sein. Vielleicht reibt es, drückt oder tut weh? In diesem Fall ist es nur natürlich, dass Ihr Hund den Spaziergang lieber vermeiden will.

Kontrollieren Sie daher, ob das Halsband oder Geschirr für den Hund passend und angenehm zu tragen ist. Schauen Sie auch nach, ob im Bereich des Halses oder an der Brust wunde Stellen sichtbar sind und Ihr Hund beim Tragen des Geschirrs genügend Bewegungsfreiheit hat.

Tipp: Probieren Sie, mit welcher Lösung Ihr Hund am besten zurechtkommt. Bei Halsbändern und Geschirren gibt es viele verschiedene Modelle, die sich für Ihr Tier unterschiedlich anfühlen.

Checkliste: So bringen Sie Ihren Hund dazu, wieder Gassi zu gehen

  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Hund weder verletzt noch krank ist.
  • Gönnen Sie Ihrem Hund eine Ruhepause, wenn er stark beansprucht ist.
  • Schalten Sie Stressfaktoren aus und schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre.
  • Bleiben Sie selbst gelassen und freundlich.
  • Sorgen Sie für Abwechslung: mit neuen Wegen, neuem Spielzeug oder eventuell einem neuen Geschirr. Auch ein zweiter Hund kann helfen.
  • Regen oder Kälte? Warten Sie auf besseres Wetter oder statten Sie Ihren Hund mit einem Regenmantel aus.

Welpe oder junger Hund will nicht Gassi gehen

Ihr Welpe verweigert den Spaziergang? Junge Hunde stellen in diesem Zusammenhang einen Sonderfall dar. Hier sollten Sie einige Punkte zusätzlich im Hinterkopf haben, die im Erwachsenenalter keine allzu große Rolle mehr spielen.

Der Welpe ist körperlich überfordert

Ein Welpe ist körperlich noch nicht voll belastbar. Manchmal fehlt ihm daher schlicht das nötige Training, um eine Route zu meistern. Möchte ein Welpe keinen Schritt mehr tun, ist das oftmals kein Ungehorsam, sondern eine Reaktion auf eine akute Erschöpfung.

Pausen: Mit jungen Hunden immer eine gute Idee

Erlauben Sie Ihrem Welpen in diesem Fall eine Pause: Wenn der Welpe wegen Erschöpfung nicht mehr kann, tragen Sie ihn und zeigen Sie ihm so, dass Sie sich kümmern, Verantwortung übernehmen und er Ihnen vertrauen kann.

Außerdem helfen die folgenden Tipps:

  • Gehen Sie mit Ihrem Welpen keine anstrengenden oder weiten Strecken.
  • Nehmen Sie die Verweigerung Ihres Welpen ernst und zwingen Sie ihn nicht.
  • Eine Überlastung des Bewegungsapparates kann bei Welpen zu Entzündungen und Schmerzen, gegebenenfalls sogar zu Entwicklungsstörungen führen.

Ängstlicher Hund will nicht Gassi gehen

Ein großes Thema ist bei jungen Hunden auch die Angst beim Spazierengehen. Für das Tier ist die Welt da draußen noch unbekannt. Neue Eindrücke und der Kontakt zu anderen Tieren können Welpen schnell überfordern. Mit den folgenden Tipps können Sie auch einen ängstlichen Welpen zum Gassi gehen motivieren.

Geben Sie Ihrem Welpen Sicherheit

In solchen Fällen ist es wichtig, dass Sie die Lage unter Kontrolle behalten. Ihre Souveränität im Umgang mit der Situation gibt dem Hund das Gefühl von Sicherheit und stärkt Ihre Position als Herrchen.

Tipp: Ihr Hund kann Gefahrensituationen in Umwelt und Verkehr nicht richtig einschätzen. Eine angelegte Leine sorgt dafür, dass Sie mehr Kontrolle in riskanten Momenten haben.

Wenn andere Hunde im Spiel sind

Grundsätzlich ist der Kontakt zu anderen Hunden sehr wichtig, um ein gesundes, soziales Verhalten zu entwickeln. Es macht sogar Sinn, wenn Sie dies aktiv fördern. Doch nicht jeder Hund verhält sich mustergültig. Manche sind an der Leine regelrecht aggressiv.

Sollten Sie nun auf andere Tiere treffen, achten Sie genau auf die Körpersprache Ihres Hundes. Eine eingeklappte Rute und Fluchtversuche sind sichere Zeichen dafür, dass Ihr Hund mit der Begegnung überfordert ist.

Geben Sie Ihrem Hund in solchen Situationen umgehend die Möglichkeit, bei Ihnen Schutz und Sicherheit zu finden, indem Sie

  • sich direkt vor Ihren Hund stellen,
  • das fremde Tier wenn nötig körperlich an weiterem Kontakt hindern und
  • Ihren Welpen umgehend auf den Arm nehmen und trösten.

Körperkontakt hilft Welpen dabei, zu entspannen

Heikle Situationen können auch einmal schiefgehen. Dann ist es wichtig, dass Sie mit Körperkontakt für den Welpen da sind. Vermitteln Sie ihm mit ruhiger Stimme, dass die Situation wieder unter Kontrolle und die Gefahr gebannt ist. Geduld und Einfühlungsvermögen stellen hier den Schlüssel zum Erfolg dar.

Welpe hat Angst beim Gassi © Ольга Рязанцева / stock.adobe.com
Welpe im Arm des Frauchens – Nähe und Zuwendung schaffen Sicherheit und Vertrauen.

Fazit: Ihr Hund will nicht Gassi gehen? Suchen Sie nach der Ursache

Abschließend bleibt zu sagen: Hunde haben ihre Gründe, wenn sie keine Lust auf Gassi gehen haben. Versuchen Sie beim Ergründen der Ursachen stets aufmerksam zu sein. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihr Tier zu beobachten.

Dabei sollten Sie sowohl den Körper Ihres Vierbeiners auf Wunden untersuchen als auch ein Gespür für seine Stimmung sowie sein Verhalten entwickeln. Meist finden Sie so schnell heraus, warum der Hund sich auf eine bestimmte Weise verhält.

Mit Geduld, Zeit und Liebe sind Sie gut gerüstet, um möglichen Schwierigkeiten beim Gassigehen zu begegnen.

Quellen:

  • www.vdh.de
  • Helmut Krebs: Vor und nach der Jägerprüfung, 59. Auflage, München 2012

Jana Schubert
Profilbild von zooplus Magazin Autorin Jana Schubert

Schon als Baby habe ich lieber mit unserer Perserkatze gekuschelt als mit meinem Teddy. Später ging ich meinen Eltern so lange auf die Nerven, bis ich ein Pferd adoptieren durfte. Mit meinen Tieren habe ich viel erlebt. Und auch wenn das Leben mit Tieren nicht immer einfach ist, kommt für mich kein anderes in Frage. Denn Tiere berühren mich an einer Stelle meiner Seele, wo sonst nichts und niemand hinkommt. Diesen Zauber spüre ich sogar, wenn ich über Vierbeiner schreibe. Ich hoffe, etwas davon kommt bei Ihnen an.


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