23. September 2019

Katze sozialisieren

kitten mit mädchen

Ungewohnte Gerüche und Geräusche, fremde Menschen, andere Tiere und laute Haushaltsgeräte: Es gibt Vieles, an das sich eine kleine Katze erst einmal gewöhnen muss. Wie Katzen am besten sozialisiert werden und wie Sie Ihrer Samtpfote die Eingewöhnung erleichtern können, lesen Sie hier.

Wenn eine Katze ins eigene Zuhause einzieht, ist dies für alle Beteiligten ein aufregendes Ereignis – nicht nur für die neuen Katzenbesitzer, sondern auch für die Katze selbst, die sich an ihr neues Zuhause, die fremden Menschen und den ungewohnten Alltag erst einmal gewöhnen muss. Wie gut die Katze in Zukunft mit ihrer Familie, anderen Tieren und ungewohnten Ereignissen zurechtkommt, hängt davon ab, wie gut sie sozialisiert ist. Doch was bedeutet das eigentlich genau? Wie und in welchem Alter wird eine Katze sozialisiert und können auch ältere Katzen noch sozialisiert werden?

Was bedeutet Sozialisierung?

Allgemein beschreibt der Begriff Sozialisierung den Prozess der Eingewöhnung in die Gemeinschaft und die Übernahme bestimmter Verhaltensanforderungen. Für die Katze bedeutet dies: Sie muss lernen, dass sie ihrer neuen Menschenfamilie vertrauen kann und dass von fremden Menschen oder Tieren keine Gefahr ausgeht. Sie erfährt, dass kleine Kinder manchmal laut sind, dass Haushaltsgeräte seltsame Geräusche machen und dass Autofahren in einer Transportbox nichts Schlimmes ist. Sie lernt, wo es etwas zu fressen gibt, wie sie die Katzentoilette benutzt und wie weit sie beim Spielen und Toben gehen darf. All diese Dinge lernt die Katze im besten Fall bereits in ihren ersten drei Lebensmonaten kennen. Je früher sie mit verschiedenen Menschen, Tieren, Geräuschen und Gerüchen in Kontakt kommt und je positiver dieses erste Kennenlernen verläuft, desto entspannter wird die Samtpfote in Zukunft auftreten.

Warum ist Sozialisierung wichtig?

Katzen, die nicht richtig sozialisiert wurden, entwickeln später häufig Verhaltensstörungen. Sie reagieren übertrieben scheu, werden schnell ängstlich und nervös und treten bisweilen aggressiv auf. Während manche Verhaltensweisen harmlos und vielleicht noch ein wenig niedlich sind, wie zum Beispiel Nuckeln am Kissen, können andere Eigenarten das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier stark beeinträchtigen. Unangenehm wird es, wenn die Katze Möbel und Wände zerkratzt, wenn sie unentwegt miaut oder ihren Urin einfach auf dem Teppich anstatt im Katzenklo hinterlässt. Richtig problematisch wird es, wenn die Katze im Spiel ihre Krallen zeigt oder zubeißt, wenn fremde Menschen sie streicheln wollen. Für ein harmonisches und stressfreies Miteinander von Mensch und Katze ist eine umfangreiche Sozialisierung deshalb unerlässlich. Davon profitiert nicht nur der Besitzer, sondern auch der Stubentiger selbst, der sehr viel entspannter, ausgeglichener und freundlicher durchs Leben gehen wird.

Grundlagen werden in den ersten Lebensmonaten gelegt

Ob sich die Katze später zu einer verschmusten und ausgeglichenen Samtpfote oder eher zu einem wilden, scheuen Einzelgänger entwickelt, hängt also nicht nur von ihrer Rasse und ihren Genen ab, sondern in besonderer Weise auch von ihrer Umwelt und ihren Erfahrungen. Prägend sind dabei vor allem die ersten drei Lebensmonate, genauer gesagt der Zeitraum zwischen der vierten und der zwölften Lebenswoche. Die Erfahrungen, die die kleine Katze in dieser biologischen Prägephase sammelt, werden fest im Gehirn gespeichert und haben auf das spätere Leben einen großen Einfluss. Im besten Fall befindet sich die Katze in dieser Zeit noch in der Obhut ihrer Mutter – denn die Katzenmutter spielt bei der Sozialisierung ihres Nachwuchses eine entscheidende Rolle.

Die Rolle der Katzenmama

Verantwortungsvolle Züchter geben ihre Kitten frühestens mit der zwölften Lebenswoche ab und lassen sie bis dahin nah bei ihrer Mutter. Die Mutter ist für die Katzenwelpen in den ersten Wochen die wichtigste Bezugsperson und das größte Vorbild. Den Umgang mit ihren Geschwistern und mit den Menschen schaut sich die kleine Katze von ihr ab und übernimmt dieses Verhalten. Geht die Katzenmama entspannt mit ihren menschlichen Besitzern um, lässt sie sich streicheln und sucht ab und zu deren Nähe, so wird auch ihr Junges bald Vertrauen zu den Zweibeinern fassen. Auch im Spiel mit ihren Geschwistern zeigt die Mutter der kleinen Katze wie weit sie gehen darf. Beißt oder kratzt sie zu heftig, schreitet die Katzenmama ein und setzt ihr damit ganz natürlich ihre Grenzen.

katze sozialisieren

Die Verantwortung des Züchters

Die Sozialisation der Katzenmutter ist also eine wichtige Voraussetzung für die Sozialisation ihrer Nachkommen. Wer ein Katzenbaby beim Züchter kaufen möchte, sollte deshalb unbedingt darauf achten, wie sich das Muttertier gegenüber dem Züchter und seinem Besuch verhält. Reagiert die Mutter scheu oder aggressiv, flüchtet sich in den hintersten Winkel oder faucht, so gibt sie dieses Verhalten auch an ihre Jungen weiter. Lässt sie sich hingegen bereitwillig vom Züchter streicheln oder hochnehmen und beobachtet neugierig den unbekannten Besuch, ist dies ein gutes Zeichen dafür, dass die Katzen hier artgerecht und liebevoll aufgezogen werden.

Endlich Zuhause: Wie Sie Ihrer Katze bei der Eingewöhnung helfen können

Die Trennung von der Katzenmutter und der Einzug in ein neues Zuhause, bedeuten für die kleine Katze einen großen Einschnitt. An die fremde Umgebung, die Menschen, die Gerüche und Geräusche muss sie sich natürlich erst einmal gewöhnen. Je besser sie von ihrer Katzenmutter und dem Züchter sozialisiert wurde, desto leichter wird es ihr fallen, sich auf das Neue und Unbekannte einzulassen. Das heißt jedoch nicht, dass die Sozialisation der Katze allein in der Verantwortung des Züchters und der Katzenmama liegt. Zwar werden die Grundlagen in den ersten Lebenswochen gelegt, doch auch nach der zwölften Lebenswoche kann und sollte die Katze sozialisiert werden. Nun liegt die Verantwortung in Ihren Händen und Sie, als ihr neuer Besitzer, können einiges tun, um ihrer Katze den Start in ihr neues Leben zu erleichtern.

Fünf hilfreiche Tipps für einen guten Start

  • Bieten Sie Ihrer Katze einen sicheren Rückzugsort

Selbst wenn das junge Kätzchen noch so neugierig ist – manchmal werden ihr die vielen neuen Eindrücke einfach zu viel. Dann ist es wichtig, dass sie sich an einen sicheren Ort zurückziehen kann, wo sie ihre Ruhe hat und die Erlebnisse verarbeiten kann. Bereits vor dem Einzug der Katze sollten Sie überlegen, wo dieser Ort sein könnte. Ein gemütliches Katzenkörbchen mit einer weichen Decke in einer ruhigen Ecke Ihrer Wohnung ist ideal. Zusätzlich sollten Sie Verstecke und Plätze in der Höhe anbringen, denn viele Katzen fühlen sich auf erhöhten Ebenen sicherer. Das kann zum Beispiel ein Kratz- und Kletterbaum sein oder einfach eine Katzendecke auf einer erhöhten Fensterbank oder einem sicheren und gut befestigten Regal.

Sollte Ihre Katze bereits an die Transportbox gewöhnt sein, können Sie auch diese anfangs im Zimmer stehen lassen. So kann sie jederzeit dort hinein flüchten, wenn sie sich einmal erschrecken sollte. Auch ein großer, umgedrehter Karton mit einer kleinen Öffnung und einer weichen Decke darin, ist als sicheres Versteck bei vielen Katzen beliebt.

  • Überlassen Sie den Anfang Ihrer Katze

Wichtig ist, dass Sie Ihre Katze niemals bedrängen oder sie zu irgendetwas zwingen. Zerren Sie sie niemals aus ihrem sicheren Versteck, nur weil ihr Besuch das neue Kätzchen einmal streicheln möchte. Respektieren Sie, wenn Ihr neuer tierischer Mitbewohner das Bedürfnis nach Ruhe hat und sich lieber erst einmal zurückziehen möchte. Eine Katze wird nicht zahm, nur weil sie ständig hochgehoben wird! Gehen Sie stattdessen Ihren normalen Tätigkeiten in der Wohnung nach und signalisieren Sie ihr allein durch Ihre Anwesenheit, dass Sie da sind und dass sie zu Ihnen kommen kann, wenn sie es möchte. Irgendwann wird die Neugier Ihrer Katze siegen und sie wird sich von allein aus ihrem Versteck herauswagen.

  • Gehen Sie auf Augenhöhe

Um Katzen die Scheu zu nehmen, ist es hilfreich, sich mit ihnen auf Augenhöhe zu begeben. So wirken Sie weniger bedrohlich und es wird Ihrer Katze leichter fallen, sich Ihnen zu nähern und sich streicheln zu lassen. Machen Sie es sich zum Beispiel einfach mal auf dem Boden vor dem Sofa gemütlich. Setzen Sie sich auf den Teppich oder eine Decke, lesen Sie ein Buch, hören Sie Radio oder schauen Sie (leise) Fernsehen. Wenn sich die Katze dann nähert, lassen sie sie zunächst an Ihrer Hand schnuppern und streicheln Sie ihr anschließend mit langsamen Bewegungen über den Rücken und ihre Wangen. Honorieren Sie jeden Annährungsversuch Ihrer Katze mit Lob, sanften Streicheleinheiten oder auch mal mit einem kleinen Leckerli und zeigen Sie ihr, dass Sie sich über Ihre Nähe freuen.

katze sozialisierung
  • Zeigen Sie Ihrer Katze viel Neues – ohne sie zu überfordern

Damit eine Katze ihr natürliches Misstrauen verliert, sollte Sie in ihren ersten Lebensmonaten möglichst viel kennenlernen: Verschiedene Tiere und unterschiedliche Menschen, Autos, Küchengeräte, Staubsauger, Rasenmäher, Musik und vieles mehr, was ihr in Ihrem zukünftig Alltag begegnen wird. Dennoch sollten Sie es dabei niemals übertreiben. Schließlich braucht Ihre Katze auch Zeit, die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Haben Sie Geduld und führen Sie Ihre Katze behutsam an Neues heran. Beobachten Sie Ihre Katze genau und lassen Sie sie in Ruhe, wenn sie durch ihre Körperhaltung signalisiert, dass sie nervös ist. Hat Sie zu Ihnen und Ihrer Familie erst einmal Vertrauen gefasst und reibt sich schnurrend an ihrem Bein ist sie sicherlich bereit für fremden Besuch. Laden Sie Groß und Klein zu sich ein, damit Ihre Katze lernt, dass die Menschen unterschiedlich sind – eine riesige Party mit vielen Menschen auf engem Raum und lauter Musik würde sie am Anfang jedoch noch überfordern.

  • Bleiben Sie ruhig und bewahren Sie Geduld

So wie Mensch nicht gleich Mensch ist, ist Katze nicht gleich Katze. Während manche Katzen sehr aufgeschlossen und selbstbewusst auftreten, sind andere von Natur aus eher ängstlich und misstrauisch. Respektieren Sie die Individualität Ihrer Katze und haben Sie Geduld, wenn es mit der Eingewöhnung nicht auf Anhieb klappt. Während manche Katzen sich bereits nach wenigen Wochen voll und ganz an die neue Umgebung, ihre neue Familie und deren Alltag gewöhnt haben, brauchen andere mindestens zwei Monate oder länger, bis sie langsam Vertrauen fassen. Wenn Sie liebevoll auf die Katze eingehen, ohne sie zu bedrängen, sie nicht anschreien oder genervt sind, wenn Sie sich versteckt oder einen Fehler gemacht hat, wird sie irgendwann (fast von allein) aus ihrer Deckung kommen.

Können auch ältere Katzen noch sozialisiert werden?

Natürlich hat nicht jede Katze das Glück, von Anfang an in einer artgerechten und liebevollen Umgebung aufzuwachsen, in der Wert auf ihre Sozialisierung gelegt wird. Manche Katzen werden zu früh von ihrer Mutter getrennt, wachsen ohne Kontakt zu ihren Geschwistern oder liebevollen Menschen auf und sind von Anfang an auf sich allein gestellt. Je älter die Katze ist und je schlechter ihre Erfahrungen in der Vergangenheit waren, desto schwieriger ist es für sie natürlich, wieder Vertrauen zu fassen und sich zu integrieren. Nichtsdestotrotz können auch ältere Katzen noch sozialisiert werden. Wer einer solchen Katze aus dem Tierheim eine zweite Chance geben möchte, braucht manchmal allerdings viel Geduld und Zeit für die Sozialisation. Doch wer es geschickt anstellt, der Katze Zeit und Raum lässt, sich zurückzuziehen, ihr immer ruhig und liebevoll begegnet – ohne sie zu bedrängen – wird irgendwann merken, dass sich die Katze von allein langsam öffnet und ihr Vertrauen nach und nach zurückgewinnt. Ist das Eis erst einmal gebrochen, zeigen sich ältere Katzen übrigens oft besonders verschmust und anhänglich.

Geduld zahlt sich aus – auch bei der Zusammenführung mit anderen Haustieren

Geduld zu haben, wird sich bei der Sozialisierung Ihrer Katze in jedem Fall auszahlen. Verlangen Sie nicht, dass Ihre Katze von Anfang an alles kann, sich von jedem streicheln lässt oder sich mit den Kindern und anderen Haustieren auf Anhieb gut versteht. Gehen Sie behutsam vor und lassen Sie sie langsam in Ihrem neuen Zuhause ankommen.

Bei der Zusammenführung mit anderen Haustieren ist es zum Beispiel sinnvoll, diese zunächst in getrennten Räumen zu halten und die Annäherung zunächst über Gerüche des jeweils anderen zu versuchen. Lassen Sie Ihren Hund oder Ihre ältere Katze an der Transportbox der „Neuen“ schnuppen und geben Sie der neuen Katze ein Spielzeug oder eine Decke des anderen zum Riechen. Verknüpfen sie den Geruch mit etwas Positivem – zum Beispiel indem sie den Gegenstand in die Nähe des Futternapfs legen. Über die Nase kommen sich die tierischen Mitbewohner so langsam näher und merken, dass der andere keine Gefahr für ihre Ressourcen darstellt. Sie brauchen übrigens keine Sorge zu haben, dass Ihr Haustier durch den Einzug eines weiteren Tieres weniger menschenbezogen oder verschmust wird – das Gegenteil ist der Fall und vom Zusammenleben mit weiteren Tieren profitiert in den meisten Fällen die ganze Familie.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Katze einen gelungenen und entspannten Start!

Meistgelesene Beiträge

„Hilfe, meine Katze pinkelt ins Bett!“

Eigentlich sind Katzen die reinlichsten Tiere der Welt. Doch was tun, wenn die Samtpfote plötzlich ins Bett pinkelt anstatt das Katzenklo zu benutzen? Was steckt dahinter und wie lässt sich diese unschöne Angewohnheit abgewöhnen? Erfahren Sie, welche Ursachen sich hinter dem unsauberen Verhalten Ihrer Katze verbergen, wie Sie ihr in dieser Situation helfen und wie Sie Ihr Bett vor dem Katzenurin schützen können.

Katze miaut nachts: Warum und was tun?

Schlaflose Nächte, weil die Katze miaut? Das hat vermutlich jeder Katzenbesitzer schon einmal erlebt. Doch was tun, wenn die Samtpfote uns jede Nacht mit ihrem Gemaunze den Schlaf raubt? Warum miauen viele Katzen besonders nachts und was hilft gegen den nächtlichen Katzenjammer?

Die ängstliche Katze

Katzen sind von Natur aus neugierige Tiere. Dennoch fasst nicht jede Katze gleich Vertrauen zu Menschen. Das gilt besonders, wenn die Fellnase ohne den Kontakt zu Zweibeinern aufgewachsen ist oder gar schlechte Erfahrungen gemacht hat. Eine ängstliche Katze sollte behutsam behandelt werden.