Warum schnurren Katzen und wie machen sie das?

katze schnurrt

Gibt es ein schöneres Geräusch als das Schnurren einer Katze? Für Katzenliebhaber sicherlich nicht. Katzen schnurren, wenn sie sich wohlfühlen – und dieses gute Gefühl überträgt sich auch auf ihren Besitzer. Doch wussten Sie, dass Katzen auch bei Verletzungen und Stress schnurren? Warum Katzen das tun und wie sie das andauernde, sonore Brummen erzeugen, lesen Sie hier.

Schnurren ist wie lächeln

Ein Lächeln steht für Zufriedenheit und Wohlbefinden. Es fördert das soziale Miteinander, indem es eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre schafft und Behaglichkeit und gute Laune erzeugt – sowohl beim Gegenüber als auch beim Lächelnden selbst. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Schnurren der Katzen. Unsere geliebten Fellnasen schnurren, wenn sie gestreichelt werden, wenn sie im Bett ihres Besitzers vor sich hindösen, wenn sie von ihrer Mutter gesäugt werden, wenn sie Futter bekommen, wenn sie einem Artgenossen begegnen oder wenn sie sich gegenseitig putzen. Kurz gesagt: Katzen schnurren, wenn sie sich wohlfühlen. Dennoch ist Schnurren weit mehr als nur ein Ausdruck von Behaglichkeit – und auch das hat es mit dem Lächeln gemein. Auch Stimmungen wie Angst, Überforderung, Schmerz und Hunger kann das Schnurren bisweilen signalisieren. Doch was bezweckt der sonore Brummton in diesen Situationen?

Katzen haben gute Gründe, warum sie schnurren

Schnurren hat eine beruhigende Wirkung – nicht nur auf uns Menschen, sondern auch auf die Katze selbst. Wie kaum einem anderen Tier gelingt es der Katze, sich damit selbst zu beruhigen. Katzenmütter schnurren während der Geburt, um die Schmerzen zu regulieren, die noch blinden und tauben Katzenbabys finden schnurrend den Weg zur Zitze und damit zur Geborgenheit, dominante Katzen schnurren, um einem unterlegenen und nervösen Artgenossen zu zeigen, dass er sich entspannen darf und manch eine erschrockene Wildkatze schnurrt bei Bedrohung, um sich selbst zu kontrollieren und zu beruhigen. Neben dem angenehmen Wohlfühlschnurren, gibt es also auch das Schnurren zur Schmerzlinderung, Beruhigung und Selbstkontrolle. Ebenso nutzen Katzen das Schnurren als Kommunikationsmittel. Junge Katzen fordern sich mit dem Schnurren gegenseitig zum Spiel auf und Hauskatzen fordern bei ihren Menschen schnurrend mehr Streicheleinheiten, Aufmerksamkeit oder Futter ein. Warum eine Katze in einer bestimmten Situation schnurrt, kann also verschiedene Gründe haben:

  • Zum Ausdruck von Wohlbefinden
  • Zur Stressregulierung
  • Zur eigenen Beruhigung oder zur Beruhigung des Gegenübers
  • Zur Schmerzlinderung
  • Als Kommunikationsmittel untereinander oder mit den Menschen
rote katze schnurrt

Schnurren dient der Entspannung und fördert die Gesundheit

So unterschiedlich die „Schnurr-Situationen“ auch sein mögen, allen gemein ist das Ziel, Entspannung und Wohlbefinden zu finden bzw. zu fördern. Dass das Schnurren dieses Ziel nicht verfehlt, lässt sich auch biologisch nachweisen. Denn der tiefe, andauernde Brummton setzt Serotonin im Katzenkörper frei. Serotonin, im Volksmund auch Glückshormon genannt, ist ein wichtiger Botenstoff (Neurotransmitter), der im Nervensystem unterschiedlichste Prozesse, wie Emotionen, das zentrale Belohnungssystem, Stimmungen, Bewusstseinslage und Schmerzbewertung positiv beeinflusst. Wie Tiermediziner, Wissenschaftler und Verhaltensforscher herausgefunden haben, ist dies jedoch nicht der einzige positive Effekt auf die Gesundheit des Tieres. So haben jüngere Untersuchungen ergeben, dass das Schnurren noch einen weiteren medizinischen Nutzen bei Verletzungen, Krankheiten und Schmerzen bereithält.

Schnurrendes Vibrationstraining als Heilmittel

Durch das Schnurren wird der gesamte Körper der Katze in Vibrationen versetzt. Diese Schwingungen regen die Muskulatur an und unterstützen damit das Knochenwachstum, wie Prof. Dr. Leo Brunnberg von der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere an der Freien Universität Berlin bei seinen Untersuchungen zur Morphologie von Katzen herausgefunden hat. Dieses verblüffende Ergebnis über den Selbstheilungsmechanismus des Schnurrens erklärt auch die Tatsache, dass Katzen vergleichsweise selten Knochenbrüche haben und diese, wenn sie doch einmal passieren, in der Regel sehr schnell verheilen.

So wirkt das Katzenschnurren im Prinzip genauso wie das so genannte Vibrationstraining, wie Mediziner und Physiotherapeuten es seit ein paar Jahren bei Sportlern oder anderen Patienten mit Muskel- oder Knochenproblemen verschreiben. Zur Stärkung der Knochenstruktur und der darum liegenden Muskeln wird dabei auch der menschliche Körper in Schwingungen in einem Frequenzbereich von 15 bis 60 Hertz versetzt. Viele Mediziner halten ein solches Vibrationstrainings auch für Patienten mit Osteoporose oder Knochenschwund als denkbar und sinnvoll, denn wie die schnurrende Katze beweist, verbessern die dauerhaften, mechanischen Reize, die durch das Schnurren entstehen, auch die Stabilität und Dichte der Knochen.

Positive Effekte für Katzenbesitzer

Wir Menschen können von dem Selbstheilungseffekt des Schnurrens also viel lernen und auch selbst davon profitieren – und das gilt nicht nur für Menschen mit Muskelverspannungen oder Knochen- und Gelenkerkrankungen. Zusätzlich setzt das beruhigende Schnurr-Geräusch in unserem Körper Glückshormone frei und wirkt auf uns Zweibeiner ebenso beruhigend und entspannend wie auf unsere vierbeinigen Freunde. Eine schnurrende Katze auf dem Schoß oder im Bett, sorgt also nicht nur für Glücksgefühle, sondern senkt gleichzeitig den Blutdruck, mindert Stress-Symptome und behebt mögliche Schlafstörungen des Katzenbesitzers.

Wie erzeugen Katzen das sonore Schnurren?

Die Wirkung des Schnurrens ist zweifellos bemerkenswert – doch wie schaffen es Katzen eigentlich ein so andauerndes Brummen zu erzeugen? Wie versetzen sie ihren ganzen Körper in Vibrationen, ohne dass sie dabei angestrengt wirken oder hörbar Luft holen müssen? Über diese Frage haben sich bereits zahlreiche Wissenschaftler Gedanken gemacht – doch bis heute ist dieses Rätsel nicht eindeutig gelöst. Während einige Forscher glauben, dass die Laute durch Kehlkopfmuskeln entstehen, die die Stimmritze erweitern und verengen, glauben andere, dass das harte, nicht dehnbare Zungenbein, das die Zunge mit dem Schädelknochen verbindet, für den kontinuierlichen Schnurrton hauptverantwortlich ist. Wieder andere vermuten, dass Hautlappen nahe den richtigen Stimmbändern („Pseudo-Stimmbänder“), oder gar die Hauptschlagader bei der Erzeugung des Schnurrens eine Rolle spielen. Zumindest letzteres scheint heute widerlegt. Laut aktueller Forschung handelt es sich beim Schnurren um einen Resonanzeffekt, der vermutlich beim Aufprallen der Stimmbänder entsteht.

warum schnurren katzen

Richtig schnurren können nur die Katzen

Fakt ist, Katzen können sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen schnurren und damit unterscheiden sie sich in besonderer Weise von den meisten Säugetieren, denn die können – genauso wie wir Menschen – nur beim Ausatmen Töne erzeugen. Das Schnurren ist der Welt der Katzen vorbehalten. Neben Hauskatzen vermögen es auch Luchse, Ozelote, Pumas und Geparden. Großkatzen wie Tiger, Leopard oder Löwe hingegen geben zwar beim Ausatmen manchmal kurze Schnurrlaute ab, doch diese können sie nicht lange halten.

Allerdings haben genaue Messungen ergeben, dass sich das gleichmäßige Schnurren der Feliden beim Ein- und Ausatmen auch ein wenig unterscheidet. So ist das Schnurrgeräusch beim Einatmen bei einer Frequenz von 27-40 Hertz kürzer und lauter, während es beim Ausatmen, mit 16 bis 28 Hertz etwas leiser und länger ist. Doch diese feinen Nuancen sind für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Wir vernehmen die Schnurrgeräusche unserer geliebten Stubentiger als einen lang andauernden und gleichbleibenden Brummton, den die Tiere mühelos mehrere Minuten halten können.

Schnurren will gelernt sein

Was so leicht klingt, ist in Wirklichkeit mit einem großen anatomischen Aufwand verbunden. Und auch wenn bereits wenige Stunden alte Kitten sich schnurrend den Weg zur Milch der Mutter suchen, braucht es eine Weile, bis die Kleinen so klingen wie Mama Katze und Papa Kater. Doch die Mühe der Heranwachsenden lohnt sich, schließlich ist das Schnurren sowohl für die Psyche als auch für Muskel- und Knochenstruktur extrem hilfreich. Anders als etwa das Miauen, welches Katzen nur in der Kommunikation mit uns Menschen anwenden, gebrauchen Katzen das Schnurren daher auch unabhängig vom Menschen. So schnurrt ein einsamer Luchs genauso wie die Familien-Hauskatze.

Heute schon geschnurrt?

Wie schön, dass wir Menschen – trotz allen Unvermögens hinsichtlich der Fähigkeit, Geist und Körper mithilfe von selbst erzeugten Vibrationen in Entspannung zu versetzen – dennoch vom Schnurren unserer Hauskatzen profitieren können. Denn das beruhigende Schnurren ist nicht nur innerhalb einer Katzengruppe ansteckend, sondern überträgt sich auch auf uns Zweibeiner. Eine schnurrende Katze neben uns auf dem Sofa lässt unseren Blutdruck sinken, wir werden ruhiger und entspannter und lassen den Alltagsstress für einen Moment hinter uns.

Also worauf warten Sie noch? Ab aufs Sofa, den Stubentiger auf den Schoß nehmen und streicheln! Sie werden spüren, wie die Anspannung des Tages herunterfällt und das Schnurren ein Lächeln auf ihre Lippen zaubert.

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