Zentralasiatischer Owtscharka

Zentralasiatischer Owtscharka

Mit dem großen, kräftigen Körperbau und dem massigen Kopf ist der Zentralasiatische Owtscharka eine imposante Erscheinung. Der Herdenschutzhund, der in sehr unterschiedlichen Schlägen anzutreffen ist, zeichnet sich nicht nur durch seinen Mut, seine Kampfstärke und seinen großen Beschützerinstinkt aus, sondern auch durch sein ruhiges und gelassenes Wesen.

Charakter

Diesen Hunderiesen bringt so schnell nichts aus der Fassung. Selbst bei Bedrohung bleibt der Owtscharka gelassen und behält sich seine bemerkenswerte innere Ruhe. Das ruhige Temperament sollte jedoch niemals unterschätzt werden. Denn der Schutz „seiner Menschen“ geht dem Herdenschutzhund über alles. Sieht er seine Herde bzw. seine Familie in Gefahr, so greift er ohne jede Vorwarnung an. Der Mut, die Selbstsicherheit und die Kampfstärke dieses Rassehundes sind enorm.

Ein Hund für Spezialisten

Aufgrund seines ausgeprägten Schutzinstinkts und seines angeborenen Misstrauens gegenüber fremden Menschen und Hunden ist der Zentralasiatische Owtscharka als Familienhund nur bedingt geeignet. Es erfordert einiges an Konsequenz, Geduld und Selbstbewusstsein, damit sich dieser dominante und willensstarke Hund seinem Besitzer unterordnet. Er akzeptiert in der Regel nur einen Rudelchef und wird dessen Kompetenz immer wieder aufs Neue „überprüfen“. Mangelnde Führungsstärke, die sich nicht nur in übertriebener Härte sondern auch in gut gemeinter Nachgiebigkeit zeigt, kann rasch zu unerwünschten Verhaltensweisen führen. Trotz ihres im Grunde ausgeglichenen Temperaments können die unabhängigen Vierbeiner durchaus aggressiv agieren. Eine konsequente Erziehung und ein lebenslanges Training sind für ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und Owtscharka deshalb unabdingbar.

Fähiger Wächter mit großem Bewegungsdrang

Am wohlsten fühlt sich der Owtscharka, wenn er den Aufgaben nachgehen darf, für die er ursprünglich gezüchtet wurde: dem Schutz von Viehherden und die Begleitung des Hirten in einsame Gegenden. Nur hier kann er seinen schier unstillbaren Bewegungsdurst stillen und seinen territorialen Schutztrieb ungehindert ausleben. Derart ausgelastet zeigt sich der Nomadenhund denn auch extrem anpassungsfähig und anspruchslos in Bezug auf Ernährung und Pflege. Sein „Hirte“ wird ihn als zuverlässigen und fähigen Wächter erleben, der bei aller Unabhängigkeit und Selbstsicherheit auch eine überraschend anhängliche, beinah zärtliche Seite besitzt.

Erscheinungsbild

Dass dieser Hund kein Partner für Jedermann ist, zeigt sich bereits beim Blick auf seine Körperstatur. Mit einer Körpergröße von bis zu 78 cm, können Rüden bis zu 79 kg auf die Waage bringen und auch Hündinnen sind mit einer Widerristhöhe von bis zu 69 cm und einem Maximalgewicht von 69 kg ordentliche Kraftpakete. Ihre kraftvolle Bemuskelung und ihr massiger Kopf geben einen Eindruck, wie viel Ausdauer, Kraft und Stärke diese Rasse besitzt.

Untertypen gemäß Klimazonen

Bei genauerem Hinsehen ergeben sich in dem eindrucksvollen Erscheinungsbild allerdings zahlreiche Unterschiede zwischen den verschiedenen Schlägen dieser Rasse. So gibt es beim Zentralasiatischen Owtscharka aufgrund seines riesigen Verbreitungsgebietes – das vom Kaspischen Meer bis China reicht – eine Vielzahl von Rassetypen, die sich in Körperbau, Farbe, Haarlänge und Wesen unterscheiden. Auch wenn es kaum möglich ist, alle Schläge genau zu erfassen, so lassen sich grob betrachtet, die Untertypen verschiedenen Klimazonen zuordnen:

  • Steppen-Typ/ Wüsten-Typ: Die Hunde aus den Steppen- und Wüstengebieten Zentralasiens sind vergleichsweise „leicht“ und wendig, bei einem hochbeinigen, rechteckigen Körperbau.
  • Berg-Typ: Die Hunde aus den Bergregionen sind hingegen schwerer und massiger als die Steppenhunde. Ihr Körperbau wirkt eher quadratisch und gedrungen.

 Die Länge des Deckhaars hat sich dabei ebenfalls den verschiedenen klimatischen Bedingungen angepasst, die in Zentralasien und in ihrer jeweiligen Herkunftsregion herrschen. So reicht es von kurz über mittellang bis hin zu lang. Allen Typen gemein ist eine gut entwickelte, dichte Unterwolle, die sie zuverlässig vor Kälte schützt – schließlich kann es nicht nur im hohen Gebirge, sondern auch nachts in der Wüste sehr kalt werden.

Breite Farbpalette

Unter Berücksichtigung der Vielzahl lokaler Schläge ist der FCI-Standard unter der Federführung Russlands recht großzügig formuliert und erlaubt einen großen Spielraum hinsichtlich Größe, Gewicht, Haarlänge und Fellfarbe der Hunde. Zum breiten Farbspektrum des Owtscharka gehören die Farben weiß, schwarz, grau, strohfarben, fuchsrot, braungrau sowie getigerte, gescheckte oder getüpfelte Farbkombinationen.

Geschichte

So vielfältig die verschiedenen Typen des Owtscharka sind, so vielfältig ist auch das Ursprungsgebiet dieser Rasse. Es reicht von den Republiken Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan, Turkmenistan über die Mongolei bis hin zum Ural und nach Sibirien. Schon vor Jahrhunderten waren die Urahnen des Zentralasiatischen Owtscharka geschätzte Herdenschutzhunde, die Viehherden und Hirten zuverlässig und furchtlos vor Angreifern verteidigten. Sie begleiteten Nomadenstämme durch die Steppen oder über das Hochgebirge und erwiesen sich als extrem ausdauernde, anpassungsfähige und anspruchslose Hunde, die mit den kargen Lebensbedingungen optimal zurechtkamen.

Unter vielen Namen bekannt

Bis heute wird der Owtscharka in den zentralasiatischen Regionen als Arbeitshund eingesetzt und begleitet als Herdenschutzhund das Vieh durch die Steppen und das Gebirge. Obwohl die Rasse in Europa nach wie vor sehr selten ist und ihr Bestand sogar als gefährdet gilt, ist ihr Verbreitungsgebiet in Zentralasien enorm. Gleichwohl sind die Hunde dort nicht unter dem Rassenamen „Zentralasiatischer Owtscharka“ (russisch: Sredneaziatskaya Ovtcharka) bekannt. So gibt es je nach Region und Sprache sehr verschiedene Rassebezeichnungen, aus denen sich die unterschiedlichen Verwendungszwecke und Eigenschaften der einzelnen Schläge ableiten lassen. Zur Rasse des Zentralasiatischen Owtscharka lassen sich folgende Hunde zählen:

  • Sage Koochi (Nomadenhund)
  • Sage Rama (Schafherdenhund)
  • Pamirhunde
  • Alabai
  • Djence Sheri (Löwenrasse)
  • Djence Palangi (Tigerrasse)
  • Coban Kopek (Hirten-/ Herdenhund)
  • Kurt Kopek (Wolfshund)
  • Karabas (Schwarzkopf)
  • Karages (Schwarzauge)
  • Akbai (Weißer Hund)

Zwar gibt es Anstrengungen, einzelne lokale Schläge als eigenständige Rasse anerkennen zu lassen, doch bislang gibt es in den Herkunftsländern keine offiziellen Rasseklubs im europäischen oder amerikanischen Sinne. Obwohl der Owtscharka streng genommen keine russische Hunderasse ist, hat Russland als erstes Land die verschiedenen Schläge zu einer Rasse zusammengefasst und einen offiziellen Standard für den zentralasiatischen „Schäferhund“ (was „Owtscharka“ übersetzt bedeutet) formuliert.

Zucht und Gesundheit

Die Züchter des Zentralasiatischen Owtscharka oder des „Mittelasiatischen Hirtenhundes“, wie die Rasse auch genannt wird, beschränken sich in der Regel auf einen speziellen Schlag. Zwar werden die verschiedenen Typen immer mal wieder untereinander gekreuzt, doch geschah dies in jüngerer Zeit eher planlos und nicht unbedingt zur Verbesserung einer bestimmten Eigenschaft.

Rassetypische Krankheiten

Trotz des zum Teil sehr überschaubaren Gen-Pools der Owtscharka-Schläge, gilt die Rasse auch heute noch als sehr gesund und äußerst robust. Rassetypische Krankheiten brauchen Besitzer kaum zu fürchten. Nichtsdestotrotz kommt es hin und wieder – wie bei allen großen Hunden – zu Gelenkproblemen, besonders zu Kniebeschwerden.

Zentralasiatische Owtscharka Ernährung

Auch wenn viele Gelenkerkrankungen erblich bedingt sind, so lassen sich die Beschwerden mit Hilfe einer angemessenen Ernährung und Haltung häufig verhindern oder zumindest lindern. Besonders in der Wachstumsphase der Hunde muss darauf geachtet werden, dass die Tiere nicht zu schnell in die Höhe schießen. Ein zu rasantes Wachstum durch eine überhöhte Proteinzufuhr in den Wachstumsmonaten gilt als eine der häufigsten Ursachen für spätere Gelenkerkrankungen. Neben einem eher proteinarmen Futter, das in kleineren Mengen ca. drei bis viermal pro Tag gereicht wird, sollten Junghunde in dieser Phase auch körperlich geschont werden. Treppensteigen oder zu lange Wanderungen sollten vermieden werden.

Fleisch als Hauptbestandteil des Futters

Wenn der Owtscharka ausgewachsen ist, kann der Proteinanteil des Futters wieder erhöht werden. Hauptbestandteil des Hundefutters sollte dabei – wie bei allen Hunden – hochwertiges Fleisch sein. Dies kann sowohl gekocht oder roh verfüttert werden oder bei Verwendung von industriell hergestellten Futtermischungen in trockener bzw. nasser Form dargeboten werden. Egal welche Ernährungsweise der jeweilige Halter bevorzugt, wichtig ist, dass Inhalt und Zusammensetzung des Futters auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt sind. Je nach Alter, Geschlecht, Größe, Aktivitätsgrad und Lebensumfeld können die benötigten Nährstoffzusammensetzungen recht unterschiedlich sein. Das eine richtige Futter für den Owtscharka gibt es nicht.

Wie viel Futter braucht der Owtscharka?

Auch die Frage nach der Futtermenge lässt sich nicht pauschal für alle Hunde dieser Rasse beantworten. Stimmt die Zusammensetzung des Futters, kommt der Owtscharka grundsätzlich jedoch mit überraschend kleinen Portionen zurecht. So reichen dem erwachsenen Hund in der Regel zwei Mahlzeiten pro Tag, die möglichst zu festen Zeiten gegeben werden sollten. Zu große Portionen, zu viel „Snacks“ zwischendurch sowie mangelnde Ruhe nach dem Fressen können die Gefahr einer Magendrehung, der auch die Zentralasiaten ausgesetzt sind, erhöhen.

Pflege

Als Nomadenhund ist der Owtscharka recht anspruchslos – dies betrifft nicht nur die Größe seiner Futterportionen, sondern auch seine Pflege. Das kurze bis mittellange Fell erweist sich als sehr widerstandsfähig und wenig pflegeintensiv. Allerdings sollte es regelmäßiges gebürstet werden, um Schmutz zu entfernen und die gesunde Haarstruktur aufrecht zu erhalten. Ebenso müssen die Krallen geschnitten werden, um Verletzungen zu vermeiden und Zähne, Ohren und Augen müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden.

Haltung und Erziehung

Der Kauf eines Owtscharka sollte wohlüberlegt sein – zwar gilt dies für alle Hunderassen, doch für diese zentralasiatische Rasse gilt dies ganz besonders. Er ist weder ein Familienhund im klassischen Sinne noch eignet er sich für ein Leben in der Stadt. Mit den Lebensbedingungen in den europäischen Industrienationen kommt dieser freiheitsliebende und unabhängige Hund nur schwerlich zurecht.

Für wen eignet sich diese Rasse?

In den Händen von Viehzüchtern und -haltern, die in abgelegener, isolierter Lage wohnen, ist dieser Herdenschutzhund nach wie vor am besten aufgehoben. Auch Menschen, die fernab der Stadt wohnen, ein weitläufiges Grundstück besitzen und sich einen fähigen Wachhund wünschen, kommen als Halter dieses Zentralasiaten in Frage. Allerdings sollten Erfahrung und ein gewisses Knowhow in der Hundeerziehung Voraussetzungen für die Haltung des Owtscharka sein. Daneben braucht ein Besitzer vor allem Zeit und Geduld, denn die Sozialisierung und Erziehung dieses selbstbewussten Vierbeiners, der nicht viel von blindem Gehorsam hält, ist harte Arbeit. Da die zentralasiatischen Hunde zu Dominanz neigen, brauchen sie einen Hundeführer, der ihnen konsequent Grenzen setzt und der ihnen mit dem nötigen Einfühlungsvermögen (was nicht mit Nachgiebigkeit zu verwechseln ist) zeigt, dass es sich lohnt, seinem Menschen zu vertrauen und zu folgen.

Kann ein harmonisches Zusammenleben gelingen?

Ein Familienhund im klassischen Sinn ist der Zentralasiatische Owtscharka sicherlich nicht und so ist von seiner Haltung als reiner Haus- und Begleithund unbedingt abzuraten. Das heißt nicht, dass ein Owtscharka nicht mit Menschen zusammenleben kann. In einer Familie, die seinen natürlichen Wach- und Schutztrieb schätzt und ihm seine ursprüngliche Aufgabe zum Bewachen von Haus, Hof und Vieh zugesteht, zeigt sich der Owtscharka durchaus anpassungsfähig und menschenbezogen. Eine grundlegende Sozialisierung, das heißt, frühzeitige Kontakte zu anderen Menschen und Tieren, sind für ein harmonisches Miteinander jedoch genauso wichtig wie genügend Auslaufmöglichkeiten und eine konsequente Erziehung.

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