08. August 2019 - Aktualisiert 04. September 2019

Trüffelhunde

trüffelhund (Lagotto Romagnolo) mit trüffel

Ein Trüffelhund braucht eine gute Spürnase – nur so, kann er die edlen Pilze unter der Erde erschnüffeln und seinem Besitzer anzeigen. Doch was braucht ein Hund eigentlich noch, um ein guter Trüffelhund zu werden? Gibt es bevorzugte Trüffelhund-Rassen? Und wie läuft die Ausbildung zum Trüffelhund ab?

Warum sind Trüffel so wertvoll?

Trüffel gelten als Delikatesse und sind sehr selten. Gerichte mit echten weißen oder schwarzen Trüffeln sind in guten Restaurants entsprechend teuer. Qualitativ besonders hochwertige Trüffel wachsen in Frankreich, etwa im Périgord, in der nördlichen Provence (Region Drôme und Vaucluse) sowie in Italien, im Piemont und in den nördlichen Apenninen rund um Bologna. Auch der Westen Australiens, genauer gesagt die Region Manjimup, gilt als bevorzugtes Trüffel-Gebiet für die schwarzen „tuber melanosporum“. Anders als viele andere Pilzsorten, gehören Trüffel zur den unterirdischen Schlauchpilzen. Sie wachsen also unterirdisch – in Symbiose mit bestimmten Baum- oder Straucharten.

Mit Schwein oder Hund auf der Suche nach dem Edelpilz

Den feinen Geruch des Trüffels unter der Erde können wir Menschen nicht wahrnehmen. Seit Jahrhunderten werden deshalb Tiere eingesetzt, deren Nasen weitaus besser sind als die von uns Menschen und die uns bei der Suche nach dem unterirdischen Gold helfen. Während früher hauptsächlich weibliche Hausschweine, so genannte Trüffelschweine, auf die Suche geschickt wurden, werden seit Ende des 19. Jahrhunderts bevorzugt Hunde bei der Trüffelsuche eingesetzt. Im Gegensatz zu den Schweinen gehen Hunde dabei mit sehr viel Bedacht und Geschick vor. Haben Sie eine Trüffel entdeckt, geben sie kurz Laut oder scharren vorsichtig an der Stelle, unter der sich der Pilz versteckt. Trüffelschweine hingegen pflügen den Boden regelrecht um und zerstören dabei nicht selten die Pilzfasern, so dass sich die Trüffel nicht mehr reproduzieren können. In Italien sind deshalb seit 1982 Schweine bei der Trüffelsuche verboten.

Welche Hunde eignen sich für die Trüffelsuche?

Als Trüffelhunde eignen sich prinzipiell alle Hunde, unabhängig ihrer Herkunft oder Rasse. Auch Mischlingshunde können zur Trüffelsuche im Wald oder auf der eigenen Plantage ausgebildet werden – vorausgesetzt, sie sind aktiv, neugierig und wissbegierig genug, um sich vom Menschen für die Suche abrichten zu lassen. Natürlich spielt die ursprüngliche Veranlagung eines Hundes eine große Rolle bei der Ausbildung. Während manche Hunde schon bereits nach ein paar Wochen das Grundprinzip der Trüffelsuche verstanden haben, gestaltet sich bei anderen die Ausbildung zum Trüffelhund als sehr viel schwieriger und mühseliger.

Lagotto Romagnolo: Der beliebteste Trüffelhund

Trüffel-Experten haben deshalb tatsächlich „Lieblings-Trüffelhunderassen“. An erster Stelle steht dabei eindeutig die italienische Hunderasse Lagotto Romagnolo, die dank ihres stark ausgeprägten Geruchssinns und ihres munteren und aufgeweckten Charakters bei der Jagd auf den edlen Pilz besonders erfolgreich ist. Aber auch andere Jagdhunderassen, beziehungsweise Hunde aus der Gruppe der Apportier- und Stöberhunde, wie zum Beispiel der Labrador Retriever, können geschickte Trüffelsucher werden.

lagotto romagnolo hund

Eine Universität für Trüffelhunde

Die Trüffelsuche mit Hund hat in Italien, dem Herkunftsland des Lagotto Romagnolo, eine lange Geschichte. Bereits 1880 gründete Antonio Monchiero im piemontesichen Ort Roddi die „Università dei cani da tartufo“ – also eine Ausbildungsstätte für Trüffelhunde.  Seit 1935 ist die Institution, die sich bis heute im Familienbesitz befindet, offiziell anerkannt und gilt mittlerweile als älteste und renommierteste Adresse für die Ausbildung von Trüffelhunden. Die Grundausbildung dauert in der Università dei cani da tartufo 15 bis 20 Tage, für die komplette Ausbildung setzen die italienischen Experten hingegen eine Dauer von drei bis vier Jahren an.

Wo kann ich meinen Hund zum Trüffelhund ausbilden lassen?

Die Trüffelhundsuche ist längst nicht mehr auf die italienischen und französischen Trüffel-Gebiete beschränkt. Auch in anderen europäischen Ländern und den übrigen Landesteilen Frankreichs und Italiens begeistern sich immer mehr Menschen für das besondere Hobby. Darunter sind nicht mehr nur Gourmet-Freunde, sondern auch viele Hundebesitzer, die nach einer sinnvollen Beschäftigung für ihren arbeitssuchenden Vierbeiner suchen. So gibt es mittlerweile eine recht große Auswahl an Ausbildungsmöglichkeiten für Trüffelhunde. Neben speziellen Trüffelhundeclubs oder -vereinen bieten auch einige Hundeschulen oder Privathundetrainer die Ausbildung an. Nicht zuletzt bieten verschiedene Internetplattformen Trainingsvideos zum Kauf an, um dem eigenen Hund die Trüffelsuche zu Hause selbst beizubringen. Letzteres ist für Anfänger allerdings sehr mühsam und erfordert einiges an Zeit und Fachwissen. Wer lieber mit Gleichgesinnten trainiert und sich über die ersten Erfolge seines Hundes austauschen möchte, sollte sich an einen entsprechenden Verein oder eine Hundeschule wenden.

Wie läuft die Ausbildung zum Trüffelhund ab?

Die Seminare und Kurse der Trüffelhund-Ausbildung bestehen in der Regel aus einem theoretischen Teil für das Herrchen und einem praktischen Teil für den Hund. Während die Hundebesitzer in Schulungen zunächst einmal viel über die Trüffel lernen, welche Sorten es gibt, wo sie vorkommen und wie man sie erkennt, sowie über gesetzliche Regelungen der Trüffelsuche, werden Hunde zunächst einmal auf den Geruch von Trüffel konditioniert. Dabei sollte der Hund den Trüffelgeruch mit etwas Positivem verbinden – sei es mit seinem Lieblingsschlafplatz oder mit einem ersehnten Leckerli, das es gibt, sobald seine feine Nase den Trüffelgeruch wahrgenommen hat.

In der Ausbildung wird dabei meist mit Dummies gearbeitet, zum Beispiel kleine mit Trüffelöl benetzte Holzstücke. Manchmal werden auch richtige Trüffel in Behältern oder Säckchen verschlossen, die der Hund dann aufspüren und apportieren soll. Nimmt der Hund die Fährte auf, bekommt er eine Belohnung – sei es in Form von Streicheleinheiten oder eines Leckerlis. Schließlich wird die Suche Schritt für Schritt erschwert, die Distanz wird vergrößert, bis die Trüffelbehälter oder -dummies in einer Tiefe von 10 bis 20 cm unter der Erde vergraben werden – dort wo auch in der Natur die Trüffel wachsen. Mit dem Prinzip der positiven Verstärkung wird dem Hund schließlich beigebracht, wie er sich verhalten soll, wenn er die Trüffel unter der Erde aufgespürt hat. Gut ausgebildete Trüffelhunde etwa erkennen allein an der Bodenbeschaffenheit, ob sie die Trüffelstelle ihrem Besitzer nur per Laut anzeigen sollen oder ob sie den Pilz selbst ausscharren dürfen. Ist der Boden weich, sind sie in der Lage, die Trüffelknollen selbst vorsichtig auszuscharren und sie vorsichtig mit dem Maul ihrem Besitzer zu überbringen. Bis der Hund soweit ist, braucht es verständlicherweise einiges an Übung.

Wann sollte der Hund mit der Ausbildung beginnen?

Im besten Fall wird der Hund schon im Welpenalter auf die Arbeit als Trüffelhund vorbereitet. Manche Trüffelhund-Ausbilder beginnen damit bereits kurz nach der Geburt der Hunde. Sie reiben zum Beispiel die säugende Mutter leicht mit Trüffel ein, so dass die Welpen den Trüffelgeruch später mit ihrer Mutter und dem wohligen Gefühl des Säugens verbinden. Mit drei bis vier Monaten beginnt dann die Arbeit mit Trüffelbehältern oder -dummies, die spielerisch versteckt und apportiert werden sollen. Mit ein bisschen Übung und Talent können manche Trüffelhunde bereits mit einem halben Jahr auf ihre erste Trüffelsuche gehen.

Aber auch ältere Hunde sind grundsätzlich in der Lage, die Trüffelsuche zu erlernen. Es braucht dafür bisweilen nur etwas mehr Zeit und Geduld, bis der erwachsene Hund verinnerlicht hat, was von ihm erwartet wird. Doch selbst im hohen Alter haben die meisten Hunde viel Spaß daran, Neues zu erlernen und gebraucht zu werden. Besonders Hunderassen, die ursprünglich als Arbeitshunde gezüchtet wurden, finden in der Trüffelsuche und in der vorausgehenden Ausbildung eine sinnvolle Beschäftigung. Aufgeweckte Hunde zeigen dabei meist schon nach einigen Wochen Training erste Erfolge. Wie talentiert ein Hund für die Trüffelsuche tatsächlich ist und ob sich ein professioneller Einsatz als Trüffelhund lohnt, stellt sich in der Regel allerdings erst nach ca. einem halben Jahr heraus.

Gibt es fertig ausgebildete Trüffelhunde zu kaufen?

Wie für fast jedes Vorhaben, finden sich auch für die Trüffelsuche Anbieter und Züchter, die bereits ausgebildete Trüffelhunde anbieten. Die Kosten für einen entsprechend abgerichteten Trüffelhund liegen nicht selten bei 2.500 Euro und mehr. Der Kauf eines erwachsenen und fertig ausgebildeten Hundes sollte allerdings Profis vorbehalten sein, die täglich auf Trüffelsuche im Wald oder auf der eigenen Plantagen gehen. Menschen, die die Trüffelsuche nur als Hobby für sich und ihren Hund betrachten, sollten lieber auf entsprechende Kurse und Seminare zurückgreifen, wo sie gemeinsam mit ihrem Hund das Handwerk der Trüffelsuche erlernen. Schließlich hängt der Erfolg bei der Trüffelsuche auch vom gekonnten Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier ab. So zielen auch viele Trainingseinheiten darauf ab, dass Hund und Mensch lernen, sich aufeinander abzustimmen und sich aufeinander zu verlassen. Also Fähigkeiten, die sich nicht nur bei der Trüffelsuche, sondern auch im gemeinsamen Alltag mit dem Hund positiv auswirken werden. So kann die Ausbildung zum Trüffelhund in vielerlei Hinsicht empfehlenswert sein.

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