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Ihr Hund sieht einen Vogel – und stürmt von 0 auf 100 hinterher? Die Türklingel erschallt und der gerade noch schlummernde Gefährte bellt so laut, dass Sie die Gegensprechanlage nicht mehr nutzen können? Zeit für Training der Impulskontrolle.
Mangelnde Impulskontrolle bedeutet: Der Hund ist nicht in der Lage, seine Handlungen oder Emotionen in einer bestimmten Situation zu kontrollieren. Impulskontrolle ermöglicht Mensch und Tier, situationsgebundene Entscheidungen zu treffen.
Wie hängen Impulskontrolle und Frustrationstoleranz zusammen?
Impulskontrolle und Frustrationstoleranz beim Hund bauen aufeinander auf:
Bei der Impulskontrolle geht es um die grundlegende Fähigkeit zur Selbstbeherrschung. Kurz und knapp: Der Hund soll kontrolliert erwünschtes Verhalten zeigen, anstatt einem Impuls, zum Beispiel dem inneren Impuls „Jag das Reh!“ nachzugeben.
Hat ein Hund eine gewisse Impulskontrolle und hält diese über einen Zeitraum aufrecht, spricht man von Frustrationstoleranz. Ist er frustrationstolerant, hat er gelernt, länger andauernde, unangenehme Situationen gelassen(er) zu meistern.
Unangenehme Situationen bedeuten Stress und es ist darum wichtig, den Hund mit positiver Verstärkung zu trainieren, um das Stresslevel zu senken. Ein klassisches Beispiel hierfür ist Medical Training.
Warum ist Impulskontrolle beim Hund wichtig?
Hunde untereinander brauchen Impulskontrolle, damit im Rudel kein Chaos ausbricht. Auch im Alltag mit Menschen sind Impulskontrolle und Frustrationstoleranz für die meisten Mensch-Hund-Teams enorm wichtig. Ob beim einfachen Gassigang oder im Hundetraining: der Vierbeiner soll kontrolliert am Alltag mit Zweibeiner teilnehmen.
Viele Hunde müssen erstmal lernen, in der Hundeschule fünf Minuten gemeinsam mit Artgenossen ruhig zu warten, während der Trainer die Übung erklärt. Hier hilft es, jede ruhige Passage unmittelbar zu belohnen und die Zeit ohne Belohnung Schritt für Schritt zu steigern. Später können Sie das intermittierende Belohnen einführen: Die Belohnung mit Leckerli erfolgt unregelmäßig.
Weitere Beispiele, die zeigen, wie wichtig Impulskontrolle im Hundetraining ist, sind Leinenführigkeit – an lockerer Leine gehen trotz ablenkender Reize – Anti-Jagd-Training oder kontrolliertes Apportieren.
Wie bringe ich meinem Hund Frustrationstoleranz und Impulskontrolle bei?
Impulskontrolle zu lernen ist ein wesentlicher Aspekt im Hundetraining und gleichzeitig Voraussetzung für viele Übungen. Hundehalter können Impulskontrolle und Frustrationstoleranz gezielt trainieren. Wir haben verschiedene Übungen für Sie zusammengestellt.
Alltag als Übung für Impulskontrolle: Mit Gelassenheit zum Ziel
Einfach, aber effektiv: Wann immer möglich ruhiges, gelassenes Verhalten belohnen und umgekehrt, impulsives Verhalten ignorieren. Was bedeutet das konkret? Hier einige Tipps rund um Impulskontrolle beim Hund im Alltag:
Wenn der Vierbeiner aufgeregt ist, weil es nach draußen geht, er winselt und zur Tür zieht: Erst die Wohnung verlassen, wenn er sich ruhig verhält.
Futter gibt es erst nach einem bestimmten Signal, beispielsweise „Nimm“.
Aus dem Auto steigt der tierische Begleiter nur nach Aufforderung.
Bleiben Sie dabei immer fair: Starten Sie nicht mit den Übungen, wenn der Vierbeiner besonders viel Hunger hat oder sehr dringend sein Geschäft verrichten muss.
Übung zur Frustrationstoleranz: Warten lohnt sich
Eine einfache Übung für die Frustrationstoleranz, die bereits mit jungen Welpen ohne Vorkenntnisse durchgeführt werden kann, ist die sich schließende Futterhand.
Nähert sich die Schnauze des Vierbeiners, schließen Sie die Hand. Der Hund wird verschiedenes ausprobieren, um an den leckeren Inhalt zu kommen. Zum Beispiel winseln, kratzen oder stupsen. Ignorieren Sie all diese Bemühungen.
Sie können die Hand öffnen, wenn Ihr Hund sich wieder entfernt.
Früher oder später wird Ihr Gefährte einfach mal abwarten. Jetzt können Sie ihn mit einem Leckerli – am besten aus der anderen Hand – belohnen.
Die sich schließende Futterhand ist eine gute Übung für Frustrationstoleranz, die eng mit der Impulskontrolle von Hunden zusammenhängt.
„Bleib“ als Übung für mehr Impulskontrolle
Die Übung „Bleib“ bietet eine gute Grundlage für viele weitere Übungen zur Impulskontrolle beim Hund. Denn im Kern geht es um das ruhige Abwarten – egal, was sich vor der Schnauze gerade abspielt.
Voraussetzung für die Übung „Bleib“ ist, dass der Vierbeiner ein Grundkommando wie „Sitz“, „Platz“ oder „Steh“ beherrscht.
Nun kommt „Bleib“ dazu: Wenden Sie es in Verbindung mit einem Sichtkommando – beispielsweise eine nach oben gerichtete Handfläche – und dem Wort „Bleib“ oder einem anderen Markerwort an.
Jetzt wird der Hund für jede Sekunde in dieser Position belohnt, die Abstände nach und nach verlängert.
Das Timing ist bei dieser Übung wichtig: Belohnen Sie nur, wenn er auch wirklich in der gewünschten Position geblieben ist. Nach der Belohnung erfolgt entweder die Auflösung (zum Beispiel über „fertig“ oder „frei“) oder ein weiteres „Bleib“, um die Übung zu verlängern.
„Bleib“ für Fortgeschrittene
Bleibt der Hund in der gewünschten Position, können Sie den Schwierigkeitsgrad steigern. Beispielsweise ein paar Schritte weggehen oder den Raum verlassen. Später kommen externe Reize hinzu.
Wichtig bleibt das langsame Steigern:
Legen Sie einen Ball erst möglichst langsam auf dem Boden ab.
Klappt das, lassen Sie ihn aus geringer Höhe fallen und steigern die Höhe langsam.
Fortgeschrittene Hunde bleiben in Position, auch wenn der Ball an ihnen vorbeigeworfen wird.
Nur Hunde mit hoher Impulskontrolle sollten den Ball im Anschluss apportieren dürfen.
Übung „Bleib“ im Alltag einbauen
Bleibt der Vierbeiner bei den Übungen in der gewünschten Position, können Alltagssituationen in den Fokus rücken. Häufig fehlt Hunden zum Beispiel beim Türklingeln die erwünschte Impulskontrolle, was bedeutet: Sie bellen sofort los und stürmen zur Tür.
Um den Schwierigkeitsgrad anzupassen, können Sie das Türklingelgeräusch mit dem Smartphone aufnehmen und zu Beginn ganz leise vorspielen, während Ihr Hund im „Bleib“ verharrt. Auch dies lässt sich langsam steigern – bis hin zum „Bleiben“ beim eintretenden Besuch.
Diese Trainingsweise nennt man „Desensibilisierung“. Das bedeutet: Der Hund reagiert immer weniger sensibel auf den jeweiligen Reiz.
Futterparcours als Übung zur Impulskontrolle nutzen
Impulskontrolle und gleichzeitig Frustrationstoleranz kann man mit einem Futterparcours trainieren und festigen. Der Vierbeiner geht an lockerer Leine unmittelbar neben am Boden ausgelegten Leckerlis oder Trockenfutter vorbei. Nebenbei hat diese Übung auch einen praktischen Nutzen rund um Anti-Giftköder-Training.
Impulskontrolle und Anti-Jagdtraining
Ob es um Fährten oder Jagd auf Sicht geht: Hunde sollen lernen, Außenreizen in Wald und Flur beherrscht zu begegnen. Training mit der Reizangel kann für fortgeschrittene Hunde eine gute Möglichkeit sein, die Impulskontrolle zu steigern.
Die Angel ist leicht selbst herzustellen: Binden Sie ein attraktives Spielzeug an eine Schnur und bewegen diese vor Ihrem Hund. Belohnen Sie ihn, wenn er trotz sich bewegender „Beute“ auf Signal hin wartet oder sich später abrufen lässt.
Impulskontrolle: Das kann das Training beeinflussen
Ein territorialer Herdenschutzhund, der den ganzen Tag in einer Stadtwohnung bleiben soll, aber nicht bellen darf? Keine gute Konstellation. Verschiedene Faktoren können die Fähigkeit zur Impulskontrolle beim Hund beeinflussen:
Auslastung: Haben Hunde ständig Action und zu wenig Ruhepausen, ist ihr Erregungslevel permanent hoch. Mit hohem Erregungslevel steigt die Impulsivität.
Unterforderung: Andersherum gilt, dass physische und kognitive Unterforderung äußere Reize noch attraktiver machen. Die Balance ist also wichtig.
Gesundheit: Auch die Gesundheit kann Auswirkungen auf die Impulskontrolle haben. So erhöht eine Schilddrüsenüberfunktion das Erregungs-Level eines Hundes. Verhält Ihr Hund sich also unerklärbar impulsiver, sollten Sie einen Tierarztbesuch einplanen.
Alter: Mit einfachen Übungen können Sie bereits im Welpenalter beginnen. Dann steht allerdings vor allem Frustrationstoleranz im Vordergrund, da der für Impulskontrolle zuständige Teil des Gehirns noch reift. Besonders herausfordernd ist die Hundepubertät: Das Gehirn befindet sich im Umbau, was die Impulskontrolle vorübergehend deutlich verschlechtert. Geduld ist in dieser Phase besonders wichtig.
Rasse: Hundearten unterscheiden sich nicht nur durch ihr Äußeres, sondern auch durch ihre Fähigkeiten und ihr Temperament. Jagdhunderassen sind oft impulsiver als ruhige Hunderassen. Neben der Rasse spielt auch die Veranlagung eine Rolle.
Herkunft: Wie impulsiv ein Hund in Alltagssituationen reagiert, hängt oft mit seiner Erziehung und seinen Erfahrungen zusammen. Gerade bei Hunden aus dem Tierschutz ist oft nicht klar, wie der Vierbeiner erzogen wurde und welche Situationen ihn triggern können. Je mehr Sie über die Vergangenheit Ihres Hundes wissen, desto besser. Je weniger Sie wissen, desto wichtiger ist es, Ihren Hund aufmerksam zu beobachten und seine Reaktionen im Alltag Schritt für Schritt kennenzulernen.
Praktische Hilfsmittel für das Training der Impulskontrolle finden Sie im Onlineshop von zooplus:
Gelassen zu mehr Gelassenheit
Gehen Sie bei Übungen zur Impulskontrolle in kleinen Schritten vor. Wer zu schnell nach vorne preschen will, riskiert Rückschritte. Diese wiederum erhöhen den Schwierigkeitsgrad. Denn kommt der Hund im Training durch impulsives Verhalten einmal zum Ziel, wird er es wieder häufiger zeigen.
Vor allem unruhige Hunde fallen bei Rückschritten schnell in alte Muster zurück. Bleiben Sie darum konsequent und geduldig: Der Weg ist das Ziel.
Quellen:
Rütter, Martin: Hund und Kind. Stuttgart 2022. „Aufbau des Impulskontroll-Trainings“, S. 73f.
Wittner, Benedikt: „Souveräne Impulskontrolle bei Hunden.“ Leipzig 2021.
Das zooplus-Forum war für mich der Einstieg ins freiberufliche Schreiben: Hier kamen 2011 interessierte Katzenfreunde zusammen, um ein eigenes Print-Magazin namens „Pfotenhieb“ zu entwickeln. Neben meinem Germanistik-Studium durfte ich einige Beiträge für den „Pfotenhieb“ verfassen. Heute widme ich mich, mittlerweile als glückliche Hundehalterin, vor allem Tier- und Gesundheitsthemen.
Manche Hunde kommentieren jedes Ereignis mit lautstarkem Bellen. Klar, Bellen gehört zum Hund dazu und ist seine Art, sich mitzuteilen. Aber wenn Ihr Vierbeiner unkontrolliert bellt, sollten Sie wortwörtlich aufhorchen. Wir geben Tipps, wie Sie Ihrem Hund das Bellen abgewöhnen.
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