Lemminge

Verfasst von Sabrina Quente
lemming im nagarium

Lemminge sind gut zu erkennen am gedrungenen Körperbau und der schwarzen Linienzeichnung auf dem Rücken.

Wer Lemminge als Haustiere halten will, erlebt bei der Recherche über die kleinen Nagetiere einige Aha-Momente. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Wühler in Wirklichkeit alles andere als lebensmüde sind? Diesen und weitere Fakten über die süßen Zwerge und ihre Haltung fassen wir hier für Sie zusammen.

Aussehen: Graue Wühlmäuschen

Aha-Moment Nummer 1: Lemminge, die als Haustiere gehalten werden, sind gar keine echten Lemminge. Vielmehr handelt es sich dabei um Steppenlemminge. Beide gehören der Familie der Wühler an.

Steppenlemminge sind allerdings näher mit Schermäusen verwandt als mit wilden Lemmingen. Der Einfachheit halber sprechen wir im Folgenden aber trotzdem von Lemmingen.

Wie sieht ein Lemming aus?

Die Nager haben ein graues Fell, das kurz und dicht ist. Ihr Bauch ist etwas heller gefärbt als der Rest des Körpers.

Ihre Rückseite ziert ein schwarzer Streifen. Schwarz sind auch ihre Knopfaugen, die unter enganliegenden, kleinen Ohren sitzen. Ihr Schwänzchen ist kurz und nur spärlich behaart.

Wie groß ist ein Lemming?

Der Körperbau von Lemmingen ist gedrungen. Den Schwanz mit eingerechnet erreichen sie gerade einmal eine Länge von acht bis 14 Zentimetern. Aufgrund ihrer winzigen Statur bringen sie nur etwa 25 bis 35 Gramm auf die Waage.

Sind Lemminge mit Hamstern verwandt?

Optisch, und auch im Verhalten, haben Lemminge durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Hamster. Denn: Beide zählen zu den Wühlern und gehören zu der Überfamilie der Mäuseartigen.

mehrere steppenlemminge vor weißem hintergrund © chorchfoto / stock.adobe.com
Lemminge sind klein, gesellig und werden als Haustiere immer beliebter.

Charakter: Werden Lemminge zahm?

Für Kuscheleinheiten lassen sich die Nagetiere nicht begeistern. Als Haustiere für Kinder sind die putzigen Wühlmäuse deshalb weniger geeignet. Dafür sind sie ideale Haustiere für Nachteulen und Berufstätige: Sie verbringen den Tag gern mit Schlafen und werden in den späten Abendstunden aktiv.

Lemminge sind sehr soziale Tiere. Menschen gegenüber legen sie ihre Scheu allerdings nie ganz ab. Sie werden nur mit viel Geduld und Ruhe etwas zahmer und gelten als kleine Sensibelchen.

Aha-Moment Nummer 2: Trotz ihrer Sensibilität und ihrer Größe geben die kleinen Tiere erstaunlich große Laute von sich.

Welche Laute machen Lemminge?

Die Wühlmäuschen können abends sehr aktiv werden. Dabei passiert es schnell, dass der Lautstärkepegel in die Höhe schnellt. Die Bandbreite ihrer Laute reicht von Fiepen über Kreischen bis hin zu Quietschgeräuschen.

Haltung: Wie hält man Lemminge?

Da Lemminge sehr kleine Tiere sind, eignen sie sich nicht für die Käfighaltung. Das Nagarium – eine Art Terrarium für Nager – ist stattdessen die bessere Lösung.

Der Vorteil dabei: Sie können Ihre Schützlinge mit klarer Sicht beobachten und es besteht keine Gefahr, dass die Winzlinge durch die Gitterstäbe entwischen.

Können Lemminge klettern?

Die Wühler haben viele Stärken, allerdings zählt das Klettern nicht dazu. Schon allein aus diesem Grund ist ein Nagarium die perfekte Umgebung für Lemminge.

Glatte Glaswände führen die Tiere gar nicht erst in Versuchung, ihre nicht vorhandenen Kletterkünste anzuwenden und sich dabei womöglich zu verletzen.

Kann man Lemminge zu zweit halten?

Steppenlemminge sind keine Einzelgänger, sondern genießen die Gesellschaft von Artgenossen. Sie sollten deshalb mindestens paarweise gehalten werden. Je früher die Tiere sich aneinander gewöhnen, desto einfacher gelingt die Vergesellschaftung.

Tipp für Anfänger: Weibchen sind entspannter als Männchen, wenn sie zu zweit gehalten werden. Noch besser ist es, wenn die Lemming-Damen Wurfgeschwister sind.

So sieht ein artgerechtes Lemming-Nagarium aus

Steppenlemminge verbringen einen Teil ihrer Zeit am liebsten unterirdisch. Wenn Sie etwas „Underground“-Gefühl verbreiten möchten, verwenden Sie ein möglichst hohes Nagarium und füllen es etwa 20 bis 30 Zentimeter hoch mit Kleintierstreu.

Weitere Tipps für die Ausstattung:

  • Ihrem Bewegungsdrang lassen Lemminge am besten auf dem Laufrad freien Lauf. Verzichten Sie dabei unbedingt auf Gitterräder. Verwenden Sie besser Räder aus Holz. Der ideale Durchmesser beträgt 20 Zentimeter.
  • Für noch mehr Bewegung sorgen Brücken und Treppen, die zusätzlich einen Hauch von Abenteuer verbreiten.
  • Nicht nur wir Menschen ziehen uns manchmal gerne zurück, sondern auch Ihre Lemminge. Ein oder zwei Häuschen aus Holz steuern die Nager in diesen Momenten zielstrebig an.
  • Eine Wasserstelle und Futternäpfe dürfen im Nagarium ebenfalls nicht fehlen. Am besten werden sie standfest auf einem Häuschen oder einer zweiten Etage platziert. So droht beim Buddeln kein Erdrutsch und die Näpfe werden nicht so schnell verunreinigt.
  • Naturäste wecken Erinnerungen an die natürliche Heimat der Lemminge und geben zwischendurch einen tollen Snack ab.
  • Eine Ecke mit Sand dient als Sanitärbereich.

Wie groß sollte das Nagarium sein?

Für die Größe der Lemming-Unterkunft geben die gesetzlichen Vorgaben Mindestmaße von 100 x 50 x 50 Zentimeter an. Da die Wühlmäuse allerdings zu zweit gehalten werden sollten und sich gerne viel bewegen, sollte ihr Zuhause am besten 120 x 60 x 60 Zentimeter groß sein.

Temperatur und Reinigungsintervalle

Am wohlsten fühlen sich Lemminge bei Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad Celsius und geringer Luftfeuchtigkeit.

Ein- oder zweimal im Monat muss das Zuhause der Lemminge zudem gereinigt werden. Dabei sollten Sie nie die komplette Streu austauschen, sondern nur etwa ein Drittel. Denn Lemminge orientieren sich über ihren Geruchssinn.

Artgerechte Ernährung: Was dürfen Lemminge fressen?

Lemminge sind Pflanzenfresser. Deshalb sollte Grünfutter einen festen Platz im Speiseplan der Winzlinge bekommen. Neben sauberem Trinkwasser benötigen die Nagetiere einmal am Tag Futter mit den folgenden Futterbestandteilen und gelegentlichen Ergänzungen:

  • Grünfutter mögen Lemminge am liebsten, zum Beispiel Wildpflanzen, Gräser, Blattgemüse und Küchenkräuter.
  • Gemüse mit geringem Zuckeranteil wie Gurken dürfen ebenfalls in den Futternapf.
  • Fettarme Sämereien und Trockenfutter ergänzen die tägliche Mahlzeit.
  • Hin und wieder sollte tierisches Eiweiß den Speiseplan bereichern – dazu eignen sich zum Beispiel getrocknete Insekten.

Dürfen Lemminge Obst fressen?

Wie viele andere Wühlmäuse neigen auch Lemminge zu Diabetes. Unklar ist, ob Obst das Risiko erhöht. Dennoch sollten Sie bei der Fütterung besser auf Obst und zuckerhaltige Leckerlis verzichten.

Gesundheit: Verhalten und Aussehen im Blick behalten

Lemminge sind normalerweise pflegeleicht und robust. Trotzdem sollten Sie wie bei allen anderen Haustieren täglich den Gesundheitszustand der possierlichen Zwerge überprüfen.

Wirken sie abgemagert oder sieht ihr Fell weniger gepflegt aus als sonst, ist ein Besuch beim Tierarzt unvermeidlich. Erkundigen Sie sich vorher, ob der Arzt Lemminge oder kleine Nager behandelt.

Wie alt wird ein Lemming?

Das Leben von Lemmingen ist nagertypisch kurz. Bleibt Ihr Wühler von Erkrankungen verschont und genießt eine artgerechte Ernährung, können Sie sich auf etwa zwei bis zweieinhalb gemeinsame Jahre freuen.

Herkunft: Aus dem fernen Osten

Den natürlichen Lebensraum der Steppenlemminge verrät bereits ihr Name. Sie sind in den Steppen und Halbwüsten Osteuropa und Asien zu Hause.

Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der Ost-Ukraine über Kasachstan bis in die Mongolei. Zum Ärger vieler Bauern sind die kleinen Wühler auch in Getreidefeldern zu finden.

Kauf: Wie viel kostet ein Lemming und wo finde ich die Nager?

Wenn die felligen Wühlmäuse Ihr Herz erobert haben, kommt jetzt Aha-Moment Nummer 3: Obwohl die Kleintiere als Haustiere immer beliebter werden, sind sie in Deutschland noch Exoten und ihre Anschaffung damit gar nicht so einfach.

Ihre erste Anlaufstelle sollte der Tierschutz sein. Die zweite Möglichkeit, ein Lemming-Duo zu finden, sind Züchter. Halten Sie im Internet die Augen offen oder schauen Sie in den Anzeigenteil Ihrer Lokalzeitung.

Seriöse Züchter bieten ihre Nager übrigens nach Geschlecht getrennt an. Für den Kauf müssen Sie mit etwa zehn bis 20 Euro pro Tier rechnen.

Fazit: Kann man Lemminge als Haustiere halten?

Auch wenn Steppenlemminge klein und niedlich sind und zum Knuddeln aussehen – sie eignen sich am besten für Erwachsene. Wenn Sie gerne exotischen Tieren ein Zuhause geben und sie in ihrem Alltag beobachten möchten, werden Sie mit Lemmingen viel Freude haben.

Lemminge: Steckbrief

Name: Lemming
Größe: Ca. 8-14 cm
Gewicht: 25-35 g
Durchschnittliche Lebenserwartung: Ca. 2,5 Jahre
Haltung: Zusammen mit Artgenossen im Nagarium
Sozialverhalten und Charakter: Gesellig
Fell: Kurz und dicht, grau mit schwarzem Streifen auf dem Rücken
Pflegeaufwand: Mittel
Bewegungsbedarf: Bewegen sich gern, vor allem unterirdisch
Herkunft: Osteuropa und Asien

Quellen:


Sabrina Quente
Profilbild von zooplus Magazin Autorin Sabrina Quente

Tiere begleiten mich schon, seitdem ich denken kann. Es existiert kaum ein Kinderfoto ohne Wellensittich auf dem Kopf oder Katze auf dem Schoß. Seit über zehn Jahren schreibe ich als Redakteurin über verschiedene Themen von der Krankenversicherung bis hin zur Katzenhaltung. Immer dabei: meine Katze Mimi, die für viele Texte die beste Impulsgeberin ist und weiß, wann es Zeit für eine Schreibpause ist.


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