Bachblüten für Katzen: Wundermittel bei Stress oder doch nur Humbug? This article is verified by a vet

Tierärztlich bestätigter Inhalt
Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Eine Katze sitzt auf einem blühenden Kirschbaum.

Die Bachblütentherapie zielt darauf ab, das geistig-seelische Gleichgewicht von Katzen zu stabilisieren. Die beruhigende Wirkung soll vor allem gestressten oder traumatisierten Fellnasen helfen. Mancher Befürworter schwört sogar auf die heilende Wirkung bei körperlichen Krankheiten. Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirksamkeit von Bachblüten für Katzen allerdings nicht.

Was ist die Bachblütentherapie?

Der britische Arzt Edward Bach (1886-1936) hat in den 1930er-Jahren ein Verfahren für körperlich kranke Menschen entwickelt. Bei der nach ihrem Gründer benannten Bachblütentherapie handelt es sich um eine Behandlungsmethode aus der Alternativmedizin (auch Komplementärmedizin genannt).

Laut Bach existieren insgesamt 38 negative Gemütszustände. Darunter fallen zum Beispiel Einsamkeit, Angst oder Unsicherheit. Diesen Gemütszuständen ordnete er 38 unterschiedliche Pflanzen zu, die dabei helfen sollen, die negativen Stimmungen zu überwinden. Je nach Grundleiden nimmt der Patient eine aus den Pflanzenblüten hergestellte Essenz zu sich. Das soll das Gleichgewicht zwischen der Seele und der Persönlichkeit des Patienten stabilisieren. Diese geistig-seelische Heilung wiederum könne auch körperliche Erkrankungen heilen.

Wie wirksam ist das Verfahren bei Katzen?

Die Wirkung der Bachblütentherapie haben Forscher in mehreren randomisierten, kontrollierten Studien untersucht. Bisher konnten sie aber keine medizinische Wirksamkeit nachweisen. Die Gabe von Bachblüten ist also wissenschaftlich gesehen unwirksam. Das Verfahren zählt daher zu den sogenannten Pseudowissenschaften.

Dennoch können Bachblüten den sogenannten Placeboeffekt auslösen. Dieses Phänomen bezeichnet das Auftreten nachweisbarer Wirkungen, nachdem man ein Scheinpräparat (Placebos), hier die Bachblüten, verabreicht hat.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die heilende Wirkung nicht von den Inhaltsstoffen selbst, sondern von einer psychischen Stimulierung der Endorphine (Glückshormone) im Körper ausgeht. Diesen Effekt konnten Forscher auch bei Tieren nachweisen. Aus diesem Grund können Bachblüten bei Katzen durchaus eine positive Wirkung zeigen und zum Beispiel aufgeregte Stubentiger beruhigen. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Was sind Bachblüten?

Edward Bach wählte 38 verschiedene Pflanzen aus, die negative Seelenzustände positiv beeinflussen sollen. Jede Pflanze hat eine definierte Nummerierung, englische Bezeichnung und ein spezielles Anwendungsgebiet.

Hier einige Beispiele:

  • 3: Beech (Rotbuche)
  • 12: Gentian (Herbstenzian)
  • 26: Rock Rose (Gelbes Sonnenröschen)
  • 35: White Chestnut (Weißblühende Rosskastanie)

Bachblüten werden allerdings nicht als Ganzes, sondern als Essenzen verabreicht. Bach hat dazu zwei Herstellungsmethoden entwickelt:

  • Sonnenmethode: Man bedeckt eine mit klarem Wasser befüllte Glasschale mit reifen Bachblüten. Bei wolkenlosem und sonnigem Himmel wirken diese anschließend über mehrere Stunden hinweg ein. Sind die Blüten verwelkt und Bläschen sichtbar, ist die Essenz der Blüten in das Wasser übergegangen. Diese Flüssigkeit wird anschließend zu gleichen Teilen mit Weinbrand vermischt.
  • Kochmethode: Hölzerne Pflanzen, besonders Büsche und Sträucher, werden für etwa eine halbe Stunde gekocht. Die daraus resultierende Essenz wird mehrfach gefiltert und ebenfalls mit Alkohol aufgegossen.

Für welche Situationen eignen sich Bachblüten für Katzen?

In der Alternativmedizin gehören die Bachblüten seit den 1930er-Jahren zum Repertoire. Etwa 50 Jahre später wurde die Therapie auf die Tiermedizin übertragen. Denn gerade Katzen sind sehr sensible Tiere und reagieren auf Stresssituationen häufig mit Verhaltensänderungen. Sie sind dann oftmals ängstlich, aggressiv, unruhig oder urinieren in die Wohnung.

Befürworter sind der Meinung, dass Bachblüten für Katzen insbesondere während und nach Stresssituationen positive Auswirkungen haben. Folgende Situationen zählen zu den häufigsten Anwendungsfällen:

  • nach körperlichen und seelischen Misshandlungen
  • nach schweren Traumata, zum Beispiel physische Traumata, plötzliche Veränderungen im sozialen Umfeld oder Wohnungsumzug
  • bei stressbedingten Zwangsstörungen wie zwanghaftem Lecken

Verabreichung der Essenzen

Es gibt etwa 38 verschiedene Bachblüten, die unterschiedlich zusammengestellt werden können. Darüber hinaus haben einige Hersteller spezielle Präparate für Haustiere entwickelt. Sie bestehen meist aus einer Mischung verschiedener Bachblütenessenzen und sind als Tropfen, teilweise aber auch als Globuli erhältlich.

Die Tropfen können zum Beispiel im Rahmen einer Reise, bei einem Gewitter oder bei Tierarztbesuchen oral verabreicht werden. Da es sich nicht um ein Arzneimittel, sondern um ein Lebensmittel handelt, werden Dosierungsangaben meist nicht aufgelistet. Auf Bachblüten spezialisierte Einrichtungen empfehlen jedoch die Gabe von 24 Tropfen – sechsmal vier Tropfen – pro Tag.

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Eine Katze erhält Bachblüten als Tropfen.
Bachblüten sollen zur Beruhigung von gestressten oder verunsicherten Katzen beitragen. Sie werden meist in Tropfenform verabreicht.

Haben Bachblüten für Katzen Nebenwirkungen?

Da das Mittel keine wissenschaftlich nachweisbare Wirkung hat, ist eine Überdosierung nicht möglich. Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit Medikamenten werden daher vom Hersteller ausgeschlossen.

Lebensmittel oder Medikament?

Diese Frage beschäftigte die Gesundheitsbranche bei der Bachblütentherapie eine lange Zeit. In den Jahren 2006 und 2008 kamen das Landgericht Hamburg sowie das Hanseatische Oberlandgericht Hamburg zu dem Entschluss, bei Bachblütenessenzen handele es sich um Lebensmittel beziehungsweise um Kosmetika. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterstützte diese Entscheidung. Der Hersteller passte daher die Deklarierung des Mittels an, indem er etwa ein prozentuales Zutatenverzeichnis hinzugefügte.

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