Kann man Quallen im Aquarium halten?

quallen im aquarium halten

Quallen sind ungewöhnliche Haustiere, keine Frage, aber im Aquarium haben sie eine magische, wenn nicht sogar schon fast hypnotisierende Wirkung. Sie wirken beruhigend und nicht viele Aquarianer besitzen sie. Das liegt daran, dass die Haltung von Quallen in Aquarien sehr aufwändig ist, lange Zeit sogar als fast unmöglich galt. Quallen sind sehr empfindliche Lebewesen und brauchen eine ganz bestimmte Umgebung, um sich wohlzufühlen. Wir erklären Ihnen unter welchen Bedingungen Sie Quallen zu Hause in Ihrem Aquarium halten können und auf was Sie achten müssen.

Wissenswertes über die Qualle

Quallen sind Nesseltiere, die auch Medusen genannt werden. Um genau zu sein ist die Qualle lediglich ein Lebensstadium eines Nesseltiers. Erst nachdem der am Meeresboden festsitzende Polyp, der einer winzigen Palme ähnelt seine obere Hälfte in Scheiben teilt, entstehen Quallen. Das Quallen-Stadium ist also nur ein Teil eines komplexen Lebenszyklus. Quallen kommen mehrheitlich im Salzwasser vor, allerdings gibt es auch einige Arten von Süßwasserquallen.

Wie ist eine Qualle aufgebaut?

Eine Qualle ist weichhäutig und besteht zu 98 % aus Wasser. Sie ist schirmartig aufgebaut und besitzt Organe, wie den hängenden Magenstiel mit Mundöffnung. Die vielen langen Tentakel sind meist mit Nesselzellen versehen, die zur Abwehr oder zum Beutefang genutzt werden. Die Nesselzellen sind für den Menschen meist ungiftig, können aber eine allergische Hautreaktion auslösen. Informieren Sie sich trotzdem immer vor dem Kauf von Quallen über deren Giftigkeit. Den direkten Hautkontakt können Sie vermeiden indem Sie Gummihandschuhe tragen.

Zur Fortbewegung nutzen Quallen die vorhandene Strömung und das Rückstoßprinzip, bei dem sie ihren Schirm zusammenziehen und Wasser nach unten ausstoßen. Dabei können sie allerdings nur kurze Strecken gegen die Strömung zurücklegen.

Wie alt werden Quallen?

Die Lebenserwartung einer Qualle hängt von der Art, ihrem Lebensraum und von der richtigen Pflege im Aquarium ab. Wer Quallen halten möchte, sollte sich allerdings bewusst sein, dass die Meeresbewohner nicht lange leben, weder in der freien Natur, noch im Meereswasseraquarium zu Hause. Die Lebenserwartung von Quallen kann von wenigen Monaten bis zu 1 Jahr reichen. Eine Ohrenqualle beispielsweise, die Sie auch von Nord- und Ostsee kennen, kann im reinen Quallen-Stadium bis zu 6 Monate alt werden. Wenn eine Qualle stirbt, werden Sie dies vermutlich kaum mitbekommen, da sie sich einfach in Wasser auflöst, da sie zu 98 %aus Wasser besteht. Quallen müssen für ein Quallenaquarium folglich immer wieder nachgekauft werden.

Welche Quallen eignen sich für die Haltung im Aquarium?

Quallen können aufgrund ihrer Lebensweise in drei verschiedene Typen aufgegliedert werden.

  • Quallen, die an der Oberfläche schwimmen und sich vom Wind treiben lassen
  • Quallen, die im Freiwasser schwimmen und an die Strömung angewiesen sind
  • Quallen, die am Grund leben

Für eine Quallenhaltung im Aquarium eignet sich Typ Nummer 2, der allerdings auf eine gut funktionierende und beständige Strömung angewiesen ist. In jedem Winkel des Aquariums müssen Sie für eine aktive Strömung sorgen, was die artgerechte Haltung von diesen faszinierenden Nesseltieren so anspruchsvoll macht. Tote, also nicht durchströmte Ecken, Pumpen, Heizer und scharfe Steine dürfen in einem Quallenaquarium nicht vorkommen, da die Nesseltiere sich ansonsten verletzten könnten und eventuell daran verenden.

Die Ohrenqualle als Exemplar für Ihr Zuhause

Unter den verschiedene Quallenarten für Aquarien sind einige nur für absolute Profis geeignet, wie beispielsweise die Perlenqualle oder Mangrovenqualle. Diese Nesseltierarten können Sie beispielsweise in großangelegten Zooaquarien bewundern.

Für das heimische Aquarium eignen sich vor allem kleine Exemplare der Ohrenqualle (Aurelia aurita). Ihren Namen verdankt die Ohrenqualle den "Ohrenzeichnungen" auf ihrem Schirm. Dabei handelt es sich um ihre Geschlechtsorgane. Bei den Weibchen sind sie rotviolett und bei den Männchen weiß bis rotorange.

Sie ist relativ anspruchslos im Bezug auf die Wassertemperatur und die Lichtverhältnisse und ein Becken in angemessener Größe passt in jedes Zuhause. Allerdings gehört zu Quallenaquarium ein bestimmtes Aquaristik-Know-how, weshalb Sie bereits Erfahrungen mit Aquarien gemacht haben sollten. Für absolute Laien eignet sich auch die Ohrenqualle nicht.

Wie Quallen im Aquarium halten?

Sie fragen sich bestimmt wie Sie Ihr Aquarium einrichten sollen, damit sich Quallen darin wohlfühlen. Informieren Sie sich immer im Voraus wie groß die Quallen und wie lang ihre Tentakel werden, um ein Quallenaquarium in der richtigen Größe zu kaufen. Machen Sie sich außerdem schlau, ob Ihre Quallen besondere Ansprüche an die Beleuchtung haben. Quallenarten, die Symbiosealgen besitzen, erhalten ihre Energie von den Algen und benötigen diffuses oder monochromatisches blaues Licht im Aquarium. Wenn Sie Quallen in Ihrem Aquarium halten wollen, sollten Sie sich nur für eine Art entscheiden. Als Schwarmtiere sind Sie außerdem darauf angewiesen mit mehreren Artgenossen der gleichen Art zusammenzuleben. Salzwasserfische und Quallen können nicht in einem Becken zusammenleben.

Welches Aquarium für die Quallenhaltung?

Ein normales Aquarium ist nicht für die Haltung und Pflege von Quallen geeignet. Die Medusen brauchen ein spezielles, rundes Quallenaquarium, welches hochpreisiger ist, als normale Aquarien. Wie bereits erwähnt, spielt die konstante Strömung eine wichtige Rolle, da die Quallen ansonsten einfach zu Boden fallen würden.

Alle Eigenschaften eines Quallenaquariums im Überblick:

  • Rundes Meereswasseraquarium
  • Konstante Strömung auch am Beckenrand: leicht, strudelfrei, horizontal und nur minimal vertikal
  • Keine Dekoartikel im Becken: um Verletzungen zu vermeiden
  • Gute Wasserqualität: mindestens einmal wöchentlichen Wasserwechsel von mindestens 25 %
  • Idealer Salzgehalt: 32-34 g/L (ppt)
  • Ideale Wassertemperatur: 13-18°C
  • Idealer PH-Wert: 8,0-8,3
  • Spezielle leistungsfähige Filteranlage: für gute Wasserqualität und eine Anlage, die keine Verletzungsgefahr birgt

Was fressen Quallen im Aquarium?

Die meisten Quallenarten ernähren sich überwiegend von Zooplankton, besonders kleinen Krebstieren, Larven und anderen Meeresorganismen. Auch Mysis und Artemia eignen sich zur Fütterung. Die Beute wird durch die nesselnden Tentakel getötete oder betäubt und anschließend durch die Verkürzung der Fangarme zur Mundöffnung gebracht und verschlungen.

Das Füttern kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da Quallen sich passiv ernähren. Das heißt sie suchen nicht gezielt nach Nahrung, sondern nehmen vorbeischwebende Kleinstlebewesen auf. Medusen fressen also nicht nach Bedarf, sondern ständig, weshalb immer genug Futter im Becken schwimmen sollte.

Füttern Sie in kleinen Mengen mehrmals am Tag, damit immer so viel Nahrung vorhanden ist, dass die Quallen ausreichend zu fressen haben. Die Dosierung bei den einzelnen Fütterungen hängt von der Anzahl der Tiere im Becken ab. Da Quallen immer nur einen Teil des angebotenen Futters fressen, sollten Sie die Wasserqualität immer im Auge behalten, da die Wasserbelastung deutlich höher ist als bei Aquarienfischen. Somit gestaltet sich auch die spezielle Art der Nahrungsaufnahme und die Permanentfütterung bei der Quallenhaltung im Meerwasseraquarium als anspruchsvoll.

Fazit: Die artgerechte Quallenhaltung im Überblick

Die Haltung von Quallen in heimischen Aquarien ist möglich, wie Sie in diesem Artikel erfahren haben, doch benötigen die Nesseltierchen eine ganz spezielle Pflege. Wir fassen für Sie nochmals die wichtigsten Punkte für die Haltung von Quallen zusammen.

  • Haltung: Quallen sind Schwarmtiere und leben in Gruppen
  • Geeignete Quallenart: am besten eignet sich die Ohrenqualle für die Haltung in Aquarien
  • Vergemeinschaftung: holen Sie sich am besten immer nur mehrere Exemplare einer Quallenart
  • Licht: Manche Quallenarten haben ganz spezielle Ansprüche an das Licht
  • Strömung: ruhige aber zirkulierende Strömung
  • Aquarium: (kreis)runde Aquarien ohne Ecken und Kanten ohne dekorative Einrichtung
  • Wassertemperatur: muss in der Regel heruntergekühlt werden auf circa 13-18°C
  • Ernährung: Plankton, Mysis und Artemia
  • Filter: besondere Filtertechnik notwendig
  • Fütterung: 2-4 Mal täglich mit je nach Populationsgröße angepasster Dosierung
  • Wasserwechsel: mindestens 25 % (aber nicht mehr als 50 %) des Wassers einmal wöchentlich
  • Zucht: aufwändig und schwierig, selbst für Profis

Quallen faszinieren, wenn sie mit dem richtigen Licht in Szene gesetzt werden und im immer gleichen Tempo ihre Bahnen ziehen. Doch beachten Sie, dass Quallenaquarien nichts für Laien sind und Sie sich der Quallenhaltung erst zuzuwenden sollten, wenn Sie sich ein umfassendes Aquaristik-Know-how angeeignet haben. Damit Sie sich an den Nesseltierchen erfreuen können, beachten Sie unsere Hinweise zur Haltung und informieren Sie sich stets vor dem Kauf von Quallen und Quallenaquarien bei fachkundigen Händlern.

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