Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithi) Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Mexikanische Rotknie-Vogelspinne Brachypelma smithi

Die Rotknie-Vogelspinne hat ihren Namen nicht ohne Grund: Die charakteristischen orange-roten Partien geben der Spinne ein unverwechselbares Aussehen.

Die Mexikanische Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithi) ist in der Terrestrik sehr beliebt. Doch welche Besonderheiten zeichnet diese Vogelspinnenart aus? Und wie hält man sie artgerecht? Alle Informationen dazu finden Sie hier.

Steckbrief zur Rotknie-Vogelspinne

Name: Mexikanische Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithi)
Herkunft / Verbreitung: Mexiko
Körperlänge: 7 – 8 cm (Weibchen), 5,5 cm (Männchen)
Lebenserwartung: über 15 Jahre (Weibchen), etwa fünf bis sechs Jahre (Männchen)
Terrariengröße: Grundfläche 40 x 30 cm, maximal 20 cm Höhe
Haltung: Einzelhaltung
Temperaturen: tagsüber 25 bis 28 °C, nachts 20 bis 23 °C
Luftfeuchtigkeit: 60 bis 70 Prozent
Bodengrund: Kokosnusshumus, ungedüngte Blumenerde, Sand
Einrichtung: Äste, Kork, Blumentöpfe, Pflanzen
Ernährung: überwiegend Insekten
Schwierigkeit in der Haltung: Lebendfütterung

Aussehen: Wie groß ist die Rotknie-Vogelspinne?

Die Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithi) ist eine der bekanntesten Vogelspinnenarten. Männchen erreichen eine Körperlänge von etwa 5,5 Zentimetern, Weibchen sogar bis zu acht Zentimetern.

Farben und Zeichnung

Die Brachypelma smithi ist nach ihren auffallend orange-roten Beinen mit einem Streifenmuster benannt. Der Hinterleib (Abdomen oder Opisthosoma) ist dunkelgrau oder schwarz. Auch in diesem Bereich befinden sich lange orangefarbene bis rote Haare.

Der Vorderkörper (Prosoma) hat eine schwarze Grundfarbe, ist allerdings beige und rot umrandet. Die Zähne sind tiefschwarz.

Hinweis: Das Aussehen der Rotknie-Vogelspinne führt manchmal zu einer Verwechselung der Art, zum Beispiel mit der Brasilianischen Riesenvogelspinne (Lasiodora parahybana).

Mexikanische Rotknie-Vogelspinne © Florian / stock.adobe.com
Die Rotknie-Vogelspinne ist ein Bodenbewohner und frisst vorwiegend lebende Insekten.

Verhalten: Lauerjäger mit „Abwehrsystem“

Rotknie-Vogelpsinnen sind nachtaktive Einzelgänger und leben typischerweise in tiefen Erdhöhlen. Wie viele andere Vogelspinnen ist auch die Brachypelma smithi recht friedlich. Sie hat jedoch eine Besonderheit: Sie ist eine Bombardierspinne.

Vogelspinnen sind keine Kuscheltiere: Wenn Sie sie anfassen, kann das Stress bei Ihrer Spinne auslösen.

Brennhaare zur Verteidigung

Sobald sich die Rotknie-Vogelspinne in bedroht fühlt, streckt sie ihren Hinterleib nach oben und stößt mit den Hinterbeinen ihre Brennhaare ab. Diese Haare haben eine Sollbruchstelle und mehrere Widerhaken, die bei Kontakt mit der Haut lokale Hautausschläge verursachen können.

Die Hautstelle schwillt an und rötet sich. Darüber hinaus können starker Juckreiz und Schmerzen auftreten. Gelangen die Brennhaare in die Atemwege, können sie diese stark reizen und einen schmerzhaften Husten verursachen. In diesem Fall sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren.

Schon gewusst:  Einige Spinnen dieser Art verwenden eine andere Waffe zur Verteidigung, nämlich ihren Kot. Auch diesen versprühen sie in Richtung des Angreifers, um ihn erfolgreich in die Flucht zu schlagen.

Wie giftig ist die Rotknie-Vogelspinne?

Die Giftkrallen der Weibchen können bis zu 1,5 Zentimeter groß sein, weswegen ein Biss sehr schmerzhaft sein kann. Das Gift hingegen ist nicht besonders stark, kann allerdings bei manchen Menschen eine allergische Reaktion hervorrufen – ähnlich wie bei einem Wespenstich.

Wenn sich die Bisswunde entzündet oder Sie allergisch darauf reagieren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

 

Haltung: Wie lässt sich die Rotknie-Vogelspinne artgerecht halten?

Die Rotknie-Vogelspinne ist ein Einzelgänger, weshalb Sie sie nur einzeln halten und nicht vergesellschaften sollten. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Tiere als Beute ansehen und sich gegenseitig verletzen.

Die Größe des Terrariums

Als Bodenbewohner benötigt die Rotknie-Vogelspinne etwas mehr Grundfläche als Baumbewohner. Dazu sollte das Terrarium eine Grundfläche von 40 mal 30 Zentimetern aufweisen. Höher als 20 Zentimeter sollte das Terrarium nicht sein, da die Brachypelma smithi zum Klettern neigt und stürzen kann.

Achten Sie darauf, dass das Terrarium einigermaßen belüftet ist. Zugluft ist dagegen zu vermeiden.

Die Inneneinrichtung

Für ausreichende Versteckmöglichkeiten sollten Sie das Terrarium mit unbehandelten Ästen und Baumrinde ausstatten. Auch haushaltsübliche Gegenstände wie Kork oder Blumentöpfe können einen geeigneten Rückzugsort oder eine Klettermöglichkeit für Ihre Rotknie-Vogelspinne schaffen.

Pflanzen sehen zudem nicht nur gut aus, sondern bieten zusätzlichen Blickschutz für Ihre Brachypelma smithi. Neben anderen Gewächsen eignen sich zur Bepflanzung auch Efeutute, Bogenhanf und Wunderstrauch.

Obwohl Spinnen Wasser hauptsächlich über die Luftfeuchtigkeit aufnehmen, sollte zudem eine Wasserschale im Terrarium nicht fehlen.

Der Bodengrund

Sie können den Boden des Terrariums mit einer zehn bis 15 Zentimeter dicker Schicht aus Kokosnusshumus, ungedüngte Blumenerde und Sand füllen. Drücken Sie diese fest oder befeuchten Sie diese mit etwas Wasser, damit IhreRotknie-Vogelspinne nicht im Boden versinkt.

Das richtige Klima

Um ein angenehmes Klima zu schaffen, sollte die Temperatur im Terrarium zwischen 25 und 28 Grad Celsius liegen. Nachts sollten Sie diese auf 20 bis 23 Grad Celsius absenken.

Sie können auch mithilfe von Wärmelampen verschiedene Temperaturzonen schaffen. Wärmematten sind eher von Nachteil, da die Rotknie-Vogelspinne im Boden von Natur aus kühle Temperaturen erwartet.

Außerdem sollten Sie für eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 80 Prozent sorgen. Staunässe sollten Sie jedoch vermeiden.

Für einen optimalen Tag-Nacht-Rhythmus sollten Sie das Licht am Tag für acht bis zehn Stunden einschalten.

Ernährung: Was fressen Rotknie-Vogelspinnen?

Ähnlich wie andere Vogelspinnen frisst die Brachypelma smithi vorwiegend lebende Insekten. Dazu zählen neben Fliegen und Grillen auch Heimchen oder Heuschrecken. Ausgewachsene Exemplare fressen sogar ab und zu größere Beute wie Nacktmäuse oder Schaben.

Wie oft muss man eine Rotknie-Vogelspinne füttern?

Die Lebendfütterung sollten Sie in jedem Fall an das Alter und die Größe Ihrer Spinne anpassen:

  • Adulte Rotknie-Vogelspinnen benötigen etwa alle zwei Wochen ein oder zwei Heuschrecken. Alternativ können Sie Ihrer Brachypelma smithi fünf bis sechs Grillen anbieten.
  • Jungtiere (Spiderlinge) hingegen müssen häufiger fressen. Geeignet sind zum Beispiel zwei oder drei Mikro-Heimchen alle zwei bis drei Tage.

Pflege: Ist die Rotknie-Vogelspinne pflegeleicht?

Wenn Sie Erfahrung im Umgang mit Vogelspinnen haben, ist die Rotknie-Vogelspinne relativ einfach zu pflegen. Wechseln Sie täglich das Wasser in der Schale und entfernen Sie Futterreste aus dem Terrarium.

Wenn der Boden stark durch Kot verschmutzt ist, sollten Sie das Terrarium reinigen und das Bodensubstrat austauschen. Achten Sie hierbei darauf, dass Sie keine Reinigungsmittel, sondern nur warmes Wasser verwenden. In der Regel reicht es jedoch aus, den Bodengrund einmal im Jahr zu wechseln.

Fortpflanzung der Mexikanischen Rotknie-Vogelspinne

Glücklicherweise ist die Nachzucht  der Brachypelma smithi recht einfach, was die Verfügbarkeit von Spiderlingen auf dem Markt erleichtert.

Die Geschlechtsreife erreichen Männchen zwischen zwei und drei Jahren, Weibchen nach vier bis sechs Jahren.

Wie findet die Fortpflanzung statt?

Als Vorbereitung auf die Paarung baut das Männchen zuerst ein Spermanetz, damit es seine Bulben füllen kann.

Männchen signalisieren Weibchen anschließend ihre Paarungsbereitschaft durch Trommeln und niederfrequentes Brummen, das auch Sie wahrnehmen können.

Bei der Paarung stemmt dann das Männchen das Weibchen mithilfe der Schienbeinhaken an seinen Vorderbeinen hoch und entleert seine Bulben in die Spermathek des Weibchens.

Nach der Paarung verschwindet das Männchen schnell, um nicht vom Weibchen angriffen oder gar gefressen zu werden.

Im Frühjahr bauen die Weibchen dann Kokons, die bis zu 1000 Eier beinhalten können.

Gesundheit: Wie ist die Lebenserwartung der Rotknie-Vogelspinne?

Die Lebensdauer der Rotknie-Vogelspinne ist abhängig von dem Geschlecht. Während Weibchen locker 15 Jahre oder mehr erreichen, sterben Männchen früher (etwa ein bis drei Jahre nach Eintritt der Geschlechtsreife).

Vorsicht Verletzungsgefahr

Wenn man den Bodengrund zu feucht hält, neigt die Rotknie-Vogelspinne dazu, im Terrarium die Scheiben hochzuklettern, was speziell bei ausgewachsenen Tieren ein gewisses Risiko birgt. Nicht selten stürzen die Spinnen ab und können sich so am Abdomen verletzen, was meistens tödlich endet.

Herkunft: Was ist der natürliche Lebensraum der Rotknie-Vogelspinnen?

Der natürliche Lebensraum der Rotknie-Vogelspinne liegt in den Trockenwäldern Mexikos, fernab der Küste. Dies ist vor allem im Bundesstaat Guerrero der Fall, wo Biologen zwischen zwei verschiedenen Populationen unterscheiden.

Als Bodenbewohnerin lebt eine Brachypelma smithi bevorzugt in Höhlen, vorzugsweise unter Wurzeln oder in selbst gegrabenen Löchern.

Eine Rotknie-Vogelspinne kaufen: Vorsicht vor dubiosen Verkäufern

Die Mexikanische Rotknie-Vogelspinne gilt derzeit aufgrund ihrer Beliebtheit als potenziell gefährdet. Dennoch bietet der illegale Schwarzmarkt für exotische Tiere immer wieder Exemplare an, die eigentlich in die Natur gehören.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich vor dem Kauf über die Herkunft der Spinne informieren. Idealerweise sollten Sie sich nur bei offiziellen Züchtern erkundigen, die Ihnen einen Herkunftsnachweis vorlegen können.

Hinweis: Da in einigen Ländern eine Meldepflicht für bestimmte Exoten besteht, sollten Sie sich vor dem Kauf über die dort geltenden Vorschriften erkundigen.

Wie viel kostet eine Rotknie-Vogelspinne?

Der Preis für eine Brachypelma smithi kann abhängig von Alter und Geschlecht schwanken, wobei der durchschnittliche Preis zwischen 30 und 50 Euro liegt.

Quellen:


Franziska G., Tierärztin
Profilbild von Tierärztin Franziska Gütgeman mit Hund

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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