Chamäleon

bradypodion chamäleon im terrarium

Es gibt wohl kaum eine Reptiliengruppe, von der mehr Faszination ausgeht, als von den Chamäleons. Sie sehen aus wie drachenähnliche Wunderwesen aus einer fernen Zeit. Und tatsächlich besiedelten Chamäleons die Erde schon vor 60 bis 100 Millionen Jahren. Ihre Fähigkeit aufzufallen und dabei nahezu farblich in ihrem Lebensraum zu verschwinden, macht Chamäleons zu einem ganz besondern Blickfang in jedem Terrarium. Lesen Sie mehr über diese einzigartigen Verwandlungskünstler und ihre anspruchsvolle Haltung.

Was sind Chamäleons?

Chamäleons gehören zum Stamm der Wirbeltiere und werden zur Ordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata) gezählt, diese sind der Klasse der Reptilien zugeteilt. Chamäleons sind zudem eine Gruppe der Echsenartigen (Sauria). Hier bilden die Reptilien als Chamaeleonidae eine eigene Familie. Die Familie der Chamaeleonidae wird in zwei Unterfamilien unterteilt: die Echten Chamäleons (Chamaeleoninae) und die Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae). Diese beiden Unterfamilien lassen sich in weitere Gattungen unterteilen:

Echte Chamäleons Stummelschwanzchamäleons
Bradypodion Brookesia
Calumma Rhampholeon
Chamaeloe / Trioceros
Furcifer

Klaver & Böhme

Die größte Gruppe der Chamäleons lebt auf Büschen und Bäumen und heißt Echte Chamäleons. Die größte Art der Echten Chamäleons, Furcifer oustaleti, kann bis zu 80 Zentimeter lang werden. Zu den Stummelschwanzchamäleons zählt nur ein kleiner Teil von etwa 40 Arten. Sie leben am Boden und werden höchstens 16 Zentimeter lang. Brookesia micra ist mit maximal 29 Millimetern das kleinste Reptil der Erde.

Vorkommen: Wo leben Chamäleons?

Evolutionsforscher nehmen an, dass es Chamäleons bereits in der Kreidezeit gab. Damals waren Chamäleons viel weiter verbreitet als heutzutage. Im Laufe der Jahrmillionen passten sich die Echsen unterschiedlichen Lebensbedingungen an und es kam zu immer neuen Artbildungen und einer zunehmenden Formenvielfalt. Heute haben Chamäleons ihr Hauptverbreitungsgebiet in Zentralafrika und auf Madagaskar. Hier leben allein 80 Prozent der derzeitig beschriebenen Arten. Kleinere Populationen sind auch in Südspanien, auf einigen Mittelmeerinseln, im Nahen Osten und sogar auf Sri Lanka zu Hause. Chamäleons besiedeln Regenwälder und Oasen, Wüsten und Busch-Savannen. Sie leben sowohl auf Ästen in Bäumen als auch auf den Zweigen niedriger Büsche und auf dem Boden.

Aussehen

Atemberaubend, bizarr, faszinierend: Chamäleons sind für ihr schillerndes und farbenfrohes Antlitz bekannt. Aber nicht jede Chamäleonart ist auffallend bunt, es gibt auch unscheinbare Vertreter dieser Reptiliengruppe. Chamäleons zeigen sich überaus vielfältig: Manche Arten tragen charakteristische Helmformen auf dem Kopf, lange Schnauzenfortsätze oder sogar kleine Hörner auf der Nase. Andere Arten verfügen über einen auffallenden Schuppenkamm entlang der Wirbelsäule, an der Kehle oder am Bauch. Manche Arten haben eine regelmäßige Beschuppung über den ganzen Körper – andere weisen je nach Körperpartie auch unterschiedlich große und geformte Schuppen auf. Die Diversität scheint nahezu unerschöpflich.

Das Echte Chamäleon ist an das Leben auf Bäumen und Büschen optimal angepasst. Der Schwanz kann sehr lang werden und bis zu eineinhalbmal länger sein, als der Körper. Er dient dem Chamäleon als fünfter Greifarm. Bei den Erd- und Stummelschwanzchamäleons hingegen sind die Schwänze wesentlich kürzer. Die Zehen der Echten Chamäleons sind zangenförmig und eigenen sich somit ebenfalls ideal zum Klettern. Spezielle Haftschuppen sorgen für zusätzlichen Halt.

Augen

Die Augen der Chamäleons sind ein prägnantes viel bestauntes Merkmal, denn sie können sich unabhängig von einander bewegen. So kann ein Chamäleon in zwei unterschiedliche Richtungen schauen und sich trotzdem ein Bild von seiner Umgebung machen. Die Augen des Chamäleons treten weit aus den Augenhöhlen hervor und sind von den Lidern vollständig umwachsen. Nur in der Mitte bleibt ein kleines, freies Loch für die Pupille. Kaum zu glauben, aber durch diese runde Öffnung, kann ein Chamäleon überaus präzise gucken.

Die Augenlinse des Chamäleons verfügt über eine im Tierreich einzigartige Besonderheit. Das einfallende Licht wird nämlich nicht wie bei uns Menschen gebündelt, sondern gestreut. Ein betrachtetes Objekt wird dadurch ungewöhnlich groß auf der Netzhaut abgebildet, und das Auge kann sich sehr scharf darauf einstellen. Ähnlich wie der Zoom am Teleobjektiv. Experten sagen, dass Chamäleons bis auf einen Kilometer weit scharf und deutlich sehen können. Zudem kann das Chamäleon seine Augenlinse so verformen (bis zu 30 Dioptrien), dass es die Entfernung zur Beute sehr genau abschätzen kann. Auf diese Weise bestimmt das Chamäleon, wie weit die Zunge hervorschnellen muss, um ein Beutetier zu erwischen.

Zunge

Ebenfalls typisch für das Chamäleon ist seine lange Schleuderzunge. Die Zunge ist ungefähr so lang wie der Körper des Chamäleons, kann aber bei einigen Arten durchaus länger sein. Sie ist feucht und muskulös und verfügt über eine hohe Zugkraft. So hat das Chamäleon in Bruchteilen einer Sekunde seine Zunge ausgefahren und zielgenau auf das meist chancenlose Beutetier abgeschossen. Man könnte vermuten, dass das Chamäleon über ein Sekret verfügt, an dem das Beutetier kleben bleibt. In Wirklichkeit entsteht zwischen Beutetier und Zungenspitze ein Saugnapf-Effekt, der durch die Rückholbewegung und die Muskelspannung entsteht.

Verhalten

Die Verhaltensweisen der Chamäleons sind sehr interessant und vielfältig. Sie kommunizieren über unterschiedliche Ausdrucksformen. Neben der Färbung machen sich Chamäleons über Fauchen, Zischen, Drohen mit aufgerissenem Maul, Abflachen oder Aufblähen des Körpers, Gebärden mit dem Schwanz oder wippende Bewegungen verständlich. Die meisten Chamäleons sind Einzelgänger. Eine Vergesellschaftung kann großen Stress unter den Reptilien hervorrufen und ist in den meisten Fällen nicht ratsam.

Farbwechsel

Chamäleons sind Meister auf dem Gebiet des Farbwechsels. Jede Chamäleonart verfügt über ein ganz eigenes Spektrum an Farben und Mustern. Dieser Farbwechsel dient weniger der Tarnung als vielmehr der Kommunikation und zeigt vor allem den aktuellen Gemüts- oder Gesundheitszustand des Tieres an. Weibliche Chamäleons zeigen beispielsweise ihre Paarungsbereitschaft oder Trächtigkeit über die Farbe an. Die Männchen signalisieren Macht- und Territorialverhalten. Auch Krankheiten führen ebenfalls zu Farbänderungen. Der Farbwechsel ist ein komplexer Vorgang, der innerhalb unterschiedlicher Hautschichten stattfindet. Mithilfe von Farbstoffen und lichtbrechenden Partikeln kann das Chamäleon den Farbwechsel vollziehen.

Haltung und Pflege

Wenn Sie sich ein Chamäleon halten möchten, ist es ratsam, sich vorab ganz genau über die Pflege und die Bedürfnisse der Chamäleons und der unterschiedlichen Arten zu informieren. Chamäleons stellen nämlich sehr unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum und das Mikroklima. Es wird Ihnen im Terrarium nicht gelingen den natürlichen Lebensraum zu einhundert Prozent nachzuempfinden, aber Sie können Ihrem Chamäleon durchaus eine artgerechte Umgebung schaffen.

Standort

Für die Haltung benötigen Sie mehr Platz, als vielleicht angenommen. Neben dem Terrarium für das Chamäleon wird ein Terrarium für die Futtertiere und ggf. noch ein weiteres für Quarantäne, Aufzucht etc. gebraucht. Zudem benötigen Chamäleons absolute Nachtruhe, weder Licht noch Erschütterung sollten sie stören. Generell mögen es die Tiere auch am Tage eher ruhig.

furcifer chamäleon im terrarium

Größe

Echte Chamäleons, die auf Bäumen wohnen, bevorzugen ein Terrarium, das in die Höhe gebaut ist. Stummelschwanzchamäleons hingegen benötigen mehr Grundfläche. Wenn Sie die Möglichkeit haben, dann richten Sie das Terrarium gerne etwas großzügiger aus, als es das Mindestmaß vorgibt.

Faustregel Mindestmaße:

Baumbewohner Bodenbewohner
Grundfläche (3 x KRL*) x (4 x KRL) (6 x KRL) x (4 x KRL)
Höhe 6 x KRL 4 x KRL

*KRL steht für Kopf-Rumpf-Länge, also die Gesamtlänge minus der Schwanzlänge.

Terrarium

Für die Haltung von Chamäleons müssen handelsübliche Terrarien je nach Art entsprechend angepasst werden. Viele Chamäleons haben ein großes Frischluftbedürfnis, was die herkömmlichen Belüftungsstreifen der Terrarien nicht abdecken können. Die Lüftungsflächen müssen vor der Nutzung dahingehend vergrößert werden. Glasterrarien sollten von innen zudem mit Korkplatten beklebt werden. Denn ein Chamäleon kann zwischen Spiegelbild und Artgenosse nicht unterscheiden und wäre ohne diese Maßnahme permanentem Stress ausgesetzt.

Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Um gut sehen zu können, benötigen Chamäleons generell viel Licht. Eine künstliche Beleuchtung durch Leuchtstoffröhren muss also sein. Bei Wärme liebenden Chamäleons eignen sich Strahler, die eine hohe Eigenwärme entwickeln. Die tägliche Beleuchtungsdauer sollte zwischen elf und 13 Stunden liegen. Viele Chamäleons bevorzugen eine Tagestemperatur von 30 °C und eine Nachtabsenkung bis zu 15 °C. Die Temperaturen werden schnell über die künstliche Beleuchtung erreicht. Außerdem nützlich sind lokale Aufwärmspots von bis zu 35 °C. Die meisten Chamäleons benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 70 bis nahezu 100 Prozent. Um die Luftfeuchtigkeit zu erhalten, sollten Sie das Terrarium sowie das Chamäleon regelmäßig besprühen. Durch Hygrometer können Sie die Luftfeuchtigkeit kontrollieren.

Einrichtung

Echte Chamäleons lieben es zu klettern. Ein dichter Besatz mit Pflanzen und Kletterästen ist daher unumgänglich. Über einer Schicht aus Kies wird dann der Bodengrund gestreut, der aus einer Schicht aus Sand und Torf bestehen sollte. Auch eine Schicht aus Blättern ist für einige Erdchamäleons eine ideale Ergänzung.

Die Chamäleons Haltung im Überblick:

  • Handelsübliche Terrarien oder selbst gebaute Konstruktionen
  • Terrariengröße richtet sich nach Baum- oder Bodenbewohner (siehe Faustformel)
  • Hohes Frischluftbedürfnis
  • Glasscheiben mit Kork abkleben (Spiegelung)
  • Temperaturen zwischen 30 °C und 15 °C (Tag, Nacht)
  • Künstliche Beleuchtung je nach Art
  • Hohe Luftfeuchtigkeit von 70 bis 100 Prozent
  • Sand-Torf Gemisch als Bodengrund
  • Üppige Bepflanzung zum Klettern und Verstecken
  • Vergesellschaftung: Chamäleons sind eher Einzelgänger
  • Chamäleons mögen es ruhig

Was fressen Chamäleons?

Chamäleons ernähren sich von Lebendfutter wie Heuschrecken, Heimchen oder Schaben. Größere Exemplare fressen auch Mäuse. Daneben können Sie Ihrem Chamäleon auch Früchte aller Art anbieten. Adulte Chamäleons werden alle zwei bis drei Tage gefüttert, Jungtiere hingegen täglich. Über eine Pipette sollten Sie Ihr Chamäleon regelmäßig mit Wasser versorgen.

Fazit

Chamäleons sind keine Einsteigertiere und nicht jede Chamäleonart ist für das Terrarium geeignet: Laut Experten sind die Arten Furcifer lateralis, Furcifer pardalis und Chamaeleo calyptratus relativ einfach zu halten. Möchten Sie sich ein Chamäleon kaufen? Dann empfehlen wir Ihnen in jedem Fall ein Nachzuchttier bei einem Züchter zu erwerben. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich ganz persönlich über die Haltung und Pflege auszutauschen und erhalten wertvolle Tipps aus erster Hand. Wir wünschen Ihnen, dass Sie lange Freude an Ihrem gesunden Chamäleon haben.

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