Heimchen

Wer seine Reptilien artgerecht versorgen möchte, kommt um die Haltung von Futterinsekten nicht herum. Denn Lebendfutter steht ganz oben auf dem Speiseplan insektenfressender Reptilien. Heimchen gehören zu den beliebtesten Futtertieren in der Terraristik – sie sind pflegeleicht und überaus nährstoffreich. Lesen Sie hier mehr über die Haltung von Heimchen.

Aussehen

Das Heimchen (Acheta domesticus) ist eine Langfühlerschrecke aus der Familie der Echten Grillen (Gryllidae). Alle Grillenarten haben einen kompakten Körper mit rundlichem Hinterleib und Hinterbeinen, die als lange kräftige Sprungbeine ausgebildet sind. Die Weibchen der Grillen erkennt man am Ei-Legebohrer (Ovipositor). Mit dieser sogenannten Legeröhre werden die Eier ins Erdreich abgelegt. Die geschlechtsreifen männlichen Grillen sind für ihr lautes Zirpen bekannt, welches sie gerade in den Abend- und frühen Nachtstunden zum Besten geben. Das Zirpen entsteht, indem das Männchen seine Deckflügel gegeneinander streicht. Dabei streicht die Grille mit dem einen Vorderflügel über die Schrillkante des anderen und versetzt dadurch die Membran der Schrillader in Schwingung.

Der Körper des Heimchens ist hellbraun, mit dunkler Sprenkelung, die sich bei Larven zu einem dunklen Rückenstreifen verdichtet. Und je einem dunkelbraunen Band zwischen Augen und Fühlern. Adulte Tiere werden 18 bis 23 Millimeter lang – Weibchen sind im Durchschnitt etwas größer als die Männchen. Die Eier des Heimchens sind weiß, schmal und etwa 2 Millimeter lang.

Entwicklung von Eiern und Larven

Ein Weibchen hat im Laufe seines etwa 12-wöchigen Lebens 200 bis 300 Nachkommen.

Die Entwicklungsdauer der Eier

Temperatur Entwicklungsdauer
20 °C etwas 21 Tage
25 °C etwa 14 Tage
30 bis 35 °C 9 bis 10 Tage

Das Wachstum der Larven

Temperatur ausgewachsen nach
25 °C 5 bis 6 Wochen
30 bis 35 °C 4 Wochen

Vorkommen

Heimchen gibt es weltweit und sie halten sich gern in menschlicher Nähe auf. So lässt bereits der Name Acheta domesticus auf das Verhalten und auf die Lebensweise der Heimchen schließen: Acheta stammt aus dem Griechischen und heißt „Sänger“, das lateinische Wort domesticus bedeutet „häuslich“. Von den über 100 verschiedenen Grillenarten siedelt sich nämlich vor allem das Heimchen gern in Häusernähe an. Daher wird diese Grillenart auch Hausgrille genannt.

Haltung und Unterbringung

Wenn Sie Heimchen im Handel kaufen erhalten Sie die Insekten in Plastikdosen, die lediglich zum Transport der Tiere dienen. Zu Hause sollten Sie die Heimchen dann unbedingt in eine größere, artgerechte Behausung umsiedeln. Dazu eignen sich alle möglichen Behälter, die über glatte Wände von mindestens 25 bis 35 Zentimeter Höhe verfügen: Das sind zum Beispiel Aquarien aus Plastik oder Glas, Boxen und Behälter (Faunaboxen), die speziell für die Haltung von Futterinsekten entwickelt wurden und ein Entnehmen der Heimchen vereinfachen. In jedem Fall sollten Sie darauf achten, dass der Deckel gut verschließbar ist und die Heimchen nicht ausbüchsen können. Für eine ausreichende Belüftung der Insekten ist gesorgt, wenn der Deckel zudem wenigstens zur Hälfte mit feinmaschigem Drahtgewebe bespannt ist.

Um die Gesundheit und Vitalität der Heimchen sicherzustellen, benötigen Sie für etwa 500 adulte Tiere einen Kasten von 50 cm Länge x 20 cm Breite x 25 cm Höhe. Als Bodengrund wird eine dünne Schicht Sand oder feine Holzspäne empfohlen. Heimchen fühlen sich im Schutz einer Versteckmöglichkeit besonders wohl und sicher. Wenn Sie in das Heimchenheim ein paar Papprollen und zerknülltes Papier legen, bleiben die Tiere dort gerne sitzen. Darüber hinaus muss Platz für die Eiablagebüchse und die Futterschale bleiben. Heimchen stellen keine besonderen Ansprüche an die Beleuchtung. Sie bevorzugen eine trockene Wärme mit Temperaturen um die 25 °C. Heimchen vertragen nachts Zimmertemperatur gut. Die Heimchenbehausung sollte einmal die Woche gereinigt werden. Hierfür empfehlen wir Ihnen, die Heimchen zeitweilig in einer anderen gut verschließbaren Box unterzubringen.

Heimchen entwischt

Heimchen sind sehr lebhaft und sie können ziemlich weit und auch hoch springen. Bereits die Larven schaffen problemlos 30 Zentimeter hohe Sprünge. Die erwachsenen Tiere, überwiegend die Weibchen, fliegen dazu noch gern. Wenn Heimchen auch keinen großen Schaden anrichten, zählen sie doch zu den Hausschädlingen. Gerade die Männchen können durch ihr lautes Zirpen überaus störend sein. Es ist also ratsam, besonders vorsichtig zu sein, wenn Sie den Behälter reinigen, das Futter der Heimchen wechseln oder Futtertiere entnehmen. Ist Ihnen doch ein Heimchen entwischt, dann suchen Sie den Boden bei Dunkelheit mit einer Taschenlampe ab. Auch mit einem Heizkissen und einem Stück Apfel als Köder können Sie die Hausgrille locken. Sind viele Heimchen entwischt, stellen Sie lieber Schabenfallen auf.

Die Heimchen Haltung im Überblick:

  • Heimchen nicht in der Transportdose halten
  • Geeignete Heimchenbehausungen sind Aquarien, Faunaboxen etc.
  • 500 adulte Tiere benötigen einen Behälter von 50x20x25 Zentimeter Größe
  • Auf gut verschließbare Deckel ist zu achten
  • Für ausreichende Luftzirkulation ist zu sorgen
  • Sand oder feine Holzspäne als Bodengrund
  • Versteckmöglichkeiten aus Papprollen und zerknülltem Papier
  • Platz für Eiablagebüchse und Futterschale
  • Temperaturen um die 25°C, trockenes Klima
  • Wöchentliche Reinigung der Box
  • Heimchen bevorzugen eine Kombination aus Trocken- und Feuchtfutter

Heimchen füttern

Heimchen fressen pflanzliche sowie tierische Nahrung. Dabei wird Trocken- sowie Feuchtfutter gereicht. Als Trockenfutter eignen sich zum Beispiel Haferflocken oder Weizenkeime. Es gibt im Zoofachhandel aber auch spezielles Heimchenfutter zu kaufen. Bieten Sie Ihren Heimchen immer nur so viel Nahrung an, wie am Tag gefressen wird, und ersetzen Sie regelmäßig das alte Futter durch neues. Obst, Gemüse und Salate werden als Feuchtfutter gegeben. Die Gabe von frischem Obst und Gemüse reicht für die Flüssigkeitsaufnahme der Heimchen aus. Grundsätzlich gilt: Je hochwertiger das Futter der Heimchen, umso hochwertiger die Futtertiere für Ihre Terrarienbewohner.

Heimchen verfüttern

 Heimchen sind vitamin- und mineralstoffreiche Leckerbissen für sämtliche Insektenfresser. Auch kleinere Reptilien haben wenig Mühe, lebende Heimchen im Terrarium zu fangen. Verfüttern Sie immer nur so viele Futterinsekten, wie ihre Terrarienbewohner sofort oder innerhalb kurzer Zeit fressen können.

Tipp: Generell ist es sinnvoll die flinken Heimchen etwa eine halbe Stunde vor dem Verfüttern etwas herunterzukühlen. Die Insekten werden dadurch träge und lassen sich einfacher umsetzen.

Wo kann man Heimchen kaufen?

Heimchen können Sie direkt im Zoofachhandel kaufen oder auch online bestellen. Ganz nach Bedarf und Appetit Ihrer Terrarienbewohner sind die Heimchen in unterschiedlich großen Insektenpaketen und Entwicklungsstufen erhältlich. Worauf ist zu achten? Die Heimchen sollten aus streng kontrollierter Zucht und artgerechter Haltung stammen. Heimchen sind nicht nur Lebendfutter, sondern auch Lebewesen. Sollten Sie die Tiere online bestellen, dann wählen Sie Händler, die einen tierfreundlichen Versand garantieren. Die Heimchen kommen meist in einer Plastikdose zu Ihnen nach Hause. Diese Transportbox ist auf Dauer zu klein und stellt keine artgerechte Unterbringungsmöglichkeit für die Futtertiere dar.

Fazit: Hochwertige Futterinsekten

Heimchen sind bei Terrarientieren und Terrarianern gleichermaßen beliebt. Denn gut versorgte Heimchen von hoher Qualität sind reich an wichtigen Nährstoffen und Vitaminen. Durch die unkomplizierte Haltung von Heimchen können Sie jederzeit sicherstellen, dass für Ihre Reptilien und auch andere Terrarientiere immer gesundes Lebendfutter zur Verfügung steht – direkt fertig zum Verfüttern. Die Pflege der Heimchen erfordert allerdings auch relativ viel Zeit. Die Insekten sollten regelmäßig, alle ein bis zwei Tage, versorgt werden. Wenn Sie die Boxen der Heimchen einmal wöchentlich reinigen, sind Heimchen nahezu geruchlos – allerdings nicht geräuschlos. Durch das laute Zirpen der geschlechtsreifen Männchen kann man sich durchaus belästigt fühlen. Achtung: Heimchen sind flinke Zeitgenossen und können sehr schnell entwischen!

Wir wünschen Ihnen ein gutes Händchen für die Haltung und Aufzucht Ihrer Heimchen.

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