Chinaseuche (Hämorrhagische Kaninchenkrankheit, RHD) This article is verified by a vet

Kaninchen liegt.

Das Problem bei der Chinaseuche ist, dass man Symptome beim Kaninchen oft erst sehr spät erkennt.

Nasenbluten bei Kaninchen muss nicht immer ein Zeichen für eine harmlose Verletzung sein. Wir erklären Ihnen, wieso Sie in einem solchen Fall auch die Chinaseuche in Betracht ziehen sollten und wie Sie Ihr Kaninchen vor einer RHD-Infektion (Rabbit Haemorrhagic Disease) schützen können.

Krankheitszeichen: Woran erkenne ich die Chinaseuche?

Steckt sich ein Kaninchen mit der Chinaseuche (Rabbit Haemorrhagic Disease, RHD) an, verstirbt es in der Regel innerhalb weniger Stunden ohne klinische Anzeichen. Manche Kaninchen zeigen jedoch sichtbare Folgen durch entzündliche Prozesse in der Leber. Da diese normalerweise für die Gerinnung des Blutes notwendig ist, fangen die Kaninchen typischerweise stark zu bluten an.

Besonders häufig werden folgende Symptome beobachtet:

  • Nasenbluten
  • Blutbeimengungen im Urin und Kot
  • Atemnot
  • hohes Fieber und Abgeschlagenheit
  • gelb verfärbte Schleimhäute im Mund und an den Augen (Gelbsucht, Ikterus)

Wie diagnostiziert man die Chinaseuche?

Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Kaninchen sich an der Chinaseuche angesteckt haben könnte, sollten Sie schnellstmöglich zu einem Tierarzt. Dieser kann Ihrem Langohr Blut abnehmen, um es für einen Erregernachweis in ein spezialisiertes Labor zu schicken.

Zudem kann der Tierarzt innere Organe wie die Leber oder Milz mittels Ultraschall sichtbar machen. Sind diese angeschwollen, ist dies ein weiterer Hinweis für eine mögliche RHD-Infektion.

Da die meisten Kaninchen jedoch leider innerhalb kürzester Zeit versterben, wird eine RHD-Infektion meist erst nach dem Tod festgestellt. Dazu entnehmen Pathologen während der Sektion unterschiedliche Gewebsproben. Im Labor kann das Virus anschließend mittels spezieller Tests (z.B. PCR) nachgewiesen werden.

Diagnose der Chinaseuche beim Kaninchen.
Diagnose: Das RHD-Virus kann mittels einer Blutabnahme diagnostiziert werden.

Therapie: Kann RHD behandelt werden?

Es ist derzeit kein Heilmittel gegen die Hämorrhagische Kaninchenkrankheit bekannt. Deshalb können Sie das Leid Ihres Kaninchens nur durch unterstützende Maßnahmen lindern. Um den Kreislauf zu stabilisieren, legen Tierärzte meist Flüssigkeitsinfusionen an und verabreichen bestimmte Medikamente zur Stärkung des Immunsystems (Paramunitätsinducer).

Wie ist die Prognose?

Leider ist die Prognose für RHD-infizierte Kaninchen sehr schlecht. Daher ist es von großer Wichtigkeit, Langohren ausreichend zu impfen!

Was versteht man unter der Chinaseuche?

Bei der Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) handelt es sich um eine Virusinfektion bei Kaninchen. Das gleichnamige Virus zählt zu den Caliciviren und kommt in zwei Varianten vor:

  • das klassische, bei erwachsenen Kaninchen vorkommende RHD-Virus
  • das neuartige, auch bei Jungtieren und Feldhasen vorkommende RHD-2-Virus.

Da das Virus in erster Linie die Leber schädigt, entzündet sich diese. Die Leberentzündung (Hepatitis) führt dazu, dass die Kaninchen aus jeglichen Körperhöhlen bluten und letztendlich sterben.

Interessant zu wissen:
Da RHD das erste Mal 1984 in China nachgewiesen worden ist, bezeichnet man die Viruserkrankung auch als Chinaseuche. 1988 trat die Viruserkrankung erstmalig in Deutschland auf.

Ansteckung: Wie erfolgt die Übertragung?

Hauskaninchen können sich über verschiedene Infektionswege bei anderen Kaninchen oder freilebenden Wildkaninchen anstecken. Dabei wird zwischen direkten und indirekten Ansteckungsmöglichkeiten unterschieden:

Direkte Übertragung:

Hat Ihr Kaninchen direkten Kontakt zu einem verseuchten Kaninchen oder leckt es an einem kontaminierten Gegenstand, nimmt es die RHD-Viren schnell über das Maul oder offene Wunden auf. Aber auch über verunreinigtes Futter können sich Hauskaninchen mit der Viruserkrankung anstecken.

Indirekte Übertragung:

Insekten (z.B. Stechmücken) nehmen die Viren während des Blutsaugens auf. Sticht dann dasselbe Insekt ein gesundes Kaninchen, werden die RHD-Viren in die Blutbahn abgegeben.

Vorsorge: Wie schütze ich mein Kaninchen vor der Chinaseuche?

Die wichtigste RHD-Vorsorge ist die Schutzimpfung! Aktuell sind in Deutschland verschiedene Impfstoffe zugelassen. Manche von Ihnen können in Kombination mit einem Impfstoff gegen die Myxomatose verabreicht werden.

Grundsätzlich kann ab einem Alter von vier bis sechs Wochen gegen RHD geimpft werden. Dann folgt in der Regel nach einer Woche eine weitere Impfung. Damit der Impfschutz hält, sollte die Impfung jedes Jahr wiederholt werden. Möchten Sie mit Ihrem Kaninchen züchten, ist eine sechsmonatige Auffrischung empfehlenswert.

Zusätzlich sollten Sie immer auf eine sorgfältige Stallhygiene achten. Reinigen Sie die Gehege – einschließlich sämtlicher Gegenstände und Flächen – mit virenwirksamen Desinfektionsmitteln oder heißem Wasser über 60 Grad Celsius. Somit können Sie die Erreger erfolgreich abtöten. Zudem sollten Sie erkrankte oder verstorbene Tiere schnellstmöglich von Gesunden trennen.


Franziska Gütgemann, Veterinarian
Franziska Gütgemann

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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