Mein Welpe beißt: Was tun?

Verfasst von zooplus Redaktion

Ab einem Alter von rund sechs Wochen verfügen Welpen über 28 spitze Zähnchen, die sie meist sehr gerne einsetzen. Diese Milchzähne pieken anfangs nur unangenehm und verursachen noch keine ernsthaften Verletzungen. Dennoch sollte jeder Hundebesitzer viel Wert darauf legen, dass seine Fellnase schnell die Beißhemmung erlernt. Was kann ich also tun, wenn mein Welpe beißt?

Husky Welpe beißt Mensch in die Hand

Welpenzähne können ziemlich piksen. Beginnen Sie deshalb schon frühzeitig damit, die Beißhemmung zu trainieren.

Was ist die Beißhemmung beim Welpen überhaupt?

Der Begriff Beißhemmung kommt aus der Verhaltensforschung. Forscher nahmen früher an, es handle sich hierbei um einen angeborenen Schutzmechanismus.

Dieser Mechanismus diene dazu, so die Idee, dass ein im Kampf unterlegenes Tier nicht weiter verletzt wird. Doch die Beißhemmung ist keineswegs eine angeborene Verhaltensweise. Ein Welpe muss sie erst erlernen.

Warum Welpen in Kleidung, Hände und Füße beißen

Heutzutage geht es beim Begriff Beißhemmung eher darum, dass der Welpe nicht zu fest beißt. Denn Welpen erkunden ihre Umgebung naturgemäß mit dem Maul. Ein junger Hund soll also seine Zähne durchaus einsetzen, muss aber lernen, wo und wie fest er dies tun darf.

Welpe beißt in Hand © Magryt / stock.adobe.com
Jeder Welpe muss unbedingt die Beißhemmung erlernen.

Welpe beißt beim Spielen: Von und mit den Geschwistern lernen

Bereits in der Kinderstube lernen Hundewelpen spielerisch, ihre natürlichen Waffen zu kontrollieren. Spielen Wurfgeschwister miteinander und ein Welpe beißt, reagiert derjenige, der gebissen wird, sofort. Er zwickt entweder zurück oder er entzieht sich dem Spiel. Beides ist aus Sicht des Beißers unangenehm.

Beißhemmungs-Training im neuen Zuhause fortsetzen

Auf diese Weise lernen junge Hunde, dass zu unvorsichtiges Beißen negative Folgen für sie hat. Sie sollten ihre neuen Zähnchen nur mit Bedacht einsetzen. Die natürliche Entwicklung und Sozialisierung bietet durch solche Lektionen im Wurf also eine optimale Grundlage für eine gesunde und sichere Beißhemmung des erwachsenen Hundes.

Leider setzen viele Menschen diesen wichtigen Bestandteil der Welpenerziehung nach dem Einzug ihres Lieblings nicht fort. Dabei ist es bei allen Rassen von enormer Bedeutung. Denn auch kleine oder sehr umgängliche Hunde haben Zähne.

Welpe beißt in Kauspielzeug © manushot / stock.adobe.com
An einem Kauknochen darf Ihr Welpe nach Herzenslust herumbeißen.

Das Training: Wie zeige ich meinem Welpen Grenzen?

Ein Hund muss bereits als Welpe lernen, dass Menschen eine empfindliche Haut haben. Auch im Spiel darf er diese nicht anknabbern. Wenn Ihr Welpe beißt, müssen Sie ihm die Grenzen deutlich machen.

Was mache ich, wenn mein Welpe mich beißt?

In Hände oder Beine zu beißen, ist für den Kleinen tabu. Unterbrechen Sie das Spiel mit einem akustischen Signal wie „Aua“, sobald er mit seinen Zähnen an Ihre Haut oder Kleidung kommt.

Entziehen Sie ihm anschließend kurz die Aufmerksamkeit, damit er die Konsequenz des Beißens unmittelbar kennenlernt. Meist ist rund eine Minute bereits ausreichend. Sollte Ihr tierischer Gefährte in diesem Zeitraum erneut zubeißen, verlassen Sie am besten kurz den Raum. Ihr Welpe versteht durch diese Spielpause, dass zu festes Beißen negative Konsequenzen für ihn hat.

Zerr- und Kauspielzeug als Alternative

Im Grunde verhalten Sie sich ungefähr so, wie ein Hund es in der gleichen Situation tun würde. Ist Ihr Welpe besonders hartnäckig, dürfen Sie – ganz in Hundemanier – auch einmal „zurückbeißen“. Ein kleiner Stups in die Seite oder an der Pfote ist da schon völlig ausreichend. Ein Klaps oder gar ein ernsthafter Schlag sind natürlich absolut tabu!

Zeigen Sie ihm außerdem eine Alternative: Bieten Sie Ihrem Vierbeiner nach der oben beschriebenen Spielpause zum Beispiel ein Zerrspielzeug an. An diesem kann er sich mit seinen Zähnen austoben und lernt in diesem Zusammenhang, dass er hieran gerne knabbern darf. Auch Kauspielzeuge eignen sich hierfür bestens.

Welche Herausforderungen gibt es beim Beißhemmungs-Training?

Leben kleine Kinder im Haushalt, birgt das Training zusätzliche Herausforderungen. Denn junge Hunde knabbern gerne spielerisch an Kindern oder deren Kleidung. Lassen Sie den Welpen also nur unter Aufsicht mit Kindern spielen. Ungefähr ab dem Schulalter kann Ihr Kind das spielerische Training selbst durchführen.

Konsequenz ist der Schlüssel zum Erfolg

In jedem Fall erfordert das Üben mit den meisten Welpen viel Geduld: Halten Sie sich immer vor Augen, dass Sie nur durch Konsequenz wirkungsvolle Erfolge erzielen. Beißt der Welpe, muss jedes Mal die entsprechende Reaktion darauf kommen.

Wie lange dauert es, bis ein Welpe nicht mehr beißt?

Außerdem müssen alle Mitglieder der Familie gleich handeln. Wenn Frauchen „Aua“ sagt, Herrchen aber nicht, werden langfristige Erfolge ausbleiben. Diese werden sich auch nicht von einem Tag auf den anderen, sondern langsam einstellen.

Achtung: Mit circa vier Monaten, bevor die bleibenden Zähne die Milchzähne ersetzen, sollte ein Junghund seine Zähne unter Kontrolle haben.

Hilfestellung durch Hundetrainer

Suchen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie anhaltend Probleme mit diesem Thema haben. Im besten Fall gehen Sie ohnehin mindestens einmal wöchentlich in eine Hundeschule. Dort können Sie Ihren Hundetrainer konkret darauf ansprechen.

Kurz und knapp: Die häufigsten Fragen zum Thema bissige Welpen

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um beißende Welpen.

Warum beißt mein Welpe in die Leine?

Ein Hundekind muss viel lernen – dazu gehört natürlich auch die Leinenführigkeit. Wenn Ihr Welpe beim Spaziergang in die Leine beißt, kann das verschiedene Gründe haben. Vielleicht langweilt sich der Kleine und möchte spielen. Vielleicht ist er aber auch überfordert und gestresst. Oder er benutzt die Leine einfach als Kauspielzeug.

Mein Welpe knurrt und schnappt: Ist das bösartig gemeint?

Bei einem Welpen sind Knurren und Schnappen meist keine Anzeichen für Aggression. Stattdessen können beispielsweise Angst, Unsicherheit, Überforderung oder Müdigkeit Gründe für dieses Verhalten sein. Achten Sie auf die Körpersprache: ein entspannter Körper und eine wedelnde Rute sprechen für eine Spielaufforderung, ein steifer Körper, angelegte Ohren und eine angespannte Rute deuten eher auf Stress oder Abwehr hin.

Warum beißt mein Welpe mich blutig?

Beißt der Welpe so fest zu, dass die Haut blutet, könnte das an Müdigkeit oder Frust des Tieres liegen. Möglicherweise zahnt der Hund auch oder er hat bewegte Hände/ Füße als Spielziel wahrgenommen. Wenn Ihre Haut regelmäßig verletzt wird, lohnt es sich, konsequent an der Beißhemmung und der Impulskontrolle zu arbeiten und auf ausreichende Ruhephasen zu achten. Falls die Bisse häufig, sehr heftig oder schwer vorhersehbar sind, kann die Unterstützung eines qualifizierten Hundetrainer sinnvoll sein.

Was tun, wenn der Welpe überdreht und beißt?

Wenn ein Welpe beim Spielen überdreht, verliert er die Kontrolle und fängt an, härter zu zwicken oder zu beißen. Unterbrechen Sie das Spiel sofort und ignorieren Sie den Welpen kurz. Grundsätzlich gilt: Achten Sie auf Anzeichen für Übermüdung bei Ihrem Welpen und beenden Sie das Spiel rechtzeitig. Setzen Sie lieber auf mehrere kurze Spieleinheiten als eine lange, sehr wilde.

Fazit: Beißhemmung konsequent trainieren

Wenn der Welpe beim Spielen oder in aufregenden Situationen beißt, ist das zwar ernst zu nehmen, aber bei Junghunden nicht automatisch ein Zeichen von Aggression. Damit aus dem neugiergen Hundekind, das noch lernen muss, seine Waffen richtig einzusetzen, kein bissiger ausgewachsender Hund wird, sollten Sie gemeinsam konsequent an seiner Beißhemmung arbeiten.

Quellen:


zooplus Redaktion
zooplus Redaktion

Die zooplus Redaktion besteht aus einem engagierten Team mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Tierhaltung: Luisa mit ihrem Schweizer Schäferhund Elyos, Laura, Julio und Florian. Zusammen mit einem großen Netzwerk aus Tierexperten arbeiten wir daran, das zooplus Magazin zu einer vertrauenswürdigen Informationsquelle für alle Tierbesitzer und -liebhaber zu machen. Unser Ziel ist es, spannendes Wissen und relevante Informationen zur artgerechten Haltung von Haustieren bereitzustellen.


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