Schon seit einiger Zeit essen Sie keine tierischen Produkte mehr und möchten jetzt auch Ihren Hund vegan ernähren? Damit Ihr Hund gesund bleibt, sollten Sie sich vorher gut mit der Thematik auseinandersetzen. Erfahren Sie hier, worauf Sie bei der veganen Ernährung Ihres Hundes achten müssen und was diese für ihn bedeutet.
Welche Möglichkeiten gibt es, einen Hund vegan zu ernähren?
Immer mehr Menschen verzichten auf tierische Produkte und ernähren sich vegan. Auch für Ihren Hund wollen Sie die rein pflanzliche Ernährung ausprobieren? Dann haben Sie die Wahl zwischen selbstgekochten Rationen und einer wachsenden Auswahl an fertigen vegetarischen und veganen Futtermitteln verschiedener Anbieter.
Qualitätskriterien bei Alleinfuttermitteln
Auf dem Futtermittelmarkt gibt es mittlerweile zahlreiche Hersteller von veganem Futter. Der Vorteil von Alleinfuttermittel liegt vor allem darin, dass es alle wichtigen Nährstoffe enthält und einfach zu portionieren ist. Achten Sie beim Kauf aber darauf, dass der Hersteller die genaue Zusammensetzung seines Produkts nach der Herstellung analysieren lässt.
Die Mengen der Inhaltsstoffe müssen den Vorgaben der Fediaf (European Pet Food Industry Federation), AAFCO (Association of American Feed Control Officials) oder NRC (National Research Council) entsprechen. Nur so kann einer Mangelversorgung des Hundes mit allen wichtigen Nährstoffenvorgebeugt werden.
Selbstzusammengestellte Rationen
Bei selbstgekochten Rationen können Sie die verwendeten Zutaten selbst auswählen. Diese Fütterung setzt allerdings besonders gute Kenntnisse in der Ernährung des Hundes voraus.
Für welche Variante oder Kombination daraus Sie sich entscheiden, hängt von Ihren Wünschen und Vorlieben ab.
Ist es möglich, einen Hund vegan zu ernähren?
Werden bestimmte ernährungsphysiologische Punkte und Nährstoffbedürfnisse des Hundes berücksichtigt, dann ist es möglich, einen Hund vegan zu ernähren.
Beratung beim Ernährungsexperten
Sprechen Sie die Umstellung auf eine vegane Ernährung allerdings zuerst mit Ihrem Haustierarzt oder einem Fachtierarzt für Tierernährung und Diätetik ab. Außerdem sind regelmäßige Untersuchungen und Blutkontrollen nach einer Umstellung sehr zu empfehlen, um sicherzustellen, dass Ihr Hund weiterhin gesund bleibt und keine Mangelerscheinungen entwickelt.
Eine mögliche Alternative zu einer dauerhaften veganen Ernährung können auch einzelne vegane Tage in der Woche oder eine Kombination mit einer vegetarischen Ernährung des Hundes sein.
Gibt es Studien zur veganen Hundeernährung?
Dennoch müssen Sie sich dessen bewusst sein, dass die Studienlage zur veganen Ernährung von Hunden bislang sehr dürftig ist und noch keine abschließende Beurteilung erlaubt.
Es existieren Untersuchungen, die den Gesundheitszustand von vegan, vegetarisch und konventionell ernährten Hunden vergleichen, unter anderem eine Studie aus England und Australien sowie eine Masterarbeit von Lukas Kiemer. Beide Arbeiten lassen vermuten, dass eine ausgewogene vegane Ernährung von Hunden möglich ist. Sie sind jedoch in ihrer Aussagekraft begrenzt und erfordern noch tiefergehende Untersuchungen.
Kann man Hunde über einen längeren Zeitraum vegan ernähren?
Darüber hinaus gibt es inzwischen erste kontrollierte Studien, die zeigen, dass ausgewogene vegane Futtermittel bei erwachsenen Hunden über mehrere Monate bis zu einem Jahr eine ausreichende Versorgung mit verschiedenen untersuchten Nährstoffen und einen unauffälligen Gesundheitsstatus ermöglichen können.
Langzeitstudien über mehrere Jahre und insbesondere über den gesamten Lebenszyklus des Hundes fehlen jedoch weiterhin. Kurz gesagt: Es besteht noch viel Forschungsbedarf auf dem Gebiet der veganen Hundeernährung (Stand: August 2026).
Welche Risiken birgt die vegane Ernährung für Hunde?
Wie bei jeder Fütterungsform gibt es auch bei der veganen Ernährung des Hundes bestimmte Punkte zu beachten. Da sich Hunde naturgemäß nicht vegan ernähren würden, ist es notwendig, sich vorab auch mit den Risiken und möglichen Problemen der veganen Ernährung auseinanderzusetzen.
Hunde sind im Gegensatz zu Katzen keine strikten Fleischfresser, sondern sogenannte Carni-Omnivoren. Das bedeutet, dass Hunde neben tierischer Nahrung auch pflanzliche Bestandteile verdauen können.
Die natürliche Ernährungsweise des Hundes
Das Gebiss unserer Hunde ist mit seinen spitzen Eckzähnen und der Scherenform darauf ausgelegt, Fleisch und Knochen zu zerteilen. Dies gibt uns den Hinweis, dass der Hund normalerweise auf Proteine aus tierischer Nahrung angewiesen ist.
Gleichzeitig hat der Hund im Laufe der Evolution aber die Fähigkeit erworben, vermehrt Stärke zu verdauen. Dafür sind bestimmte Enzyme, die Amylasen, nötig, die unter anderem im Speichel enthalten sind. Die Kohlenhydrate aus Getreide oder anderen stärkehaltigen Pflanzen können daher für einen Teil der Kalorienzufuhr genutzt werden.
Mangelversorgung als größtes Risiko
Es gibt einige Nährstoffe, die für den Hund essenziell sind und die in seiner Ration auf keinen Fall fehlen dürfen. Manche dieser Nährstoffe kommen nur in tierischen Produkten in ausreichender Menge vor. Werden diese wichtigen Vitamine und Mineralstoffe nicht durch Futtermittelzusätze ergänzt, dann kommt es zu gesundheitlichen Problemen.
Die Folgen einer Fehlversorgung mit Nährstoffen zeigen sich allerdings meist erst nach einem längeren Zeitraum – manchmal sogar erst nach Jahren – und sind auch im Blut erst sehr spät nachzuweisen.
Auf ausgewogene Nährstoffversorgung achten
Eine schlecht kalkulierte vegane Ration ist daher auf jeden Fall gefährlich für den Hund, weil sie schnell zu einer Mangelversorgung mit wichtigen Nährstoffen führen kann. Bislang gibt es auch keine Langzeitstudien über den langfristigen Gesundheitszustand vegan ernährter Hunde.
Gefahrenquelle: Unzureichende Zusammensetzung von Futterrationen
Wollen Sie Ihren Hund mit einer selbstgestalteten Mahlzeit vegan ernähren? Dann ist unbedingt die Zusammenarbeit mit geschulten Tierärzten, zum Beispiel Fachtierärzten für Ernährungsberatung beim Hund, zu empfehlen. Durch eine professionelle Rationsberechnung werden die Zutaten genau kalkuliert und einzelne fehlende Nährstoffe passend durch Zusätze ergänzt.
Die Überprüfung zahlreicher veganer Rezepte für den Hund aus Büchern und dem Internet zeigten hingegen teils massive Mängel bei einem oder mehreren wichtigen Nährstoffen auf.
Karotten, Gurken und Co sind bei Hunden oftmals beliebt. Um den Hund vegan zu ernähren, braucht es aber noch einige andere Zutaten.
Worauf muss ich achten, wenn ich meinen Hund vegan ernähre?
Hunde sind darauf angewiesen, bestimmte Aminosäuren aus Proteinen mit der Nahrung aufzunehmen, da sie diese nicht selbst herstellen können. Diese Aminosäuren kommen in erster Linie in tierischem Protein vor. Aber auch manche pflanzlichen Proteinquellen haben eine ähnliche Aminosäuren-Zusammensetzung und können daher als Ersatzprodukt verwendet werden.
Außerdem benötigt der Hund einige Vitamine und Mineralstoffe in deutlich höherer Konzentration als wir Menschen. Andere sind sogar essenziell und lebenswichtig für ihn. Manche dieser Vitamine und Mineralstoffe sind nur in tierischen Futterbestandteilen in größerer Menge enthalten und kommen in pflanzlicher Kost kaum oder gar nicht vor.
Welche Mängel können durch vegane Ernährung beim Hund auftreten?
Werden diese in der veganen Fütterung nicht ergänzt, dann kann es zu schwerwiegenden Mangelerscheinungen kommen. Dies betrifft insbesondere Taurin, Eisen, Kalzium, Zink, Vitamin A, Vitamin D3 und Vitamin B12.
Mögliche Folgen einer Mangelversorgung mit den essenziellen Nährstoffen können zum Beispiel Blutarmut (Anämie), Schädigungen des Nervensystems oder Erblinden sein. Die Folgen einer Fehlversorgung zeigen sich meistens erst nach einem längeren Zeitraum.
Folgen eines Vitamin-D3-Mangels
Zum Beispiel kann Vitamin D3 vom Hund nicht in der Haut produziert werden und er muss es über die Nahrung aufnehmen. Die höchsten Konzentrationen von Vitamin D3 finden sich in Futterbestandteilen tierischen Ursprungs, hauptsächlich in der Leber.
Ein Mangel an Vitamin D3 führt unter anderem zu einer reduzierten Kalzium-Aufnahme im Darm und somit langfristig zu einer Demineralisierung der Knochen. Die Stabilität der Knochen wird geschwächt und es kann zu vermehrten Knochenbrüchen oder Schmerzen kommen. Aber auch viele andere zelluläre Prozesse im Körper werden von Vitamin D beeinflusst.
Warum sollte man seinen Hund überhaupt vegan ernähren?
Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Menschen vegan ernähren. Der Grund, warum die Ernährung des Hundes auf eine vegane Ernährung umgestellt wird, ist dabei oftmals der gleiche wie für die eigene vegane Ernährung.
Eine Ausnahme bilden gesundheitliche Gründe. So gibt es manche Erkrankungen beim Hund, die eine strenge vegetarische oder sogar vegane Ernährung notwendig machen. In diesen Fällen ist eine Ernährungsumstellung zum Wohle des Hundes überlebenswichtig.
Vegane Ernährung spart CO₂
Nachhaltigkeit spielt auch in der Produktion von Lebensmitteln eine immer größere Rolle. Wollen Sie auf Nachhaltigkeit achten, dann kommen Sie zwangsläufig zu der Frage, was Sie bei der Ernährung Ihres Hundes ändern können.
Zur Produktion von Fleisch wird eine unverhältnismäßig große Menge an Ressourcen benötigt. Eine Studie zum Thema CO₂-Emission in der Tierhaltung zeigt: Schon die Reduktion des Fleischanteils in der täglichen Ration um 25 Prozent und die vermehrte Verwendung von tierischen Abfallprodukten wie Innereien und Fleischabschnitten anstelle von bestem Muskelfleisch reduziert die CO₂-Emission um etwa die Hälfte.
Tierleid bei Nutztieren verhindern
Das Tierwohl steht ganz vorne für die Gründe einer veganen Ernährung. Wird das tierische Protein in der Ernährung durch geeignete pflanzliche Proteine ersetzt, dann entfällt oder reduziert sich zumindest die Nutztierhaltung und Schlachtung von Tieren.
Achtung: Je nach Land gibt es aber womöglich gesetzliche Vorgaben, wie die artgerechte Ernährung eines Hundes definiert wird. Bitte informieren Sie sich daher vorab in Ihrem Heimatland, ob es erlaubt ist, Ihren Hund vegan zu ernähren.
Kurz und knapp: Die häufigsten Fragen zum Thema vegane Hundeernährung
Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um pflanzenbasierte Hundenahrung.
Ist es artgerecht, einen Hund vegan zu ernähren?
Das kommt darauf an, was man unter „artgerecht“ versteht. Sieht man sich die Nahrung des Wolfs an, also des Vorfahren unserer Haushunde, dann entspricht die vegane Ernährung nicht dessen Lebensweise. Betrachtet man allerdings die biologischen und gesundheitlichen Bedürfnisse des domestizierten Hundes, so kann eine vegane Ernährung durchaus artgerecht sein – sofern die Futterrationen ausgewogen zusammengesetzt sind.
Ist es gesund, einen Hund vegan zu ernähren?
Hunde können pflanzliche Nahrung verwerten. Eine vegane Ernährung ist deshalb physiologisch möglich. Allerdings muss sie unter anderem ausreichend essenzielle Aminosäuren, Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium, Jod, Zink sowie bestimmte Omega-3-Fettsäuren liefern. Nur wenn das Hundefutter alle lebensnotwendigen Nährstoffe enthält, trägt es dazu bei, den Vierbeiner gesund und vital zu halten.
Ist es in Deutschland verboten, einen Hund vegan zu ernähren?
In Deutschland ist es nicht generell verboten, einen Hund vegan zu ernähren. Rechtlich entscheidend ist vielmehr, dass der Hund art- und bedarfsgerecht ernährt wird. Das Tierschutzgesetz verpflichtet Halter dazu, ein Tier seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren. Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt ausdrücklich „artgemäßes Futter in ausreichender Menge und Qualität“.
Welche Erfahrungen haben Menschen mit der veganen Hundeernährung gemacht?
Eine Befragung von Hundebesitzern mit insgesamt 2.536 Hunden aus dem Jahr 2024 fand weniger berichtete Erkrankungen bei vegan ernährten Hunden als bei Hunden mit konventioneller Fleischfütterung. Nach statistischer Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Kastration, Größe und Aktivität waren verschiedene Krankheitsindikatoren bei den vegan ernährten Hunden ebenfalls seltener.
Fazit: Die individuellen Bedürfnisse des Hundes berücksichtigen
Eine gut zusammengestellte vegane Ernährung kann bei einem gesunden erwachsenen Hund durchaus funktionieren. Aber daraus folgt nicht, dass die vegane Ernährung grundsätzlich gesünder ist als eine hochwertige Ernährung mit tierischen Bestandteilen. Dafür fehlen noch ausreichend gute Langzeitstudien. Der entscheidende Punkt ist deshalb weniger „vegan oder Fleisch?“, sondern: Ist das gewählte Futter ausgewogen, bedarfsdeckend und für genau diesen Hund geeignet?
Quellen:
Nadine Passlack: Aktuelle Trends in der Hunde- und Katzenernährung. Vegane Rationen, Insekten oder Speisereste?! (Vortrag an der FU Berlin; Präsentation)
María Dolores Contreras-Aguilar et al.: Detection and measurement of alpha-amylase in canine saliva and changes after an experimentally induced sympathetic activation, BMC Veterinary Research Nr 13 (2017) (Online-Version)
Erik Axelsson et al.: The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet, Nature Nr. 495 (2013), S. 360-364 (Online-Version)
Pia-Gloria Semp: Vegan nutrition of dogs and cats, Wien 2014 (Magisterarbeit; Online-Version)
Josh Loeb: The trouble with vegan cats and dogs, The Veterinary Record Nr. 186:7 (2020), S. 197 (Online-Version)
Rafael V. A. Zafalon et al.: Vitamin D metabolism in dogs and cats and its relation to diseases not associated with bone metabolism, Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition Nr. 104:1 (2020), S. 322-342 (Online-Version)
Sarah A. S. Dodd et. al.: Plant-based diets for dogs, Journal of the American Veterinary Medical Association Nr. 253:11 (2018), S. 1425 ff. (Online-Version)
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