Samtkrankheit beim Fisch Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Geißbrasse

Die Samtkrankheit ist eine hochansteckende Fischkrankheit. Daher ist schnelles Handeln besonders wichtig.

Hat Ihr Fisch trübe, samtartige Haut und sieht er aus, wie mit Puderzucker bestreut, ist dies ein Hinweis auf die Samtkrankheit (Piscinoodinium). Erfahren Sie alles über diese Erkrankung und was sie für Ihre Fische bedeutet.

Wie gefährlich ist die Samtkrankheit für meinen Fisch?

Die Samtkrankheit ist eine hochgradig ansteckende Fischkrankheit. Sie befällt alle Fischarten unabhängig vom Alter und führt unbehandelt zu einem langsamen Tod der erkrankten Tiere. Damit sich nicht alle Fische infizieren, sollten Sie daher sofort handeln und betroffene Tiere isolieren.

Symptome: Welche Anzeichen zeigt ein Fisch mit Samtkrankheit?

Anfangs befällt der Parasit Piscinoodinium pillulare nur die Kiemen. Nach ein paar Tagen breitet er sich über die gesamte Hautoberfläche aus.

Dann können Sie in der Regel die folgenden körperlichen Veränderungen an Ihrem Fisch beobachten:

  • samtartiger, puderzuckerartiger Belag (bei fortgeschrittenem Befall)
  • Atemprobleme (erhöhte Atmungsfrequenz, Schnappen nach Luft, verstärkte Atmung)
  • abgespreizte Kiemendeckel
  • verschleimte Kiemen (Schleimfäden hängen heraus)
  • Absonderung von Schleim
  • grau- oder braungelber Belag auf Haut und Flossen
  • Kopf und Rücken dunkler verfärbt
  • sich ablösende Haut

Verhaltensänderungen

Auch zeigt sich bei vielen betroffenen Fischen ein verändertes Verhalten. So halten sich Aquarienbewohner, die an der Samtkrankheit leiden, oft an der Wasseroberfläche, am Boden oder an der Ausströmöffnung des Filters auf oder verstecken sich. Zudem scheuern sie sich häufig an Boden und Gegenständen.

Außerdem verweigern betroffene Tiere häufig die Futteraufnahme, weshalb sie in der Folge abmagern. Auch Teilnahmslosigkeit oder das Anlegen der Flossen („Flossenklemme“) lässt sich mitunter beobachten.

Fischhaut © klikk / stock.adobe.com
Eine gesunde Fischhaut sieht so aus. Bei der Samtkrankheit bildet sich ein samtiger, grau- oder braungelber Belag auf der Haut.

Diagnose: Wie lässt sich die Samtkrankheit nachweisen?

Die Diagnose Samtkrankheit erfolgt nach einem umfassenden Gespräch mit dem Besitzer, einer ausführlichen allgemeinen Untersuchung und dem Erkennen von spezifischen Symptomen.

In größeren Fischbeständen sind darüber hinaus pathologisch-anatomische, bakteriologische und parasitologische Untersuchung sinnvoll.

Nachweis unter dem Mikroskop

Konkret lässt sich der Parasit Piscinoodinium pillulare mikroskopisch in Tupf- und Quetschpräparaten nachweisen. Da er sich schwer von Schleimhautzellen unterscheiden lässt, ist er in einem Abstrich nur schwer zu erkennen.

Sind mehrere Tiere betroffen, kann es hilfreich sein, Wasserproben zu entnehmen und in einem Labor analysieren zu lassen.

Therapie: Welche Behandlungsmethoden gibt es bei der Samtkrankheit?

Da der Parasit Piscinoodinium pillulare durch seine Chloroplasten fotosynthetische Eigenschaften besitzt, erfolgt eine Behandlung der Fische im Dunklen.

Medikamente gegen Piscinoodinium pillulare

Bei einer Besiedelung mit Parasiten helfen spezielle Antiparasitika. Wirksame Medikamente gegen Piscinoodinium pillulare sind Chininhydrochlorid, Kupfersulfat und Wirkstoffe mit 2-Amino-5-nitrothiazol.

Holen Sie immer den Rat eines fachkundigen Tierarztes ein. Einige Fischarten wie beispielsweise Welse reagieren empfindlich auf bestimmte Medikamente, ebenso niedere Organismen wie Schnecken, Muscheln und Garnelen.

Zusätzliche Maßnahmen

Grundsätzlich sollten Sie erkrankte Tiere in einem Quarantänebecken behandeln und die restlichen Fische auf auftretende Krankheitsanzeichen beobachten. Lassen Sie die Fische erst wieder zurück ins Aquarium oder den Teich, wenn sie komplett genesen sind.

Zur Unterstützung können Sie außerdem etwas Kochsalz (circa ein Gramm Salz je Liter Wasser) ins Becken geben. Vorher muss jedoch eine Verträglichkeit abgeklärt werden.

Fisch im Aquarium © Silhouette Boss / stock.adobe.com
Von der Samtkrankheit betroffene Fische sollten in ein Quarantänebecken.

Mit welchen Behandlungskosten muss ich rechnen?

Die Kosten für die Behandlung der Samtkrankheit lassen sich im Vorhinein nicht genau abschätzen. Sie richten sich immer nach der Größe des Fischbestandes, den Untersuchungen und den verwendeten Medikamenten.

Folgende Kostenpunkte sollen Ihnen aber eine ungefähre Richtung geben: Für einen einzelnen Guppy beträgt die allgemeine Untersuchung mit Beratung 24,62 Euro nach der aktuellen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT von 2022). Eine Bestandsuntersuchung für größere Fischbestände beträgt 83,77 Euro.

Hinzu kommen noch die Kosten für Medikamente und weiterführende Untersuchungen.

Prognose: Wie sind die Heilungschancen bei der Samtkrankheit?

Die Samtkrankheit führt zu einem langsamen, qualvollen Tod aller betroffenen Fische, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Wird sie frühzeitig erkannt, lässt sie sich aber heilen.

Fische, die schon stark beeinträchtigt sind (Samtschleier) und leiden, sollten Sie möglichst ohne Stress und Schmerzen fachgerecht erlösen.

Ursachen: Was sind die Auslöser für die Samtkrankheit?

Die Samtkrankheit wird auch als Oodiniumbefall, Oodinose, Korallenfischkrankheit, Pillulariskrankheit oder Colisa-Krankheit bezeichnet. Sie wird durch den Parasiten Piscinoodinium pillulare (Dinoflagellaten) im Süßwasser verursacht, in Salzwasser dagegen von Amyloodinium ocellatum.

Die Parasiten befallen Haut und Kiemen. Dabei schädigen sie diese durch wurzelartige Plasmafäden und lösen sie schließlich auf.

Einfluss der Temperatur auf den Lebenszyklus

Die Entwicklung und der Lebenszyklus von P. pillulare ist stark temperaturabhängig. Im kälteren Wasser dauert die Entwicklung länger als in Warmwasser.

Um den Lebenszyklus des Parasiten zu beschleunigen, kann die Wassertemperatur erhöht werden. Allerdings besteht bei den befallenen Fischen dann, aufgrund der massenhaften Ausbreitung im Kiemengewebe, die Gefahr an Sauerstoffmangel zu sterben.

Typischer Krankheitsverlauf

Im anfänglichen Stadium sind nur die Kiemen befallen und verursachen eine starke Atemnot. Die restliche Fischhaut kann dabei noch völlig frei von Parasiten erscheinen.

Wenn P. pillulare seine Zysten verlässt, verbreitet er sich kriechend über die gesamte Hautoberfläche. Dies führt dann bei einer Betrachtung in Längsrichtung von schräg vorne gegen das Licht zu einer trüben wie mit Puderzucker bestreuten Haut. Bei einem starken Befall wirkt die Haut samtartig und der Belag weist eine gelbliche bis bräunliche Färbung auf.

Der Krankheitsverlauf ist anfangs meist schwer zu erkennen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es durch die massenhafte Ausbreitung des Parasiten dann zu einer Zerstörung des Zellverbundes. Gewebe stirbt ab und die Haut löst sich in Fetzen ab. Hinzu kommen Blutungen innerhalb der Kiemenblättchen.

Ansteckung vermeiden

Damit die Samtkrankheit nicht in Ihrem Aquarium auftritt, sollten Sie neu gekaufte Fische immer auf den Parasiten untersuchen lassen.

Bringen Sie Neuzugänge in der Anfangsphase zur besseren Beobachtung für vier bis sechs Wochen in einem Quarantänebecken unter.

Auch Wirbellose, Krebstiere und Einrichtungsgegenstände können die Zysten in Ihr Becken bringen.

Quellen:


Dr. Julia Striegl, Tierärztin
autorenbild julia striegl mit hund

An der LMU München habe ich bis 2012 Tiermedizin studiert und promoviert. Danach konnte ich viele Erfahrungen sammeln, unter anderem als praktizierende Tierärztin und wissenschaftliche Beraterin. Besonders am Herzen liegen mir eine stetige Verbesserung von Tierschutz und die Nutztiermedizin. Mein größtes Anliegen war es immer, im Interesse meiner Patienten zu handeln und ihnen eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich gerne meine Erfahrungen als Reiterin und langjährige Hundebesitzerin sowie -sportlerin.


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