Igel Dieser Artikel ist tierärztlich verifiziert

Igel

Viele Igelarten sind für ihre spitzen Stachel bekannt.

Mit seinen spitzen Stacheln ist der Igel unter den Tieren unverwechselbar. Wozu ist das Stachelkleid des kleinen Säugers allerdings gut und sind Igel auch als Haustiere geeignet? Die Antworten auf diese Fragen und vieles mehr finden Sie hier.

Steckbrief zum Igel

Name: Igel (Erinaceidae)
Größe: abhängig von Art, bis zu 28 Zentimeter
Gewicht: abhängig von Art, bis zu 1500 Gramm
Lebenserwartung: zwei bis acht Jahre (freie Natur), acht Jahre (menschliche Obhut)
Winterschlaf: Mitte November bis Anfang April (Arten aus West- und Mitteleuropa)
Futter: Insekten, Katzenfutter zur Überwinterung
Herkunft: Ost- und Südostasien (Rattenigel) oder Afrika, Asien und Europa (Stacheligel)
Haltung: Wildtier, Haltung nur vom Afrikanischen Weißbauchigel möglich

Aussehen: Was sind äußere Merkmale vom Igel?

Es gibt nicht nur einen Igel, sondern weltweit mehr als 20 verschiedene Arten der kleinen Säugetiere. Die kleinste unter ihnen ist der kleine Rattenigel, der nur 20 bis 80 Gramm wiegt.

Der Rattenigel ist dagegen der größte unter ihnen und kann bis zu zwei Kilogramm erreichen. Das Gewicht hängt aber auch vom Alter und der Jahreszeit ab.

Auch das übrige Erscheinungsbild kann von Art zu Art variieren, etwa die Länge des Schwanzes. Als sogenannte Sohlengänger setzen Igel beim Gehen ähnlich wie der Mensch den ganzen Fuß ab – anders als beispielsweise Hunde. Darüber hinaus sind ihre Vorderbeine kürzer als ihre Hinterbeine.

Stacheligel oder Rattenigel?

Biologen unterscheiden zwischen Stacheligel und Rattenigel, die verschiedene Arten umfassen:

Stacheligel

Wie der Name schon sagt, haben Stacheligel (Erinaceinae) zusätzlich zu ihrem meist braunen Fell bis zu 8000 spitze Stacheln auf dem Rücken und an den Flanken. Diese bestehen aus verhornten hohlen Haaren und haben an ihrer Wurzel einen Aufrichtemuskel, den Musculus arrector pili.

Fühlen sich Stacheligel bedroht, können sie sich zusammenrollen und ihre Stacheln mithilfe ihrer starken Muskeln aufrichten, um sich zu verteidigen.

Beispiele:

  • Afrikanische Igel (Atelerix) mit vier Arten (albiventris, algirus, frontalis, sclateri)
  • Kleinohrigel (Erinaceus) mit vier Arten (amurensis, concolor, europaeus, roumanicus)
  • Langohrigel (Hemiechinus) mit zwei Arten (auritus, collaris)
  • Steppenigel (Mesechinus) mit vier Arten (dauuricus, hughi, miodon, wangi)
  • Wüstenigel (Paraechinus ) mit vier Arten (aethiopicus, hypomelas, micropus, nudiventris)

Rattenigel

Im Gegensatz zu den Stacheligeln haben Rattenigel (Galericinae, Hylomyinae) keine Stacheln, weshalb sie ohne die Stacheln und mit ihrem dunklen Fell einer Ratte oder Maus gleichen. Da sie keine natürliche Waffe zur Verteidigung haben, fliehen sie bei Gefahr.

Beispiele:

  • Großer Rattenigel (Echinosorex gymnura)
  • Hainan-Rattenigel (Neohylomys hainansensis)
  • Kleine Rattenigel (Hylomys) mit drei Arten (megalotis, parvus, suillus)
  • Philippinen-Rattenigel (Podogymnura) mit drei Arten (aureospinula, intermedia, truei)
  • Spitzmausigel (Neotetracus sinensis)

Das Jacobson-Organ

Da Igel nicht sehr gut sehen können, versuchen sie, sich mithilfe ihres Geschmackssinns zu orientieren. Zu diesem Zweck haben Igel ein spezielles Organ im Gaumen: Das Jacobson-Organ (Organum vomeronasale), benannt nach dem dänischen Chirurgen Ludwig Levin Jacobson.

Wenn ein Igel auf einen unbekannten Gegenstand stößt und nicht weiß, ob es sich um Beute handelt, knabbert er daran. Dabei schmatzt und grunzt er, sodass schaumiger Speichel entsteht. Durch Kaubewegungen gelangt dieser Speichel zum Jacobsonschen Organ, das das Objekt durch Geruch und Geschmack erkennt.

Das Geruchsorgan hilft dem Igel also, zwischen Beutetieren oder Gegenständen wie Holz zu unterscheiden.

Igel frisst © Rico / stock.adobe.com
Igel fressen am liebsten Insekten und Würmer – im Winter gerne auch feuchtes Katzenfutter.

Verhalten: Kleine nachtaktive Schreihälse

Igel sind nachtaktive Einzelgänger und suchen in der Dunkelheit nach ihrer Beute. Egal wie lange sie dafür suchen müssen, hierbei nehmen sie auch weite Strecken auf sich. Doch obwohl sie recht klein sind, schaffen sie es, auf ihren nächtlichen Wanderungen ganz schön laut zu sein.

So können Sie sie möglicherweise nachts in Ihrem Garten hören, wenn sie im Dickicht nach Futter suchen. Sobald sie etwas Leckeres gefunden haben, hören die Geräusche jedoch nicht mehr auf. Denn jetzt fangen die Igel an, laut mit ihren Mäulern zu schmatzen.

Ganz besonders laute Geräusche machen Igel auch, wenn sie auf Artgenossen treffen. Dann kommt es entweder zur Balz oder zu einem heftigen Streit.

Können Igel zutraulich werden?

Obwohl Igel in die Natur gehören, lassen sich manche Igel nach viel Geduld und Fürsorge vom Menschen anfassen. Das gilt insbesondere für den Afrikanischen Weißbauchigel.

Das bedeutet aber nicht, dass es artgerecht ist, einen Igel handzahm zu machen.

Igel in Händen © Ryzhkov Oleksandr / stock.adobe.com
So süß sie auch sind – Igel sind keine klassischen Haustiere!

Haltung: Darf ich Igel als Haustiere halten?

Igel gelten als Wildtiere, weshalb ihre private Haltung in vielen Ländern nicht erlaubt ist. So widerspricht die private Igelhaltung dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), da Igel „besonders geschützte Tiere” sind. Die einzige Ausnahme ist der Afrikanische Weißbauchigel.

Wildtier statt „Modetier”

Obwohl Sie in Social Media immer wieder wilde Igel in Menschenhand sehen, gehören diese in die Natur. Nur zum Schutz schwacher oder verletzter Wildigel sollten Sie sie während der Wintermonate bei sich zu Hause überwintern. Allerdings müssen Sie auch hier einige Regeln beachten, damit die Tiere in dieser Zeit ein möglichst artgerechtes Leben führen können.

Ernährung: Was fressen Igel in der Natur?

Nachts geht der Igel als Insektenfresser auf Nahrungssuche, wobei das Nahrungsangebot von den Witterungsverhältnissen und der Jahreszeit abhängt.

Neben Käfern und Raupen stehen vor allem Würmer (z.B. Ohrwürmer, Regenwürmer) auf dem Speiseplan. Aber auch Schnecken mit und ohne Schale und süße Früchte nehmen Igel gerne zu sich.

Wenn Igel in bewohnten Gebieten auf Nahrungssuche gehen, stehlen sie auch gerne Katzenfutter aus freistehenden Futternäpfen.

Gesundheit: Wie ist die Lebenserwartung vom Igel?

In der freien Wildbahn haben Igel meist nur eine Lebenserwartung von zwei bis acht Jahren. In der Obhut vom Menschen liegt die Lebenserwartung von Igeln mit durchschnittlich acht Jahren deutlich höher.

Anfällig für Parasiten

Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass wilde Igel der Natur ausgesetzt sind und keine menschliche Hilfe in Form von Medikamenten erhalten. So haben wilde Igel oft Parasiten wie Zecken, aber auch Würmer verschiedener Art. Der Darmsaugwurm zum Beispiel kann für Igel tödlich sein.

Schwache oder verletzte Tiere sind in warmen Monaten oft auch von Schmeißfliegen oder deren Eiern befallen. Wenn daraus Maden schlüpfen und diese weiter in den Igel vordringen, stirbt er recht schnell.

Fortpflanzung: Wie pflanzen sich Igel fort?

Ab einem Alter von etwa sechs bis zwölf Monaten sind Igel geschlechtsreif, wobei die Paarungszeit zwischen April und August stattfindet. Während in kälteren Regionen ein Wurf pro Jahr möglich ist, können Igel in wärmeren Regionen bis zu zwei Würfe pro Jahr haben.

Die Trächtigkeit dauert etwa 30 bis 48 Tage, wobei das Weibchen zwischen einem und elf nackte Junge pro Wurf zur Welt bringt. Im Durchschnitt liegt die Wurfgröße bei den europäischen Arten bei vier bis fünf Jungen pro Wurf.

Haben Igel von Geburt an Stacheln?

Kurz nach der Geburt sind die Jungtiere auf die Hilfe und die Milch ihrer Mutter angewiesen, da sie noch blind und kraftlos sind. Zu diesem Zeitpunkt sind die Stacheln der jungen Stacheligel noch sehr weich, damit sie die Mutter bei der Geburt nicht verletzen.

Erst nach zwölf bis 24 Tagen gelingt es dem Nachwuchs allmählich, die Augen zu öffnen. Weitere sechs bis acht Wochen später sind sie nicht mehr auf die Pflege ihrer Mutter angewiesen und bilden feste Stacheln.

Igel Jungen © jonnysek / stock.adobe.com
Die Stacheln neugeborener Stacheligel sind noch sehr weich, damit die Mutter bei der Geburt nicht verletzt wird.

Herkunft: Was ist der natürliche Lebensraum vom Igel?

Igel kommen fast weltweit vor, wobei sich ihr Verbreitungsgebiet und Habitat nach ihrer Art richtet. Während Rattenigel vor allem in Ost- und Südostasien auftreten, sind Stacheligel in Afrika, Asien und Europa beheimatet.

Obwohl Sie Igel auch in grünen Parks von urbanen Gebieten antreffen können, bevorzugen Igel ein Leben zwischen Gebüschen und Hecken ländlicher Gegenden.

Ist der Igel gefährdet?

Der Mensch nimmt den Lebensraum von Wildtieren auf der ganzen Welt immer mehr in Beschlag – das gilt auch für die Heimat des Igels. Da die Menschen den Boden asphaltieren und Häuser bauen, schrumpft allmählich der grüne Lebensraum, auf den die Igel angewiesen sind.

Durch das Versprühen von Insektiziden in ihren Gärten machen es die Menschen den Igeln außerdem immer schwerer, Nahrung zu finden. Leider kann dies in einigen Regionen zu einem weiteren Rückgang der Igelpopulation führen.

Überwinterung: Was mache ich mit einem Igel im Winter?

In Europa halten Igel von November bis März Winterschlaf, um diese meist futterlose Zeit auf Sparflamme zu überbrücken. Um dies zu schaffen, benötigen Igel vor dem Winterschlaf ein Gewicht von 500 bis 600 Gramm.

Wie Sie Igel bei der Überwinterung helfen können und wie Sie mit schwachen Tieren umgehen sollten, erfahren Sie im Beitrag: Igelhilfe: Praktische Tipps fürs ganze Jahr

Quellen:


Franziska G., Tierärztin
Profilbild von Tierärztin Franziska Gütgeman mit Hund

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde ich zur Tierärztin ausgebildet und durfte Erfahrungen in verschiedensten Bereichen sammeln. Seitdem arbeite ich nicht nur als tierärztliche Autorin, sondern auch an meiner Dissertation. Mein Ziel ist es, Tiere vor krankheitserregenden bakteriellen Erregern zukünftig besser zu schützen. Neben meinem tierärztlichen Wissen teile ich meine eigenen Erfahrungen als glückliche Hundebesitzerin. Dadurch kann ich Ängste und Probleme nachvollziehen und zugleich über diese aufklären.


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