Herzinsuffizienz (Herzschwäche) beim Hund This article is verified by a vet

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Verfasst von Franziska Gütgemann, Tierärztin
Herzschwäche beim Hund

Eine Herzinsuffizienz, also eine Herzschwäche, ist eine funktionelle oder strukturelle Störung des Herzens, bei welcher die Leistung des Herzens beeinträchtigt wird. Bei Hunden kommt besonders häufig die Mitralklappeninsuffizienz als Ursache in Betracht, jedoch können auch andere Klappen wie die Trikuspidalklappe oder sogar weitere anatomische Strukturen wie der Herzbeutel oder die Lunge zu einer Herzinsuffizienz beim Hund führen.

Auf Grund der Anatomie des Herzens sowie der umgebenden Gefäß- und Organstrukturen können je nach Ursache unterschiedliche Formen der Herzinsuffizienz beim Hund auftreten. Um sich die Krankheitsentstehung besser vorstellen zu können, ist es sinnvoll, die Anatomie und Physiologie des Herzens genauer anzuschauen:

Das Herz ist aufgeteilt in eine linke und rechte Kammer, sowie einen linken und rechten Vorhof. Aus der großen Hohlvene fließt das verbrauchte Blut aus dem Körperkreislauf in den rechten Vorhof und wird anschließend über die Trikuspidalklappe in die rechte Herzkammer transportiert. Bei Kontraktion der rechten Kammer wird das Blut dann über die Pulmonalarterie in die Lunge befördert, welche das sauerstoffarme Blut mit neuem Sauerstoff anreichert. Von dort aus gelangt es über die Lungenvenen in den linken Vorhof und fortan über die Mitralklappe in die linke Herzkammer. Über die Aorta verlässt das angereicherte Blut nun das Herz und kann über die peripheren Blutbahnen den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgen.

Welche Formen gibt es und wie entsteht eine Herzinsuffizienz?

Eine Herzschwäche kann entweder durch eine verminderte Körperdurchblutung (Perfusionsinsuffizienz) entstehen oder aber sie wird durch einen Rückwärtsfehler, etwa durch eine Linksherz- oder Rechtsherzinsuffizienz bedingt. Letztere wird als kongestive Herzinsuffizienz bezeichnet.

Kongestive Herzinsuffizienz

Ursachen für Herzrückwärtsfehler werden in eine linke und rechte Herzinsuffizienz aufgeteilt:

  • Linksherzinsuffizienz: Die Linksherzinsuffizienz ist mit Abstand die häufigste Herzerkrankung des Hundes. Obwohl einige Rassen wie der Cavalier King Charles Spaniel auf Grund einer familiären Prädisposition bereits in frühen Jahren an einer Mitralklappeninsuffizienz erkranken können, sind in den meisten Fällen eher Hunde in hohem Alter davon betroffen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht meist die sogenannte Endokardiose, welche zu einer krankhaften Verdickung der Mitralklappe führt. Die daraus resultierende undichte Klappe bedingt dann einen Rückfluss des Blutes aus der linken Kammer zurück in den linken Vorhof. Nach und nach kann es anschließend zu einer Vergrößerung des Vorhofes und einen Rückstau bis in die Lunge oder in das rechte Herz kommen. Daneben können aber auch Verengungen der Mitralklappe (Mitralstenose), Missbildungen (z.B. ein Links-Rechts-Shunt) oder eine Dilatative Kardiomyopathie (Vergrößerte Herzkammern) zu einer Linksherzinsuffizienz führen.
  • Rechtsherzinsuffizienz: Auch diese kann beim Hund, allerdings seltener, durch eine Endokardiose der Trikuspidalklappe auftreten. Daneben können aber auch Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel (Perikarderguss), Lungenembolien oder eine fortgeschrittene Linksherzinsuffizienz durch Rückstau die Herzfunktion einschränken.

Perfusionsinsuffizienz

Diese entsteht durch eine Reduktion des Herzminutenvolumens. Dabei handelt es sich um die Menge an Blut, welche in der Minute das Herz passiert. Linksherz- als auch Rechtsherzinsuffizienzen kommen als Ursache hierfür in Frage.

Herzschwäche beim Hund: Welche Symptome treten auf?

Eine Herzschwäche kann die Lebensqualität des Hundes durch verschiedene Begleitsymptome einschränken:

  • Allgemeine Symptomatik: Müdigkeit, Fressunlust, Leistungsschwäche, Unruhe
  • Linksherzinsuffizienz: Husten, Atemprobleme (Atemnot, erhöhte Atemfrequenz), Herzrhythmusstörungen, Kollaps
  • Rechtsherzinsuffizienz: Kalte Gliedmaßen und Wassereinlagerungen, blasse Schleimhäute, Atemnot, Bauchschmerzen durch Rückstau bis in die Leber

Wird das Herz so stark beeinträchtigt, dass es nicht mehr funktionieren kann, können Hunde an den Folgen der Herzinsuffizienz wie Herzversagen sterben.

Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Herzprobleme fallen den Besitzern in der Regel durch vermehrte Müdigkeit und Leistungsschwäche auf. Spätestens dann ist ein Besuch beim Tierarzt ratsam, da dieser mit Hilfe von verschiedenen diagnostischen Möglichkeiten dem erkrankten Hund helfen kann. Während der Besitzerbefragung (Anamnese) stellt der Tierarzt wichtige Fragen zum Auftreten der Symptome. Anschließend kann das Herz im Rahmen der klinischen Allgemeinuntersuchung das erste Mal genauer untersucht werden, da in diesem Fall die Herzfrequenz, als auch die Lungenfrequenz und andere Vitalparameter zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitsstatus ermittelt werden.

Anlässlich der speziellen kardiologischen Untersuchung nimmt der Tierarzt oder ein Fachtierarzt (Kardiologe) das Herz genauer unter die Lupe. Mittels eines Stethoskops können die Herzfrequenz, die Schlagkraft und eventuelle Herzgeräusche gehört werden. Zur visuellen Beurteilung des Herzens kommen anschließend bildgebende Verfahren wie das Röntgen oder ein Herzschall in Frage. Letzteres hat den Vorteil, dass die momentane Herzfunktion dargestellt werden kann. Mit Hilfe des Röntgens können lediglich die Größe des Herzens als auch umgebende Strukturen wie die Lunge oder das Zwerchfell beurteilt werden. Um das Reizbildungs- und Leitungssystem des Herzens zum Ausschluss von Herzrhythmusstörungen einschätzen zu können, kann zusätzlich die Elektrokardiographie genutzt werden. Dazu werden dem Hund Elektroden in die Achseln als auch in die Kniefalten geklemmt, welche die elektrische Aktivität des Herzens messen. Anhand von Kurven wird diese auf einem Computer aufgezeichnet und kann dann durch den Tierarzt ausgewertet werden.

Da eine Herzinsuffizienz beim Hund eine fortschreitende Erkrankung ist, wird sie je nach Schema in 3 oder 4 Grade eingeteilt. Die unterschiedlichen Einstufungen bedeuten unterschiedliche Therapiemöglichkeiten  als auch Prognosen.

Wie wird eine Herzinsuffizienz beim Hund behandelt?

Wann und womit eine Herzinsuffizienz beim Hund behandelt werden sollte, ist abhängig von dem Schweregrad der Erkrankung sowie weiterer Faktoren wie dem Alter des Hundes abhängig. In der Regel ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, jedoch können folgende Maßnahmen die Lebensqualität des Hundes verbessern:

  • Gefäßerweiternde ACE-Hemmer (z.B. Ramipril) und Diuretika (z.B. Furosemid)
  • Steigerung der Herzkontraktilität (z.B. Pimobendan oder Herzglykoside)
  • Diätetische Maßnahmen: Natriumarmes Futter
  • Große Belastungen vermeiden

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Prognose

Eine Herzschwäche kann meist nicht ursächlich behandelt werden, weshalb eine frühzeitige Therapie sehr wichtig ist. Die Prognose einer chronischen Herzinsuffizienz steigt durch eine gute medikamentöse Einstellung. Dennoch kann diese unbehandelt oder bei akutem Auftreten tödlich enden.

Vorbeugen

Es gibt nur wenige Möglichkeiten, eine Herzinsuffizienz bei Hunden vorzubeugen. Zur Reduktion erkrankter Hunde ist daher besonders der Zuchtausschluss von familiär belasteten Tieren sehr wichtig.

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