Moschusschildkröte (Sternotherus)

Moschusschildkröte im Aquarium

Sieht sie nicht urig aus? Moschusschildkröten sind im Süßwasser zuhause.

Die Moschusschildkröte (Fachausdruck: Sternotherus) gehört zu den Wasserschildkröten. Wenn sie sich bedroht fühlt, verbreitet sie einen unangenehmen, moschusartigen Geruch – daher der Name. Generell gelten Moschusschildkröten aber als relativ pflegeleichte, einfach zu haltende Tiere. In diesem Artikel erfahren Sie wichtigsten Basics für eine artgerechte Haltung im Aquarium.

Aussehen: Wie sehen Moschusschildkröten aus?

Einige Schildkröten-Arten haben einen gemusterten Panzer oder eine bunte Zeichnung auf Kopf und Beinen.

Im Vergleich dazu wirken Moschusschildkröten eher unscheinbar: Bei der in Deutschland besonders populären Gewöhnlichen Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus) zum Beispiel, ist der Rückenpanzer dunkelbraun, dunkelgrau oder schwarz gefärbt. Er weist keine Zeichnungen auf. Nur bei den Jungtieren ist ein dunkles Fleckenmuster zu erkennen.

Kopf, Beine und andere Weichteile der Sternotherus odoratus sind hellgrau bis schwarz gefärbt. Besonderes Kennzeichen sind die beiden gelben Streifen an den Kopfseiten. Ein Streifen verläuft oberhalb des Auges, der andere unterhalb. Mit zunehmendem Alter können die Streifen verblassen.

Moschusschildkröten bleiben klein

Trotz ihres eher unscheinbaren Aussehens haben die urigen Gesellen ihre Fangemeinde – vor allem auch, weil sie nicht besonders groß werden. Eine Gewöhnliche Moschusschildkröte wird höchstens 14 Zentimeter lang. Im Durchschnitt erreichen erwachsene Tiere eine Panzerlänge von zehn Zentimetern.

Zurückgebildeter Bauchpanzer

Moschusschildkröten gehören wie auch die Klappschildkröten zur Familie der Schlammschildkröten (Kinosternidae). Beide Gattungen sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich, doch es gibt einen wichtigen Unterschied:

Bei den Klappschildkröten sind Rücken- und Bauchpanzer mit einem Scharnier verbunden. Dadurch können sich die Tiere bei Gefahr komplett in ihr „Haus“ einschließen.

Bei den Moschusschildkröten ist der Bauchpanzer dagegen zurückgebildet. Er hat kein Scharnier. Dadurch sind die Tiere zwar beweglicher, aber auch leichter angreifbar. Den schlechteren Schutz gleichen sie durch eine höhere Aggressivität aus.

Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen

Männchen und Weibchen sind nicht so leicht zu unterscheiden. Männchen erkennt man am ehesten an dem deutlich längeren und dickeren Schwanz und an den vergrößerten Hornschuppen an den Hinterbeinen.

dach-moschusschildkröte sternotherus carinatus aquarium
Recht häufig in Aquarien anzutreffen ist auch die Dach-Moschusschildkröte (Sternotherus carinatus).

Worauf sollten Sie bei der Haltung von Moschusschildköten achten?

Moschusschildkröten gelten als pflegeleicht in der Haltung und eignen sich deshalb gut für Anfänger. Damit sich Ihre Moschusschildkröte auch wirklich wohlfühlt, müssen aber die Grundvoraussetzungen stimmen.

Einzelhaltung ist ein Muss

Erwachsene Moschusschildkröten sind Einzelgänger und wollen ihr Becken nicht mit Artgenossen teilen. Nur Jungtiere vertragen sich untereinander.

Männchen müssen unbedingt einzeln gehalten werden, da sie sonst sehr aggressiv werden. Die Haltung von zwei Weibchen in einem Aquarium kann unter Umständen funktionieren, ist aber ganz klar die Ausnahme.

Beckengröße und Wasserstand

Moschusschildkröten kommen mit einem relativ kleinen Aquarium aus. Für eine ausgewachsene Sternotherus odoratus benötigen Sie ein Süßwasser-Becken mit einer Größe von mindestens 112 Litern (ca. 80x 40 x 40 Zentimeter). Natürlich freut sich ihre Wasserschildkröte auch über ein größeres Becken mit einer abwechslungsreichen Einrichtung.

Jungtiere brauchen dagegen weniger Platz. Experten raten bei jungen Moschusschildkröten zu kleineren Becken, da man sie sonst kaum findet. Bis zu einer Panzerlänge von vier bis fünf Zentimetern genügt ein Aquarium mit einem Volumen von 25 Litern (40 x 25 x 25 cm).

Für ausgewachsene Moschusschildkröten empfehlen Experten einen Wasserstand von mindestens 30 Zentimetern. Gewöhnt man die Tiere langsam daran, ist auch ein Wasserstand von 60 Zentimetern möglich.

Damit Ihre Moschusschildkröte gesund bleibt, benötigen Sie darüber hinaus einen ausreichend dimensionierten Filter. Dieser soll für stets klares Wasser sorgen.

Wassertemperatur

Moschusschildkröten haben ein großes Verbreitungsgebiet. Es reicht vom Südosten der USA bis hinauf ins südöstliche Kanada. Demensprechend unterschiedlich sind die jeweiligen Wassertemperaturen, in denen sich die Tiere zuhause fühlen.

Für die Gewöhnliche Moschusschildkröte empfehlen Experten Wassertemperaturen zwischen 22 und 26 Grad Celsius.

Während der circa dreimonatigen Winterruhe muss das Wasser auf jeden Fall kälter sein: Tiere, die aus dem Norden stammen, benötigen eine Wassertemperatur um die vier bis fünf Grad Celsius. Exemplare aus dem Süden überwintern dagegen bei einer Wassertemperatur zwischen zehn und 15 Grad.

Beleuchtung

Für eine artgerechte Haltung braucht die Moschusschildkröte zudem ausreichend Licht und Wärme. Als wechselwarmes Reptil kann sie ihre Körperwärme nicht selbst produzieren. Sie ist auf Wärme von außen angewiesen und braucht deshalb auch einen gut beleuchteten „Platz an der Sonne“.

Haltung im Gartenteich

Eine Gewöhnliche Moschusschildkröte können Sie den Sommer über auch im Gartenteich halten. Achten Sie auf ein flach auslaufendes Ufer und eine gute Umfriedung, damit Ihr Kletterkünstler nicht stiften geht. Für den Fall einer Schlechtwetterperiode brauchen Sie allerdings einen leistungsstarken Aquariumheizer, damit das Wasser im Teich nicht zu kalt wird.

Was muss ich bei der Einrichtung meines Aquariums beachten?

Moschusschildkröten wandern gern am Grund des Aquariums herum. Außerdem wühlen sie gern im Sand. Zwei bis drei Zentimeter Quarzsand sind deshalb eine gute Wahl für den Bodengrund.

Als Fleischfresser nehmen Moschusschildkröten so gut wie keine Pflanzen zu sich. Sie rupfen sie aber gern aus. Experten raten daher zu frei flutenden Pflanzen wie Hornkraut, Wasserpest, Wasserlinsen oder Froschbiss.

Landteile einplanen

Moschusschildkröten gelten als schlechte Schwimmer. Sie klettern aber gern und gut. Auch im Aquarium brauchen sie die Möglichkeit, an die Wasseroberfläche zu klettern. Hierfür können Sie das Becken mit Wurzeln und Steinen ausstatten. Damit ihre Schildkröte auf dem Weg nach oben nicht abrutscht, sollten diese eine raue Oberfläche haben.

Moschusschildkröten lieben zudem Verstecke – und als wechselwarme Reptilien genießen sie hin und wieder auch die warme Sonne. Mit einer kleinen Weidenbrücke, die aus dem Wasser ragt, schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Schildkröte kann bequem aus dem Wasser steigen und sich auf der Brücke sonnen.

Alternativ oder auch zusätzlich können Sie das Aquarium mit einer Korkröhre bestücken. Die Röhre sollte weit genug aus dem Wasser ragen, damit die Oberseite zum Sonnenbaden trocken bleibt.

Damit sich die Korkröhre beim Hochklettern nicht im Wasser wegdreht, muss sie befestigt werden. Am besten klemmen Sie sie vorsichtig zwischen den Wänden des Beckens ein.

Wichtig: Alle Weibchen benötigen einen Eiablageplatz

Obwohl sie den überwiegenden Teil ihres Lebens im Wasser verbringen, legen Wasserschildkröten ihre Eier an Land ab. Ausgewachsene Weibchen benötigen deshalb unbedingt einen Platz zum Ablegen der Eier. Das kann zum Beispiel eine mit Sand gefüllte Kiste aus Kunststoff sein.

Kann ein Weibchen seine Eier nicht loswerden, droht die sogenannte „Legenot“. Das ist eine lebensgefährliche und für das Tier ausgesprochen qualvolle Komplikation, die unbedingt vom Tierarzt behandelt werden muss.

Eier auch ohne Männchen
Auch Weibchen, die keinen Kontakt zu einem männlichen Artgenossen hatten, können Eier ausbilden! Diese sind dann zwar nicht befruchtet, müssen aber dennoch an Land abgelegt werden.

Was frisst die Moschusschildkröte?

In der freien Natur ernähren sich die Tiere vor allem von Wasserinsekten, Schnecken, Amphibien und sogar Aas. Auf der Speisekarte steht in erster Linie tierische Nahrung und nur wenig Pflanzliches.

Füttern Sie Ihre Moschusschildkröte also hauptsächlich mit Schildkrötenfutter, Würmern, Garnelen, Fleisch- oder Fischstreifen. Gelegentlich können Sie etwas Pflanzenkost anbieten.

Wie bei anderen Wasserschildkröten auch, können Sie das Futter einfach ins Wasser geben. Jungtiere mit einer Panzerlänge bis zu fünf Zentimetern können Sie einmal täglich füttern. Bei erwachsenen Tieren reichen vier Mahlzeiten pro Woche.

Lebenserwartung der Moschusschildkröte

Werden Moschusschildkröten als Heimtier gehalten, können sie bis zu 50 Jahre alt werden. Das sollten Sie bei der Anschaffung bedenken. Sie müssen sich also unter Umständen jahrzehntelang um das Tier und um die Pflege des Aquariums kümmern.

Ein gepflegtes Aquarium mit sauberem Wasser ist die Grundvoraussetzung für eine gute Gesundheit. Kommt Ihnen Ihre Schildkröte krank vor, sollten Sie nicht lang zögern, sondern schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen.

Folgende Verhaltensweisen können auf eine Krankheit hindeuten:

  • verminderter Appetit, Verweigerung der Nahrung
  • auffällige oder veränderte Bewegungsabläufe (Anzeichen für Schmerzen)
  • Apathie und Schwäche
  • Rückzug
  • gesteigertes Wärmebedürfnis (sonnt sich mehr)

In der Tierarztsuche von zooplus können Sie übrigens nach Tierärzten suchen, die sich mit Schildkröten auskennen.

Verhalten der Moschusschildkröte

Moschusschildkröten halten sich vorwiegend im Wasser auf. In der freien Natur suchen sie umgefallene Bäume oder Äste zum Sonnenbaden auf – allerdings nicht so häufig wie zum Beispiel Schmuckschildkröten.

Manche Arten, wie die Gewöhnliche Moschusschildkröte, sind eher in der Dämmerung aktiv und unternehmen nachts gerne einmal einen Ausflug an Land. Andere Arten sind eher tagsüber aktiv.

Fühlen sie sich bedroht, versprühen Moschusschildkröten ein unangenehmes Sekret. Daher werden sie im englischen Sprachraum auch „Stinkpod“ genannt. Keine Sorge, im Aquarium ist das aber eher selten der Fall.

Winterruhe

Die meisten Arten halten zwei bis drei Monate Winterruhe. Diese Phase ist für die Gesundheit sehr wichtig.

Für die Winterruhe oder Winterstarre braucht die Schildkröte eine deutlich kältere Umgebung bzw. kälteres Wasser. Der Übergang sollte dabei langsam und schonend erfolgen. Informieren Sie sich über die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Art und bereiten Sie die Überwinterung rechtzeitig vor.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzungszeit reicht von April bis Mai und September bis Oktober. Pro Saison können zwei bis vier Gelege abgesetzt werden, die bis zu fünf Eier umfassen. Die Inkubationszeit, also die Zeit, bis die Jungen schlüpfen, beträgt in der freien Natur um die 70 Tage.

Wo kann man eine Moschusschildkröte kaufen?

Moschusschildkröten werden im Zoo-Fachhandel und im Internet angeboten. Besonders häufig findet man hierzulande Exemplare der Gewöhnlichen Moschusschildkröte. Je nach Anbieter kostet eine Moschusschildkröte zwischen 60 und 100 Euro.

Leider verführt der vergleichsweise niedrige Preis einige Menschen zu unüberlegten Spontankäufen. Später stellen sie dann fest, dass so eine Wasserschildkröte doch mehr Arbeit macht, als gedacht – und geben sie im Tierheim ab.

Problematisch ist auch, dass Moschusschildkröten in großem Stil in den USA in speziellen Farmen gezüchtet werden. Der Transportweg nach Europa ist entsprechend lang und strapaziös für die Tiere.

Wenn Sie einer Moschusschildkröte ein Zuhause geben wollen, sehen Sie sich am besten zuerst in einem Tierheim oder in einer Reptilien-Auffangstation um. Beachten Sie auch, dass Moschusschildkröten ein für Tiere biblisches Alter erreichen und Sie möglicherweise 50 Jahre lang für ihren Mitbewohner sorgen müssen.

Woher stammt die Moschusschildkröte?

Die Moschusschildkröte gehört zur Familie der Schlammschildkröten (Kinosternidae). Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Südosten der USA bis in den Südosten Kanadas.

Dort lebt sie im Süßwasser, also in Seen, Teichen und Sumpfgewässern. Auch in langsam fließenden Flüssen und Kanälen fühlt sie sich zu Hause.

Die meiste Zeit hält sie sich am Bodengrund auf. Nur hin und wieder klettert sie an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen oder ein Sonnenbad zu nehmen.

Arten der Moschusschildkröte

Es gibt mehrere Moschusschildkröten-Arten, wobei die Gewöhnliche Moschusschildkröte und die Dach-Moschusschildkröte in Deutschland am häufigsten angeboten werden.

  • Gewöhnliche Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus)
  • Dach-Moschusschildkröte (Sternotherus carinatus)
  • Zwerg-Moschusschildkröten (Sternotherus minor minor)
  • Nackenstreifen-Moschusschildkröte (Sternotherus minor peltifer)
  • Flache Moschusschildkröten (Sternotherus depressus)
  • Alabama-Moschusschildkröte (Sternotherus intermedius)
Moschusschildkröte in Teich
Moschusschildkröte in einem Teich in Georgia (USA)

Steckbrief

Name: Moschusschildkröte, Sternotherus, „Stink Pod“
Körperlänge: 10 Zentimeter im Durchschnitt
Aquarium: Süßwasser, Mindestvolumen 112 Liter
Wassertemperaturen: 22 - 26 Grad Celsius in der aktiven Zeit
Winterstarre: 2 - 3 Monate
Futter: vorwiegend tierische Kost
Haltung: Einzelhaltung
Schwierigkeitsgrad: für Anfänger geeignet

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