Jemenchamäleon: Haltung und Pflege der Mini-Dinos

Jemenchamäleon zwischen Blättern

Mit dem Jemenchamäleon in Ihrem Terrarium starten Sie optimal in die faszinierende Welt der Chamäleons. Nur wenige Arten lassen sich so unkompliziert halten wie das farbenfrohe Jemenchamäleon. Erfahren Sie in unserem Artikel mehr über die Mini-Dinos und staunen Sie über deren vielseitige Fähigkeiten.

Aussehen: Über welche Merkmale verfügt ein Jemenchamäleon?

Das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) ist ein besonders farbenfrohes Chamäleon. Die Grundfärbung der Männchen ist meist ein helles grün, das von quer verlaufenden gelblichen Streifen unterbrochen wird.

Grundsätzlich präsentiert sich das Jemenchamäleon in seinem Farbspektrum sehr variabel: neben grün und braun sind auch blau, weiß, schwarz, gelb bis hin zu orange möglich. Die weiblichen Tiere zeigen sich eher in Blassgrün bis hin zu Brauntönen.

Der Farbwechsel dient dem Chamäleon nicht in erster Linie der Tarnung, sondern ist vielmehr Ausdruck des aktuellen Gemütszustandes. Männchen setzen Farben beispielsweise als Drohgebärde ein. Außerdem sind die wechselwarmen Chamäleons dunkler gefärbt, wenn die Tiere noch nicht ihre bevorzugte Temperatur erreicht haben.

Wie unterscheiden sich Männchen und Weibchen sonst noch?

Neben der unterschiedlichen Färbung ist der imposante Helm (Pratikalkamm) typisches Merkmal des Jemenchamäleons. Bei den Männchen fällt dieser Kopfschmuck mit bis zu acht Zentimetern Höhe besonders eindrucksvoll aus. Auch an den Fersenspornen können Sie das Männchen gut vom Weibchen unterscheiden.

Der Größenunterschied kann Ihnen beim Auseinanderhalten der Geschlechter ebenfalls behilflich sein. Die Männchen sind nämlich wesentlich größer als die Weibchen.

Wann sind Jemenchamäleons ausgewachsen?

Mit einer Körpergröße von bis zu 60 Zentimetern zählt Chamaeleo calyptratus zu den großen Exemplaren der Chamäleons. Wobei die größte Art (Furcifer oustaleti) bis zu 80 Zentimeter Körperlänge erreichen kann. Im Alter von etwa einem Jahr ist das Jemenchamäleon ausgewachsen.

Haltung: Wie wird Chamaeleo calyptratus gehalten?

Wenn Sie sich ein Chamäleon halten möchten, dann finden Sie im Jemenchamäleon einen recht pflegeleichten Zeitgenossen.

Ein Chamäleon ist aber nicht unbedingt ein Einsteigertier für die Terraristik. Denn zu hoch sind die Ansprüche, die ein Chamäleon an seinen Lebensraum stellt. Bedenken Sie auch, dass sich die Reptilien von Futterinsekten ernähren, die mit dem Chamäleon in Ihren Haushalt einziehen werden. Haben Sie sich aber gut auf Ihren neuen Pflegling eingestellt, dann können Sie sich an dem faszinierenden Anblick und Wesen Ihres Jemenchamäleons einfach nur erfreuen.

Welche Temperaturen braucht das Jemenchamäleon?

Chamaeleo calyptratus fühlt sich bei Temperaturen von bis zu 28 Grad Celsius am Tag und bis zu 20 Grad Celsius in der Nacht besonders wohl. Zudem benötigt es am Tag lokale Sonnenplätze, an denen Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius herrschen.

Die tägliche Beleuchtung sollte um die 13 Stunden andauern. Mit speziellen Terrarien-Leuchtstofflampen können Sie für ausreichend UV-Strahlung sorgen. Wenn Sie das Terrarium zweimal am Tag mit Wasser besprühen, stellen Sie außerdem sicher, dass die nötige Luftfeuchtigkeit von circa 70 Prozent eingehalten wird.

Halten Jemenchamäleons Winterruhe?

In ihrem natürlichen Lebensraum erleben die Jemenchamäleons eine zweimonatige Winterzeit, die Sie Ihren Tieren auch im Terrarium ermöglichen sollten, um sich auszuruhen. Die Tagestemperatur sollte dann bei circa 20 Grad Celsius liegen, in der Nacht herrschen im Idealfall Temperaturen zwischen zwölf und 16 Grad Celsius.

Regulieren Sie in diesem Zeitraum die Beleuchtungsdauer im Terrarium auf zehn bis elf Stunden. Auch den Spotstrahler brauchen Sie dann nicht länger als ein bis zwei Stunden am Tag einzuschalten. Starten Sie die Winterruhe zwischen November und März und beenden Sie diese nach zwei Monaten. Bei einem Beginn Anfang Dezember sollte Sie also Ende Januar bis Anfang Februar wieder enden.

Jemenchamäleon auf einem Ast.
Das Jemenchamäleon braucht in seinem Terrarium viele Versteck- und Klettermöglichkeiten.

Welches Terrarium für das Jemenchamäleon?

Kaufen oder selber bauen? Eine Frage, die Sie sich vor der Anschaffung eines Chamäleons in jedem Fall stellen sollten. Bei einem selbst gebauten Terrarium können Sie die Maße ganz nach Ihren Vorstellungen wählen und das Terrarium an die Räumlichkeiten anpassen.

Ein handelsübliches Terrarium aus Holz, Plastik oder Glas ist schnell organisiert, bietet aber weniger Gestaltungsfreiheit und meist zu wenig Lüftungsflächen. Zu empfehlen sind daher Terrarien mit einem Gazedeckel.

Zusätzlich sollte noch eine weitere Belüftungsfläche vorhanden sein, die etwa zwei Drittel einer Seite einnimmt. In jedem Fall sollte das Terrarium für einen Baumbewohner, wie dem Jemenchamäleon, über eine ausreichende Höhe verfügen. Für ein adultes Männchen empfiehlt sich ein Hochterrarium mit den Maßen 1,0 Meter Länge x 0,75 Meter Tiefe x 1,5 Meter Höhe.

Zudem muss das Terrarium an drei Seiten geschlossen sein, um dem Chamäleon den nötigen Sichtschutz zu geben, den es zum Wohlfühlen braucht.

Zusätzlich benötigt das Jemenchamäleon viele Versteck- und Klettermöglichkeiten, die Sie Ihrem Pflegling durch unterschiedlich starke Äste, Zweige, Steinaufbauten und Pflanzen ermöglichen können. Als Sonnenterrassen haben sich flache Steine oder Holzplattformen bewährt. Als Bodengrund eignet sich ein Sand-Erde-Gemisch, da das Substrat die Luftfeuchtigkeit gut hält.

Sie sind auf der Suche nach neuen Bewohnern für Ihr Terrarium? In unseren Terrarientiere Portraits stellen wir Ihnen weitere schöne und spannende Tiere vor.

Welche Pflanzen für das Terrarium?

Wenn Sie das Terrarium mit echten Pflanzen bestücken möchten, die im Übrigen auch die Luftfeuchtigkeit positiv beeinflussen, dann eignen sich Farne, Ficus benjamina, Sukkulente oder Bromelien.

Ernährung: Was frisst ein Jemenchamäleon?

Wie alle Chamäleons ernährt sich das Jemenchamäleon von proteinreichem Lebendfutter. Auf dem möglichst abwechslungsreichen Speiseplan stehen Futterinsekten wie Heimchen, Heuschrecken oder Grillen.

Aber auch pflanzliche Kost wie Löwenzahn, Sukkulente oder Früchte können – in Maßen genossen – die Ernährung Ihres Jemenchamäleons ergänzen. Adulte Tiere sollten nicht öfter als alle zwei bis drei Tage bis zu vier Insekten bekommen.

Welche Vitamine für das Jemenchamäleon?

Weil die Futtertiere meist nicht vitaminreich genug sind, sollten Sie Vitamin D und Mineralstoffe über Ergänzungspräparate zufüttern. Dazu können Sie die Futtertiere vor der Futtergabe ganz einfach mit dem Pulver bestäuben.

Chamäleons nehmen in freier Natur Wasser in Form von Tau- oder Regentropfen auf. Versorgen Sie Ihr Tier daher regelmäßig mit Wasser aus einer Pipette oder bringen Sie eine Tropftränke im Terrarium an.

Verhalten: Wie verhält sich das Jemenchamäleon?

Die meisten Chamäleons gelten als sehr empfindliche Pfleglinge im Terrarium. Das Jemenchamäleon hingegen passt sich recht gut an und ist daher unter Terrarianern eine sehr beliebte Art.

Der Mini-Dino ist ein Einzelgänger. Auch im Terrarium sollten Sie Ihren Urzeit-Freund daher alleine halten. Schützen Sie die ruheliebenden und stressanfälligen Chamäleons auch vor Blickkontakt zu Artgenossen oder anderen potenziellen Feinden, wie zum Beispiel Haustieren.

Fühlt sich ein Chamäleon bedroht, bringt es das durch unterschiedliche Gebärden, wie lautes Fauchen und Zischen zum Ausdruck.

Was ist noch typisch für das Chamäleon?

Mit der besonderen Anordnung der Zehen, die wie kleine Greifzangen arbeiten und dem langen Schwanz, der als weiterer Greifarm zum Einsatz kommt, ist das Jemenchamäleon optimal an das Leben auf dem Baum angepasst. Es ist einfach ein perfekter Kletterkünstler, was Sie auch im Terrarium beobachten können.

Charakteristisch für alle Chamäleons sind die viel bestaunten Augen, die weit aus den Augenhöhlen hervortreten und unabhängig von einander bewegbar sind. Mit dieser Fähigkeit verfügen Chamäleons über den idealen Rundumblick für die Jagd nach Futtertieren. Bei dieser kommt auch die überaus lange Schleuderzunge der Reptilien zum Einsatz.

Herkunft: Wo leben Jemenchamäleons?

Das Jemenchamäleon bewohnt ein durchaus großes Verbreitungsgebiet im Süden der arabischen Halbinsel. Ob in trockenen und vegetationsarmen Hochebenen oder in mäßig feuchten und grünen Bergregionen – die anpassungsfähige Art findet sich in den klimatisch sehr unterschiedlichen Lebensräumen des Jemens und Saudi-Arabiens optimal zurecht.

In seinem natürlichen Lebensraum lebt Chamaeleo calyptratus in Sträuchern und auf Bäumen.

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Chamaeleo calyptratus
  • Unterfamilie: Echte Chamäleons (Chamaeleoninae)
  • Herkunft: Jemen und Saudi-Arabien (im Süden der Arabischen Halbinsel)
  • Körpergröße: Männchen 35 bis 60 Zentimeter, Weibchen 20 bis 45 Zentimeter
  • Gewicht: bis zwei Kilogramm
  • Lebenserwartung: bis zu sechs Jahre
  • Sozialverhalten: Territorialverhalten, Einzelgänger
  • Größe Terrarium: 1,0 Meter Länge x 0,75 Meter Tiefe x 1,5 Meter Höhe
  • Besonderheiten: hohes Frischluftbedürfnis, Winterruhe
  • Sommertemperatur: 26 bis 28 Grad Celsius (Tag), 16 bis 20 Grad Celsius (Nacht)
  • Wintertemperatur: 18 bis 20 Grad Celsius (Tag), 12 bis 14 Grad Celsius (Nacht)
  • Luftfeuchtigkeit: 60 bis 70 Prozent
  • Bodengrund: Einstreu aus Erde
  • Kletteräste in verschiedenen Stärken, üppige Bepflanzung
  • Futter: Lebendfutter (Insekten)
  • Schwierigkeitsgrad: fortgeschritten
  • Die Haltung ist meldepflichtig
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